Südamerika Teil 7

Mittwoch, 20. Oktober 2004 (28 km/14.537 km) (NL67: wie NL61)

Wir schneiden erst mal meine Haare. Endlich sehe ich wieder aus wie ein Mensch. Dann fahren wir zu Jimmy, unsere Einkäufe für die Abschiedsparty machen. Da Jimmy nicht zu Hause ist, fahren wir erst mal zum Geldabheben, was mit der Mastercard schwierig ist. Nur in der Hauptstelle der RBTT-Bank bekommen wir Kohle. Dann bezahlen Rudis neue Freundin wir die Werkstatt und fahren zu Jimmy zurück. Shoba kauft mit Gabi ein, ich verschicke unseren Bericht 6 von Eriks Wohnung aus. Am Abend sind wir nun schon zum dritten Mal mit zum allwöchentlichen Fußballspiel.Jimmy bezahlt die Zeche, da er endlich das OK von seiner Bank bekam, einen Kredit zum Hausbauen zu bekommen. Gegen 23 Uhr kommen wir ziemlich angetrunken bei Jimmys Mutter an. Diese war den ganzen Abend fleißig und hat uns leckere Hähnchen und Kotelett, sowie Gemüse und Reis gekocht. Dazu kippen wir eine Flasche Rum. Es wird ein schöner Abend, der zuletzt mit Erik in seiner Wohnung und der zweiten Flasche Rum endet. Um 3 Uhr geht Erik schlafen. Er muss um 5 Uhr wieder aufstehen. Der Abschied rückt näher.

Donnerstag, 21. Oktober 2004 (271 km/14.808 km/31 km/3.809 km)
(NL68: N 0544,931 W 5708,167)

Erik schafft es rechtzeitig aus dem Bett. Wir können länger schlafen. Ich hab keinen dicken Schädel. Wir packen unsere 7 Sachen und fahren ein letztes Mal in die Werkstatt. Wir verabschieden uns von Erik, der uns richtig ans Herz gewachsen ist. Dann fahren wir zu Jimmy, der allerdings gerade auswärts arbeitet. Shoba geht mit uns ein letztes Mal essen. Dann spielen wir noch ein Rommeegame. Shoba verblüfft mich immer noch mit ihrer weiblichen Logik. So werfe ich in der ersten Runde eine Pik 9, weil ich die 2 x habe und nicht gebrauchen kann. Shoba hebt sie nicht auf, soweit so gut. In der zweiten Runde werfe ich die zweite Pik 9. Diesmal hebt sie Shoba auf, auch dafür finde ich noch eine Erklärung. Als sie in der dritten Runde diese Pik 9 wieder abwirft, versteh ich nur noch Bahnhof. Diese und viele andere solcher Situationen lassen mich einen neuen Begriff definieren, "Womanologic." Nachdem Jimmy zurück ist, verabschieden wir uns um 16 Uhr. Bei den beiden fällt es uns noch schwerer. Sie waren gleich am ersten Abend so freundlich und offen. Wie viele Deutsche würden so einfach einen Fremden von einem anderen Kontinent ohne ihn jemals vorher gesehen zu haben in ihr Haus bitten? Mit dem Versprechen uns in Deutschland zu besuchen, verabschieden wir uns. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge machen wir uns auf den Weg, neuen Abenteuern entgegen. Die ganze Straße bis zum Hafen scheint mit Moskitos verseucht. Ab der Dämmerung ist es nicht mehr auszuhalten. Wie können hier Menschen überleben? In der letztes Nachtlager in Surinam Dunkelheit entdeckt Gabi ein Tier auf der Straße. Es ist ein junger Kaiman. Wir sind allerdings beide zu langsam. Das Tier ist im Gras verschwunden bis wir unsere Kameras schussbereit haben. Dafür ist das Auto jetzt voller Moskitos und einer hummelgroßen Stechfliege. Wir sprühen uns von Kopf bis Fuß mit Moskitospray ein. Der ungeteerte Weg zum Hafen beginnt. Dort finden wir eine tote Schlange auf der Straße. Am Hafen wollen wir auf einem Parkplatz schlafen. Es kommen zwei Männer. Einer davon nimmt uns mit auf ein Privatgelände. Viele große Frösche hüpfen hier herum und jagen Käfer. Hier können wir in einer Hütte mitten im Fluss schlafen. (Bild 32) Ein angenehmes und romantisches Plätzchen haben wir für diese Nacht gefunden.

