Südamerika Teil 14

Dienstag, 01. Februar 2005 (488 km/43.874 km/114 km/10.314 km) (2.937 m H.)
(NL171: S 32°48,718 W 69°56,582 Aconcagua Natinalpark)

Auch der heutige Tag beginnt mit Durchfall. Zum Glück hat die Tankstelle ein sauberes WC und den Laptop können wir auch gleich laden. Nach einigen km wird die 40 erneut zur Schotterpiste, hinzu kommen einige Schlammkuhlen, ein tiefer Canyon, ein Tunnel und ein Staudamm.
In San Carlos angekommen gehen wir ins Internet und versuchen danach Herrn Tanner, einen Matrosen der Graf Spee anzurufen. Seine Telefonnummer haben wir von Rodolfo Longo erhalten. Herr Tanner wohnt in Buenos Aires und hat die Adressen aller noch in Südamerika lebenden Graf Spee Leute. Leider erreichen wir nur einen Anrufbeantworter. Wir biegen vor Mendoza ab, zum Aconcagua, den höchsten Berg außerhalb der Himalaya-Region. Vor acht Jahren hatte man uns mit dem Mietwagen nicht von chilenischer Seite einreisen lassen. Ein kurzer Stopp an der Inka-Brücke, die nicht in bestem Licht steht. Wir wollen morgen auf dem Rückweg noch mal vorbei schauen. Der Aconcagua ruft. Wir haben Glück, denn er zeigt er sich im Sonnenuntergang fast wolkenfrei. Bittere Kälte vertreibt uns jedoch von unserem Aussichtspunkt. Durchgefroren kochen wir uns im Auto Tee mit Rum und schlafen leicht benebelt ein.

Mittwoch, 02. Februar 2005 (473 km/44.347 km/55 km/10.369 km) (608 m H.)
(NL172: S 31°41,718 W 67°48,646 zw. Caucete u. Marayes/Argentinien)

Die Scheiben sind gefroren, als der Wecker klingelt. Der weiße Gigant (6.960m hoch) steht immer noch frei. Wir winden uns die Passstraße zum Christo Redentor hoch, dem inzwischen geschlossenen Grenzübergang zu Chile. Auch dort oben ist es eisig kalt. An der Inka-Brücke stoppen wir ausgiebiger. Hier treffen gleich 2 Naturphänomene aufeinander. Puenta del Inca Zum einen diese gigantische Naturbrücke, zum anderen heiße Solequellen, die aus dem Fels sprudeln und alles in ein Spiel der Farben verwandeln. Es ist unbeschreiblich. In Upsallata essen wir Fleisch ohne Ende und fahren dann einen atemberaubenden ungeteerten Pass nach Mendoza hinunter. Dort angekommen funktioniert nichts mehr. Hin und her und kreuz und quer fahren wir durch die Stadt. Endlich der richtige Weg nach San Juan. Dort angekommen versuche ich zum zweiten Mal vergeblich Herrn Tanner zu erreichen. Im Internet klärt sich dann alles, was unsere vorläufige Heimkehr angeht. Dann fahren wir Richtung Valle de la Luna aus der Stadt. Zum Glück hatte ich noch nach dem Weg gefragt, sonst hätte es eine böse Überraschung gegeben. Ich hatte unsere eh schon schlechte Karte auch noch total falsch interpretiert. An einer Tankstelle will Gabi nicht schlafen, so stellen wir uns neben der Straße in die Wüste.

Donnerstag, 03. Februar 2005 (507 km/44.854 km/62 km/10.431 km) (1.008 m H.)
(NL173: S 29°47,677 W 68°26,494 vor San Jose de Jachal/Argentinien)

