Südamerika Teil 13

Samstag, 22. Januar 2005 (313 km/40.998 km/166 km/9.474 km) (280 m H.) (NL161: S 4535,930 W 6909,873 Sarmiento/Argentinien)

Wir scheinen die Schlafkrankheit zu haben. Auch heute kommen wir nicht vor 10 Uhr weg. Ist aber nicht tragisch, da unser Tagesziel nur 200 km von hier entfernt ist, nämlich Juan der Ranger vom versteinerten Wald. An der Einfahrt in die hier ungeteerte Ruta 40 machen wir ein Foto für unsere Geburtstagskinder zu Hause. In Rio Mayo beginnt der Teer und entsprechend schnell sind wir in Sarmiento. Wir suchen nach dem Mercedes-Emblem, von dem uns Juan vor einigen Tagen erzählt hat, werden allerdings nicht fündig. Gabi kommt auf die Idee im Touristenbüro zu fragen. Die kennen ihn und sagen uns, dass er im Office am versteinerten Wald zu finden ist. Mit 3 l Bier brettern wir dort hin. Juan empfängt uns mit den Worten: "Aah, Deutsche." Ich halte ihm die Broschüre hin, auf der er seine Telefonnummer geschrieben hat. Ohne Brille erkennt er gar nichts. Dann kommt ein Nicken, als er Gabi ins Gesicht schaut. Er hat sie schon mal gesehen, ich jedoch bin ihm völlig unbekannt. Mit dem Bier gehen wir ins Büro und heben einen. Er erwähnt kurz, dass er sehr vergesslich ist. Also hat er unsere Einladung garantiert ebenfalls vergessen. Wir kochen noch Kaffee und verabschieden uns leicht enttäuscht. Doch siehe da, es kommt zu einer neuen Einladung für uns. Wir nehmen gerne an, müssen allerdings noch 2 Stunden warten, bis sein Dienst beendet ist. Er fährt uns mit seinem Pick Up zu den Cerro Colorado. Cerro Colorado Hier waren wir vor 12 Tagen gar nicht, obwohl es die schönste Ecke des Parks ist. Wir spazieren bei stürmischem Wind über eine Stunde herum. "Die patagonischen Grashüpfer haben ein hartes Schicksal", denke ich gerade, als so ein kleiner Kerl an mir vorbei fliegt, 3 m weiter auf dem Boden knallt, sich 23 Mal überschlägt, bevor er endlich sichtlich verwirrt Fuß fast und sich zu fragen scheint: "Da wollt ich doch gar nicht hin!" Zurück im Office sollen wir nach einem alten Mercedesbus an der Straße suchen, dort wohnt Juan. Er muss noch 3 Mädels nach Hause fahren. Dort angekommen, können wir ins Haus, um Schreibarbeiten am Laptop zu machen, dann stellt er uns eine Flasche Wein hin, außerdem gibt es Rindswürste und Salat. Ich nutze die Zeit um Bericht 12 zu beenden und so wird es 3 Uhr morgens, bis ich endlich im Auto liege.

Sonntag, 23. Januar 2005 (441 km/41.439 km/1 km/9.475 km) (631 m H.)
(NL162: S 4135,389 W 7145,885 Esquel/Argentinien)

Juan kramt um 9 Uhr an seinem Auto. Wir stehen schnell auf um uns von ihm zu verabschieden. Dann kochen wir Kaffee und machen alles fürs Internet fertig. Um 11 Uhr sind wir dort, können aber nur 2 Bilder verschicken, dann streikt der Computer. Enttäuscht fahren wir los. 430 km sind es bis Esquel. Außer vielen toten Hasen und einem Wahnsinns Wind gibt es nichts zu berichten. Der Toyota wird zum Spielball der Naturgewalten. 100 km vor Esquel trinken wir einen Kaffee, dann gegen 18 Uhr erreichen wir unser Ziel. Diafilme brauchen wir, denn ich habe nur noch 5 Bilder. Im Internet können wir in einer Stunde all unsere Post erledigen. Bei der Filmsuche finden wir ein billiges Restaurant, das in Minuten brechend voll ist. Danach finden wir einen Schlafplatz in einem Nobelviertel außerhalb der Stadt. Ein Hund kläfft ewig lang wegen uns, hoffentlich holen die nicht die Polizei.

