Südamerika Teil 11

Samstag, 11. Dezember 2004 (2. Teil)

Die Einreise nach Bolivien ist unkompliziert. Der Ort Copacabana, Namensgeber für den weltberühmten Strand von Rio, bietet alles was das Herz begehrt. Wir fahren zur Fähre über den Titicacasee. Entlang der Straße stehen haufenweise Kinder, die bei jedem Auto die Hand oder einen Hut aufhalten. Was ist den hier in der Region passiert? Fähre über den Titicaca See Die Fähre ist ein echtes Abenteuer. Sie biegt sich in den Wellen, als wäre sie aus Gummi. Wir kommen heil am anderen Ufer an. Der See und die umliegenden Berge zeigen sich heute in ihrer ganzen Pracht. Beim Anblick des Altiplano, dieser 4.000 m hohen Ebene, kommt mir der Vergleich mit Ostfriesland, wären da nicht die Schneeriesen am Horizont. "Wenn die Berge nicht wären, sehe es hier aus wie im Flachland", sage ich zu Gabi. Sie darauf: "Es ist doch immer so!" Wir landen in einem Vorort von La Paz. Hier ist der Teufel los. Ein Fest tobt mitten in der Stadt. Gabi fotografiert ihren Chip voll und die Batterien leer. Nach mehrmaligem Fragen finden wir die Straße nach Tihuanaco, unserem nächsten Ziel. Wir essen im und schlafen außerhalb des Ortes.

Sonntag, 12. Dezember 2004 (371 km/28.379 km/4 km/5.241 km) (4.032 m H.)
(NL120: S 18°05,692 W 68°44,525 Sajama-Nationalpark/Bolivien)

Um 8 Uhr stehen wir am Eingang der Ruinen. Diese öffnen aber erst eine Stunde später. Wir finden kein Restaurant zum Frühstücken, deshalb kaufen wir im Lädchen von Tante Emma ein. Unseren leeren Laptop können wir im Museum laden. Die Besichtigung der Tempelanlage dauert länger als erwartet. Gabi entdeckt 2 große Taranteln, die in Höhlen leben. Dann sehen wir bunte Spechte und Gabi fällt die Kamera aus der Hand. Da heute scheinbar ihr Glückstag ist, funktioniert sie nicht mehr. Den ganzen Morgen kämpft sie schon mit tränenden Augen, wahrscheinlich auf Grund einer Allergie. Das sie jetzt schlechte Laune hat ist verständlich. Nach 12 Uhr fahren wir Richtung La Paz. Wir tanken 30 l in El Alto, einer Trabantenstadt und hoffen in La Paz eine neue Digital-Kamera und Diesel mit Kreditkarte zu bekommen. Hinter dem nächsten Abhang müsste La Paz auftauchen. Irgendwie scheinen wir uns verfahren zu haben, denn nicht mal ein Schild kündigt die größte Stadt Boliviens an. Normalerweise findet man aus solchen Städten nur schwer raus, hier finden wir nicht rein. Nach einer Stunde suchen stehen wir an einem Abgrund und blicken auf die wirklich schöne Stadt tief unter uns in der Schlucht. Auf der neuen, noch nicht fertigen Straße fahren wir nach unten. Wir fragen in 2 Fotogeschäften nach einer neuen Kamera, aber bei dem Preisleistungsverhältnis kaufen wir nicht. Auch der Versuch mit Kreditkarte Diesel zu bekommen scheitert. Wir verlassen die Stadt Richtung Süden. In Patacamaya Tanken wir ein zweites Mal 30 l und essen zu Abend. Nun müssten wir mit unserem Diesel Arica in Chile erreichen. Wir stoppen am Eingang des Sajama-Nationalparks und schlafen.

Montag, 13. Dezember 2004 (275 km/28.654 km/87 km/5.328 km) (5 m H.)
(NL121: S 18°29,530 W 70°19,679 Arica/Chile)

Wir haben den Sonnenaufgang verpennt. Der wunderschöne, 6.520 m hohe Vulkan Sajama steht völlig frei direkt hinter uns. Wir räumen im Auto auf und fahren ihm entgegen. Die Zwillingsvulkane im Lauca-Nationalpark tauchen kurze Zeit später über dem Horizont auf. Wir stoppen immer wieder um zu fotografieren. 2 kleine Abstecher von der Teerstraße in den Park, dann sind wir an der chilenischen Grenze. Wir tanken 90 l, essen köstliche Forelle und fahren ins 12. Land unserer Tour. Die Ausreise geht schnell und problemlos. Die Chilenische Grenze ist 6 km entfernt und liegt an der malerischen Chungara-Lagune. Enten, Gänse, Möwen und Flamingos kann man hier beobachten. Dahinter stehen die mächtigen Zwillingsvulkane. Der Chilenische Zoll stöbert das ganze Auto durch, ansonsten läuft auch hier alles unkompliziert. Wir warten vergeblich auf besseres Wetter. Die Straße führt über einen 4.660 m hohen Pass. Nur der Gipfel des Mont Blanc in Europa liegt höher. Wir hören Geräusche am Auto. Eines verursacht wieder mal der Auspuff. Das Andere scheint von den Bremsen zu kommen und das jetzt auf einer Straße, die von über 4.000 m auf Meereshöhe fällt. Wir kommen heil unten an, entdecken Geoglyphen an den riesigen Dünenbergen und erreichen Arica gegen 17 Uhr. Die Suche nach einer Toyota-Werkstatt endet bei Goodyear. Dort kann man auch nach den Bremsen schauen, jedoch erst am nächsten morgen. Wir fahren ins Zentrum, tauschen Geld, geben die kaputte Kamera zum Reparieren und suchen Fotogeschäfte um eventuell eine andere zu kaufen. Überall Leuchtreklame, Großbildvideos an Hausfassaden, Geschäfte, Restaurants, Internetcafes, alles was das Herz begehrt. Was für ein Kontrast zum Bolivianischen Altiplano, dieser einsamen, öden Hochebene. Las Vegas lässt grüssen. Wir essen im McDonald, dann noch ein Eis und gehen zuletzt ins Internetcafe. Dann fahren wir zum Schlafen an den Strand.

