Südamerika Teil 10

Dienstag, 23. November 2004 (274 km/23.647 km/15 km/4.920 km) (406 m H.)
(NL101: S 07°14,160 W 79°12,932 zw. Panam und Cajamarca/Peru)

Gabi am Morgen: "Endlich hab ich mich entschieden, entweder ich stehe auf, oder ich schlafe weiter." Na da kann heute ja nichts mehr schief gehen. Wir fahren durch eine echte Dünenlandschaft. Die Sahara lässt grüßen. Damit hatten wir in Peru nicht gerechnet. Heute beginnen wir mit unserem Sightseeing-Programm. Die Pyramiden von Tucume sind unser erstes Ziel. Es müssen einst beeindruckende Bauwerke gewesen sein. Jetzt erkennt man kaum mehr die ursprüngliche Form, eigentlich sehen sie aus wie Erdhaufen. Wir erklimmen die beiden Aussichtsplattformen und verziehen uns. In Chiclayo essen wir gut und billig beim Chinesen. Dann kämpfen wir uns nach Sipan durch. In der Stadt ein Wegweißer, noch 27,54 km bis zur Ausgrabungsstätte, dann nichts mehr. An jeder Ecke fragen wir nach dem Weg. Die erst 1987 entdeckten Grabanlagen sind beeindruckend. Der so genannte "Herr von Sipan" wurde hier so zu sagen mit Mann und Frau und Kind und Kegel begraben. Wir finden von hier eine Abkürzung zur Panamericana über Zana. 10 km geht es quer durch Felder, dafür gut 80 km abgekürzt. In Zana soll es Wunderheiler geben. Die arbeiten allerdings zu so später Stunde nicht mehr. Wir sind zurück im nächtlichen Chaos der Panamericana, fahren noch bis in den Abzweig nach Cajamarca, da fängt doch unser Guter wieder zu hüpfen an. Deshalb stoppen wir an einem Restaurant und essen zu Abend. Anfangs sind wir allein, so wie damals in Ecuador, doch dann füllt sich die Bude. Wir ordnen unsere Bilder und schreiben am Bericht. Dann hüpfen wir noch ein Stück den Berg hoch und finden einen halbwegs versteckten Schlafplatz unterhalb der Straße.

Mittwoch, 24. November 2004 (245 km/23.892 km) (1.138 m H.)
(NL102: S 07°14,192 W 78°42,422 zw. Cajamarca und Panam/Peru)

Gabi drängt zum Aufstehen. Die Dieselfilter müssen gereinigt werden. Am Wasserabscheider läuft erst gar nichts raus, dann tropft zähflüssiger brauner Brei. Es dauert ewig. Aus dem Filter vorne kommt kohlschwarzer Diesel mit großen Partikeln. Wir machen einen Probelauf. Die Kontrollleuchte des Wasserabscheiders brennt noch immer, also noch mal öffnen. Dann ist es gut. Wir fahren an einem Stausee bergauf bis auf 3.200 m. Cajamarca, die Stadt in der Atahualpa, der letzte Inkaherrscher, von den Spaniern hingerichtet wurde, kommt endlich in Sicht. Zuerst besuchen wir die Banos del Inka und nehmen gleich eine Dusche in der tollen Anlage. Im Restaurant gegen über isst Gabi Fisch, ich eine ausgezeichnet schmeckende Schuhsohle. gebratenes Meerschweinchen Dann fahren wir in das Getümmel der Stadt. Einbahnstraßen und Baustellen zum völlig normalen Chaotenverkehr machen es uns nicht leichter. Wir finden die Kathedrale, die aus Steinen des alten Inkatempels gebaut wurde und den Platz an dem man Atahualpa mit einem Würgeeisen exekutierte. Wir besuchen Otuzco eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe und machen uns in der Dämmerung den gleichen Weg zurück Richtung Panamericana. Der Toyota hüpft schon wieder, dieser verdammte Diesel! An einem Restaurant voller Stechfliegen halten wir. Zu meiner Überraschung gibt es hier gebratene Meerschweinchen. Während Gabi vegetarisch ist, bestelle ich ein Streicheltierchen. Es sieht auf dem Teller wie eine schwanzlose Ratte aus, schmeckt aber nicht schlecht. Egal, wir schlafen hier und wollen morgen eher aufstehen, das Tageslicht besser nutzen.

Donnerstag, 25. November 2004 (267 km/24.159 km) (21 m H.)
(NL103: S 08°05,677 W 79°07,009 Huanchaco/Peru)

Gabi hat den Wecker eine Stunde auf 6.30 Uhr vorgestellt. Ich bin schon vorher wach. Wir frühstücken kurz und reinigen die Filter erneut. Aus beiden kommt jedoch sauberer Diesel. Wir erreichen die Panamericana gegen 11 Uhr. Auch die Weiterfahrt dauert länger als geplant.
In Trujillo angekommen, unserem ersten Tagesziel, gehen wir für 1,25 € essen. Erstaunlich, was man alles dafür bekommt. Suppe, Reis mit Hähnchen und ein Glas Saft. Dann suchen wir die Ruinen von Chan Chan, einem Weltkulturerbe der Menschheit. Wie überall müssen wir uns auch hier durchfragen. Dann fahren wir kurz an den Strand bei Huanchaco um die Fischer mit ihren Schilfbooten zu sehen. Gegen 14.30 Uhr betreten wir Chan Chan und sind beide begeistert. Eine gewaltige Anlage, ja ein regelrechtes Labyrinth, liegt vor uns. Wir verbringen über eine Stunde darin und sind uns klar, dass wir unser Tagesziel nicht schaffen, nämlich noch die anderen beiden Tempel und weiterfahren. Wir planen um, besichtigen das zugehörige Museum und eine weitere Ruinenstätte.
Dann fahren wir zu den Fischerbooten zurück. Den Sonnenuntergang beobachtend, machen wir unseren nächsten Bericht fertig zum Verschicken. Dann fahren wir in den Ort, essen Pizza und Lasagne und trinken einen Liter Sangria. Dann geht's ins Internetcafe. Um 23 Uhr fliegen wir raus und suchen uns einen Platz am Strand hinter einer Mauer in der Nähe einiger Fischerboote.