Montag, 24. Januar 2005 (280 km/41.719 km/142 km/9.617 km) (436 m H.)
(NL163: S 4135,389 W 7145,885 Camping Rio Manso/Argentinien)

Wir verziehen uns sehr früh bevor es doch noch Ärger gibt. In der Stadt finden wir einen einzigen Diafilm, besser als nichts. Danach fahren wir in den Nationalpark Los Alerces. Einige km hinter dem Eingang liegt ein Geländewagen die Böschung unten. Wir wollen Hilfe holen, die ist aber schon unterwegs. Ein Stück weiter, am schönsten Platz des Parks spricht mich ein Hamburger an, der auch gerne reist und Interesse an der DZG hat. Wir laufen gemeinsam zu einem Aussichtspunkt am See. Der Adressenaustausch ist kompliziert, da wir alle 3 nichts zum Schreiben haben. Wir verstecken ihm einen Zettel an einem Schild an der Straße. Nach einem Spaziergang zu einem weiteren Aussichtspunkt verlassen wir den Park Richtung Norden. Wir sind kurz vor El Bolson, dem letzten Standort der Holländischen DZGler. In ihrer Mail haben sie uns angegeben, Campingplatz Kaleuche bei El Bolson am Rio Manso. Keiner der 3 Namen war uns vorher ein Begriff. Wir erreichen dann die Stadt El Bolson, sehen etliche Zeltplätze, aber keiner mit besagtem Namen. Eine neue Email haben wir leider auch nicht bekommen, also wird es eine Art Schnitzeljagd mit fraglichem Erfolg. In der Touristeninfo kennen sie keinen Campingplatz mit dem Namen, aber der Rio Manso wäre 50 km weiter nördlich. Wir haben noch 1 Stunde Tageslicht und das wollen wir nutzen. Kurz vor dem Rio Manso ist eine Polizeikontrolle, die eigentlich gar nichts von uns will, aber besagten Campingplatz kennt. Links die Schotterstraße hoch 5 km, also ganz in der Nähe. Es dämmert als wir dorthin aufbrechen. Da ist das Schild, also nichts wie rein. Im Dunkeln laufe ich zur Anmeldung und frage nach den Holländern namens Willi und Klaas. Man kennt die beiden, aber ich verstehe nicht was sie mir sagen wollen. Sie betätigen ein Funkgerät sprechen mit jemandem und dann warten wir auf Antwort. Ich hole Gabi dazu. Irgendwie begreifen wir dann, dass Klaas und Willi noch im Tal sind, aber auf einem Campingplatz 25 km weiter westlich und dort auf uns warten. Jetzt wird es spannend. Eine Wegbeschreibung bekommen wir noch mit, dann fahren wir in völliger Dunkelheit dorthin. Da ist irgendwann besagte Schule 92, dann das Wadi und danach fuchtelt jemand im Dunkeln unter einem Camping-Schild mit einer Taschenlampe herum. Wer ist das wohl? Richtig, der Holländer Klaas van der Meer. Wir haben uns in Hachenburg auf dem Jahrestreffen kurz gesprochen, so kurz, dass ich mich kaum an sein Gesicht erinnern kann. Trotzdem haben wir uns jetzt irgendwo in Südamerika gefunden. Wir sitzen dann noch mit den beiden bis 2 Uhr morgens in ihrem Toyota und unterhalten uns köstlich.

Dienstag, 25. Januar 2005 (0 km/41.719 km) (436 m H.) (NL164: wie NL163)

Treffen mit Holländern Obwohl wir eigentlich aus Zeitdruck nur eine Nacht bleiben wollen, lassen wir uns beim gemeinsamen Frühstück sofort überzeugen, noch einen Tag zu bleiben. Die beiden leben seit 10 Jahren in ihrem Auto und waren damit bisher in Europa, Asien und Afrika unterwegs. Jetzt ein 4-jähriger Sprung über den großen Teich. Es gibt genug zu erzählen. Die Frauen sitzen in der Sonne und studieren die Landkarten. Klaas versucht den Fehler an unserem Stromwandler zu finden, damit wir endlich keine fremde Energiequelle mehr brauchen. Unsere Strombuchse liefert nur ab und zu 12 Volt, welche unser Konverter aber braucht. Direkt an einer Batterie funktioniert alles perfekt. Also legt Klaas ein Kabel vom Pluspol der Batterie zum Konverter, das andere Kabel schließt er direkt an die Karosserie an. Puff, puff, Operation geglückt, Patient tot. Trotz 2 Sicherungen hat es 2 Kondensatoren im Konverter zerlegt, er ist also unbrauchbar. Für Mittag 3 Uhr haben wir Asado bestellt und bekommen mehr als wir essen können. Dazu argentinischer Wein, klasse. Leicht angesäuselt Wanken wir zum Auto. Klaas will sich jetzt um unseren Laptop kümmern, mir schwant Schlimmes. Keine Angst, unser PC funktioniert noch und hat einiges mehr auf dem Kasten, dazu hat er mit Gabi Kopien von allen Bildern und Dateien gemacht. Dann wird auch hier viel Globetrotterlatein gewechselt. Um 12 Uhr verziehen sich alle in die Falle.