Dienstag, 14. Dezember 2004 (324 km/28.978 km/13 km/5.341 km) (1.042 m H.)
(NL122: S 20°15,012 W 69°47,143 Pozo Almonto/Chile)

Unser erster Blick am Morgen, eine dicke, in eine Schürze gekleidete Frau mit Kippe im Mund, ihre Kinder anschreiend. Familie Flotter lässt grüßen. Mein rechtes Auge ist dick angeschwollen. Ich sehe aus wie Karl Dalls Spiegelbild. Soweit ich mich entsinnen kann hat er links sein Triefauge. Wir fahren zur Goodyear-Werkstadt. Die schicken uns zu ihrer Zweigstelle. Vorher holt Gabi ihren Fotoapparat aus dem Geschäft. Er ist reparabel, dauert aber eine Woche, also nehmen wir ihn aus Zeitgründen wieder mit. In der Werkstatt lassen wir die Bremsbacken wechseln und den Auspuff neu anschrauben. 2 Stunden später ist unser Toyota fahrbereit. Während der Reparatur schreiben wir am Bericht 10. In einer Pizzeria arbeiten wir weiter daran. Dann fahren wir auf der Panamericana nach Süden. Riesige Dünen, tiefe Täler, unendlich weite Ebenen und Geoglyphen säumen unseren Weg. Am Cerro Unita, dem größten Scharrbild der Welt machen wir einen kurzen Stopp. Hier waren wir vor 7 Jahren schon mal. In Pozo Almonte halten wir an einem Restaurant, essen zu Abend, vollenden unseren Bericht und schlafen auch dort.

Mittwoch, 15. Dezember 2004 (453 km/29.431 km/51 km/5.392 km) (4.320 m H.)
(NL123: S 22°19,587 W 68°04,393 Tatio-Geysire)

Nach ruhiger Nacht stehen wir spät auf, kaufen ein paar Lebensmittel und essen während der Fahrt. Gabi will ein Panamericana-Schild als Souvenir. Am dritten Schild stoppen wir. Etwa 20 km vorher stand ein Polizeijeep am Straßenrand. Immer wenn kein Auto in Sicht ist, schraube ich. Kommt eines näher, baue ich den Luftfilter als Tarnung aus. Dann gleich ein doppelter Fall von "Womanologic". Gabi fragt, ob das was bringt mit dem Luftfilter!?! Und als sie das Schild endlich in der Hand hält, sucht sie nach einer heruntergefallenen Mutter, statt es erst mal im Auto zu verstecken, unglaublich. Das nächste Auto könnte die Polizei sein. Das Schild ist provisorisch verstaut, was mir irgendwie nicht gefällt. Gabi meint jedoch das ist schon o. k. Dann etwas unerwartet eine Zollkontrolle mitten im Land. Wenn die das Schild finden gibt es Ärger. Wir haben jedoch Glück, 2 Stempel auf dem Autopapier und eine Frage, dann sind wir durch.
Müdigkeit überkommt uns. Wir schlafen an einem Restaurant. Dann biegen wir Richtung Calama ab. Dort tanken wir, verschicken unseren Reisebericht 10 und kaufen im Supermarkt ein. Danach findet Gabi doch eine brauchbare Kamera und wir düsen um 19.30 Uhr los zu den Tatio-Geysiren. Vor 7 Jahren hatten wir dort oben eine üble Erfahrung gemacht. Uns hatte die Höhenkrankheit richtig böse erwischt.
Wir nehmen diesmal den Weg über Chiu-Chiu bergauf, der mittlerweile geteert ist. Ironie des Schicksals. Damals sind wir im Opel Corsa auf Wellblechpiste zu den Geysiren gefahren, jetzt fahren wir auf Teer mit unserem Supergeländewagen! Die letzten 40 km sind dann "Gott sei Dank" Wellblech. Wir erreichen das Geysirfeld gegen 22.30 Uhr und sind wie damals allein. 2 °C zeigt das Thermometer. Zum Baden haben wir keine Lust. Das Becken ist im Dunkel eh nicht zu finden. Aber um 22.44 Uhr doch eine denkwürdige Sekunde. Ich beiße in ein Wurstbrötchen. Das wollte ich damals auch tun, jedoch aus Übelkeit, Kopfweh und Atemnot brachten wir keinen Bissen runter. Gabi ist mit ihrer neuen Kamera beschäftigt. Ich schreibe noch Tagebuch. Um Mitternacht legen wir uns schlafen. Mein Triefauge ist etwas besser geworden.

Donnerstag, 16. Dezember 2004 (268 km/29.699 km/194 km/5.586 km) (3.708 m H.)
(NL124: S 21°27,350 W 66°50,125 Grenzübergang Ollagüe/Bolivien)

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Ein Touristenbus nach dem anderen kommt angefahren. Die Geysire sind schon tätig, zum fotografieren ist es noch zu dunkel. Das Wetter ist genial, besser als 1997, der Himmel wird strahlend blau. Tatio Geysire Es war eine gute Entscheidung hier noch mal herzufahren. Das Badebecken wird von Touristen benutzt. Wir wollen unsere Eier kochen und stellen einen Topf einfach in einen Geysir. Wir kommen mit einem jungen Deutschen ins Gespräch, der diese Nacht mit seiner Freundin hier oben gezeltet hat. Keiner hat den anderen bemerkt. Dann gegen 10.30 Uhr haben wir die Geysire und das Badebecken für uns allein. Wir frühstücken ausgiebig, dann tauchen gegen 12 Uhr 4 Amerikaner auf. Zu spät kann ich da nur sagen, die Geysire schlafen schon längst und stehen erst am nächsten morgen wieder auf. Wir verstauen unsere Sachen im Auto, vor allem das Panamericana-Schild, damit es an der Grenze nicht gefunden wird.
Um 13 Uhr verlassen wir diesen traumhaften Ort und fahren die gleiche Strecke zurück bis Chiu-Chiu. Dann biegen wir nach Norden Richtung Ollagüe ab. Wir entdecken einen relativ jungen Vulkan und Gabi will ihn besteigen. Was tut man nicht alles aus Liebe, also kraxle ich auch mit hoch. Loses Geröll, dünne Luft und Windstärke 8 machen die 180 Höhenmeter zu einer Herausforderung. Oben angekommen entlohnt der Blick in den Krater für alle Strapazen.
Dann ist die Straße an einem Kontrollposten gesperrt. Wir warten und hupen, niemand ist da. Ich laufe um die Gebäude und sehe nur einen Esel und ein Schaf. Letzteres läuft auf mich zu, wird schneller, senkt den Kopf und will mich rammen. Ich springe auf Seite. Es nimmt erneut Anlauf, wird schneller und senkt den Kopf. Ich hole aus und hau ihm voll eins in die Fresse. Was macht das Schaf? Es guckt belämmert. Wir umfahren die Absperrung, wozu haben wir einen Geländewagen? Hoffentlich fehlt uns dann nicht ein Stempel bei der Ausreise. Die Straße führt mitten durch einen Salzsee. Ein paar jämmerliche Kläffer tauchen auf, dann kommt der Grenzort Ollagüe mit 256 Einwohnern in Sicht. Es ist nach 20 Uhr, trotzdem fertigt man uns noch ab. Im Niemandsland ein riesiges Entfernungsschild, Uyuni 200 km, Potosi 900 km und eine grauenvolle Piste. Das wir am Bolivianischen Grenzposten nicht vorbeigefahren sind, grenzt an ein Wunder. Alle Lichter sind aus, also schlafen wir hier.

