Südamerika Teil 8

Freitag, 29. Oktober 2004 (die Fortsetzung)

Der Toyota ist tatsächlich verschwunden. Erst denke ich, man hat ihn abgeschleppt. Je länger ich jedoch darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass er gestohlen wurde und das trotz eingeschalteter Wegfahrsperre. Als ich zuletzt am Auto war, lungerte so ein Typ herum und schien mich genau zu beobachten. Autoschieberbanden gibt es bestimmt genug in dieser Gegend und wenn die ihn haben, sehen wir ihn garantiert nie mehr wieder. Da ist wahrscheinlich schon die Fahrgestellnummer ausgetauscht. Aus der Traum, Weltreise ade, finanzielles Fiasko. Ein Hoffnungsschimmer bleibt. Wir gehen zur Polizei gleich hier am Kongresszentrum. Zum Glück hatten wir diesmal unsere Papiere, die Spiegelreflexkamera und den Laptop nicht im Wagen, alle Autopapiere sind jedoch mit verschwunden. Wir zeigen ein Bild vom Auto auf unserem Laptop und die Polizei macht mobil. Wir sollen uns nicht aufregen, gibt man uns zu verstehen! Die haben leicht reden. Wir haben vielleicht beide Malaria und unser Auto mit vielen anderen Wertsachen ist weg. Man bittet uns in einen Polizeiwagen. Mit 3 Polizisten machen wir uns auf den Weg. Wohin? Keine Ahnung! Hat das einen Sinn? Irgendwie hab ich keine Hoffnung. Wir fahren 30 Minuten durch dichten Verkehr und stoppen an einem Parkplatz. Gabi sagt plötzlich, dort unten steht er. Ich will es erst nicht wahr haben, aber er war tatsächlich "nur" von der Polizei abgeschleppt. Normalerweise würde ich jetzt das Blaue vom Himmel herunterfluchen, denn das kostet schließlich Geld und das nicht gerade wenig. Ich bin aber glücklich, fühle mich wie im 7. Himmel. Die Reise kann weitergehen. Wir sind ein zweites Mal mit einem blauen Auge davongekommen. Halt da ist ja noch das andere Problem, unsere angeschlagene Gesundheit. Bevor wir uns damit wieder befassen können, will die Polizei jedoch die Auslösekaution in Höhe von 61.750 Bolivar sehen, dazu kommt noch unser Transport im Polizeiwagen in Höhe von 30.000 Bolivar. Bezahlen wir das bar, ist unsere ganze Kohle schon wieder weg. Die Polizei will jedoch kein Bargeld sehen, sondern eine Banküberweisung. Das könnte unsere Chance sein, doch noch per Kreditkarte an Bargeld zu kommen. Im Polizeiauto geht es zu einer Bank. Ein 21-jähriger Inspektor, begleitet uns und hilft bei allen Sachen. Tatsächlich bekommen wir Geld mit der Mastercard. Man muss bloß die "richtigen Freunde" haben. Ich hebe wie immer den Maximalbetrag ab. Auf der Treppe schaut uns ein Typ etwas schräg an, das macht unseren Officer so nervös, das er seine Hand nicht mehr von der Knarre nimmt. Bewaffneter Polizei-Geleitschutz extra für uns, das wäre doch nicht nötig gewesen. Wir bekommen unseren Toyota zurück und freuen uns wie die Schneekönige. Wie wir von hier zum Blutabnehmen kommen wissen wir allerdings nicht. Der junge Polizist bietet sich an, uns den Weg zu zeigen. Gabi steigt ins Polizeiauto um, während er bei mir im Toyota Platz nimmt. Der Polizeiwagen prügelt los, ich kann kaum folgen. 10 Minuten später sind wir in der Klinik. Das junge Kerlchen ist auch hier wieder sehr hilfsbereit und spielt den Dolmetscher, obwohl er überhaupt kein englisch spricht. So wird von spanisch auf Spanisch gedolmetscht, was ich mit Händen und Füßen vielleicht gesagt haben könnte. Wir bekommen jeder 2 Röhrchen Blut abgenommen. Dann müssen wir warten. Unser kleiner Beschützer bleibt weiterhin bei uns. Wir tauschen Email-Adressen aus und unterhalten uns so gut es eben geht. Ich erzähle von meinem Freund Carlos und dessen Mutter Nelly, dass wir ihre Adresse verloren haben und sie gerne wieder sehen würden. Er will uns bei der Suche helfen, verspricht er hoch und heilig. Ein Polizist als Helfer kann dabei nicht Schaden. Um 18 Uhr wird er jedoch unruhig. Sein Dienst läuft ab und er müsste seine Pistole im Revier abgeben. Außerdem wären seine Freunde mit dem Polizeiwagen längst zurückgefahren und er würde unten an der Küste wohnen, nicht in Caracas. Er hat also ein Problem unser neuer Freund. Er will uns helfen, also helfen wir ihm. Eine Hand wäscht die andere. Gabi bleibt hier, wartet auf die Ergebnisse, während ich Raymond zum Revier fahre, damit er seine Pistole abgeben kann. Inspektor Raymond Gesagt getan, sitzen wir im Auto und stecken schon nach 2 Kreuzungen im Verkehr fest. Das kann ja Stunden dauern, bis wir zurück sind. Arme Gabi, denke ich, die macht sich dann bestimmt unnötig Sorgen. Zum Glück ist die Klinik 24 h geöffnet. Plötzlich tauchen aus heiterem Himmel seine beiden Polizeikameraden in ihrem Polizei-Nissan-Terrano neben uns auf. Mitten auf der Kreuzung unterhalten sich die 3 nun von Auto zu Auto. Keines der 100 Autos hinter uns hupt auch nur ein einziges Mal, und das obwohl wir 2 Grünperioden den ganzen Verkehr blockieren. Unglaublich, was so eine Uniform für eine Macht hat. Ich soll dem Terrano folgen, sagt Raymond und was jetzt hier abgeht ist Hollywoodreif. Die beiden schalten ihr Warnblink- und Blaulicht ein und wenn nötig noch die Sirene. Wir jagen mit 80 km/h kreuz und quer durch die Stadt. Selbst vor roten Ampeln machen die keinen Halt. Ich rase mit Warnblinker hinterher. In einer zweispurigen Straße mit Gegenverkehr überholen wir so mindestens 50 Fahrzeuge an einer Ampel. Mein Puls schlägt schneller als gewöhnlich. So eine Fahrt ist selbst für mich noch aufregend. 10 Minuten später sind wir am Revier. Normal hätte das 2 Stunden gedauert. Jetzt erlebe ich gleich die nächste Überraschung, denn Raymund fragt, ob ich seinen Kumpels etwas Geld geben möchte. Da spricht eigentlich nichts dagegen, schließlich haben sie uns eine Menge Zeit gespart. Ich bin bereit 5.000 Bolivar abzudrücken und gebe sie Raymond. Dieser verschwindet kurz, kommt dann zurück und sagt, seine Kumpels wollten mehr Geld, dann könnte ich zurückfahren. Also so läuft der Hase. Das war ein abgekartetes Spiel. Dafür bezahle ich aber keinen Pfennig. Raymond wankt zwischen seinen alten Freunden und seinem neuen Freund. Ich mache ihm klar, wenn ich für so eine Scheiße bezahlen muss, waren wir niemals Freunde. Außerdem habe ich keine Ahnung wo ich bin und will wenigstens zur Klinik zurückgebracht werden, wenn ich schon völlig überflüssigerweise diesen Höllenritt mitmachen musste. Jetzt bringt man mich zur Stadtautobahn, will dort wieder Kohle sehen. Raymond ist der Überbringer der Forderungen. Ihm ist es zwar peinlich mir gegenüber, das merke ich schon, er will sich es aber auch nicht mit seinen Kumpels verscherzen. Ich bleibe hart, bestehe darauf, zur Klinik gebracht zu werden. Jetzt geleitet man mich auch dorthin zurück. Ein letztes Mal stottert Raymond die Forderung seiner Kumpels. Ich antworte wie schon beim ersten Mal: "Wenn ich zahlen muss, sind wir beide keine Freunde." Das hilft tatsächlich, die 3 verschwinden und ich geh allein in die Klinik zurück. Ich suche den ganzen ersten Stock aus, aber Gabi ist unauffindbar. Was ist den zwischenzeitlich hier passiert? Nichts, ich habe in der ganzen Hektik nicht gemerkt, dass man uns im zweiten Stock Blut abgenommen hat. Das Ergebnis hat Gabi immer noch nicht. 5 Minuten später taucht eine Laborantin auf, Malariaerreger hätten sie bei keinem von uns beiden gefunden, bei Gabi jedoch deutet ein gefundener Antikörper auf Dengue-Viren hin. Das muss aber die Ärztin entscheiden. Also doch nicht Ende gut, alles gut. Es ist 20 Uhr und wir haben noch nichts gegessen den ganzen Tag. Wir fahren zum Kongresszentrum zurück, stellen das Auto im kostenpflichtigen Parkplatz ab und bestellen gleich 2 Riesenpizzas im Sonderangebot. Diese sind "sooo gut", dass wir sie später auch beim vierten Anlauf nicht ganz aufessen. Als wir das Kongresszentrum verlassen, passieren wir das kleine Polizei-Office, in dem wir unseren Toyota Samurai (so nennt man alle Landcruiser hier) als vermisst gemeldet haben. Hätten wir gleich heute Mittag hier geparkt, wäre dass ein normaler Scheißtag gewesen. So war es zumindest für mich ein aufregender Scheißtag. Wir fahren Richtung Flughafen und halten an der gleichen Stelle wie Tags zuvor. Beim Einsetzen unserer Lüftungsschlitze fällt die hintere linke Scheibe aus der Halterung und wir haben ein weiteres Problem. Alles morgen, jetzt wollen wir nur noch schlafen.