Mittwoch, 26. Januar 2005 (107 km/41.826 km/30 km/9.647 km) (893 m H.)
(NL165: S 4108,584 W 7119,197 San Carlos de Bariloche/Argentinien)

Rudolfo Long Wir sind früher auf, kommen jedoch wieder nicht weg. Es gibt zu viel zu erzählen. Unsere Internetbekanntschaft Rodolfo Longo wartet schon seit gestern auf uns, deshalb verabschieden wir uns um 14 Uhr auf unbestimmte Zeit. Irgendwie, irgendwo, irgendwann auf diesem Planeten werden sich unsere Wege wieder kreuzen, werden unsere Toyotas wieder nebeneinander Parken um ihre Reiseerlebnisse auszutauschen, dass ist gewiss. Wir starten durch, Bariloche erwartet uns, im Hinterkopf die Warnung von Willy und Klaas und auch Gerd Otto, dem Hamburger, dort das Auto nie alleine zu lassen. Wir haben eine Anfahrtsbeschreibung zu Rodolfos Haus, finden die Straße schnell, können das Haus aber nicht lokalisieren, da die Hausnummern fehlen. Wir essen im Auto und plötzlich bittet uns Rodolfo zu sich ins Haus. Ihm hatten wir vorher schon unsere Anliegen per Email angekündigt. Da wären der Zusatztank schweißen, Wäsche waschen, Diafilme kaufen und wenn möglich, einen Matrosen des 1939 im La Plata gesunkenen deutschen Panzerschiffs Admiral Graf Spee kennen lernen. Rodolfo war 15 Jahre in Deutschland, das merkt man ihm an. In 3 Stunden sind all unsere Probleme und Bitten gelöst. Fantastisch. Wir lernen seine Frau Frau Goetze und seien beiden süßen Babys Martina und Emilia kennen, 8 Monate alte Zwillinge. Ein kleiner Stadtbummel, wir haben Diafilme für einen ordentlichen Preis. Die Werkstatt zum Tankschweißen kennen wir auch, sowie das Wohnhaus von Frau Götze, der Witwe eines Graf Spee Matrosen, welche uns kurz empfängt und auf später bestellt, da sie einen anderen Termin hat. Ich bin ganz aufgeregt deswegen. Rodolfo muss zurück, wir bringen unseren Tank zum Schweißen und statten Frau Götze einen weiteren Besuch ab. Sie ist allerdings müde und wir machen einen Termin für morgen aus. Danach essen wir bei Rodolfo und unterhalten uns bei einem Gläschen Wein. Wir schlafen im Auto im umzäunten Grundstück von ihm.

Donnerstag, 27. Januar 2005 (59 km/41.885 km/6 km/9.653 km) (803 m H.)
(NL166: S 4106,180 W 7126,370 San Carlos de Bariloche/Argentinien)

Rodolfo lädt uns zum Kaffee ein. Heute wollen wir den Circuito Chico fahren, eine 50 km lange Ringstraße durch das umliegende Seengebiet. Erst kaufen wir uns was zu essen, dann fahren wir an der Seilbahn den Berg hoch, bis die Straße endet. Von hier hat man einen tollen Ausblick auf den See und die fahrenden Gondeln. Unten angekommen lädt uns ein Schweitzer zum Bier. Trotz Zeitknappheit schlage ich die nette Einladung von Lino Odermatt nicht aus. Er ist Mitglied im Schweitzer Globetrotterverein und somit noch interessanter für uns. Im Laufe des Gesprächs laden sie uns zum Asado am Abend ein. Warum nicht, wir müssen aber erst mal zurück nach Bariloche, Frau Götze besuchen. Mit einer Flasche Wein stehen wir vor der Tür. Leider findet sie keine Fotos von ihrem Mann und dem hier so berühmten deutschen Schiff. Wir unterhalten uns trotzdem 2 Stunden. Frau Götze verdient ihren Lebensunterhalt mit dem vermieten von Appartements. Sie gibt uns die Adresse eines in Thüringen lebenden Graf Spee Matrosen. Dann holen wir unseren geschweißten Tank und bauen ihn bei Carmen und Lino im Hof wieder an. Mit einem Bierchen vor die Grillhütte genießen wir den tollen Ausblick auf den Lago Nahuel Huapi. Das Asado brutzelt auf dem Grill. Kaum sind die Würste fertig bekommen wir Besuch von einem Österreicher, der gleich anfängt Witze über seine Landsleute zu reißen. Ich krame meine besten Össi-Witze aus und er liegt fast am Boden, ein richtig angenehmer Geselle. Es wird spät und nüchtern bin ich auch nicht gerade, deshalb schlafen wir diese Nacht bei Carmen und Lino im Hof.