Freitag, 22. Oktober 2004 (244 km/15.052 km) (NL69: N 0623,427 W 5814,182)

Klänge von Bob Marley lassen uns sanft erwachen. Reed, der Mann von letzte Nacht hat Tee für uns Tee gekocht. Eine angenehme Unterhaltung entsteht. Wir spielen ein einheimisches Spiel, dann holt er eine Melone und später bekommen wir noch gebackenen Fisch und Brötchen mit auf den Weg. Man glaubt es kaum, alles umsonst. Um 10 Uhr sind wir am Zoll. Die Formalitäten sind schnell erledigt, die Tickets billiger gekauft als vor 3 Wochen auf der anderen Seite. 30 Minuten dauert die überfahrt. Drüben ist es etwas chaotischer. Ohne Hotel will uns der Zoll nur 2 Tage Aufenthalt genehmigen für den Transit. Die Polizei meint dann, das wäre zu kurz und wir sollten das gleich regeln. Mit hängen und würgen bekommen wir dann 5 Tage. Man weiß ja nie was so alles auf so einer Tour passieren kann. Gegen Mittag erreichen wir die Chaotenfähre bei New Amsterdam. Mit Grauen erinnere ich mich noch an die erste Fahrt. Ewig dauert es bis die Autos runter gefahren sind. Genauso lange bis alle drauf sind. Es ist eine Rangiererei ohne gleichen. Diesmal bekommen wir alles besser mit als bei der ersten Passage. Gott sei Dank, das Schlimmste liegt jetzt hinter uns. Georgetown erreichen wir in der Dämmerung. BBQ-Chicken-Wings stehen ganz oben auf unserer Wunschliste, doch wir finden den KFC nicht. Ein chinesischer Schnellimbiss soll unseren Hunger stillen. Der Typ ist so unfreundlich, dass uns der Appetit vergeht. Eine Suppe, ein Reisgericht und 2 Bier, dann gehen wir. Den Weg nach Linden, unser nächstes Ziel, kennt er auch nicht. Im Dunkeln finden wir die Richtung auch ohne seine Hilfe und zufällig den zweiten KFC. Gabi will dort noch essen, weil ihr die Suppe nicht gereicht hat. Ich denk dabei an BBQ-Chicken-Wings, werde aber enttäuscht, da sie mit normalen Hähnchenteilen zurückkommt. Nun gut, wir nehmen uns welche mit, denke ich. Aber es gibt gar keine trotz großer Werbetafel. Wir fahren im Dunkeln mit unserem GPS zum Abzweig nach Linden. Zum Glück hatte ich damals die Koordinaten genommen. Gabi doktert mit dem neuen Transformator rum. Der Laptop zeigt, dass er geladen wird, trotzdem nimmt die Batteriekapazität während des Betriebs ab. Wir hören nämlich eine CD. Unser Laptop ist nun leer. Somit ist das neue Gerät kaum besser zu gebrauchen als das Alte. Wir finden wenigstens einen schönen Schlafplatz im Wald, ohne Moskitos.

Samstag, 23. Oktober 2004 (421 km/15.473 km/360 km/4.269 km)
(NL70: N 0351,499 W 5927,140)

Es war eine wohlig kühle Nacht. Es könnte immer so sein. Nach 7 Uhr fahren wir los und erreichen Linden gegen 8. Wir brauchen einen Supermarkt und dann die richtige Straße nach Lethem. Dreimal fahren wir planlos im Kreis. Dann halten wir an einem Kiosk. Hier gibt es alles was wir brauchen, sogar eine Wegbeschreibung zur Grenze. An der Brücke zahlen wir ein paar Kröten Maut. Dann fragen wir noch mal und sind auf der richtigen Erdstraße. Unser neuer Transformator geht uns ganz schön auf den Keks. Läuft der Laptop, piepst der Transformator nicht, der Laptop entlädt jedoch. Ist er aus, dann piepst das Ding ununterbrochen, lädt jedoch langsam. Gegen Mittag erreichen wir die erste Polizeikontrolle. Der Polizist will gleich Kohle sehen, weil ich nicht vor der offenen Schranke gehalten habe. Ich raste vorsichtshalber gleich mal aus. Dann stellt sich doch heraus, dass hier jeder 150 Guy $ Maut bezahlen muss. Das sind zwar nicht mal 50 Cent, für eine staubige Erdstraße trotzdem viel. Beim ersten Mal mussten wir nichts bezahlen. 5 Wegweiser sind jetzt bis zur Fähre, mehr als im ganzen restlichen Land, nur an der einzigen wirklich fraglichen Stelle ist keiner. Der Polizeiposten an der Fähre ist freundlich, schnell und korrekt, was für ein Wunder, wenn ich an die beiden Vögel denke, die vor 3 Wochen hier saßen. Dafür ist die Fährbesatzung nicht an Bord, kommt jedoch umgehend. Schnell sind wir auf der anderen Seite und wieder im Iwokrama-Regenwald. Gabi hält die Kamera schussbereit. Eine Große Echse sitzt auf der Straße, rennt aber gerade in die andere Richtung davon. Das war es mit Fotoshooting im Regenwald. Wir fahren raus und ins Bergland. Irgendwo halten wir an einem Hang und schlagen unseren Camp auf. Schöner Platz, wenn nicht ein heftiger Wind aufziehen würde, der uns 2 Stunden Angst um unseren Dom und Schlaf kosten würde.