Freitag, 17. Dezember 2004 (234 km/29.933 km/234 km/5.820 km) (3.687 m H.)
(NL125: S 20°27,350 W 66°50,125 Uyuni/Bolivien)

Um 7 Uhr schmeißen wir erst die Polizei, dann den Zöllner aus dem Bett. Auch hier in diesem Kaff läuft alles reibungslos. Wir können noch 5 l Wasser aus einem Tank mitnehmen. Wasserleitungen gibt es nicht. Dann fahren wir auf der breiten Wellblechpiste nach Süden. Der Weg ist beschissen. Bei 30 km/h denkt man, das Auto fliegt auseinander. Bei 60 fährt es ruhiger. Hat man die Geschwindigkeit erreicht, führt eine Umleitung quer durch die Pampa um eine Baustelle. So geht das über 200 km. Man könnte echt die Nerven verlieren. Hitze, Staub und Gerüttel machen die Fahrt zur Hölle. Gabi findet beim Pinkeln sensationell eine Pfeilspitze. Irgendwie stimmt die Piste nicht mit unserer Landkarte überein. Nach 30 km müsste ein Ort kommen. Nach 60 ist noch keiner da. Dann endlich ein paar Häuser. Wir fragen ein Mädchen, das neugierig auf unser Trittbrett steigt, ins Auto schauen will und sich dabei mit einem lauten "Aua" den Kopf anhaut. Das haste von deiner Neugier! Nach ihrer Aussage sind wir auf einer ganz anderen Piste, die nicht mal auf unserer Karte verzeichnet ist. Wie konnte das passieren? So kommt unser ganzer Plan durcheinander. Den großen Salzsee können wir wahrscheinlich abschreiben. Wir hören unbekannte Geräusche am Auto. Ist bei dieser Straße aber nichts Außergewöhnliches. Normale Pkws fahren hier überhaupt nicht. Ein Geräusch kommt vom Dach. Ich muss die Sandbleche neu verzurren. 2 Furten sind zu durchqueren, dann haben wir Uyuni Gott sei Dank erreicht und können erst mal aufatmen.
Jetzt brauchen wir Bares, sonst stecken wir aus Geldmangel fest. Alle Wechselstuben haben um 16 Uhr geschlossen, vor der Bank steht eine Schlange Menschen. Gabi kommt gelaufen und sagt: "Das vordere Differenzial tropft!" Im gleichen Moment komm ich mit den letzten Leuten in die Bank. Geld haben wir nun, aber was ist mit dem Auto. Ein Differenzialschaden könnte bedeuten, dass die Tour hier für längere Zeit stoppt und wir Feuerland nicht erreichen. Es ist zum Glück nur der Stossdämpfer. Dabei entdecke ich dass die Bolzen an den Blattfedern auch böse mitgenommen sind. Das waren wohl die neuen Geräusche. Wir gehen ins Internet und bestellen die Kamera ab, die uns Heinz Schulze am 2. Januar 2005 mitbringen sollte. Dann gehe ich zu einem örtlichen Reiseveranstalter und frage nach dem Salzsee und einer Werkstatt. Gut beraten suchen wir den Mechaniker, der zwar heut nicht mehr arbeitet, dafür morgen um 7.30 Uhr alle Schäden beheben kann.
Wir essen Hähnchen in einem kleinen Restaurant, als der Zöllner von heute morgen mit seinem 1 ½ jährigen Söhnchen herein kommt. Der Bub (wohlgemerkt 18 Monate alt) isst Pommes mit einem spitzen scharfen Fleischmesser. Wir können es nicht glauben. Papa Zöllner sitzt seelenruhig daneben. Bei der Schlafplatzsuche landen wir auf dem örtlichen Flugplatz, was Gabi zum Glück noch bemerkt. Nichts wie weg, obwohl hier diese Nacht garantiert keine Maschine landet.

Samstag, 18. Dezember 2004 (296 km/30.229 km/296 km/6.116 km/203 km im Salzsee)
(3.687 m H.) (NL126: S 20°27,301 W 66°48,896 Uyuni/Bolivien)

Wir sind um 7.30 Uhr an der Werkstatt. Alles geht recht schnell, 8 Bolzen an den Plattfedern und ein Stoßdämpfer werden gewechselt. Außerdem noch am Auspuff herum gebogen. Wollen tanken, es gibt hier aber kein Diesel. An der 2. Tankstelle bekommen wir 100 l. Der Auspuff klappert mehr als vorher. Zurück in der Werkstatt wird er mit Draht fixiert. Ich befestige noch einen Schnellspanner.
Salar de Uyuni Dann fahren wir nach Colchani, der Einfahrt in den Salzsee. Am Rand wird Salz gewonnen, dann taucht das Salzhotel auf. Die Insel Incahuasi ist unser nächstes Ziel. Mit 80 km/h fahren wir die 60 km über die weiße, endlos erscheinende Fläche. Auf der malerischen Insel gibt es neben Kakteen auch ein hasenartiges Säugetier und Skorpione.
Dann sehen wir einen Toyota in eine andere Richtung fahren. Gabi will hinterher, aber wir verlieren ihn bei 3 kleinen Inseln. Dann tauchen 4 weitere Geländewagen auf. Denen folgen wir und landen zuerst an der Südeinfahrt des Sees, dann an ein Museum mit Mumien und Pfeilspitzen. Danach noch an einem Berg mit einem Höhlenfriedhof und einer Grotte mit versteinerten Algen. Gegen 17 Uhr fahren wir den gleichen Weg zurück. Unser Dachgepäckträger hat sich losgerüttelt. Im Sonnenuntergang ist der See noch schöner. In Uyuni wollen wir ein Hähnchen essen. Die Bedienung ist doof, deshalb gehen wir ins gleiche Restaurant wie gestern. Dann stoppen wir an einer Tankstelle und schlafen.