Samstag, 30. Oktober 2004 (175 km/17.636 km) (NL77: wie NL75)

Wir schlafen lange und gehen dann am Flughafen auf Toilette. Heute wollen wir Nelly und Carlos finden, so fahren wir die Küstenstraße entlang, beide ein Bild einer Straßenkreuzung im Hinterkopf, an der die beiden wohnen müssen. Es ist ein Verkehr fast wie in Caracas. Baustellen machen alles noch chaotischer. Nach 30 Minuten sagt Gabi: "Da unten ist der Strand, an dem wir damals waren." Ich kann mich an die Kreuzung erinnern, über die wir gerade fahren. Gabi meinte aber auch, Los Caracas wäre der Wohnort, obwohl ich immer Vargas im Hinterkopf habe. Los Caracas ist noch 30 km östlicher. Also fahren wir erst mal dorthin, finden nichts Bekanntes mehr und sind uns jetzt sicher, wir müssen dort vorne suchen. Wir ruhen erst mal aus. Gabi ist immer noch schwindelig. Außerdem ist da unsere offene Fensterscheibe. Ich entferne die Türverkleidung und bekomme die Scheibe wieder dicht. Allerdings für den Preis, dass sie sich nicht mehr öffnen lässt. Lieber so, als anders herum. Wieder an besagter Kreuzung biegen wir zu den Bergen hin ab. Die zweite Straße rechts, eines der ersten Häuser auf der rechten Seite. Wir sind uns sicher, doch sieht keines der Häuser, die hier stehen, dem in unserer Erinnerung ähnlich. Ich schreibe die Namen auf einen Zettel und halte sie anderen Menschen hin. Alle schütteln jedoch den Kopf. Wir fahren die Umgebung ab, werden aber auch hier nicht fündig. So kurz vor dem Ziel gescheitert. Das darf doch nicht war sein. Wir gehen in den McDonald. Gabi hat zwar keinen Hunger, bekommt aber auch ein BigMac-Menue. Wir bleiben längere Zeit hier und kühlen uns ab. Dann gehen wir in ein Internetcafe und informieren uns über das neueste aus der Heimat. Ein zweiter kurzer Stopp am McDonald und unser Toyota erweckt das Interesse ein Gruppe junger Männer. Es stellt sich heraus, dass einer davon den gleichen Wagen fährt. Ich frage die Jungs ob sie eine Idee hätten, wie wir unsere Bekannten finden könnten. Polizei, Telefongesellschaft und die Marinebasis kommt als Antwort. Carlos war damals Marineoffizier. Außerdem stellt sich heraus, dass wir in Vargas sind. Komisch, dass diese Stadt auf keiner Landkarte ist. Außerdem warnen uns die Kerle, das Auto niemals alleine zu lassen, nie im Auto zu schlafen und keinem Polizisten zu trauen. Eine weitere unschöne Neuigkeit ist, dass hier vor gut 3 Jahren eine riesige Schlammlawine dutzende von Häusern unter sich begraben und etlichen Menschen das Leben gekostet hat. Wir hoffen, das ist nicht die Erklärung für das Nichtauffinden unserer Freunde. Vor 7 Jahren kam der letzte Brief aus Venezuela. Wir fahren dann zum dritten Mal auf unseren Parkplatz. Heute sind jedoch keine LKW-Fahrer da, so fallen wir einem der Polizisten sofort auf. Er fragt wer wir sind und wünscht uns eine gute Nacht.