Freitag, 26. November 2004 (275 km/24.434 km/32 km/4.952 km) (929 m H.)
(NL104: S 09°32,149 W 77°55,357 bei Pariacoto/Peru)

Fischer in Huanchaco 6 Uhr, Stimmen am Auto. Gabi geht auf Toilette und kommt lang nicht zurück. Dann erzählt sie, die Fischer fahren gerade raus. Der Tag fängt gut an. Wir können zuschauen wie sie mit ihren kleinen Schilfbooten riesige Fische aus dem Wasser ziehen. Wir wollen ihnen die Bilder schicken. Als Adresse erhalten wir ihren Namen und den Ort. Zuversichtlich sagen sie, die Post kommt an. Einer zeigt uns ein Wasserloch am Strand in dem wir uns waschen können. Daneben stehen 2 wirklich lumpige Hütten. Der jüngere wohnt in einer davon. Deshalb die merkwürdige Adresse.
Wir suchen den Drachentempel, den wir noch mit unserem gestrigen Ticket besichtigen dürfen. Beeindruckend wie die ganze Anlage von Chan-Chan. Wir haben kaum mehr peruanisches Geld und es ist Freitag, also nichts wie rein nach Trujillo und Geld tauschen. In der Bank sind 267 Leute vor mir dran, das kannste also vergessen. Eine Wechselstube und wir sind wieder reich. Gabi will den Hauptplatz fotografieren. Ich stoppe irgendwo, schalte den Motor ab, doch irgendetwas läuft weiter. Vor lauter Verkehr kann ich nicht genau definieren wo das Geräusch herkommt. Eventuell hängt unser Anlasser, keine Ahnung. Dann geraden wir in einen Festzug und kommen ewig nicht raus.
Die beiden Pyramiden südlich der Stadt sind genauso schlecht zu finden wie alles in Südamerika. 4 km auf einer Erdstraße quer durch einen Ort, dann sind wir am Ziel. Die Sonnenpyramide ist ein mächtiges Gebäude, die kleiner Mondpyramide aber viel faszinierender mit ihren Gängen, Hallen und bunt bemalten Fresken an den Wänden. Gabi findet antike Tonscherben, welche sie mitnehmen möchte. Das kann Ärger geben, wenn man erwischt wird. Ich mache sie darauf aufmerksam und sie antwortet mir: "Die habe ich da versteckt, wo bei mir eh keiner hinguckt! - Nämlich unter meiner Schildkappe." Allerdings hat diese der Wind vor wenigen Minuten schon mal weggeblasen. Dann fahren wir weiter auf der Panamericana nach Süden. Links und rechts der Straße riesige Dünen. Die Küste kommt im Sonnenuntergang in Sicht. Vor der Dunkelheit finden wir den Abzweig nach Huaraz, unserem nächsten Ziel. Zuerst geht's auf Teer auf Meereshöhe weiter, dann auf Wellblech den Berg hoch. Der Motor stottert wieder und geht aus. Dieser verdammte Diesel, dabei machen sie mächtig Werbung für ihr gutes Dieselfiltrat. Wir stoppen an einer Ausbuchtung der Straße für heute.

Samstag, 27. November 2004 (188 km/24.622 km/131 km/5.083 km) (3.879 m H.)
(NL105: S 09°03,159 W 77°37,077 Huascaran-Nationalpark/Peru)

Wir stehen mitten in einem kleinen Ort und haben es gar nicht gemerkt. Die Erdstraße schraubt sich in brutalen Serpentinen auf über 4.000 m hoch. An manchen Stellen ist die Straße höchstens einen Meter breiter als unser Toyota, links geht es steil bergan und rechts 500 m in die Tiefe, ohne Leitplanke oder sonstigen Schutz. Langsam fahren lautet die Devise. Schnell geht es eh nicht, denn der Toyota hüpft auch heute wie ein Känguru. Wir nehmen einen alten Mann mit, dann bleibt unser Toyota plötzlich ganz am Berg stehen. So kann das auf keinen Fall weitergehen. Der hintere Spanngurt auf dem Dach ist auch gerissen, somit gibt es viel zu tun. Erst verzurren wir die Sandbleche neu, dann baue ich den kleinen Dieselfilter zum x-ten Mal aus. Der Diesel schießt nur so aus Leitung und Filter, also kann es daran nicht liegen. Der große Filter muss getauscht werden, wenn das nicht hilft, bin ich mit meinem Latein am Ende. Opi schläft während wir reparieren.
Wir brauchen volle 5 Stunden bis Huaraz. Wir finden ein Restaurant, wo wir für 60 Cent ein Mittagsmenü bekommen. Dann suchen wir ein Internetcafe. Meine Mailbox ist zum zweiten Mal voller Spams. Gabi hat eine Email von Herrn Lombrano aus Buenos Aires bekommen. Er war vor etwa 5 Monaten in Bad Kissingen zu Gast. Wir hoffen mit seiner Hilfe unseren Toyota nach Deutschland zurückverschiffen zu können.
Wir fahren Richtung Yungay aus der Stadt. Ein einfaches Werkstattschild sticht mir ins Auge, Filterwechsel für Volvo und Toyota. Wir fahren in den Hof und ruckzuck ist der Dieselfilter getauscht, der Luftfilter durchgeblasen und wenn ich nicht aufgepasst hätte, das ganze Auto umgebaut. Der Motor läuft nun optimal versichert der Mechaniker, "schau mer ma".
Die Strecke bis Yungay haben wir in kurzer Zeit zurückgelegt. Dort kaufen wir Brot und Bier und fahren in den Huascaran-Nationalpark. 2 Radler, genau gesagt Mann und Frau, kommen uns entgegen. Gleiches Fahrrad, gleiches Radlerdress, beide spindeldürr mit Spitzmausgesicht. Hatten wir uns neulich nicht darüber unterhalten, je länger ein Paar zusammen lebt, desto ähnlicher werden sie sich. Ich sage zu Gabi: "Die sind auch schon eine Weile zusammen!" Darauf Gabi: "Solange mir keine Schnurre wächst!"
Man will uns am Eingang 30 € Eintritt abknöpfen. Gabi protestiert und siehe da, es kostet nur noch 7,50 €. Der Himmel ist total bewölkt, es regnet ab und zu. Trotzdem beeindrucken uns die steil aufragenden Felswände links und rechts der Straße. Die erste Lagune ist nur schemenhaft im Nebel zu erkennen, an der zweiten ist es schon dunkel. Wir halten am zweiten Campingplatz und sind hier ganz allein. Draußen ist es eiskalt, 6 °C zeigt das Thermometer. Wir holen uns Wasser von einem Wasserfall, kochen im Auto und spielen Karten.