Wir frühstücken während der Fahrt und erreichen das Mondtal gegen 11 Uhr, genau richtig zur nächsten Führung. Etwa 40 km ist die Schleife lang, auf der man in Begleitung eines Rangers fährt. Das besondere an der Gegend ist, dass hier Gesteinsschichten aus dem Trias an die Eroberfläche getreten sind und immer wieder Fossilien aus der Anfangszeit der Dinos gefunden werden. Die Landschaft ist ein eigenes wunderschönes Kapitel. Valle d la Luna Mit einem amerikanischen Ehepaar unterhalten wir uns nach der Tour am Eingang des Parks. Auf dem Weg nach Villa Union finden wir mehr zufällig den Eingang zum Talambaya Nationalpark. Wir sind zwar ein paar Minuten zu spät, bekommen deshalb eine verkürzte, aber kostenlose Fahrt in den Canyon. Wir besichtigen Petroglyphen und Felsformationen, dann fahren wir weiter.
In Villa Union soll es eine Tankstelle mit Dusche geben und diese hätten wir dringend nötig. Wenn sie dort auch noch die Kreditkarte akzeptieren, dann sind wir wunschlos glücklich. Der Diesel bei YPF ist gut und deutlich billiger als in Chile, denn da wollen wir noch mal kurz hin. Die beiden über 4.700 m hohen Andenpässe Agua Negra und San Francisco wollen wir noch erstürmen. Wir finden besagte Tankstelle, fahren aber enttäuscht weiter, da sie weder die Karte nehmen, noch eine funktionierende Dusche haben. Eine Zollkontrolle fragt nach Früchten im Auto. Dumm stellen und hinten reinschauen lassen bringt uns schnell weiter, obwohl vorne unsere Melone liegt. Die Straße die folgt hat es in sich. Trotz durchgehendem Asphalt ist alle 500 m eine Furt voller Schlamm und Geröll zu durchqueren.
Die Schlafplatzsuche wird schwierig, schließlich finden wir doch ein Plätzchen neben der Straße hinter ein paar Büschen. War es am Aconcagua noch eisig kalt, so haben wir jetzt 30 °C im Auto, das kann ja heiter werden die Nacht. Mit offener Heckklappe und ohne Moskitos wird es trotzdem relativ erholsam.

Freitag, 04. Februar 2005 (454 km/45.308 km/171 km/10.602 km) (17 m H.)
(NL174: S 29°54,697 W 71°15,424 La Serena/Chile) )

Es geht weiter mit diesen merkwürdigen Wadipassagen, dann eine weitere Zollkontrolle, die unsere Melone auch nicht findet. Wir klettern einen ungeteerten Pass hoch und erreichen den Ort San Jose de Jachal. Diesel mit Karte, Dusche und WC, alles dringend nötige finden wir hier. An einem Stausee machen wir uns über die Melone her, welche so groß ist, dass wir sie gar nicht auf einmal essen können. Der argentinische Kontrollposten taucht auf, etliche km vor der eigentlichen Grenze. Gabi übernimmt die Formalitäten. Im Niemandsland essen wir die Melone fertig, um an der chilenischen Grenze keinen Ärger zu bekommen. Bei diesem Stopp riecht Gabi Diesel am Auto. Vom großen Tank tropft ein Rinnsal auf das Differenzial und von dort auf die Erde. Auch das noch so kurz vor Ende der Reise. Das gibt im Zoll Ärger wenn er im Lager steht und ausläuft. Also können wir nicht voll tanken. Das Leck ist zum Glück ganz oben. Wir müssen weiter. Ein zweiter Grenzposten folgt, dort ist ein Zettelchen abgeben.
Aqua Negra Pass Dann beginnt eine Passstraße, wie wir noch keine schönere gesehen haben. In 4.500 m Höhe erreichen wir kleine Gletscherfelder und Gabi sagt: "Das ist das Schönste was ich je gesehen habe." Eispyramiden 2 bis 3 Meter hoch stehen wie Soldaten in Reih und Glied. Die Sonne bricht sich in den Spitzen. Ein Traum in weiß, Kristallwelt! Wir können uns kaum lösen. Dann erreichen wir die Passhöhe, welche gleichzeitig die eigentliche Grenze ist. 4.753 m zeigt ein Schild. Es ist bitter kalt. Ein eisiger Wind bläst. Dann geht's langsam abwärts. Aber auch die chilenische Seite hat phantastisches zu bieten. Da taucht eine tiefblaue Lagune auf umringt von Bergen in allen Farben. Man kann sich nicht satt sehen. Wir müssen weiter, denn der chilenische Zoll steht ja noch bevor. 130 km ungeteerte Serpentinen, dann sind wir dort. Wieder wird das Auto auf Früchte untersucht. Ein kleines Stück Holz, von einem Baum auf Feuerland, wird beschlagnahmt.
Dann fahren wir in völliger Dunkelheit bis La Serena durch und stoppen auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Genau wie damals in Arica empfängt uns auch hier dieser Gegensatz, von der menschenleeren Hochgebirgswelt in die moderne, glitzernde Zivilisation. Wir essen etwas und schlafen draußen auf dem Parkplatz. Müdigkeit und Kopfweh lassen keine Weiterfahrt zu.