Sonntag, 19. Dezember 2004 (373 km/30.602 km/215 km/6.331 km) (2.811 m H.)
(NL127: S 19°02,856 W 65°15,531 Sucre/Bolivien)

An den Radkästen des Autos hängt 5 cm dick das Salz vom Salar. Wir bekommen einen Schlauch mit 5 Löchern, aber besser wie nichts. In der Stunde in der ich mit Autowaschen beschäftigt bin, beschriftet Gabi Bilder am Laptop. Auf dem Markt holen wir uns etwas zu essen und besichtigen den Zugfriedhof. Friedhof ist passend, da die alten Loks hier ungeschützt zusammenrosten. Eine echte Sehenswürdigkeit für unseren Zugfreak in der DZG Jochen van der Linde. Um 11 Uhr verlassen wir Uyuni Richtung Nordost auf schlechter Wellblechpiste. Wir müssen unseren Dachgepäckträger gleich 2 Mal festschrauben, außerdem fällt die rechte Nebelschlussleuchte aus der Halterung. Die Landschaft entschädigt wie so oft zuvor auch hier für alle Strapazen. Ein Abschnitt wird Valle Hermosa genannt, das schöne Tal. Kurz vor 17 Uhr erreichen wir Potosi, unser Tagesziel. Wir fahren spekulativ zur Mine und siehe da, wir bekommen am Sonntagabend eine Privatführung. Also können wir heute noch weiter fahren. Sucre, die Hauptstadt des Landes erreichen wir gegen 20 Uhr. Wir halten auf dem Hauptplatz und finden einen Chinesen, Gabis Wunschrestaurant. Alles sieht gut aus bis aufgetischt wird. Erst kommt meine Tomatensuppe, dann ein Gericht mit Reis. Gabis Suppe viel später. In meiner Suppe schwimmt eine Kakerlake! Mahlzeit! Ich lasse sie zurückgehen. Darauf werde ich gefragt, ob ich eine neue Suppe möchte! Wie meint die gute Frau das, oder vielleicht doch die Alte ohne Kakerlake? 10 Minuten später bekomme ich eine andere siedendheiße Suppe. Das Gericht auf dem Tisch ist auch meines allerdings mit Reis, nicht mit Nudeln wie bestellt. Also geht auch das zurück. Endlich bekommt Gabi auch ihre Suppe. Ich habe nun eine heiße Brühe und ein kaltes Hauptgericht. Gabi bekommt ihr Gemüse ohne Beilage und das Klo lässt sich nicht abschließen. Wir schlafen draußen auf dem Hauptplatz ohne große Störungen.

Montag, 20. Dezember 2004 (335 km/30.937 km/271 km/6.602 km) (1.208 m H.)
(NL128: S 19°48,313 W 63°49,597 nach Monteagudo/Bolivien)

Um 6 Uhr klingelt der Wecker, keiner steht auf. Die Stadt ist auch am Tag nicht das, was sie verspricht. Wir finden die Post und schicken alle Postkarten los. Dann fahren wir Richtung Osten, wollen die Grenze noch erreichen. Nach Tarabuco nur noch Erdstraße. Ab hier stehen wieder bettelnde Kinder am Straßenrand. Der Weg ist staubig nach Monteagudo. Dort kommen wir um 17.30 Uhr an und finden im 2. Anlauf ein Restaurant. Gut und billig, mit 2 bettelnden Katzenkindern. Auf der Suche nach einer Tankstelle, die wir dann auch finden, sehen wir, wie groß die Stadt ist. Wir fahren noch einige km nach Osten und stoppen an der Straße in einer Kuhherde. Gabi hat Schüttelfrost, trotz 25 °C im Auto.

Dienstag, 21. Dezember 2004 (495 km/31.432 km/325 km/6.926 km) (183 m H.)
(NL129: S 21°41,928 W 57°38,027 vor Mariscal Estigarribia/Paraguay)