Sonntag, 28. November 2004 (295 km/24.917 km/77 km/5.160 km) (3.572 m H.)
(NL106: S 09°46,630 W 77°25,454 vor Catac/Peru)

Huascaran Nationalpark Das Wetter ist besser als gestern. Die Lagunen und Berggipfel sind frei. Wir fahren über 40 Serpentinen hinter den Seen hoch und erreichen 4.700 m Höhe. Wir sind im Reich der Eisgiganten und spüren hier richtig, wie klein du doch bist, Mensch. Befriedigt fahren wir aus dem Park, in dem jetzt Stechfliegen das Zepter in die Hand nehmen.
In Huaraz stoppen wir noch mal in der kleinen Werkstatt. Ölwechsel ist angesagt, wenn der Preis stimmt. Kaum haben wir gefragt, ist das Öl auch schon raus gelaufen. Die Jungs sind geschäftstüchtig. Ein Filter, 1 Gallone Öl und Abschmieren kosten 56 Sol, also 14 €. Dann müssen wir noch Englischnachhilfe geben, blamieren uns aber ein bisschen, da wir weder das Wort für Waschbecken, noch Schrank kennen.
In Catac essen wir bei strömendem Regen zu Mittag und fahren dann Richtung Chavin de Huantar, einem weiteren Weltkulturerbe der Menschheit. Im Reiseführer ist die Straße als katastrophal beschrieben, wir finden jedoch eine neue Teerstraße vor und somit schaffen wir die 72 km heute noch. Höhepunkt dieser Fahrt ist ein Schlaglochtunnel in 4.500 m Höhe. Die Tempelanlage von Chavin de Huantar erreichen wir gegen 16.30 Uhr. Es ist bewölkt und schlechtes Licht zum Fotografieren. Außen ist die Anlage aus dem 12. Jh. v. Chr. eher unscheinbar, das Innere ist jedoch mehr als beeindruckend. Ein Labyrinth von Gängen über mehrere Stockwerke lässt uns staunen, zu was die Menschen vor über 3.000 Jahren fähig waren.
Wir verlassen den Ort und fahren denselben Pass zurück. Der Schlaglochtunnel ist im Dunkeln noch Furcht erregender. Wir halten in einer Kiesgrube nahe Catac zum Schlafen. Ich kann in der Nacht nicht schlafen, schreibe deshalb Tagebuch von 3.30 Uhr bis 4 Uhr.

Montag, 29. November 2004 (524 km/25.441 km) (40 m H.)
(NL107: S 13°02,910 W 76°26,065 San Luis de Canette/Peru)

2 Kinder sind am Auto, als wir aufstehen. Um 7 Uhr fahren wir los. Durchfahren bis Lima, wenn möglich noch weiter, steht heute auf dem Programm. Die Eisriesen sind heute alle frei. Wir stoppen für ein paar letzte Fotos, dann fahren wir hinab, von 3.500 m auf Meereshöhe. Erst zu Mittag, nach 200 gefahrenen km halten wir zum Essen. Danach suchen wir in Lima eine Bank, um Schecks zu tauschen und verirren uns dabei. So kommen wir doch zu ein paar brauchbaren Bildern aus der Hauptstadt. Endlich zurück auf dem Panamericana, werden wir nach mehreren Mautstellen auch 2 Mal von der Polizei gestoppt. Führerscheinkontrolle, aber alles ganz harmlos. Freundlich winkt man uns weiter. Im Ort San Luis gehen wir zum Abendessen in ein Restaurant und schlafen auch gleich davor. Heute haben wir die 25.000 km-Marke überschritten. Der Toyota läuft wieder einwandfrei, scheiß Diesel.

Dienstag, 30. November 2004 (310 km/25.751 km) (368 m H.)
(NL108: S 14°40,911 W 75°39,564 Museum Maria Reiche/Nazca/Peru)

Gabi drängt zum Aufstehen. Die Bootsfahrt im Paracas-Nationalpark soll nur zwischen 7 und 10 Uhr stattfinden. Es sind aber noch 100 km zu fahren. Um 8.30 Uhr erreichen wir den kleinen Ort und haben sofort unsere Tickets. Um 9 Uhr startet die Fahrt, wenn mindestens 15 Leute zusammenkommen. Es ist bereits 9.15 Uhr und wir sind immer noch die einzigen. Um 10 Uhr kommt eine Gruppe Studenten, die um 10.30 Uhr noch nicht da ist. "Warten sie bitte 5 Minuten, dann können wir ihnen sagen ob wir in 5 oder 10 Minuten mehr wissen." Gabi platzt der Kragen und macht etwas Terror. Dann schickt man uns auf die Anlegestelle und es kommt tatsächlich ein Boot. Mit uns steigt eine Amerikanerin ein und dann taucht doch noch diese ominöse Studentengruppe auf. Mit Vollgas geht's auf See, vorbei am Dreizack von Pisco, einem 177 m hohen Scharrbild im Fels an der Küste. Das Wetter ist diesig. Die Insel Ballestas ist ein wahres Vogelparadies. Kormorane, Tölpel, Seeschwalben, Humboldt-Pinguine und Seelöwen leben hier neben einigem anderen Meeresgetier. 2 Stunden sind wir auf See, dann geht es zurück. In einem Restaurant essen wir zu Mittag, dann duschen wir noch. Gabi bringt einen Souvenirverkäufer fasst zum Verzweifeln, dann verlassen wir diesen schönen Ort. Wir wollen noch die weltberühmten Linien von Nazca erreichen. Durch tolle Dünenlandschaften führt die Panamericana nach Süden. Wir kaufen uns 2 Bier und wollen am Aussichtsturm bei den Linien schlafen. Zwei Wächter raten uns ab davon, zu viele Banditen gäbe es hier. Also verstecken wir uns am Eingangsschild, werden aber von einer Polizeistreife, die uns zuvor schon gestoppt hatte, aufgefordert hier nicht zu schlafen. Am Maria Reiche Museum wäre es sicherer. Also fahren wir die 2 km zurück, trinken dort noch ein Bierchen und beobachten einen Welpen und ein Kätzchen, wie sie Käfer jagen und fressen. Ich habe einen knallroten und heißen Kopf. Ein kleiner Sonnenstich von der Bootsfahrt, obwohl der Himmel bewölkt war.