Samstag, 05. Februar 2005 (587 km/45.895 km/2 km/10.604 km) (1.102 m H.)
(NL175: S 26°21,071 W 69°51,725 nach Diego de Almagro/Chile)

Eigentlich wollten wir noch ein paar Sachen besorgen. Doch die späte Öffnungszeit lässt uns aufbrechen. Heute ist der Himmel bewölkt. In Vallenar kauft Gabi im Supermarkt ein, was ewig dauert.
Herrn Tanner rufen wir von Chile aus nicht an, dafür wollen wir einen "alten Bekannten" aufsuchen, nämlich Jaime, den Einsiedler. Ihn hatten wir 1997 kennen gelernt und ihm später auch Bilder geschickt. Er hatte sich damals an der Küste, irgendwo in der Nähe von Chanaral nieder gelassen, nachdem er das Leben in der Zivilisation satt hatte. Ein kleines Wohnhaus und ein Atelier hatte er sich mit eigenen Händen gebaut und lebte von Spenden der Touristen, die sich zufällig wie wir zu ihm hin verirrten. Ein Schild mit der Aufschrift Torres del Inka hatte uns 1997 dazu bewegt, den Panamericana zu verlassen. Genauso plötzlich wie damals, taucht das Schild heute wieder auf. Etwas nervös biegen wir zur Küste ab. Was ist wohl aus Jaime geworden? Die Antwort folgt auf dem Fuß. Von seinem Atelier stehen lediglich die Grundmauern, von seinem Häuschen nur das Blechdach, dazwischen allerhand Gerümpel und der Pullover, den er damals getragen hat. Ist er zurück nach Santiago gegangen? Wahrscheinlich nicht! Denn auf einem Felsen neben seinem Häuschen steht ein Kreuz mit einem, als solches nicht mehr zu erkennenden Bild. Gedenken an Jaim Wir sind zu spät gekommen, Jaime ist nicht mehr am Leben. Es kam mir eh wie eine Phantomjagd vor und Jaime bleibt ein Phantom in unseren Erinnerungen. Während ich nach einem Andenken suche, spaziert Gabi am Strand um Seeigel und Seesterne zu sammeln. Ich w eis nicht was ich Suche, es ist nichts Brauchbares da, alles scheint geplündert. Gabi findet Seeigel ohne Ende und ein großes Herz aus Stein, leider zu schwer um es mitzunehmen. Kurz vor Aufbruch macht mir Jaime doch noch ein Geschenk. Ich finde eine lederne handgemachte Messerscheide, die ich als Andenken mitnehme. Etwas traurig verlassen wir diesen Ort, an dem sich mittlerweile andere Menschen niedergelassen haben.
In der Dämmerung fahren nach Chanaral rechts von der Panamericana ab in die Atacama-Wüste, dem Paso de San Franzisco entgegen. Der Toyota läuft ein bisschen unruhig, sollte der Diesel wieder schlecht sein? Alles morgen, wir stoppen irgendwo abseits der Straße und schlafen. Ein harter Fahrtag liegt vor uns. Fast 500 km ungeteerte Hochgebirgsstraße.

Sonntag, 06. Februar 2005 (564 km/46.459 km/254 km/10.858 km) (1.146 m H.)
(NL176: S 28°09,517 W 67°30,040 Copacabana/Argentinien)