Heute ist Hektikfahrtag angesagt. Um 7 Uhr heizen wir los und haben keine Ahnung was uns erwartet. Das dritte unbekannte Wegstück steht bevor, der Grenzübertritt von Bolivien nach Paraguay nach Boyuibe auf der Strasse 6. Wir fahren durch Regen- oder Nebelwald auf ungeteerten Serpentinen bergauf und bergab. Dann der erste Schreck, ein Erdrutsch groß wie ein Mehrfamilienhaus. Ein Bulldozer ist schon am Arbeiten und nach 10 Minuten geht es weiter.
Wir erreichen das Flachland. Die Erdstrasse ist nass. Ein Bus steht quer auf der Fahrbahn und man versucht ihn gerade zu bergen. Mein Angebot, ihn mit der Winde raus zu ziehen wird falsch verstanden. Kurze Zeit später hängt er noch tiefer drin, dafür können wir passieren. Ein km weiter eine Fata Morgana, eine neue Teerstraße. Es gibt doch noch Wunder. Allerdings müssen wir gleich 5 Mal bezahlen, Polizei, Maut, irgendwas, noch mal Polizei und noch mal Irgendetwas. So gut ist die Straße nun auch nicht. In Boyuibe suchen wir den Abzweig zur Grenze und werden erst nach 3 Mal fragen fündig. Ein Feldweg führt von hier nach Paraguay. ( Strasse nach Paraguay Aus der Traum von der schnellen Fahrt nach Asuncion. "Bierbauchbäume" säumen unseren Weg. Dann wird es nass und schon schieße ich mit 80 km/h von der Straße ins Gebüsch. Wir stecken im knietiefen Schlamm. Nichts geht mehr. Als ich versuche das Windenseil auszuziehen, was ich nur mit Gabis Hilfe kann, bleibt sie schön brav im Auto sitzen. Eine lästige Fliegenart treibt mich bald zum Wahnsinn. Zu Hunderten sitzen sie auf mir, kriechen in Nase, Mund und Ohren, vielleicht stechen sie ja auch. Panisch fuchtele ich mit Seil und Fernbedienung herum und Gabi rührt sich immer noch nicht, obwohl ich mehrmals rufe. Der Motor läuft ja noch. Endlich setzt sie ganz vorsichtig einen Fuß aus dem Auto, nur nicht dreckig werden. Ich flippe fast aus vor Fliegen, werde langsam wütend. Dann endlich kann ich das Seil mit ihrer Hilfe ausfahren. Ein Baum 20 Meter entfernt ist die Rettung. Ich quetsch mich durch den Zaun und stehe vor einem Dornengestrüpp. Ist denn wieder alles gegen mich? Dornen auf Seite, Seil um den Baum, durch den Zaun und zurück in den Schlamm. Die Winde zieht an, klack, nichts geht mehr. Die Sicherung ist ausgerastet, wie ich gleich auch. Die verdammten Fliegen nerven mich noch mehr. Die W inde zieht und wir stehen auf halbwegs festem Grund 5 m neben der Straße. Seil einziehen u nd mit Vollgas zur Straße zurück. Rums, wir stecken zum zweiten Mal. Das ganze von vorne, diesmal auf die andere Seite. Schlamm, Zaun, Gestrüpp, Fliegen, Hitze, verdammte Scheiße!?!?! Wir stehen auf der Straße, Glücksgefühle steigen in uns auf. Nichts wie weg von hier und eben vorsichtiger fahren. Millionen von Schmetterlingen begleiten uns. Wir erreichen eine Kaserne vor der Grenze und werden registriert. Nur noch wenige km bis Paraguay, dann eine wie immer unbeschriftete Straßengabelung. Niemand in der Nähe, da kommt ein Hund aus dem Gebüsch, gefolgt von einem zweiten. Also doch irgendwo ein Mensch? Tatsächlich, da steht ein Haus, in dieser gottverlassenen Gegend. Die Frau kennt den Weg. Ein weißer Obelisk taucht auf. Rechts steht Bolivien, links Paraguay, also die Grenze und keine Menschenseele in der Nähe.
Da kommt ein Soldat mit Gewehr angesprintet. Wir sollen zum Grenzposten hinter dem Hügel. Gesagt, getan, jedoch haben sie dort keinen Ausreisestempel und der Chef ist auch nicht da. Wir sollen warten. Wir lassen den Ranghöchsten unterschreiben, die können uns mal wenn wir in Paraguay sind.
Auf der anderen Seite auch nur Militär. Die nehmen alle Papiere mit ins Haus, als wir sie zurückbekommen ist auch nichts abgestempelt. 12 km weiter ist ein zweiter Militärposten mit einer Alkfahne, aber sehr freundlich. Erst in Mariscal Estegarriba werden die Grenzformalitäten abgewiegelt und bis dorthin ist noch ein gutes Stück schlechter Weg. Meine Frage, ob viel Wasser auf der Straße wäre wird verneint, wir bräuchten aber Allrad. Weichsandfelder sind die ersten 30 km zu passieren, dann taucht ein riesiges Schlammloch auf, das nicht zu umfahren ist. Eine LKW-Spur führt hinein und verschwindet unter Wasser. Wir nehmen die linke Seite und fahren uns, trotz Allrad in der Mitte im 50 cm tiefen Wasser, fest. Verdammt, kein Baum in der Nähe. Zum Glück können wir uns rückwärts befreien. Die rechte Seite ist zwar tiefer aber mit festem Untergrund. Der Schlamm spritzt beim Durchfurten übers Dach.
Ein weiterer Militärposten registriert uns. Nun folgen Schlammlöcher ohne Ende, wie a uf einer Perlenschnur aufgereiht. Von wegen kein Wasser, da ist mehr auf der Straße als in der Fränkischen Saale. Wir kommen uns vor wie im U-Boot. In der Dämmerung finden wir ein Schild, 143 km bis Mariscal Estigarriba. Wir beschließen durchzufahren. Die Piste wird nicht besser, dann plötzlich völlig unerwartet Teer. Wir geben Gas, höchstens n och 1 ½ Stunden. Dann die Ernüchterung, als wir mit 80 km/h von der Teerstraße in eine Wellblechpiste brettern. Aus der Traum, zumal es laut und heftig klappert. Wir suchen die Ursache und Gabi findet zum zweiten Mal ein Stück von unseren Plattfedern. Das Ironman Fahrwerk löst sich langsam in Wohlgefallen auf. Wir sind wütend darüber, können aber nichts ändern. Ein richtiger See taucht auf, ich kann die Ausfahrt im Dunkeln auf der anderen Seite nicht erkennen, also drehen wir um. Wir finden keinen anderen Weg der uns nach Mariscal Estigarriba bringen könnte. Wir stoppen in einer Ausbuchtung des Regenwaldes und bauen nach langer Zeit mal wieder den Moskitodom auf. Ein junges Hündchen kommt angeschwänzelt, ein richtig nettes Kerlchen und schläft die ganze Nacht neben uns.

Mittwoch, 22. Dezember 2004 (585 km/32.017 km/20 km/6.946 km) (69 m H.)
(NL130: S 25°16,835 W 57°38,027 Asuncion/Paraguayy)

Der kleine Kläffer ist auch am Morgen noch da, sucht Anschluss. Schweren Herzens lassen wir ihn im Dschungel zurück. Wir schauen am vermeintlichen See von gestern, der im Tageslicht viel kleiner wirkt und leicht zu durchfahren ist. Jedes Schlagloch macht s ich mittlerweile mit einem heftigen Rums bemerkbar. Da muss noch mehr kaputt sein, die Stoßdämpfer vielleicht? Es taucht eine weitere Baustelle auf, die auf Piste zu Umfahren ist, dann haben wir es endgültig geschafft.
Wir haben Mariscal Estigarriba erreicht, den ersten wirklichen Ort in Paraguay, 250 km von der Grenze entfernt. Wir suchen und finden den Zoll und die Einreisebehörde in 2 kleinen Hütten neben der Straße. Aus der zweiten kommt ein Junge, mit einem Ziegenbock an der Leine. Uns wundert mittlerweile gar nichts mehr. Man macht uns aufmerksam, dass uns der Ausreisestempel aus Bolivien fehlt. Dann ist die Einreise geschafft. An der Essotankstelle tauscht man uns Geld, weil es keine Bank gibt. Jetzt merken wir erst, dass wir gestern außer ein paar Popcorn und 2 Dosen Bier, gar nichts gegessen haben. An der Tankstelle gibt es alles, was wir in den letzten Monaten vermisst haben, Wurst, Käse, Yoghurt, Kekse, Brötchen! Wir sind zurück in der Zivilisation. Draußen gibt es einen Wasserhahn. Ich wasche mir erst mal den Schlamm von Beinen und Sandalen, dann Kopf und Oberkörper. Gabi Haare und alles andere Mögliche.
Um 10.30 Uhr brechen wir nach Asuncion auf. Die Zeit drängt. Dort gibt es bestimmt eine Toyota-Werkstatt und übermorgen ist Heilig Abend. Also nichts wie hin. Außer ein paar Schlaglöchern gibt es nichts zu berichten. In der Dämmerung erreichen wir die Hauptstadt, suchen eine Toyota- und finden eine Goodyear-Werkstatt. Egal, die haben uns in Chile auch gut geholfen. Wir fahren ins Zentrum, machen ein paar Fotos und gehen essen. 2 richtige Steaks vom Rind, Pommes und Salat, dazu 2 kühle Bierchen. Wir schlagen uns die Bäuche richtig voll, gehen danach ins Internetcafe und schlafen am Parkplatz vor der Polizei.