Mittwoch, 1. Dezember 2004 (194 km/25.945 km/16 km/5.176 km) (2.814 m H.)
(NL109: S 14°48,227 W 74°39,564 Villatambo/Peru)

Wir warten bis das Museum öffnet. Kätzchen und Hündchen spielen miteinander. Ein Peruaner spricht uns auf Deutsch an und rät uns jetzt gleich den Flug über die Nazca-Linien zu machen. Er würde mitkommen. Wir fahren allerdings alleine und werden in der Stadt sofort von einem Schlepper geschnappt. 40 US$ inkl. Flughafensteuer/Person. Es dauert etwa 1 Stunde, dann erheben wir uns in einer 1-motorigen Cessna (Pilot und 5 Passagiere) wie ein Condor in die Lüfte. Es ist wahnsinnig heiß in dieser Region. Mit uns eine junge Australierin, eine amerikanische Mutter und ihr 25-jähriges Söhnchen. Letzterer kriegt vom Flug gar nichts mit, zum Glück ist sein Mageninhalt unten geblieben. Die Scharrbilder von Nazca sind nur aus der Luft zu erkennen und eines der größten Wunder unseres Planeten. Kolibri in Nazca) Wir sind beide begeistert von dieser Region und dem Volk der Nazca, das einst hier lebte. Nach dem Flug kaufen wir Postkarten. Nächstes Ziel ist der Friedhof von Chauchilla. Hier sind Gräber mit sehr gut erhaltenen Mumien zu sehen. Das ganze Areal liegt voller Menschenknochen. Grabräuber haben den Friedhof förmlich umgepflügt. Es müsste auch der Ort sein, von dem Heinz-Rox Schulz vor Jahrzehnten seine Mumie mitgebracht hat. Sie ist jetzt im Saarbrückener Abenteuermuseum zu bestaunen.
In Nazca essen wir ein köstliches Mittagsmenü, schreiben unsere Postkarten und können sie gleich einwerfen. Dann fahren wir zum Maria Reiche Museum zurück. Hier hat die große alte Dame einige Jahre gewohnt und hier liegt sie auch mit ihrer Schwester begraben. 50 Jahre ihres Lebens hat sie damit verbracht, das Geheimnis der Nazca-Linien zu entschlüsseln. Dann stoppen wir noch am Aussichtsturm, von dem man die Scharrbilder "Hände" und "Baum" erkennen kann. An einem weiteren Aussichtspunkt erkennt man gerade Linien, die in die Unendlichkeit zu führen scheinen. Wir tanken 25 Gallonen Diesel, da wir glauben, er wäre in Cuzco teurer. Dann besichtigen wir noch die Äquadukte östlich der Stadt, die vor über 2.000 Jahren gebaut wurden und denen es die Region auch heute noch zu verdanken hat, dass man hier in der Wüste Ackerbau betreiben kann. Durch Einstiegslöcher gelangt man in die Tunnel, in denen heute, wie vor 2000 Jahren Wasser fließt. Man könnte hindurch kriechen, wie uns die schmächtigen Verkäufer erzählen. Gabi wagt es zuerst, meint aber, ihr Hintern ist zu dick. Ich scheitere auch zwei Mal an meiner Platzangst.
Wir fahren Richtung Cuzco und stoppen an einem Restaurant ohne Strom. Brenda, ein 10jähriges aufgewecktes Mädchen, bedient uns. Wir schlafen vor dem Restaurant.

Donnerstag, 02. Dezember 2004 (477 km/26.422 km/2 km/5.178 km) (2.692 m H.)
(NL110: S 13°32,348 W 72°41,980 Curahuasi/Peru)

Brenda ist schon wach als wir aufstehen. Wir frühstücken viel zu viel und fahren weiter. Grandiose Hochgebirgslandschaften zwingen uns immer wieder zu Fotostopps. Im Pampa Galera Nationalpark beobachten wir Vikunjas bei der Balz. 2 Männchen bespucken sich dabei wie im Comic.
Irgendetwas klappert unter dem Auto. Als ich nachschaue, sehe ich, dass unsere Ölablassschraube undicht ist. Man hat an der Werkstatt keinen neuen Dichtungsring eingesetzt.
Gabi fährt weiter, da mir ständig die Nase läuft, dabei entdeckt sie Wolken am Himmel in den Farben des Regenbogens. Dann fahren wir in einem Flusstal entlang und können gut Strecke machen. Gegen 17 Uhr erreichen wir Abancy und essen bei einem Chinesen. Den Weg nach Cuzco finden wir erst, wie schon oft zuvor durch mehrmaliges fragen. Eine steile Serpentine führt 20 km den Berg hoch. Oben stoppen wir in der Nähe einer Polizeikontrolle zum Schlafen.

Freitag, 03. Dezember 2004 (135 km/26.557 km) (3.385 m H.)
(NL111: S 13°31,613 W 71°58,222 Cuzco/Peru)