Freitag, 28. Januar 2005 (314 km/42.199 km/46 km/9.699 km) (1.166 m H.)
(NL167: S 4014,964 W 7122,688 San Carlos de Bariloche/Argentinien)

Wir verziehen uns bevor die Schweitzer auf wachen, allerdings nicht ohne einen kurzen Brief zu hinterlassen. Wir müssen weiter und fahren heute die kleine Ringstraße zurück zu Rodolfo. Er ist jedes Jahr mal in Deutschland, also wird es bestimmt ein Wiedersehen geben. Weiter führt uns der Weg, durch das Valle Encantante, einem Flusstal mit bizarren Felsen vorbei an vielen Seen Richtung Lanin Nationalpark. Vor San Martin de los Andes finden wir einen Schlafplatz an der Straße. Heute hat unsere Tour exakt die Länge des Erdumfangs erreicht.

Samstag, 29. Januar 2005 (387 km/42.586 km/150 km/9.849 km) (392 m H.)
(NL168: S 3931,144 W 6917,673 Picun Leufu/Argentinien)

Auf dem Weg zum Nationalpark sehen wir den wunderschönen Vulkan schon von weitem völlig wolkenfrei. Im Park ist die Sicht jedoch schlechter. Wir fahren bis zum Ende der Straße und laufen dort zu einem Wasserfall hoch. Der Vulkan jedoch zeigt sich nur kurz und nicht ganz zufrieden verlassen wir den Park. Um abzukürzen wählen wir eine Seitenstraße, welche in roter Schrift als unwegsam ausgeschildert ist. Ich zögere deswegen. Gabi meint jedoch: "Warum nicht ein bisschen Abenteuer?" Also dann rein ins Vergnügen. Es gibt ein paar schwierige Stellen und 3 Tore sind zu öffnen, aber sonst kein Problem für unseren Toyota. In Piedra de Aquila essen wir und machen den Trotterbericht fertig. Hinter der Tankstelle finden wir unser Nachtlager.

Sonntag, 30. Januar 2005 (406 km/42.992 km/111 km/9.960 km) (464 m H.)
(NL169: S 3751,680 W 6920,532 Ruta 7 zw. Anelo u. Chos Macal/Argentinien)

Dinospuren Um 8.30 Uhr fahren wir nach El Chocon, einem Ort an dem Saurierskelette und Fußabdrücke gefunden wurden. Nach einem kurzen Abstecher zum Stausee besichtigen wir die versteinerten Fußabdrücke der Urzeitriesen. Es regnet dabei in Strömen. In Neuquen tanken wir 200 l und bekommen eine Info, dass nordwestlich am Lago Los Barriales eine weitere Ausgrabungsstätte sei. Nach mehrmaligem Fragen stehen wir vor den versteinerten Gebeinen mehrerer Saurierarten. Über die 51 fahren wir auf die Ruta 7, welche irgendwann in eine Sandpiste übergeht. Ich stoppe an einem Abzweig um mich kurz zu orientieren und rutsche den Straßenrand hinab. Ein LKW-Fahrer stoppt und bietet uns Hilfe an. Wir können uns allerdings alleine befreien. Einige km weiter passiert das gleiche noch mal. Ab jetzt bleibt der Allrad bis auf weiteres drin. Immer wieder sind tückische Weichsandfelder zu passieren. Dann finden wir einen Schlafplatz hinter einer Düne, über uns das Kreuz des Südens.

Montag, 31. Januar 2005 (394 km/43.386 km/240 km/10.200 km) (1.387 m H.)
(NL170: S 3527,633 W 6935,168 Malargüe/Argentinien)

Hexenhöhle Obwohl wir zeitig wach sind kommen wir nicht los. Abwechselnd laufen wir mit dem Spaten hinter den Busch. Dann geht es mit Allrad weiter auf Sandpiste. An einem einsamen Haus "in the middle of nowhere" fragen wir nach dem Weg. Es ist immer wieder erstaunlich, was für Fleckchen sich so manche Menschen zum Leben aussuchen. Ein paar Kreuzungen ohne Wegweiser, dann sind wir auf Teer, welcher uns irgendwie an die BR 319 durch den Amazonasdschungel erinnert, zum Glück ohne Schlammkuhlen. Wir suchen die Cueva de las Brujas (Hexenhöhle), wo wir gegen 16 Uhr eintreffen. Nach 2 Stunden warten, können wir an der letzten Führung teilnehmen. Wir sind schon in einigen Höhlen auf diesem Planeten herumgekrochen, aber keine war so eng und verwinkelt wie diese. Gegen 20 Uhr fahren wir nach Malargüe, essen dort und schlafen wie schon oft zu vor an einer Tankstelle.