Muldenkipper Die Dieselfilter sind sauber, dafür entdecke ich andere Geräuschquellen unter dem Auto. Die Halterung eines Magnetventils ist abgebrochen außerdem das Schutzblech über dem hinteren Auspufftopf. Wir kommen deswegen ziemlich spät los. 4 riesige Muldenkipper, LKWs mit Rädern größer als unser Toyota, lassen uns kurz stoppen. Wir dürfen beide in die Kabine eines dieser Giganten.
Dann steigen wir ein letztes Mal auf in die Welt der Eisgiganten, der fast 7.000 m hohen Andengipfel. Es ist wie am Agua Negra Pass, der Zoll ist lange vor der eigentlichen Grenze. Der Ojos del Salado, der zweithöchste Berg Amerikas, liegt irgendwo rechts der Schotterpiste. Zeit haben wir keine, trotzdem fahren wir den ausgeschilderten Abzweig rein, in die stürmische Hochgebirgswelt. 2 Vulkane stehen frei, ein dritter hängt in Wolken. Welcher der 3 Riesen der Ojos ist, können wir nicht erkennen. Wir wagen ein letztes Abenteuer. Wellblech und Steine wechseln mit Weichsandfeldern. Steile Anstiege sind zu erklimmen, dann taucht auch der dritte Vulkan aus den Wolken auf. Nach 18 km drehen wir um. Ein Zelt neben der Piste erzeugt bei uns ein Stirnrunzeln. Ich muss an den Ostfriesen denken, den ich 1990 auf Island traf. Der zeltete auch in einer Einöde und sprang bei jedem Geräusch über den Berg um mit jemanden sprechen zu können. Auf der 500 km langen Passstraße kommen uns ganze 2 Autos entgegen.
Die Laguna Verde gibt ein weiteres tolles Fotomotiv. Wenn das so weitergeht, hab ich bald wieder keine Filme mehr. Nach der Lagune die Passhöhe mit 4.747 m. Auf argentinischer Seite, wie durch ein Wunder, guter Asphalt. Somit läuft es besser als erwartet. In der Dunkelheit erreichen wir den Ort Fiambala auf 1.500 m Höhe. Es ist plötzlich erbärmlich heiß. In Tinogasta gehen wir kurz ins Internet, dann fahren wir raus aus dem Ort und schlafen irgendwo mit offener Heckklappe neben der Straße. Laute Musik ist noch länger zu hören, es ist schließlich Fasching.

Montag, 07. Februar 2005 (557 km/47.016 km/96 km/10.954 km) (1.865 m H.)
(NL177: S 26°27,947 W 66°02,169 Quillmes Ruinen/Argentinien)

Quillmes Ruinen Wenn alles klappt wollen wir heute ein zweites Phantom jagen, nämlich Peter Krämers abgefahrenen Motorradreifen. Er hatte ihn 1993 auf seiner Südamerikatour hier irgendwo in einer Schlucht namens Quebrada de Cafayate an einem "Heiligenschrein für Autofahrer" abgelegt. Es lagen Fahrzeugteile aller Art am besagten Platz, wie er in seinem Buch "Südamerika" beschrieben hat. Vor uns liegen noch einige km, darunter 60 km Schotter. Als erstes besichtigen wir die Quillmes-Ruinen.
Einen Polizisten fragen wir nach der Quebrada de Cafayate, welche auf unserer Karte nicht unter diesem Namen eingezeichnet ist. Kaum haben wir sie erreicht, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Wieder unendlich Fotomotive, dann das von Peter beschriebenen Heiligtum. Vom Autotank, über Windschutzscheiben, Zündkerzen, bis hin zu Stoßdämpfern ist alles zu finden. Auch etliche Autoreifen liegen herum, bloß kein Motorradreifen. Hatte ein anderer Leser schon die gleiche Idee? Wir machen ein paar Fotos um diese Peter Krämer als Bilderrätsel zu mailen. Ob er diesen Ort noch kennt? Wir klettern im Amphitheater und in der Teufelsschlucht herum, dann wird es dunkel.
In Cafayate nutzen wir die Gunst der Stunde und lassen alle Tanks füllen, denn die Dieselzapfsäule hat einen sehr dünnen Zapfhahn. Mit offenem Haupttankdeckel sind die Zusatztanks in wenigen Minuten voll. Gewusst wie! Hier kommen wir auch noch an Diafilme. Ein weiterer Versuch Herrn Tanner zu erreichen scheitert. Werden die Graf Spee Matrosen ein Phantom bleiben wie Jaime und Peters Motorradreifen? Wir kennen ja zumindest den Ort, in dem die letzten 6 leben, Villa General Belgrano und dort fahren wir einfach vorbei. Zum Schlafen halten wir an den Quillmes-Ruinen, dort sind wir diese Nacht gut aufgehoben.