Starker Regen hat uns in der Nacht geweckt. Es ist eben Regenzeit. Zeitig fahren wir am Morgen los, kommen aber gerade mal 10 km weit. Ein riesiger Stau, verursacht durch einen Fluss, der in der Nacht die Strasse weggeschwemmt hat. Ein Radlader ist aber schon am arbeiten. Ein junger Peruaner fragt mich: "Wie lange bleiben sie hier?" Ich frage zurück: "In Peru oder hier im Stau?" Er meint tatsächlich hier im Stau! Bin ich Jesus?
Nach einer Stunde geht's weiter. Wir haben gerade den 20. LKW überholt, da geht der Toyota am Berg aus. Das nervt wirklich langsam. Im Wasserabscheider ist kaum Dreck, also tausche ich den kleinen Vorfilter. Das war nun der Letzte. Anspringen tut er trotzdem nicht. Jetzt weis ich keinen Rat mehr und alle 20 LKWs sind wieder vor uns. Ist der Hauptfilter auch schon wieder voll? Ich kann es nicht glauben. Nach entlüften und etlichen Startversuchen springt er doch an und fährt in voller Stärke weiter.
Kurz nach 12 Uhr erreichen wir Cuzco, die heilige Stadt der Inka und machen uns gleich auf Hotelsuche. Wenn alles klappt, wollen wir morgen mit dem Zug nach Macchu Picchu fahren und das Auto irgendwo sicher Parken. Das Erste das wir finden, hat einen Autostellplatz, ist jedoch zu weit vom Bahnhof entfernt. Deshalb suchen wir weiter. In der Innenstadt sind viele kleine Hotels, jedoch alle ohne Stellplatz. Wir parken in einer belebten Gasse und machen uns zu Fuß auf die Suche. 10 Minuten später sind wir am Auto ohne ein Zimmer gefunden zu haben. Als ich aufschließen will, schaut mich das Schloss so komisch von unten an. Sofort schießt mir durch den Kopf, da hat jemand versucht, das Auto aufzubrechen. Wir können es kaum glauben, um 14 Uhr in einer völlig belebten Straße versuchen Banditen unser Auto aufzubrechen. Das Schloss ist hin, wir können nur noch auf der Beifahrerseite einsteigen. "Mucho Banditos" sagte der Zöllner damals, also müssen wir in Zukunft noch mehr aufpassen.
Auf der Suche nach dem Bahnhof finden wir das Touristenbüro. Hier sagt man uns, wo wir die Zugtickets bekommen, die 60 US$ kosten. Ein Busticket wäre in Macchu Picchu auch noch in Höhe von 10 US$ zu kaufen. Der Eintritt zu den Ruinen, das Hotel, Taxikosten, wir brauchen eine Menge Geld. Wir stehen im Halteverbot und der Politesse passt das nicht. Also weg von hier, mit vielen unbeantworteten Fragen. Um die Ecke finden wir einen Geldautomaten.
Gabi versucht es erfolglos mit ihrer Visa. Mit meiner Mastercard haben wir dann Erfolg. Ich hebe 2 mal 100 US$ und einmal 500 Sol ab. Geld haben wir, wo wir die Tickets kaufen müssen wissen wir auch, also suchen wir den Bahnhof. Der ist dort, beim ersten Hotel (mit Autostellplatz), dass wir fanden. Nach der Lektion mit dem versuchten Aufbruch überlegen wir nicht mehr lange. Wir buchen ein Zimmer für 2 Tage und fahren den Toyota in die Obhut des Hotels. Zu Fuß laufen wir zum Bahnhof und kaufen zwei Tickets für morgen früh 6.15 Uhr. Dann verhandeln wir mit einem Taxifahrer einen Tarif aus, um die Hauptsehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung der Stadt zu besichtigen. Um 15.30 Uhr fahren wir im Taxi zu den Ruinen von Sacsayhuaman. Mächtige exakt behauene Steine haben die Inkas hier zu einer gewaltigen Festung aufgetürmt. Das Wetter ist leider mehr als schlecht. Ich habe wie immer Hemd und kurze Hosen an und friere zum ersten Mal. Ein junger Amerikaner spricht uns an. Dann fahren wir weiter zu den Ruinen von Puca Pucara, einen Vorposten der Inka. Nächstes Ziel dann die Ruinen von Tampumachay, hier hatten die Inkas Bäder eingerichtet und das Wasser fließt heute noch, obwohl man die Quelle dazu bis jetzt nicht gefunden hat. Als letztes steht noch Kenko auf dem Programm, ein Ritualplatz mit unterirdischen Gängen und Altären. Wir sind begeistert trotz des schlechten Wetters.
Zurück am Hotel bestellen wir im Hähnchenrestaurant gleich daneben einen halben Gockel. Der ist zu unserem erstaunen fast so groß wie ein Spanferkel. 2 Stunden im Internetcafe folgen, dann geben wir im Hotel noch Bescheid, dass man uns um 5 Uhr weckt und machen uns in die Falle. Ein harter Besichtungstag liegt morgen vor uns.

Samstag, 04. Dezember 2004 (0 km/26.557 km) (3.385 m H.) (NL112: wie NL111)