Sonntag, 31. Oktober 2004 (45 km/17.681 km) (NL78: N 10°36,934 W 60°50,690)

Am Morgen fragt er, ob wir gut geschlafen hätten. Es gibt also auch nette Polizisten. Wir verbringen den ganzen Tag im Flughafen. Gabi fühlt sich immer noch schlecht. Karten spielen, Essen, Trinken, Bericht schreiben, Internetcafe. Am Abend nehmen wir ein Zimmer im Hotel Fioremar beim McDonald. Auf der Straße ist ein Riesenkrawall. Autos hupen, Knaller explodieren. Es ist Halloween!

Montag, 1. November 2004 (441 km/18.122 km) (NL79: N 10°04,950 W 69°13,993)

Im Traum haben wir heute Nacht Nelly und Carlos gefunden. Ich frag den Hotelportier, welche Möglichkeiten es gibt, jemanden zu finden. Die Katastrophe von 1999 hat alles in der Region verändert. Viele sind weggezogen, viele ums Leben gekommen. Die geblieben sind haben andere Telefonnummern. Wir suchen das Sheraton-Hotel, das als solches nicht mehr zu erkennen ist, denn es fehlt die Aufschrift. Daneben ist die Marine-Basis. Dort gibt man mir bereitwillig Auskunft, aber keiner der Gefragten kennt einen Carlos Eduardo Hernandez. Wir fahren noch mal zu den uns bekannten Kreuzungen und fragen dort einige Leute. Wir können zwar eine Familie Hernandez ausfindig machen, diese kennen aber keine Nelly und keinen Carlos. Es scheint, als hätten die beiden nie existiert. Wir sind uns tausendprozentig sicher an der richtigen Stelle gesucht zu haben. Traurig machen wir uns auf den Weg nach Caracas zum Doktor. Ich muss zurückdenken an die Zeit, als wir Carlos, den liebenswürdigen Tollpatsch mit seiner damals frisch angetrauten Frau Yadira kennen lernten. Wir er nachschauen wollte, ob der Grill schon heiß genug ist und sich dabei die Finger verbrannte. Wie Gabi die Autotür zuschmiss und Carlos seine Finger drin hatte. Wie man ihn am Flughafen festnahm, weil er sich weigerte die Haarbürste im Strumpf vorzuzeigen. Den Weg zum Kongresszentrum fahren wir heute ohne Probleme durch. Wir haben sogar noch Zeit was zu essen. Dann sitzen wir bei der Ärztin im Humboldt-Tower und lauschen was sie zu erzählen hat. Malaria haben wir nicht. Das wissen wir bereits. Wahrscheinlich war es Dengue-Fieber. Das müssten wir aber noch kontrollieren lassen, wenn wir sicher sein wollen. Ansonsten bräuchten wir uns keine Sorgen mehr zu machen. Viel trinken und Ruhe, dann sind wir über den Berg. Wir besuchen auf ein Pläuschchen die beiden älteren Damen, die uns am Freitag zur Ärztin in den Humboldt-Tower gebracht hatten. Die beiden freuen sich uns noch mal zu sehen. Dann fahren wir raus aus der Stadt nach Westen. In der Dämmerung erreichen wir Maracay. In der Dunkelheit Valencia. Ein Schild mit der Aufschrift Straße 1 Oeste, lässt mich in Valencia von der Autobahn abfahren. Warum wir jetzt plötzlich ohne zu drehen oder Abzubiegen nach Osten fahren, ist mir zwar ein Rätsel, aber wir brauchen den richtigen Weg. Wir haben an Höhe verloren, das gefällt mir auch nicht. Wir essen eine Kleinigkeit und kaufen 3 Bierdosen. Dann kurven wir 1 ˝ Stunden in Valencia rum, bis wir auf dem richtigen Weg sind. Da bemerken wir, das wir gar nicht falsch waren, denn oeste heißt übersetzt west. Was weiß ein Fremder. Das sind die Problemchen mit denen wir so Leben müssen auf Reisen in fernen fremden Ländern. Wir fahren die Straße 1 Oeste weiter und landen auf Meereshöhe. Das ist eine Katastrophe. Wir wollen nicht mehr in der Hitze schlafen und schon gar nicht mehr im Dom. Also fahre ich weiter nach Westen in der Hoffung, die Straße steigt wieder an. Diese erfüllt sich aber ewig nicht. Gabi liegt schon hinten und schläft. Ich bin auch hundemüde und halte für 30 Minuten an einem Parkplatz. Dann halte ich es nicht mehr aus, einfach zu warm. Ich fahre bis kurz vor Barquisimeto und halte mit vielen anderen Auto- und LKW-Fahrern hinter einer Mautstelle an der Straße. Wir sind immerhin auf 405 m Höhe und können gut einschlafen, nachts um 1.30 Uhr.