Dienstag, 08. Februar 2005 (784 km/47.800 km/7 km/10.961 km)
(NL178: S 31°58,085 W 64°33,798 Villa General Belgrano/Argentinien)

Nach angenehmer Nacht verziehen wir uns, bevor die ersten Touristen kommen. Im Tafi de Valle entdecken wir Steinkreise am Wegesrand. Dann besichtigen wir den Menhirepark im Ort und fahren gen Süden. Ein Pass durch tropischen Regenwald führt uns ins heiße Tiefland. Eine Tabakplantage findet unsere Aufmerksamkeit, dann wird nur noch gefahren. Am Abend stoppt uns eine Deutsche während der Fahrt. Sie hat vor 4 Monaten die Farm ihres Vaters in Argentinien übernommen und unser Toyota war das erste deutsche Auto, das sie in Argentinien gesehen hat.
Wir müssen aber weiter, wenn wir noch einen lebenden Graf Spee Matrosen treffen wollen. Uns bleibt nur noch der morgige Tag. Vor Cordoba beginnt eine Autobahn mit etlichen Stadtausfahrten. Der Verkehr ist hektisch und zu allem Überfluss klatscht ein Wolkenbruch vom Himmel. Die Sicht ist gleich null, die Scheibenwischer schaffen es nicht. Trotzdem finden wir den Weg nach einmal fragen. Die Straße nach Villa General Belgrano, dem Altersdomizil der deutschen Seeleute, braucht noch mal Zeit.
Im Ort gehen wir in ein argentinisches Restaurant, obwohl ich eigentlich nach den Matrosen fragen will. Die Bedienung ist jung und hübsch, wenn sie den Mund hält. Beginnt sie zu sprechen, stellen sich meine Nackenhaare. Wir fragen ihre Mutter nach den Matrosen, diese schickt ihre hübschhässliche Tochter zu uns, diese einen Gast und jener ein anderes Mädchen, das deutsch spricht. Wir bekommen die Adresse eines Seniorenwohnheimes, in dem noch mindestens einer der von uns gesuchten Männer leben soll. Wir fahren dorthin und schlafen gleich davor.

Mittwoch, 09. Februar 2005 (315 km/48.115 km/9 km/10.971 km)
(NL179: S 32°37,296 W 62°28,595 San Marcos Sud/Argentinien)

Beim Zähneputzen entdeckt Gabi Löcher im hinteren rechten Reifen. Er ist jetzt fertig, hat als einziger die gesamte Fahrt bis jetzt durchgehalten, gute 70.000 km. Zuerst gehen wir jedoch ins Altenheim und fragen an der Rezeption nach Matrosen des deutschen Panzerschiffes Admiral Graf Spee. Die nette Dame spricht deutsch und hat tatsächlich eine gute Nachricht für uns. Herr Kirchhübel, ehemals Matrose dem Schiff, wohnt mit seiner Frau hier. Wir werden zum Heimleiter, Herrn Vogel geschickt. Dieser kennt außer Herrn Kirchhübel noch 3 weitere, die hier im Ort Leben. Wir haben es also geschafft, der aufregendste Tag dieser Reise steht zumindest mir bevor. Herr Vogel schickt uns erst zu Herrn Wild im Magnus Albrecht Heim, etwas außerhalb der Stadt. Er hätte am Thema "Graf Spee" noch das meiste Interesse. Herrn Kirchhübel können wir nach 10 Uhr besuchen.
Zu allererst machen wir uns aber an den Reifenwechsel, bevor es zu heiß wird. Danach statten wir Herrn Wild in seinem Heim einen Besuch ab. Man empfängt uns dort, macht uns aber darauf aufmerksam, dass er gesundheitlich nicht mehr ganz auf der Höhe ist. Wir können dem 89-jährigen trotzdem ein paar Fragen stellen, ein richtiges Gespräch kommt jedoch nicht zu Stande. 10 Minuten später verlassen wir nicht ganz unzufrieden das Haus.
Matrose von der Graf Spee Kurze Zeit später stehen wir vor Herrn Kirchhübel, welcher mit seinen ebenfalls 89 Jahren in einem viel besserem gesundheitlichen Zustand ist. Mit der Frage: "Können sie sich vorstellen, warum wir sie besuchen?" Begrüßen wir ihn auf seiner Terrasse. Er hat natürlich keine Ahnung und an die Graf Spee denkt er schon gar nicht. Mit Herrn Kirchhübel und seiner Frau entsteht die von mir gewünschte Unterhaltung, wobei die beiden sich genau so für unser Leben interessieren. Sie laden uns zum Mittagessen in die Kantine ein, dann gibt's noch Tee und Kaffee und schon ist es Abend. Ein großer, in Südamerika geborener Traum ging in letzter Sekunde in Erfüllung. Schweren Herzens, aber überglücklich verlassen wir um 18.30 Uhr das nette alte Paar.
Buenos Aires ist noch weit und wir müssen bis morgen Mittag um 15 Uhr dort sein. Die Rückverschiffung des Toyota hat nun absolute Priorität. Völlig fertig, aber zufrieden schlafen wir, wie so oft zuvor hinter einer Tankstelle zwischen Truckern.