Donnerstag, 23. Dezember 2004 (382 km/32.399 km) (228 m H.)
(NL131: S 25°25,783 W 54°38,356 Itaipu/Paraguay)

Am Morgen hat man uns eingeparkt. Wir suchen die Goodyear-Werkstatt von gestern und finden eine Toyotaniederlassung. Ein Angestellter fährt mit uns zu einer Spezialwerkstatt für Autofederungen. Dort lautet die Diagnose, alle Stoßdämpfer im Eimer, auch der in Uyuni neu eingebaute, sowie 2 Plattfedern. Wir bekommen 4 sehr starke Stoßdämpfer, die kaputten Plattfedern ersetzt und 2 zusätzliche hinten eingebaut. 200 € kostet der Spaß, aber unser Toyota ist hinten 10 cm höher. Gute Arbeit. Wir tanken voll, kaufen essen im Supermarkt und machen uns auf den Weg zu den Iguazu-Wasserfällen, den größten und mächtigsten der Welt. Im Dunkeln erreichen wir Ciudad del Este, die Grenzstadt, finden außer Tankstellen, Geldwechslern und leeren Marktständen nichts vor. Enttäuscht fahren wir zum Itaipu-Wasserkraftwerk, ebenfalls das größte der Welt und wollen dort schlafen, um es am nächsten morgen zu besichtigen. Ein Wachposten schickt uns allerdings weg, weil morgen nicht geöffnet ist. Wir fahren zur Tankstelle gegenüber und schlafen dort. Wenigstens mal eine Stunde. Dann Höllenlärm aus Autolautsprechern. Jemand quält uns mit südamerikanischen Corazon-Schnulzen bis zum Abwinken. Dann wackelt das Auto, jedoch nicht wegen uns, sondern weil ein paar Besoffene daran lehnen und sich laut unterhalten. Irgendwann Stunden später ist Ruhe. Hoffentlich sind noch alle Reifen am Auto!

Freitag, 24. Dezember 2004 (49 km/32.448 km) (265 m H.)
(NL132: S 25°27,747 W 55°00,066 Iguazu/Paraguay)

Wir sind etwas gerädert und putzen Zähne am Wasserhahn hinter der Tankstelle. Da spricht uns Fredi, ein Schweitzer an. Er erklärt uns, dass wir heute 3 Stunden brauchen um über die Grenze zu kommen. Außerdem wüsste er eine Deutsche Familie, die sich freut uns als Gäste zu haben. Wir entscheiden uns für einen Heiligen Abend unter netten Menschen und fahren Fredi hinterher.
Weihnachten bei Hanne und Wolfgang Wir landen erst bei Bernd Bredek und seiner Frau Doris, bei denen Fredi einen Grill vorbeibringt. Hier werden wir zu Kaffee und Christstollen eingeladen. Ein erstes bisschen unerwartetes Weihnachten für uns hier Gestrandete. Jörg Rabj ein Österreicher taucht auf und lädt uns prompt zu sich auf ein Bier ein. Auch hier sind wir herzlich willkommen. Seine Frau Christel und 4 süße Schäferhundwelpen begrüßen uns. Wir kosten sein leckeres Hefeweizeneigengebräu und werden zur Weihnachtsfeier am Abend eingeladen. An so einen Heilig Abend hatten wir vorher nicht geglaubt. Fredi und seine Freundin Suni laden uns zum Menü beim Japaner ein. Wir schlagen uns den Bauch voll und fahren zu Wolfgang und Hanne Mierzwa. Die beiden laden uns sofort ein, den Abend mit ihnen zu verbringen. Wir freuen uns über so viel Gastfreundschaft und auf einen Heiligen Abend in Geborgenheit. Wir gehen Eis essen, kaufen Getränke, duschen und essen leckeren Putenbraten mit Gemüse. Dazu trinken wir Champagner und Wein. Es wird ein gemütlicher Abend mit Bildern von unserer Reise und langen Diskussionen. Um 2 Uhr verkriechen wir uns in unseren Moskitodom.

Samstag, 25. Dezember 2004 (0 km/32.448 km) (265 m H.) (NL133: wie NL132)

Wir frühstücken mit Hanne und Wolfgang. Fredi kommt von Asuncion zurück und isst mit uns zu Mittag. Hanne hat leckere Steaks und Gemüse gekocht. Wir verbringen einen gemütlichen Tag im Garten. Am Abend machen wir einen Spaziergang durch den Ort. Dann gibt's noch Steaks zu Abend. Um 22 Uhr verziehen wir uns in den Dom.

Sonntag, 26. Dezember 2004 (80 km/32.528 km) (220 m H.)
(NL134: S 25°36,255 W 54°33,708 Iguazu-Fälle in Argentinien)

Heute schlafen wir länger. Nach dem Kaffee machen wir uns abfahrbereit. Gabi meint, Hanna sieht aus wie meine Mutter, ich meine, Wolfgang sieht aus wie Gabis Vater. Wir laden die beiden zum Japaner ein. Dort treffen sie Freunde, die gerade auf dem Weg zu ihnen waren. Dann kommt der sechste Abschied auf unserer Reise. Wir müssen einfach weiter, die Zeit wird langsam knapp. Mautstelle, dann Grenze. Ein unverschämter Zöllner aus Paraguay will für das Abstempeln des Carnet Kohle sehen, hat er zu mindest gedacht. Brasilien läuft völlig problemlos. Dann fahren wir auf den Parkplatz bei den Wasserfällen. Menschenmengen warten vor uns. Der 5. Bus bringt uns hin. Gleich die erste Sensation, eine Kobra im Gebüsch am Wanderweg. Eine bekloppte deutsche Pauschaltouristin meint, ob die wohl giftig ist. Dazu äußere ich mich besser nicht. Leguane, ein Gürteltier und Nasenbären mit Jungen sind weitere Highlights neben den gigantischen Wasserfällen. Ein Regenbogen verschönert alles, dann geht es nach 2 Stunden zurück zum Bus. Wir überqueren noch die argentinische Grenze und haben somit unser Tagesziel erreicht. An einer Tankstelle kaufen wir Bier und Kekse, essen unsere alten Lebensmittel dazu und schlafen zwischen parkenden LKWs. Gabi hat von Hanna 3 Romane "Küss mich" bekommen und verschlingt sie alle gierig nach viermonatiger Abstinenz.