Ich schlafe so, dass ich alle Stunde mal auf die Uhr schaue kann. Dem Weckdienst traue ich nicht. Um 4.45 Uhr kriechen wir aus der Falle. Natürlich klopft niemand um 5 Uhr, im Gegenteil, ich muss den Penner aus dem Bett schmeißen, damit wir raus können.
Ein Taxi bringt uns zum Bahnhof, der schon voller Souvenirverkäufer ist. Alle wollen uns einen Poncho aufschwatzen, weil es in Macchu Picchu immer regnet. Pünktlich 6.15 Uhr fährt der recht gepflegt aussehende Zug aus dem Bahnhof. Vorbei ziehen Häusern, Straßen und Steilhängen voller Müll. Im Abteil überall Schilder, haltet Peru sauber. Nach 2 km stoppt der Zug, er scheint eh aus dem letzten Loch zu pfeifen. Es geht zurück zum Bahnhof. Was ist los? Ein zweites Mal nimmt die Lock Anlauf und wir können den dicht an uns vorbeiziehenden Müll ein drittes Mal bewundern. Tolles Programm. Erneut endet die Fahrt nach höchstens 2 km. Rückwärts genau wie vor 15 Minuten, aber diesmal auf einem anderen Gleis geht es den Berg hoch. Jetzt haben wir kapiert. Der Zug quält sich über Weichen abwechselnd vorwärts und rückwärts aus dem Talkessel von Cuzco. Endlich nach einer Stunde Rangiererei haben wir die Hochebene erreicht und dampfen mit enormen 30 km/h die Ebene entlang. 120 km entfernt liegen die Ruinen von Macchu Picchu versteckt auf einem Berggipfel über dem Flusstal des Urubamba. Nach endlosen 4 Stunden Fahrt haben wir die Talstation erreicht. Gigantische Steilwände umringen uns. Wir kaufen 2 Tickets für 9 US$/Person und steigen in den nächsten Bus. Dieser bringt uns über steile Serpentinen hoch zu den Ruinen. Hier knöpft man uns noch Mal 20 US$/Person ab für den Eintritt. Wir sind erst mal sprachlos. Macchu Picchu) Das sind stolze 88,50 US$/Person für eine Ruinenanlage. Was wir dann aber zu sehen bekommen ist mit irdischen Worten kaum zu beschreiben. Macchu Picchu ist eine außergewöhnliche Anlage, die von den Spaniern nicht gefunden und erst 1911 wieder entdeckt wurde. Sie wirkt auf uns fast überirdisch. Ehrfürchtig schreiten wir die Stufen hoch und laufen ein Stück den Inkatrail, die alte Inkastraße entlang. Von hier hat man einen prächtigen Blick auf die Stadt und den Waynapicchu, dem Hausberg, auf dessen Gipfel ebenfalls Ruinen thronen. Wir wollen ihn besteigen und besichtigen auf dem Weg dorthin einen Teil der grandiosen und phantastisch erhaltenen Stadt.
Der Aufstieg über die uralten Treppen ist beschwerlich, dennoch schaffen wir es in einer Stunde. Kurz vor dem Gipfel holt uns Brad, der junge Amerikaner ein. Er ist sogar den ganzen Berg von der Talstation hoch zu Fuß gelaufen. Auf dem Gipfel fängt es zu regnen an. Stolz machen wir uns an den Abstieg. Die Zeit vergeht wie im Flug. In 1 ½ Stunden fährt der Zug. Wir laufen durch den anderen Teil der Stadt zurück zum Bus. Brad macht sich an den Abstieg. Er ist wirklich erstaunlich fit. Auf der Rückfahrt stottert der Dieselmotor der Lok, dann bleibt sie auf der Strecke liegen. Es gäbe technische Probleme. Die gute alte Lok wird genauso ihre Probleme mit dem Diesel haben wie unser Toyota. Nach 30 Minuten geht's aber weiter. Wir hören jemand heftig und lange an der hinteren Türe klopfen, als sich der Zug langsam in Bewegung setzt. Einer der Passagiere öffnet die Tür und lässt den völlig außer Atem gekommenen Mechaniker rein. Sollte er den Zug anschieben und hat man ihn dann einfach vergessen???
Wir erreichen in der Dunkelheit einen Bahnhof oberhalb von Cuzco. Hier steigen einige Leute in Busse um. Wir fahren weiter, allerdings nicht mal einen km. Dann geht es rückwärts zur letzten Haltestelle. Der Zug ist kaputt, man lässt Busse kommen, uns abzuholen. So stehen wir in der Kälte und warten eine geschlagene Stunde. Die Reisegesellschaften lassen ihre Schützlinge in Kleinbussen abholen, die Backpacker stehen dumm da. Dann hängt man allerdings eine andere Lok an und wir erreichen Cuzco gegen 22 Uhr. Weltrekord, 120 km in 5 Stunden. Mit dem Taxi zum Hotel zurück und noch schnell eine halben Gockel verdrückt. Dann verziehen wir uns todmüde in die Falle. Sonntag, 5. Dezember 2004 (173 km/26.730 km/28 km/5.206 km) (2.961 m H.)
(NL113: S 13°24,596 W 71°53,240 vor Pisac/Peru)

Wir bleiben heute bis 9 Uhr im Bett, dann verstauen wir unsere Sachen und fahren los. Die Sehenswürdigkeiten in der weiteren Umgebung der Stadt sind unser Ziel. Zuerst erreichen wir die Salzminen von Maras. Extrem salzhaltiges Wasser wird in hunderte von kleinen Becken geleitet und dort verdunstet. Wir nehmen eine Frau mit in den Ort zurück. Das Amphitheater von Moray ist unser nächstes Ziel.
Gegen 16 Uhr erreichen wir Ollantaytambo, eine gut erhaltene Stadt der Inka. Wir stellen den Toyota zwischen die parkenden Busse und "sprechen uns ab". Ich will das Auto nicht alleine lassen, Gabi meint, es steht sicher hier. Dann sagt sie, wir könnten ja am Eingang fragen und weg ist sie. Ich folge 1 Minute später und kann sie nicht mehr finden. Die Tickets hat sie, denke ich, also kann ich nicht mal rein. Ich laufe zum Busparkplatz zurück. Der Toyota ist weg. Ich bin ein zweites Mal auf der Reise kreidebleich. Ich schaue hinter jeden Bus, nichts. Ist der Wagen erneut von der Polizei abgeschleppt worden, oder viel schlimmer, haben irgendwelche Gauner das kaputte Schloss aufgeknackt und…? Ein Busfahrer spricht mich auf Spanisch an. Ich versteh nur Senora und weg. Dann kommt Gabi mit dem Auto um die Ecke gebogen. Leicht wütend aber doch erleichtert steige ich ein und wir bringen ihn auf einen Parkplatz etwas außerhalb. Es dämmert als wir diese Ruinenstätte verlassen.
Die Baukünste der Inka sind grandios. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Wir kaufen uns noch eine Flasche Bier und fahren zum schlafen in einen Feldweg am Rio Urubamba.