Donnerstag, 10. Februar 2005 (490 km/48.605 km) (NL180: S 34°33,064 W 58°34,977 Buenos Aires-San Martin/Argentinien)

Um 8 Uhr sind wir auf der Piste. Ich bin nicht ganz fit, deshalb fährt Gabi bis kurz vor Buenos Aires. Dort angekommen suchen wir mit unserem GPS das Büro von Hamburg Süd, welches wir um 15 Uhr erreichen. Herr Winkler, welcher uns Anfang Januar beraten hat, ist im Urlaub. Sein Kollege Herr Boettner ist ebenfalls nicht im Haus. Wir gehen erst mal ums Eck zum Essen, dann regelt sich alles fast wie von selbst. Es kommen noch 3 weitere Motorräder in 2 Wochen dazu und somit wird ein großer 40 Fuß Container mit unserem Toyota und 5 Bikes voll. Alle sind rechtzeitig zu Hause und für alle wird es billiger. Morgen um 10 Uhr sollen wir da sein, dann bekommen wir unsere Buchung.
Wir können von hier aus bei Familie Ditsch anrufen, damit wir unsere, auf dem Sportgelände gelagerten Sachen bekommen. Es geht alles klar, wir können sie abholen. Herr Boettner geleitet uns sogar bis zur Avenue Marquez, von hier finden wir den Weg im Schlaf. Wir erreichen unser Silvesterdomizil gegen 21 Uhr. Unsere Koffer stehen schon bereit. Schlafen und duschen können wir hier auch noch. Wir trennen unsere Sachen, was bleibt im Auto, was kommt mit ins Flugzeug. Müdigkeit zwingt uns erst Mal zu schlafen. Morgen steht ein weiterer harter Tag bevor.

Freitag, 11. Februar 2005 (89 km/48.694 km) (30 m H.)
(NL181: S 34°36,281 W 58°23,097 Buenos Aires/Argentinien)

Um 7 Uhr wird weiter verpackt. Um 9 Uhr verlassen wir das Sportgelände und machen uns auf Hotelsuche in der Innenstadt. Soweit alles klar. Auch ein billiges Hotel finden wir relativ schnell. Doch der Weg zum Hamburg Süd Büro wird zum Alptraum. Ohne Stadtplan und untereinander uneins fahren wir hin und her. Jeder schickt uns scheinbar in eine andere Richtung und schon ist es 11.45 Uhr. Die Zeit wird knapp. Buchung abholen, Auto waschen, Zollformalitäten und Einlagerung am Hafen, alles muss bis 17 Uhr über die Bühne sein, sonst haben wir ein riesiges Problem. Wir fliegen nämlich am Sonntag nach Hause und der Zoll öffnet erst am Montag wieder seine Pforten. Wir sind beide nervös und gereizt. Trotzdem denke ich, es wird in letzter Sekunde schon klappen, wie alles andere wichtige zuvor in meinem Leben.
Endlich haben wir eine Spur, nachdem wir uns gegenseitig richtig anschnauzen. Arbeitsteilung ist angesagt, Gabi macht die Buchung bei Hamburg Süd, ich schnalle die Sandbleche ab und verstaue sie im Auto, dann lasse ich den Toyota waschen. Um 12.45 Uhr machen wir uns mit Stadtplan bewaffnet auf den Weg zum Zoll. Den erreichen wir um 13.05 Uhr. Zu spät, die machen Mittagspause bis 14 Uhr. Wir sind zum Glück die einzigen die warten. Um 14.05 betreten wir das Büro. Der Beamte arbeitet wirklich nicht langsam, trotzdem dauert alles fast 1 ― Stunden. Dann noch die Fahrt zum Hafen und es ist 16 Uhr. Ich telefoniere mit dem Kontaktmann, welcher 15 Minuten später auftaucht. Gemeinsam warten wir auf einen Mann vom Sicherheitsdienst, ohne den wir nicht in das Hafengelände dürfen. Dieser kommt um 16.35 Uhr und fährt mit uns los. An der Einfahrt 5 Minuten warten, im Hafen 5 weitere Minuten, dann noch 5 vor der Halle und weitere 5 Minuten später steht unser Toyota auf seinem Abstellplatz. Der Sicherheitsmann begleitet uns zum Ausgang, es ist 16.58 Uhr. Also hat es auch dieses Mal wieder in letzter Sekunde hingehauen.
Ein Taxi bringt uns zum Obelisken. Wir haben bestialischen Hunger, da wir noch nichts gegessen haben. Unser Chinese hat noch geschlossen. Im Internet haben sich alle unsere Anliegen geklärt. Der Zahnarzttermin ist verlegt, der Werkstatttermin fest, unser Besuch in Neuseeland angekündigt, Heinz weis über die Rückverschiffung bescheid und zu Hause wissen sie auch wann wir ankommen. Unseren Rucksack bringen wir ins Hotel und stürmen regelrecht den Chinesen. Unser Hunger ist so übergangen, dass fast nichts reinpasst. Einige Schnacken im Zimmer ärgern uns die halbe Nacht.