Dienstag, 2. November 2004 (305 km/18.427 km) (NL80: N 08°55,755 W 70°46,557)

Etwas gerädert wachen wir auf. Als letztes Auto verlassen wir den Platz. Wir durchqueren Barquisimeto und legen uns außerhalb noch mal schlafen. Dann biegen wir links ab. Von diesem Punkt geht es nur noch südlich, bis Feuerland irgendwann in tausenden von km. Die Straße bleibt zwischen 200 und 700 m hoch. Wir bestellen ein Hähnchenassado für 7,50 Euro, können es gar nicht aufessen und machen unsere Seitentanks und den 12 l Kanister an einer kleinen Tankstelle vor Valera voll. In der Stadt steigt die Straße dann stetig an. Der Toyota hüpft an den Steigungen herum, geht sogar einmal aus. Wir müssen die vorderen Dieselfilter wechseln, denke ich. Wir überqueren einen Pass von 2.000 m Höhe, später an unserem Schlafplatz haben wir 2.690 m erreicht. Bei solchen Höhen muss man schon mit der Höhenkrankheit rechnen, wenn man nicht akklimatisiert ist. In den Serpentinen ist es auch nicht so gut mit Verstecken für die Nacht. Wir haben einen kleinen Parkplatz über einem Ort gefunden. In der Nacht wühlen wir unsere Schlafsäcke raus, so kalt wird es. Es ist lange Zeit her, als wir diese das letzte Mal in Gebrauch hatten. Keine Stechfliegen, unsere Stiche am ganzen Körper sind abgeheilt. Hoffentlich bleibt das so in Zukunft. Mittwoch, 3. November 2004 (109 km/18.536 km) (NL81: N 08°35,533 W 71°08,558)

Das war eine gemütliche und lange Nacht. Am Morgen wechseln wir 2 Dieselfilter. Auch das Arbeiten macht in der kühlen Luft mehr Spaß. Dann frühstücken wir an der Tankstelle und machen uns den Berg aufi. Von 2.700 auf 4.200 m Höhe. Der Toyota zieht wie eine Eins. Hoffentlich lag es an den Filtern. Oben auf dem Pass waren wir vor über 10 Jahren schon mal. Da hatten wir ein Mädchen namens Britta dabei und wir hatten alle drei Durchfall. Wir gingen zusammen in ein Restaurant auf dem Berg, hielten uns 2 Stunden darin auf, saßen aber nie alle 3 an einem Tisch. Die Statue auf dem Adlerpass zeigt komischerweise einen Kondor. Die Panoramo-Landschaft ist gelb am Blühen, damals war alles braun. Wir fahren hinab nach Merida und suchen uns ein Hotel. Heute sogar 3 Sterne. Das einzig besondere daran ist, es hat warmes und kaltes Wasser zum Duschen. Dann bringen wir unsere Dreckwäsche in einen Waschsaloon, gehen mexikanisch Essen und verschicken unseren Reisebericht 7 von einem Privat-Computer. Ein Privatmann vermietet seinen PC an Passanten. Warum nicht, so schnell wie von hier haben wir noch keinen Bericht versand. Außerdem schicken wir eine Email an Plan International, wegen des Patenkindbesuchs in Piura/Peru. Den Abend verbringen wir im Hotel.

Donnerstag, 4. November 2004 (111 km/18.647 km) (NL82: N 08°13,007 W 71°52,056)

Vor 6 Uhr raus aus den Federn. Der Berg ruft. Es wird trotzdem 7.30 Uhr bis wir an der höchsten Seilbahn der Welt sind. Seilbahn in Merida Vorher haben wir ausgecheckt. Das Auto kann auf dem abgeschlossenen Parkplatz stehen bleiben. Eine deutsche Reisegruppe ist mit uns am Lift. Um 8 Uhr fahren wir mit der gelben Gondel auf etwa 2.000 m hoch. Dort haben wir 10 Minuten Aufenthalt. Dann geht's mit der blauen Gondel auf 3.000 m. Nach weiteren 10 Minuten bringt uns die rote Gondel auf 4.000 m Höhe. Von hier muss man ein neues Ticket lösen um mit der letzten Gondel auf 4.800 m zu kommen. Diese Gondel scheint aber nicht zu fahren. Deshalb machen wir uns wie einige andere auf den Weg ein Stück den Berg hoch zu laufen. Unsere Kondition ist nicht gerade atemberaubend. Die Krankheit und das viele Autofahren haben uns ziemlich geschwächt. In 4.300 m Höhe auf einem Pass stoppen wir, genießen eine Weile den Ausblick und gehen zur roten Gondel zurück. Dort füttern wir 2 Hunden unsere Arepas. Diese Dinger haben uns vor zehn Jahren nicht geschmeckt und schmecken jetzt noch beschissener. Die nächstmögliche Gondel nehmen wir um abwärts zu fahren. Es ist mittlerweile 13 Uhr. Um 14 Uhr fährt die letzte. Unten kaufen wir Postkarten und holen unsere Wäsche. 2,50 € für den ganzen Kram. Wir gehen essen für eine Menge Geld, können wie immer in letzter Zeit nicht aufessen. Dann holen wir den Toyota aus dem Hotelparkplatz. Wir wollen die Postkarten noch loswerden, finden aber die Post weder in Merida noch sonst wo. Wir fahren nach Westen raus aus der Stadt und klettern einen Pass auf über 3.000 m Höhe. Vor La Grita schlafen wir an der Straße.

Freitag, 5. November 2004 (282 km/18.929 km) (NL83: N 07°49,792 W 72°19,662)