Montag, 27. Dezember 2004 (133 km/32.661 km) (265 m H.)
(NL135: S 26°34,375 W 54°44,816 Monte Carlo/Argentinien)

Iguazu Wasserfälle Gabi fühlt sich nicht gut. Wir fahren zu den Argentinischen Fällen und sofort mit dem Bähnchen zur ersten Station. Gabi kippt einfach in der Menge um. Erstaunlicherweise gibt es mehrere Helfer in der Menge. Ein Ranger mit Rotkreuzkoffer misst Blutdruck und hält Gabis Beine hoch. Ein Zweiter verteidigt sie heftig vor einer angreifenden Tarantel. Gabi meint später dazu, ihr hättet sie ruhig herkommen lassen können. Na klar, zu einem Kreislaufzusammenbruch noch ein Tarantelbiss.
Nach einer Stunde und 2 Tabletten ist sie wieder auf den Beinen und will gleich Bäume ausreissen. Wir laufen auf Stegen zuerst zur Teufelsschlucht und fahren dann mit dem Boot zur Insel San Martin. Wir sind schwer beeindruckt von diesem Naturwunder. Regenbögen verschönern die Szene auch hier, außerdem gibt es vielerlei Getier. Wir essen, dann laufe ich alleine den oberen Rundweg und entdecke eine 15 cm lange Stabheuschrecke. Wieder zurück, haben wir den letzten Zug verpasst. Treffen mit Lothar Frank Nach 18 Uhr sind wir am Auto und fahren los. Wir wollen Lothar Frank, ein Kumpel von Siggi Burk in Monte Carlo aufsuchen. 120 km, eine Polizeikontrolle und eine Mautstelle sind zu passieren. Im Ort frage ich an einem Laden und 5 Minuten später habe ich Lothar am Telefon. Eine kurze Wegbeschreibung und wir sind bei ihm. Er wohnt zurzeit noch bei seinem Schwager. Wir unterhalten uns eine Weile und gehen dann lecker essen. Lothar spendiert sogar den tollen Abend. Dann sind wir zurück und schlafen im Hof seines Schwagers.




Dienstag, 28. Dezember 2004 (2 km/32.663 km) (NL136: wie NL135)

Lothar weckt uns zum Frühstück. Danach gehen wir ins Internetcafe. Mann kann es kaum glauben, aber das hier sind die lahmsten Leitungen Südamerikas. Kein Bild von den vielen Weihnachtsgrüßen lässt sich anschauen. 2 ½ Stunden dauert die Prozedur unser Bild zu verschicken. Außerdem versuche ich Karin Langenmayr in Buenos Aires anzurufen. Überall sprechen die Menschen deutsch und viele sind mit Lothar verwandt. Im Souvenirladen trinken wir ein Bierchen, statt was zu kaufen. Dann gibt es Asado vom Hausgrill bei Lothars Schwager. Wir platzen fast, endlich mal Fleisch bis zu abwinken. Dann fahren wir mit Lothar, 3 Jungs und einem Kanu zum Parana-Ufer. Hier zahlen seltsamerweise nur die Einheimischen Eintritt. Wir trinken ein kühles Bierchen unter einem Baum und genießen den Ausblick auf den Fluss. Am Abend besichtigen wir Lothars Blockhaus und essen Pizza bei seinem Schwager. Heute wird keiner alt.

Mittwoch, 29. Dezember 2004 (812 km/33.475 km) (67 m H.)
(NL137: S 31°47,752 W 58°19,094 Ubajay/Argentinien)

Gabis Mutter hat heute Geburtstag. Nach dem Frühstück um 9.30 Uhr brechen wir auf nach Süden. Die km-Angaben nach Posadas beeindrucken durch ihre Genauigkeit. So steht vor einem Ort noch 94 km bis Posadas, 500 m weiter im Ort sind es "nur" noch 107 km. Vor der Stadt verfahren wir uns kurz und landen in einer Polizeikontrolle. Irgendetwas ist mit unserer Anhängerkupplung, da wir nichts verstehen, lässt der Polizist uns weiterfahren.
Nach 2 Mautstationen müssen wir für eine Autodesinfektion zahlen. Das kannte ich bisher nur von Russland. Die Krönung jedoch ist, als man uns an einer Polizeikontrolle versucht Aufkleber zu verkaufen. Ansonsten geht es zügig voran. Buenos Aires liegt näher als erwartet.
In der Dämmerung ein Radarwarnschild. Wir stoppen an einer Brücke, da Gabi Wasserschweine gesehen hat. 500 m weiter eine weitere Polizeikontrolle. Wir sind eigentlich schon durch, da winkt man uns zurück. Wir wären zu schnell gefahren und müssten Strafe zahlen. Außerdem ist eine Anhängerkupplung in Argentinien am Auto nicht erlaubt. Wir stellen uns erst mal dumm und sprechen die beiden auf Englisch an. Dann müssen wir mit ins Büro. Eine Satellitenschüssel ist das Radar. Ich sage, dass ich ohne Radarfoto nichts bezahle. Sie schwenken um auf die Anhängerkupplung. In einer Liste zeigt man auf 270 Arg. Peso (das sind immerhin 90 US$). Gabi kommt dazu und schimpft wie ein Rohrspatz. Damit haben die Polizisten nicht gerechnet. Der Ältere schaut schon ganz unsicher. Ich geh zum Auto und schraub die Kupplung einfach ab. 4 Mal werden wir nun aufgefordert sofort weiterzufahren.
Sie haben derzeit einen Mietwagen mit 4 Europäern gestoppt. Ich sage zu ihnen: "Don´t pay!" Darauf kommt ein Bitte! Es sind Schweizer, welche Gabi schon an den Wasserfällen gesehen hat. Von ihnen wollen sie auch Kohle, wären aber schon auf 20 US$ runter gegangen. Mein Rat: "Gebt ihnen 5 Dollar und fahrt weiter." Sie hupen später als sie uns überholen. In Concordia finden wir ein "schnelles" Internet. Wir können endlich unsere Weihnachtspost und eine Mail an Hamburg-Süd verschicken. Gabi hat außerdem eine Weihnachtspostkarte von Herrn Lombrana aus Buenos Aires bekommen. Wir fahren noch 30 km bis an eine Tankstelle und stoppen dahinter. 812 km haben wir heute geschafft. 350 liegen noch vor uns bis Buenos Aires und dann die Suche nach Karin Langenmayr´s Wohnung.