Montag, 6. Dezember 2004 (194 km/26.924 km/15 km/5.221 km) (3.530 m H.)
(NL114: S 14°14,675 W 71°15,609 vor Sicuani/Peru) Wir haben uns besser als im Hotel erholt. Nach 3 km sind wir in Pisac unserem ersten Ziel. Wir finden den Eingang zu den Ruinen oberhalb der kleinen Ortschaft. Aus Sicherheitsgründen wollen wir das Auto nicht alleine lassen, also beschließen wir getrennt zu gehen. Ich soll zuerst. Steil geht es auf ausgetretenen Stufen bergan. Oben angekommen türmen sich genauso hohe Terrassen vor mir auf wie vor 15 Minuten. Auch diese Plattform ist nicht das Ziel. Weiter geht es steil bergauf. Ein paar Wachtürme kommen in Sicht. Immer noch nicht oben. Bin jetzt schon fertig. Der Aufstieg ist heftiger und höher als in Macchu Picchu. Ein paar Häuschen aus Lehm und andere unbedeutende Ruinen tauchen auf. Ich beschließe umzudrehen. Plötzlich erkenne ich in weiter ferne einen Tempelbezirk und auf der anderen Seite eine große Ruinenstadt. Ich hab keine Energie mehr um dort noch hinzulaufen. Der Abstieg ist ja auch noch zu bewältigen.
Unten angekommen schläft Gabi im Auto. Ein Mann kommt vorbei und erzählt, dass man zu den Ruinen hochfahren kann. Also rauf auf den Berg. Auf ebener Strecke laufen wir zum Sonnentempel. Etwas bergauf, etwas bergab, durch einen Tunnel und der Tempel kommt in Sicht. Auf Gabis Gesicht macht sich ein hämisches Grinsen breit. Dann sagt sie: "Ich bin intelligent! Ich habe schon gewusst warum ich dich zuerst hoch geschickt habe." Völlig fertig denke ich: "Morgen bringe ich sie um!"
Wir kraxeln weitere 2 Stunden in dieser riesigen Anlage herum. Fix und fertig komme ich am Auto an. Ich bin platter als eine Flunder. Mein Blutzuckerspiegel liegt im Minusbereich. Auf dem Weg zur nächsten Ruinenstadt suchen wir ein Restaurant. Ich brauch was zwischen die Kiemen. Wir fahren gute 30 km und finden nichts zu essen. Dann erreichen wir den Ort Tipon unser nächstes Ziel. Hier gibt es 20 Restaurants, wir sind gerettet. Die Speisekarten sind sehr abwechslungsreich. Überall gibt es Cuy al Horno, sonst nichts. Auf Meerschweinchen haben wir keinen Bock, da ist nicht viel dran. Also in den nächsten Ort. Auch der ist voller Lokale. Aber hier kostet überall ein Teller Suppe 8 Sol. Blanker Wucher, bin ich in Paris oder New York? Selbst in Cuzco gab es Menüs mit Suppe, Hauptgericht und Getränk für 2 Sol. Wir kaufen Brot im Lädchen und essen unsere Fischdose. Dann leicht erholt suchen und finden wir die Ruinen von Tipon. Wieder staunen wir über die grandiose Baukunst der Inka. Allerdings geht auch hier nichts ohne Treppensteigen und Berauflaufen. "Die spinnen, die Inka." Bauen alle ihre Städte hoch oben auf die Bergspitzen. Wir Flachlandtiroler können dann hunderte von Jahren später sehen, wie wir bei unseren Besichtigungen klar kommen.
Vor der Dunkelheit erreichen wir noch die Ruinen von Pikillakta. Es ist eine Stadt aus der Vorinkazeit. Wir streifen bis in die Dunkelheit dort herum. Gabis Kamerachip ist voll und der Laptop halb leer. Nach 50 km erfolgloser Suche finden wir endlich ein Restaurant mit Menü für 3 Sol und Strom. Wir schlafen draußen auf dem Parkplatz.

Dienstag, 7. Dezember 2004 (186 km/27.110 km/1 km/5.222 km) (3.452 m H.)
(NL115: S 13°30,808 W 71°58,936 Cuzco/Peru)

Wir frühstücken nicht im Restaurant, da man uns gestern höfflich hinauskomplimentiert hat. In Sicuani angekommen, merken wir, dass wir am Viracocha-Tempel im Dunkeln vorbeigefahren sind. Also zurück und rein in die Ruinen. Dann steht Internet auf dem Programm. Dazu fahren wir nach Sicuani.
Zu unserem Erstaunen ist Armin Mildner von der DZG schon 2 Tage in Cuzco und wir jetzt 120 km südlich davon. Wie hat der das denn gemacht, wo er eigentlich immer gemütlich reist, nach seinen Aussagen. Egal, wir müssen zurück, den Parkplatz finden, den er uns sehr ungenau beschrieben hat und auf dem er bis morgen steht. Wir mailen, dass wir zurückfahren. In Cuzco angekommen ist die ganze Innenstadt abgeriegelt, also genau da wo wir hinmüssen. Wir stoppen in einem Parkplatz und gehen in ein Internetcafe. Armin hat tatsächlich schon geantwortet und wir stehen 20 m von ihm in einem anderen Parkplatz. Wir bleiben in unserem, weil er etwas billiger ist. Dann wechseln wir ein Hinterrad und geben unsere schmutzige Wäsche in eine Reinigung. Wir essen ein köstliches Menü mit Suppe, Alpakasteak, Torte und Getränk für 13 Sol. Uns fällt kopfschüttelnd der Teller Suppe für 8 Sol gestern an der Straßenküche ein.
Treffen mit Petra und Armin Um 17 Uhr gehen wir zurück und hängen einen Zettel auf unsere Windschutzscheibe. Gabi will Schoppen. Wir kaufen Nasenspray, ein Schachspiel und Toilettenpapier, schauen uns den 12eckigen Inkastein und den Plaza de Armas in der Dämmerung an. Dann kommt es zum lange geplanten und doch sehr kurzfristigen Treffen mit Armin Mildner (DZG-Urgestein) und seiner Freundin Petra. Wir verbringen den Abend im recht luxuriösem Wohnmobil der beiden. Die Parkplätze schließen um 22.30 Uhr, deshalb fahren wir unseren Toyota auf den anderen Parkplatz um den Rest des Abends zusammen zu sein. Petra kocht leckeren Eintopf und Spiegeleier, dazu trinken wir Tee und kippen eine halbe Flasche Rum. Gabi verzieht sich um Mitternacht, ich gehe um 1.30 Uhr ins Bett. Wir wollen noch einen Tag in Cuzco bleiben um ein paar Infos auszutauschen.

Mittwoch, 8. Dezember 2004 (100 km/27.210 km/8 km/5.230 km) (NL116: wie NL115)

Wir sind vor Petra und Armin wach, kaufen Eier und Brötchen für das Frühstück, das dann recht ausgiebig in Armins Wohnmobil wird. Dann gehen die beiden zum Zahnarzt. Wir wollen uns die Museen der Stadt reinziehen. Im ersten ist gleich eine Toilette, die ich benutze. Dabei muss ich mit einem Strick die Tür zu halten. Draußen zerrt eine Frau an der Tür, ich bin aber stärker. Das Museum hat geschlossen, weil Feiertag ist. Die anderen Museen auch. Gabi will auch auf Toilette. In der Stadt gibt es kein Programm für uns, also wollen wir draußen noch was anschauen, bis Petra und Armin zurück sind. Wenn wir totales Pech haben, ist unser Auto bis 17 Uhr eingeschlossen. Der Parkplatz hat noch offen. Dafür ist die Innenstadt immer noch wegen des Südamerika-Gipfeltreffens abgeriegelt. Ein Chaos bis wir eine Tankstelle finden, die unsere Visakarte akzeptiert. Dann quälen wir uns aus der Stadt Richtung Norden. In Chinchero stoppen wir auf einem Parkplatz und ruhen kurz aus. Dann sind wir umringt von kleinen Mädels, die ihre Souvenirs verkaufen wollen. Nach einem Rundgang durch die Ruinen fahren wir zu einer Lagune und schlafen ein paar Stunden. In der Dämmerung erreichen wir Cuzco, essen einen Hamburger auf der Straße, heben Geld ab und kaufen Wein für den Abend. Es wird eine lange Nacht mit viel Globetrotterlatein. Um 2 Uhr verkriechen wir uns ins Bett.