Es macht richtig Spaß in der kühlen Luft zu übernachten. Wir fahren zeitig los, weil wir heute über die Grenze nach Kolumbien wollen. Ein gewaltiger Erdrutsch hält uns gleich auf. Planierraupe, Radlader und Bagger bewegen ungeheure Erdmassen. Wir passieren als erstes Auto die gerade fertig gewordene Passage. In La Grita suchen wir erneut vergeblich nach der Post. Das regt mich jetzt ganz schön auf. Nichts klappt in diesem verdammten Land. Wir schrauben uns auch heute einen gewaltigen Pass in die Höhe, frühstücken in einer Bäckerei und versuchen ein letztes Mal, hier in diesem kleineren Ort eine Poststelle zu finden. Trotz Hilfe von Einheimischen, es ist einfach zu spät und das Wochenende steht vor der Tür. Dann erreichen wir San Christobal, fahren aber einfach durch, halten dabei wieder Ausschau nach der Post. Natürlich sind auch diese Bemühungen für die Katz. So fahren wir nach San Antonio, dem Grenzort. Wir wollen soviel Diesel wie möglich mitnehmen, also fahren wir so nah wie möglich zur Grenze. Tatsache ist, die letzten 10 Tankstellen haben alle geschlossen, obwohl auf manchen etwas von 24 Stunden-Service steht. Eine Mautstelle ist auch noch vor der Stadt und die Bremsen sind die steile Abfahrt heiß gelaufen. Wir drehen um, müssen gleich noch mal Maut zahlen und finden letztendlich in San Christobal eine offene Tankstelle. 183 l fließen in den großen Tank, die kleinen sind ja schon voll. Ein Bierchen zum Einschlafen und wir fahren Richtung San Antonio einen Schlafplatz suchen. Irgendwie verirren wir uns im Dunkeln, ohne es zu merken. Wir stoppen an einer Tankstelle an der schon einige LKWs stehen. Wir sind auf knapp 700 m und es ist so heiß, dass wir unseren Schlafplatz mitten in der Nacht verlegen. Dabei merken wir unseren Irrtum und fahren die richtige Strecke. Auch hier schlafen w ir an der Serpentine direkt neben der Straße.

Samstag, 6. November 2004 (220 km/19.149 km) (NL84: N 07°08,532 W 73°01,646)

Etwas gerädert wachen wir auf. An der Grenze sind wir schnell, doch der Stau davor ist heftig. Wir entdecken eine Wechselstube und tauschen unsere Bolivar in Kolumbianische Peso um. Somit ist ein Problem schon mal gelöst. Die Zollformalitäten werden hier erledigt, wenn jemand da wäre. Der Schalter zu dem ich muss ist unbesetzt. Man verspricht mir aber, dass die zuständige Dame gleich kommen wird. So warte ich und beobachte die Arbeitsmoral der Zöllner. Da ist eine Dame, die mit der Zahnbürste hin und her rennt. S päter chattet sie im Internet. Eine andere Dame trinkt Kaffee. Ein Mann liegt auf dem Sessel, den Kopf hintenüber die Klappe weit aufgerissen und schnarcht, ich glaub es nicht. Dann taucht eine dritte Dame auf mit mehreren Schalen Obst. Eine davon stellt sie am Schalter ab, an dem ich stehe, die anderen verteilt sie an die Kollegen. Komm ich jetzt an die Reihe? Denkste, die Dame geht noch mal einkaufen. Eine Stunde ist vergangen und nichts passiert. Soll ich mal rumschreien? Lieber nicht, könnte sonst noch länger dauern. Dann taucht der Chef unerwartet auf und hat in 5 Minuten mein Problem gelöst. Das Auto ist also ausgereist, jetzt brauchen nur wir noch unsere Stempel. Die bekommt man in der Stadt bei DIEX, ein paar Straßen von hier. Ich könnt schon wieder ausrasten über diese Logik. Man erklärt mir den Weg, vorne rechts, nach 4 Kreuzungen links und 3 Straßen hoch. Ich finde es sofort, doch hier taucht die nächste Überraschung auf. Ich muss für die Ausreise bezahlen und zwar nicht wenig. 24.700 Bolivar pro Person. Das nennt sich Valor de la Unidad Trubutaria. Erstens haben wir keine Bolivar mehr und zweitens ist unser ganzes Geld im Auto an der Grenze. Wütend marschiere ich zurück. Mit dem Auto fahren wir hoch zum Polizeibüro, denkste. Diese Einbahnstraßenscheiße bringt mich so durcheinander, dass wir zu guter letzt irgendwo in einem Slumviertel landen. Durch mehrmaliges Fragen stehen wir dann vor der Polizei. Eine Wechselstube ist gleich gegenüber, also wechsle ich wieder Peso in Bolivar zurück, um an der Polizei bezahlen zu können. So einfach ist das aber nicht. Man schickt mich mit meinen Peso in ein anderes Büro auf der anderen Straßenseite, wo ich irgendwelche Marken im Wert von fast 50.000 Bolivar kaufen muss. Diese gebe ich dann an der Polizei ab und bekomme sofort meine Stempel. 3 Stunden hat diese Aktion nun gedauert. An der Grenze interessiert sich kein Mensch für unsere Pässe. Hätten wir das geahnt, wären wir einfach ohne zu zahlen durchgefahren. Gott sei Lob und Dank, Venezuela ist für mich wirklich ein Scheißland. Eine Brücke und wir sind in Kolumbien. Unsere hintere rechte Fensterscheibe schließt auch nicht mehr. Wir finden das Immigrationsbüro schnell. Dort werden die Pässe per PC abgestempelt, wer hätte das gedacht. Der Zoll ist dafür hier nicht an der Grenze, sondern im Industriegebiet in Cucuta, also nichts wie hin. Ein Militärposten erklärt uns den Weg. Am ersten Kreisverkehr gerade aus, am zweiten rechts, etwa 1 km. Denkste! Nach 5 km sind wir am Zoll. Ich komm auch sofort an die Reihe, ist wohl mein Glückstag. Ich brauche jedoch Kopien vom Pass, den Venezuelavisum, dem Einreisestempel und dem Fahrzeugschein. Leider haben sie hier keinen Kopierer. Man könnte wirklich aus der Haut fahren. Zu allem Überfluss vermöbeln mich hier im Gebäude Pass in Kolumbien auch noch irgendwelche Stechviecher. Draußen wird die Motornummer kontrolliert, Kopien gibt es um die Ecke und wir sind drin in Kolumbien. Eines haben wir dennoch zu beachten, wir sind hier mit dem Auto nicht versichert. Unsere amerikanische Gesellschaft versichert zwar alle anderen Südamerikanischen Länder, jedoch nicht Kolumbien. Also Holzauge sei wachsam. Wir fahren raus Richtung Pamplona, klettern einen Pass auf 3.000 m hoch und fahren im Regen über eine Hochebene. An einem Lädchen kaufen wir was essbares, fahren noch eine Weile durch die Wolken und finden einen Schlafplatz in etwa 2.000 m Höhe.