Samstag, 12. Februar 2005 (NL182 wie NL181)

La Boca Wir schlafen mal richtig aus. Unser Hotel namens Micky ist echt urig. Ein Wirrwarr von Gängen führt uns zu unserem Zimmer mit etwa 4 m hohen Wänden. Aus dem WC spritzt mehr Wasser, als aus manchem Geysir am Tatiomassiv in Chile. Wir gehen schön Parrilla essen und spazieren zum Kilometro 0. Von hier aus werden alle Straßen in ganz Argentinien gemessen. In einem Frisörladen lassen wir uns die Haare schneiden. Ich halte dem Frisör meinen Pass hin, dieser schüttelt aber den Kopf. Ganz so kurz schneidet er es nicht. Dann setzten wir uns in einen Bus und fahren ins Stadtviertel La Boca. Wir bummeln gemütlich durch die bunten Häuser, trinken einen Kaffee und kaufen Souvenirs. Auf dem Rückweg treffen wir eine Schweizerin, die mit dem gleichen Bus zurück ins Zentrum fährt.
Im Hotel machen wir Bericht 13 fertig und gehen noch mal aus. Im Internet erfahren wir, das unser Rückflug erst morgen Abend um 22 Uhr ist. Wir haben also noch einen ganzen Tag im schönen Buenos Aires.

Sonntag, 13. Februar 2005 (NL183: Boing 747-400 für Flug Buenos Aires - Madrid)

Auch heute schlafen wir aus. Dann packen wir unsere 7 Sachen zusammen und können gar nicht glauben, dass die 6 Monate in Südamerika bald Geschichte sind. Unser Gepäck verstauen wir beim Portier, dann gehen wir ein letztes Mal beim Chinesen essen. Da ich mich nicht erinnern kann, wo mein Flugticket ist, gehen wir ins Hotel zurück und stellen alles auf den Kopf. Nach einer halben Stunde suche, sogar in der Mülltonne des Hotels werde ich zwischen den Schlafsäcken fündig. Wir atmen auf.
Kurz entschlossen steigen wir in den Bus nach San Telmo, dem letzten Highlight unserer großen Reise. Alle nur erdenklichen Künstler versuchen auf der Straße ihr Geld zu verdienen. Und wir sehen endlich einen echten Tango, so scheint es auf den ersten Blick. Begeistert bleiben wir stehen. Nach einer Minute komme ich mir jedoch verarscht vor. Zur Musik passt kein Schritt, auch die beiden Tänzer Marke Kalkleiste harmonieren nicht. Das ist eine echte Lachnummer, gewollt oder nicht? Gut gelaunt gehen wir weiter. Ein Marionettenspieler, 2 lebende Statuen, Musiker und Unmengen von Flohmarktständen lassen keine Langeweile aufkommen. Auf einem großen Platz umringt von hunderten von Schaulustigen tanzen dann echte Profis und die Menge tobt. Um 17 Uhr fahren wir mit dem Bus zurück.
Eine Stunde verbringen wir in einem Kaffee, dann soll uns ein Taxi zum Flughafen bringen. Weit kommen wir nicht, denn diesem Taxi reist ebenfalls der Keilriemen. Ein Ersatz ist schnell zur Stelle. Am Flughafen kann der Taxifahrer unseren Hunderter nicht wechseln. Dann geht's in die vorletzte Etappe unserer Südamerikareise. Der Rückflug hat gleich 30 Minuten Verspätung. Erst beim Rollen zur Startbahn schließt eine Stewardess die Gepäckfächer. Eines davon knallt beim Start wieder auf. Ein Mann hat aus irgendeinem Grund keinen Sitzplatz und wird trotz bitten einer Stewardess nicht von einem Paar in die Mittelreihe gelassen obwohl da 2 Plätze frei sind. Bei der zweiten Getränkeverteilung übersieht mich die Stewardess dezent. Dann klaut uns so eine "Schnalle", trotz Protestes von unserer Seite, Gabis Kopfkissen. Opi neben uns schläft dafür selig und süß auf meinem T-Shirt. Ich falle in einen unruhigen Schlaf.