Donnerstag, 30. Dezember 2004 (379 km/33.854 km/2 km/6.948 km) (30 m H.)
(NL138: S 34°33,064 W 58°34,977 Buenos Aires/San Martin/Argentinien)

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Hoffentlich können wir mit Karin und Norberto Silvester feiern. Irgendwie haben wir aber beide bestimmte Zweifel, den trotz 5 Postkarten und 3 Emails kam nie eine Rückantwort von den beiden.
Obelisk in Buenos Aires Wir brechen vor 8 Uhr auf, um nicht in der Dunkelheit in Buenos Aires anzukommen. Es kann schließlich dauern bis wir das Haus von den beiden finden. Ich muss zwei Pausen machen, habe einfach nicht ausgeschlafen. Dank unseres GPS finden wir das Haus von Norbertos Eltern sofort. Die erste Enttäuschung, die sind nicht zu Hause. Wir schieben ein Zettelchen unter die Türe und fahren weiter.
Karins Haus zu finden dauert länger, aber auch hier haben wir die Koordinaten und finden es schließlich. Die zweite Enttäuschung, außer der Schildkröte im Garten ist keiner zu Hause. Ich laufe zum Internetcafe von dem wir damals den ersten Bericht verschickt haben und will fragen ob die beiden noch hier wohnen, da kommt Norberto aus einer Kabine und schüttelt mir die Hand. Sein Gesichtsausdruck spricht jedoch Bände, wir scheinen nicht mehr erwünscht zu sein. Eine Frau auf der Straße übersetzt Norbertos Worte ins Deutsche. Wir können das Haus nicht haben, weil Karin schon im Urlaub ist, und er jetzt auch verreist. Also lassen uns unseren Koffer geben und Norberto bekommt im Gegenzug einen Brief mit einem kleinen Dankeschön. Dann trennen sich unsere Wege, wohl für alle Zeiten. Die dritte Enttäuschung an diesem Tag.
Gabi hat auch nichts Besseres zu tun als mich zu kritisieren. Meine Laune sinkt auf den Nullpunkt. Ein alter Mann namens Franz Josef Pfaab spricht uns in Deutsch auf der Straße an. Er hat viele Kontakte hier und kennt Leute, die uns garantiert helfen können. Wir essen in der Kantine des Deutschen Sportvereins ein leckeren Gulasch, dann taucht sein Freund Walter Ditsch auf, der uns zum Sportgelände seines Vereins bringt. Hier übernachtet auch das Rotel mit seinen Touristen. Die Anlage ist riesig, mit Turnhallen, Sportplätzen und Schwimmbädern. Am Abend ist eine Jahresabschlussfete, da können wir mitfeiern. Das Schwimmbad wollen wir auch nutzen, kostet allerdings ordentlich Geld. 15 US$/Person für eine Woche. Franz Josef will mit uns eine Delta-Rundfahrt machen und Walters Söhne wollen sich um die Rückverschiffung unseres Toyota kümmern. Außerdem kennen beide einige Graf Spee Matrosen. Die meisten sind allerdings schon verstorben. Vielleicht lässt sich ja ein Treffen mit einem der letzten noch Lebenden arrangieren. Walter und Franz fahren. Wir suchen uns einen Schlafplatz und wollen dann ins Schwimmbad. Bis alles geregelt ist, kann ich gerade mal eine Bahn schwimmen, dann machen sie dicht. Die 4. Enttäuschung an diesem Tag. Wir haben Durst und gehen zur Feier. Auch da haben wir Pech. Die packen auch schon zusammen. Enttäuschung Nr. 5. Gabis schlechte Laune hebt meine auch nicht an. Außerdem erreicht uns die Schreckensmeldung von der Tsunami-Katastrophe. Wir trinken außerhalb ein Bier und legen uns in unserem Dom schlafen, da Schwärme von Moskitos auf dem Gelände sind. Obwohl wir in unserem Schlafgemach sicher sind, finden wir keine Ruhe. Die ganze Nacht juckt es überall am Körper, obwohl man weder etwas sieht, noch etwas hört.

Freitag, 31. Dezember 2004 (0 km/33.854 km) (30 m H.) (NL139: wie NL138)

Im ersten Tageslicht erkenne ich kleine weiße Tierchen, die in Gabis Haaren herumturnen. Das muss der Grund für den Juckreiz sein. Haben wir vielleicht Kopfläuse? Ich schaue mich um im Zelt und sehe überall diese kleinen Viecher umher krabbeln. Wir schütteln alles aus und haben Ruhe davor. Keine Ahnung was das war. Der Schreck am Morgen ist bald vergessen und wir vertragen uns auch wieder. Herr Ditsch schaut vorbei und fragt ob alles o. k. ist. Gabi fährt mit ihm und seiner Frau einkaufen. Ich räume den Toyota aus und putze ihn. Unnötige Sachen sortiere ich aus und verstaue sie in unserem Koffer. Dann schlafen wir kurz unter einem Baum und gehen ins Schwimmbad. Dort laden wir in der Umkleidekabine den Laptop und unseren Akkuschrauber. Dann beginnt unsere kleine Silvesterfeier, bei über 30°C. Gabi kocht ein Nudelgericht, wir trinken ein paar Bierchen und eine Flasche Wein. Elena Erats Teelicht für intime Stunden ist unsere Tischdekoration. Schon um 18 Uhr beginnt das Silvesterschiessen. Um Mitternacht sind gleich 5 Feuerwerke um uns herum. Die Menschen hier trauern scheinbar nicht um die Opfer der Flutwelle. Überall wird nur gejammert weil der Staat so korrupt ist, aber hier werden tausende und abertausende von Peso in die Luft geballert. Wir öffnen um Mitternacht, 4 Stunden nach deutscher Zeit, eine Flasche Champagner und schauen kurz rein in die argentinische Silvesterparty. Vor dem Einschlafen denken wir noch an alle zu Hause, denen wir hiermit ein gutes neues Jahr wünschen.