Sonntag, 7. November 2004 (440 km/19.589 km/22 km/4.434 km)
(NL85: N 04°56,077 W 73°50,126)

Beim obligatorischen Schlafplatzbild rennen 2 Straßenköder kläffend auf mich zu, Hinkebein und Einauge. Letzterer sieht aus als hätte er eine Sparringsrunde mit Mike Tyson hinter sich. Wir fahren die Serpentinen abwärts nach Bucamaranga, trinken einen Kaffee an einer Tankstelle und nehmen unsere Lariam. Heute wollen wir die Laguna de Guatavita finden, einen geheimnisvollen Ort, an dem wir vor über 10 Jahren schon mal geschlafen haben. Der Sage nach könnte hier der legendäre Goldschatz von El Dorado im See versteckt sein. Die Spanier hatten schon vor langer Zeit versucht, diesen Schatz zu bergen, indem sie eine Kerbe in den Berg gruben, um das Gewässer leer laufen zu lassen. Dies gelang jedoch nicht, da die Lagune unergründlich tief ist. Der Ort bewahrte damit sein Geheimnis über die Jahrhunderte. Wir machen gut Strecke an diesem Tag trotz gewaltiger Serpentinen und unzähliger Radler auf der Straße. In der Dämmerung erreichen wir den Abzweig nach Guatavita, kaufen uns noch ein gegrilltes Hähnchen und machen uns damit in der Dunkelheit auf die Suche nach dem legendären Vulkansee hoch in den Anden bei Bogota. 3 mehr oder weniger gut lesbare Schilder zeigen uns den Weg. Oben angekommen ist das letzte Stück nicht befahrbar. Ein Suchscheinwerfer folgt uns. Wir drehen und werden von einem Mann gestoppt. Irgendwie bekommen wir mit, dass wir nicht zur Lagune können. Wir glauben das nicht und suchen weiter. Dabei kommen wir immer wieder in irgendwelche Höfe. Die ganze Gegend scheint bewohnt. Das war vor 10 Jahren anders. 2 Motorradfahrer stoppen uns und erzählen ebenfalls, dass die Lagune geschlossen ist. Wir verstecken uns, essen unser Hähnchen und werden ein zweites Mal von den Motorradfahrern aufgestöbert. Jetzt unterhalten wir uns nicht mehr mit ihnen. Sie ziehen ab, fahren ein weiteres Mal vorbei, dann verziehen wir uns, suchen einen Schlafplatz. 3 Scheinwerfer von hinten und das wohlgemerkt mitten im Acker, denn wir fahren auf einer Erdstraße an einem Steilhang. Wir lassen das Auto und das Motorrad passieren. Es ist jedoch die Polizei und stoppt uns mit einem Gewehr. Im Auto sitzen all unsere "Freunde", die wir vorher im Dunkeln gesprochen haben. Wir haben für einen ganz schönen Aufruhr gesorgt hier in diesem kleinen Kaff irgendwo in den Anden. Alles klärt sich auf, die Polizei fährt voraus zur Polizeistation im Ort, wo wir schlafen können. Toilette dürfen wir auch benutzen und Wasser für Tee holen. Gabi hat Migräne und morgen Geburtstag.

Montag, 8. November 2004 (133 km/19.722 km)
(NL86: N 04°32,646 W 74°16,149)

Gabi ist nun 33 und hat schlecht geschlafen. Wir kochen uns einen Tee, benutzen die Toilette und laden den Laptop in der Polizeistation. Für die jungen Polizisten scheint das völlig normal. Ich ärgere mich nur, dass wir so kurz vor dem Ziel gescheitert sind. Ich will die Laguna de Guatavita noch mal sehen, also müssen wir irgendwann wieder nach Kolumbien kommen. Wir versuchen im Ort noch unsere Postkarten los zu werden. Das scheitert aber auch, da die kleine Poststation nur nationale Post verschicken kann. In Bogota sollten wir auf die Post, dort ist alles kein Problem. Jetzt wollen wir zumindest die Salzkathedrale in Zipaquira besichtigen. Salzkathedrale von Zipaquira Da standen wir 1994 vor verschlossenen Toren. Nach einer Stunde Fahrt stehen wir auf dem Parkplatz davor. Leider haben wir schon wieder ein Geldproblem. Wir hätten in Venezuela öfter unsere Kreditkarten nutzen sollen. Für 10 US$ bekommen wir die Eintrittskarten und einen deutsch sprechenden Führer namens Raphael. Die Kathedrale ist absolut phantastisch, ich würde fast sagen überirdisch. Man kann es in Worten kaum beschreiben. Raphael führt uns mit viel Wissen hindurch. Wir sind beide begeistert. Das ist mit großem Abstand die schönste Kirche auf unserem Planeten. Nach der Besichtigung fährt Raphael mit uns in die Stadt. Er hilft mir Geld abheben, die Post zu finden, die leider gerade Mittagspause macht und billig essen zu gehen. Für zusammen ca. 4 € bekommen wir alle 3 ein Essen mit Suppe, Hauptgericht und Getränk. D ann hat die Post geöffnet und ich kann es kaum glauben. Eine Postkarte nach Deutschland kostet 2,50 €. Wir verschicken 4 statt 15 wie geplant. Die anderen nehmen wir mit nach Ecuador. An der Kathedrale gab es Toiletten, deshalb fahren wir noch mal hoch. Am Eingang wischt eine Putzfrau gerade den Boden. Sie schickt mich aus Gott weis was für einem Grund in die Damentoilette. Ich komm mir ziemlich blöd vor, es ist schließlich kein Fasching. Kaum bin ich eine Minute auf der Schüssel, steht sie davor und fragt ob ich noch Toilettenpapier bräuchte. Nein antworte ich etwas genervt. Das hält sie nicht davon ab, 5 Minuten später wieder an meiner Toilette zu stehen, um mich auf Spanisch voll zu quatschen. Ich glaub es einfach nicht, ich will in Ruhe Schei…, hau endlich ab du Nervensäge. Raphael schenkt uns einen Reiseführer, dann machen wir uns auf den Weg nach Bogota. Gegen 16.30 Uhr erreichen wir den Stadtrand. Wir verfahren uns nur einmal, sind dann gegen 18.30 Uhr durch. Bogota ist eine mächtige Stadt mit fast 8 Mio. Einwohnern. Wir stoppen hinter einer Mautstation und trinken noch etwas. Dann legen wir uns ins Auto und schlafen. Um 23.30 Uhr klopft jemand. Es ist die Polizei, die wissen will wer wir sind. Dann können wir durchschlafen.