Donnerstag, 9. Dezember 2004 (400 km/27.610 km) (3.875 m H.)
(NL117: S 15°43,427 W 70°09,305 Sillustani/Peru)

Um 7 Uhr rüttelt Armin am Auto. Wir verabschieden uns verhältnismäßig kurz, da wir uns spätestens 2006 in Hachenburg wieder sehen. Sie folgen unseren Spuren nach Norden, wir ihren nach Süden.
Die Stadt ist noch immer abgeriegelt. Entsprechend lange dauert es, die Stadt gen Süden zu verlassen. Wir finden den Wasserfall an dem Petra und Armin vor ein paar Tagen standen und waschen uns von Kopf bis Fuß. Dann werden nur noch Kilometer geschruppt. Die 4 Stunden Schlaf diese Nacht machen sich bemerkbar. Nach einem köstlichen Mittagessen schlafen wir eine Weile an der Straße. Ein Gewitter weckt uns. Nach 4 Mautstellen und der Chaotenstadt Juliacta (hier besteht die Straße aus Pfützen und Glasscherben) fahren wir nach Sillustani, kaufen Brot, Fisch, Eier, Tomaten und Bier. Gabi brutzelt eine Omelette im Auto, vor dem Einschlafen.

Freitag, 10. Dezember 2004 (138 km/27.748 km/4 km/5.234 km) (3.931 m H.)
(NL118: S 16°12,050 W 69°25,064 Juli/Peru)

Wegen des aufgezogenen Sauwetters bleiben wir bis nach 8 Uhr im Auto. Dann besichtigen wir die Ruinen von Sillustani. Anschließend halten wir an einem Gehöft und werden hinein gebeten. Die Frau ist geschäftstüchtig und verkauft uns 2 Glückskühe. In Puno, am Ufer des Titicacasees, angekommen, finden wir den Hafen nicht sofort. Wir schlafen kurz am Ufer und essen dann zu Mittag.
Danach finden wir die Bootsablegestelle, müssen aber doch warten bis 5 Leute zusammenkommen. Am Ende fahren wir zu siebt los. Das "beste" Boot im Hafen befördert uns zu den schwimmenden Inseln. Der Kahn hat gesprungene Scheiben, 2 fehlen ganz, der Motor ständig Zündaussetzer und der Kapitän nur ein Auge. Irgendwie kommen wir trotzdem auf einer Schilfinsel an. auf dem Titicacasee Häuser, Tische, Stühle, Souvenirstände und sogar Feuerstellen sind auf diesen schwimmenden Gebilden aus Schilf. Boote aus dem gleichen Material, geschmückt mit Drachen-, Jaguar- oder Vogelköpfen liegen festgezurrt an den Inseln. Mit einem dieser Boote lassen wir uns auf die nächste Insel bringen. Das ist die Hauptinsel von insgesamt 40. Durchgefroren kommen wir am Auto an und freuen uns auf die funktionierende Heizung. Nach 17 Uhr erreichen wir den Phallustempel in Chucuito.
"In Juli kann man auch im Dezember essen." Juli heißt eine Stadt am Titicacasee und in dieser essen wir Hähnchen zu Abend. Danach kaufen wir noch Getränke und suchen einen Schlafplatz außerhalb der Stadt. Beim Wenden in einem Feldweg reisen wir uns die Auspuffhalterung ab. Ärgerlich aber nicht zu ändern. Da der Auspuff jetzt am Rad schleift, beschließen wir nicht weiterzufahren.

Samstag, 11. Dezember 2004 (260 km/28.008 km/7 km/5.241 km) (3.870 m H.)
(NL119: S°16°34,189 W 68°40,106 Tihuanaco/Bolivien)

Wir stehen mit der Sonne auf. Erst binde ich den Auspuff mit Draht hoch. Dann holpern wir zum See und beobachten die Fischer bei ihrer frühen Arbeit. Danach geht's mit Warnblinker zur nächsten Werkstatt, die uns leider nicht helfen kann.
In Yunguyo finden wir einen Einmannbetrieb. Rad und Auspuff ab, das ging ja schnell. Aber dann tauchen für den Mechaniker größere Probleme auf. Unser Puffer an der hinteren abgerissenen Halterung ist unbrauchbar. Aus einem LKW-Reifen schneidet er einen Neuen. Gut gemacht kann ich da nur sagen. Beim Einbau will er ihn allerdings auf und nicht zwischen die beiden Halterungen schrauben? Das verstehe ich jetzt wieder nicht. Irgendwie nach über 3 Stunden ist der Auspuff wieder am Auto. Das wäre in Deutschland eine saftige Rechnung. Als er 15 Sol verlangt (das sind 3,40 €) und mir noch Cola anbietet ist alles klar. Ich zeige ihm gleich noch unseren zerfetzten Reifen von der Transamazonica in Brasilien und er nickt. Über die Schlitze ein Gummiteil und einen Schlauch rein, fertig. Rechnung = 22 Sol. Wir essen im Ort und fahren zur Grenze. Alles völlig unkompliziert. In 10 Minuten sind wir ausgereist. Weiter geht's in Bericht 11.
Fazit zu Peru: Sieht man einmal ab von dem versuchten Einbruch in unser Auto, war Peru ein unglaublich tolles Land. Wir hörten nur Horrorgeschichten über korrupte Polizisten und Banditen an jeder Straßenkreuzung, nichts davon hat sich bestätigt. Landschaftlich grandios und kulturell unübertroffen in der Welt, bietet es dem Reisenden alles was das Herz begehrt. Wir kommen garantiert irgendwann zurück.