Montag, 14. Februar 2005 (NL184: Whg. Fam. Goll Wörth/Deutschland)

Das Chaos im Flieger geht weiter. Heftige Luftlöcher lassen uns regelrecht durchsacken. Wir schweben gleich 3 Mal über unserem Sitz. Da ist die Omi, die alle halbe Stunde auf Toilette rennt und dann ihren Platz nicht findet. Da ist der ältere Herr, der ständig auf der Notsaugangstür sitzt, was die Stewardess nicht dulden kann. Entsprechend laut wird der Streit von den beiden. Der Frühstückskaffee ist nur ein halbes Tässchen, jetzt regen einem schon Kleinigkeiten auf und auf der Europakarte ist noch das alte Jugoslawien, die Tschechoslowakei und Sowjetunion zu sehen. Leben die hier noch hinter dem Mond. Sie glauben ja auch fest daran, dass die Falklandinseln zu Argentinien gehören. Über Spanien wackelt der Flieger noch Mal heftig, dann hat das Leiden ein Ende. Europa hat uns wieder. Mit dem Bus geht's von Terminal 1 nach Terminal 2. Dort kann ich eine Weile am Laptop schreiben. Um ca. 20 Uhr steigen wir in den Flieger. Der Service ist unglaublich. Ein Bonbon, das warīs schon.
Um 22.30 Uhr landet die Maschine und siehe da, keiner wartet auf uns. Dann tauchen doch Lorena, Martina und Markus auf. Wir haben es geschafft! Denkste, keiner der 3 weis wo sie das Auto geparkt haben. Nach 3 Stunden Suche (ist leicht übertrieben) sitzen wir im Auto und düsen zu den Gollīs in Wörth am Main. Die Zombies sind noch wach und begrüßen uns. Wir sitzen bis 3 Uhr im Esszimmer und schlafen dann wie immer hier auf der Couch.

Dienstag, 15. Februar 2005

Um 9.30 Uhr weckt uns Martina. Familie Goll hat komplett verschlafen. Zu Mittag gibt es Bratwurst mit Sauerkraut und um 17 Uhr fahren wir mit Martina nach Hause. Etappe 1 Südamerika ist Vergangenheit.

48.694 km haben wir in Südamerika zurückgelegt, davon 10.971 km auf ungeteerten Wegen, alle 13 Länder besucht und 12 Hauptstädte. Unsere Pläne konnten wir in die Tat umsetzen, wie z. B. durch Amazonien und in die Guyanas fahren. Macchu Picchu, Salar de Uyuni, Nazca-Linien, Torres del Paine, Upsala-Gletscher, Roraima-Tepui, Iguazu-Fälle und vor allen Dingen der Besuch unseres Patenkindes in Piura/Peru waren die großen Highlights. Tausend andere Sehenswürdigkeiten, Treffen mit Freunden und uns vorher fremden Menschen und Härteprüfungen in Amazonien, Boliviens Wüsten und Patagonien bleiben unvergesslich. Negative Eindrücke nehmen wir keine mit nach Hause. Wir waren ein gutes Team, mit einem Auto, das nach anfänglichen Startschwierigkeiten, jeder Herausforderung Südamerikas gewachsen war, eben einem Toyota Landcruiser. Etappe 2 beginnt in Kürze.