Dienstag, 9. November 2004 (529 km/20.251 km)
(NL87: N 02°57,395 W 76°31,720)

Geh früh erst mal auf Toilette und werde erneut von einer Frau gestört. Das Auto ist voller Moskitos, wird sind jedoch nicht gestochen worden. Wir fahren zum Tequendama- Wasserfall und machen ein paar Fotos. Dann geht es steil ab ins Andental auf 500 m Höhe und in tropische Hitze. Wir wollen hier nicht mehr sein. Dann schrauben wir uns Gott sei Dank einen Pass auf 3.000 m hoch. Viele LKWs hängen am Pass und halten uns auf. Gabi sprüht vor Weisheit, seit sie 33 ist. Ein wahrhaft göttliches Alter. So berichtet sie, dass auf 2.500 m Höhe die gelben Orchideen z. B. rosa blühen. Aha, w er es glaubt wird selig. Oder das ist ja ein mächtiger Fluss, meint sie. Ich erinnere sie daran, dass wir vor 6 Wochen den Amazonas mit einer Fähre an seiner schmalsten Stelle, welche immer noch 5 km breit ist überquert haben und ihr mächtiger Fluss nicht mal 5 m breit ist. Aber da liegen große Wacker drin, sagt sie darauf. Ja, die haben wir im Amazonas tatsächlich nicht gesehen. Es regnet in Strömen. Wir halten an einem Restaurant und bestellen, was Raphael uns beschrieben hat. Der Teller Suppe als Vorspeise ist schon so reichlich, das wir davon satt sind. Da waren die Augen wieder größer als der Bauch. Eine Portion Hauptgericht schaffen wir, dann ist uns kotzübel, aber nicht weil es nicht geschmeckt hätte. Wir lassen die zweite Portion einpacken. Später kaufen wir Trauben und Orangen an der Straße. Die Orangen sind grün, da bin ich mal gespannt wie die schmecken. Bei Sevilla schwenken wir auf die Panamericana ein, der Traumstrasse der Welt. Panamericana Sie wird uns die nächsten 10.000 km bis Feuerland begleiten. Heute passieren wir 10 Mautstellen, wenn das so weitergeht, sind wir bald Pleite. In Palmira suchen wir ein Internetcafe. Gabi freut sich über die vielen Mails, die sie bekommen hat. Insgesamt waren es mit meinen zusammen 20. Wir sind unter 1.000 m Höhe. Es ist zu warm hier, außerdem gibt es viele Moskitos. Deshalb beschließen wir um 21 Uhr noch durch Cali bis in die Nähe von Popayan zu fahren. Cali ist eine große Stadt. Wir fahren und fahren und haben es wieder mal geschafft. Wir sind genau da, wo wir vor über 30 Minuten losgefahren sind. Man kann einfach nur staunen. Die Beschilderung lässt halt zu wünschen übrig. Wir erreichen Popayan nicht mehr. Insgesamt haben wir jedoch 529 km geschafft. Wir stoppen um 1.30 Uhr an einer Tankstelle, wo man uns schlafen lässt.

Mittwoch, 10. November 2004 (310 km/20.561 km)
(NL88: N 01°15,887 W 77°18,463)

Wir haben trotz 7 Stunden nicht ausgeschlafen. Ich frag mich wie ich das in Deutschland immer schaffe, da waren mal 5 Tage, da hab ich auch nur 7 Stunden geschlafen und war nicht so müde. Wir stehen vor einer Imbissbude, dass haben wir im Dunkeln gar nicht gemerkt. Wir trinken einen Kaffee und fahren weiter. In Piendamo biegen wir mit dem Gedanken Tierredentro ein zweites Mal zu besuchen, nach links ab. Als wir plötzlich wieder auf der Panamericana sind, entscheiden wir uns anders und fahren gleich nach Popayan. Tierredentro hätte uns einen ganzen Tag gekostet und wir waren ja schon mal dort. Popayan dagegen haben wir noch nicht gesehen. Vor der Stadt werden wir wie schon oft zuvor von der Polizei gestoppt. Diesmal ist es aber anders, denn man will auch unsere Autoversicherung sehen. Wir sind zwar in allen anderen 12 Ländern des Kontinents versichert, aber nicht in Kolumbien. Hier hilft am besten nichts zu verstehen. Die 3 Burschen fragen nach Dollar, dann Peso. Jeder bekommt ein Päckchen Streichhölzer von Allrad-Keba und die Situation ist geklärt. In Popayan stellen wir uns auf einen bewachten Parkplatz um eine Situation wie in Caracas zu vermeiden. Dann bummeln wir durch die Altstadt im Kolonialbaustil. In einem Restaurant essen wir für 2 € zu Mittag. Dann fahren wir weiter Richtung Pasto. Pässe rauf und runter. Die Landschaft ist grandios. Ständige Fotostopps lassen uns nicht vorankommen. Vor Pasto halten wir an einem recht noblen Restaurant. Wir sind ganz allein in dem Nobelschuppen und haben 2 Kellner für uns. Das Essen kostet 10x mehr als in Popayan, aber die Steaks sind riesig und schmecken fantastisch. Dazu gibt es Wein und Bier. Wir feiern Gabis Geburtstag nach. Das Weinfläschchen hat 375 ml. Gabis Weisheit des Tages, das sind ja 1 ˝ Viertel. Das kann ich nur bestätigen. Wir nutzen die Situation und laden unseren Laptop, sortieren die digitalen Bilder und schreiben am Bericht. 20 € kostet der Spaß. Wir schlafen auf dem Parkplatz der Tankstelle um die Ecke.

Donnerstag, 11.November 2004 (179 km/20.740 km)
(NL89: N 00°36,273 W 77°48,540)

Am Morgen kassiert man 4.000 Peso von uns, lässt uns dafür aber Toilette und Dusche benutzen. Letztere haben wir dringend nötig. In der Kälte macht das Duschen keinen Spaß, zum Glück kommt da nach einiger Zeit warmes Wasser raus. Ich koche Tee und fülle Motoröl nach. Unser rechter Tank hat ein Leck, deshalb Pumpe ich einen Teil des Diesels um. Um 9 Uhr fahren wir nach Pasto. Dort wollen wir noch ein paar Postkarten besorgen. Das dauert seine Zeit. Dann geht's wieder Pässe rauf und runter. Den Abzweig Kathedrale in Las Lajas zum tätigen Vulkan Azufal finden wir leider nicht. Man hätte eh eine Genehmigung gebraucht um dort hin zu fahren. Wo man die her bekommt, keine Ahnung. Wir essen in einem Supermarkt Hähnchen mit Pommes. Gabis Stück ist nicht durch, meines auch nicht. Das zweite das ich bekomme ebenfalls nicht. Das war ein Reinfall. Wir tanken den großen Tank voll. Der Diesel ist ziemlich billig. Wir wissen leider den Preis in Ecuador nicht. Dann fahren wir zur Kathedrale Las Lajas. Diese ist über eine gewaltige Schlucht gebaut worden und absolut sehenswert. Das war ein schöner Abschluss für Kolumbien. Wir sind auch dieses Mal von diesem Land begeistert. Wir fahren zur Grenze, sind in 10 Minuten ausgereist, staunen nicht schlecht als wir hören, dass in Ecuador der US$ Zahlungsmittel ist und tauschen unsere Peso eben in Dollar um. An einer Mautstation zahlen wir 1 US$. Dann stoppen wir an einem Restaurant und essen zu Abend. Die Wirtin und ihr Sohn sind interessierte Zuschauer, als Gabi unsere Reisebilder zeigt. Wir schlafen vor dem Restaurant in unseren warmen Schlafsäcken im Auto. Es hat nur ca. 10 °C.

Freitag, 12. November 2004 (345 km/21.085 km/16 km/4.450 km)
(NL90: N 00°13,822 W 78°15,800)

Als ich im Frühnebel zum WC geistere, ist im Restaurant schon der Kamin geschürt. Was für ein Gegensatz zu Amazonien! Wir bekommen ein tolles Frühstück für 2 US$. Der Abschied ist rührend, obwohl wir nur ein paar Stunden hier waren. Wir sollen die Gruta La Paz besuchen, ein christliches Höhlenheiligtum. Ich dachte, da in der Karte stand Gruta Paz, das wäre ein Andenpass. Egal, wir finden die Einfahrt nach zweimaligem Fragen und holpern über eine Erdstraße zu einem Kloster, das leider heute geschlossen ist. Die Grotte jedoch können wir besichtigen und ist eine echte Sensation. Aus einer gewaltigen Höhle strömt ein mächtiger, reisender Fluss. Dort hinein hat man eine kleine Kapelle mit einer Madonna gebaut. Wir sind ein drittes Mal überrascht von der christlichen Einfaltskunst. Die südliche Ausfahrt aus der Schlucht ist spektakulär. Ein tiefer Canyon liegt links neben uns. Zurück auf der Panam nehmen wir einen Mann und seinen platten Reifen mit. Er spricht erstaunlicher weiße ein gutes Deutsch, lebte vor über 40 Jahren in Deutschland. Im Ort, an dem wir ihn absetzen leben nur Schwarze, erzählt er. Und Unmengen irgendwelcher Stechfliegen, wie ich nach Sekunden zu spüren bekomme. Ich hatte das Geziefer ja schon richtig "vermisst"! Wir wollen noch zum Mitad del Mundo, dem Denkmal am Äquator in Ecuador und nachmessen ob Peter Krämers Aussage in seinem Buch stimmt, man hätte das Denkmal ziemlich weit neben den Äquator gebaut. Als wir vor 10 Jahren hier waren, hatten wir noch kein GPS und wussten auch nichts davon. Wir fahren die Strasse aufmerksam Richtung Quito, um die Abfahrt nicht zu verpassen. An der Stelle an der die Panam den Äquator überschreitet machen wir ein Foto. Nichts lässt erkennen, dass wir diese markante Linie überqueren. Plötzlich stecken wir jedoch im Verkehr der Hauptstadt und haben keine Ahnung wo wir sind. Auf keiner unserer Karten ist das Denkmal eingezeichnet. Wir fragen uns durch und sind gegen 14 Uhr an altbekannter Stelle. Einiges hat sich verändert. So müssen wir Parkplatzgebühr und Eintritt bezahlen. Das Planetarium und die ganzen Museen, die man hinzu gebaut hat kosten extra Eintritt. Unser GPS zeigt 00°00,128, also hat man sich um gut 250 m beim Bau vertan. Peter Krämer hatte also Recht. In einem Touristenoffice bekommen wir die ersten brauchbaren Aussagen über Sehenswürdigkeiten eines Landes. Den Feuer speienden Vulkan Sangay haben wir damals vergeblich gesucht. Jetzt bekommen wir als Auskunft, dass er vom Amazonastiefland gut zu sehen ist. Außerdem wäre eine schöne Lagune bei Otavalo und bei Latacunga. An Otavalo sind wir zwar vorbei, beschließen jedoch wegen der Lagune zurückzufahren. Außerdem ist morgen Samstag und damit Indiomarkt in der Stadt. Vor 10 Jahren waren wir auf dem Markt, von der Lagune wussten wir damals nichts. In der Dunkelheit erreichen wir Otavalo, suchen ein Restaurant und ein Internetcafe. Wir finden einen Chinesen und essen dort. Obwohl auch in Ecuador alles preislich billig ist, haben wir bald kein Bargeld mehr und das Restaurant keine Toilette. Da wir wegen des Marktes in der Stadt schlafen wollen, suchen und finden wir an einer Tankstelle ein WC. Dann verkriechen wir uns ins Auto und schlafen.