Sonntag, 24. Oktober 2004 (88 km/15.561 km/88 km/4.357 km)
(NL71: N 0323,352 W 5947,864)

Der Tag beginnt mit "Womanologic". Ich steh eher auf um versäumte Tagebucheinträge nachzuholen, während Gabi noch schlafen kann. Was macht sie, steht auch auf und langweilt sich sichtlich neben mir. Die vielen Reiher und Adler am Wegesrand lassen Gabis Laune steigen. Wir sind wieder im Tal der Vögel. Lethem erreichen wir gegen 10 Uhr. Mit dem GPS finden wir das Immigrationsoffice schnell und bekommen gesagt, dass wir eigentlich wo anders hin müssten. Bei der Einreise haben wir den halben Tag vertrödelt, um es zu finden, jetzt sagt man uns, wir wären eigentlich falsch. Hier hat wohl keiner einen Plan. Wir bekommen trotzdem unsere Stempel und können somit übersetzen ins lang ersehnte Brasilien. Die Fähre liegt allerdings auf der anderen Seite und einige Autos sind bereit aufzufahren. Nur scheint niemand die Fähre bewegen zu wollen. Erst denken wir, die haben keinen Sprit, dann sie wäre kaputt. Wir fragen und bekommen zur Antwort, sie fährt heute nicht, vielleicht morgen. Es ist Sonntag, ich glaub es erst nicht. Die machen nicht eine Fahrt an diesem Tag. Wir "freuen" uns schon auf diesen freien Tag in Lethem, nicht mal eine Nacht in Las Vegas könnte mich mehr reizen. Lach! In dem Kaff gibt es an der Texaco-Tankstelle alles was das Herz begehrt. Wir spielen Karten, Essen und Trinken. 2 Besoffene vertreiben uns die Zeit mit ihrem Gelaber. Zum Glück bleiben die nicht den ganzen Tag. Gegen 18 Uhr gibt's im Ort sogar Strom. Ich schließe den Laptop an um ihn zu laden, schon war's das mit der Elektrizität. Nach einer Stunde Warten wollen wir gehen, dann gibt's doch wieder Licht, also laden wir unseren PC restlos auf. Hatten wir nicht von einem köstlichen Rodizio geträumt und von einer kalten Dusche! Immerhin bekommen wir einen Teller Suppe, der aus Bohnenbrei, Bananen und Knochen (ohne Fleisch) besteht. Eine Erfrischung erhalte ich auch im unbeleuchteten WC, als das Pinkelbecken überläuft, während ich hineinuriniere. Die Dromedare der Sahara lassen ja auch ihren Urin an den Hinterbeinen zwecks Kühlung herunter laufen, aber wohlgemerkt den Eigenen. Genug von dem schönen Ort. Hier sollte jeder mal einen Tag vollbracht haben. Wir finden immerhin einen schönen Schlafplatz außerhalb des Ortes, der moskitofrei scheint. Hier hole ich alles versäumte in Sachen Schreiben nach und bin endlich auf dem Laufenden.

Montag, 25. Oktober 2004 (241 km/15.802 km/2 km/4.359 km)
(NL72: N 0336,154 W 6057,691)

Die Nacht wird unruhig, da ein paar Regentropfen fallen. Um 8 Uhr sind wir am Fährhafen. Man ist damit beschäftigt, Hektoliterweise Wasser aus dem Rumpf der verbeulten und rostigen Fähre zu pumpen, damit sie überhaupt ein Auto tragen kann. Einen Motor besitzt das Ding schon lange nicht mehr. Es wird von einem Holzkahn mit Außenborder geschoben welcher mit Kette und Seil am Rumpf der Fähre befestigt ist. Die Fähre nach Brasilien Wir setzen dann als erste über und sind in der Zivilisation. Man fragt nach der Gelbfieberimpfung, dann kommt die Passkontrolle. Obwohl an der Tür als Öffnungszeiten 8 - 20 Uhr steht, ist um 8.45 Uhr noch kein Mensch da. Nach 30 Minuten tauchen 2 Beamte auf und es geht weiter. Der Zoll stempelt unser Carnet ab, obwohl es in Brasilien überhaupt nicht gültig ist. Da sind wir mal gespannt, ob das ohne Komplikationen für uns bei der Ausreise läuft. Wir erreichen Boa Vista und wollen unsere Guyana-Dollar in der Bank of Brasil tauschen. Hätten wir uns eigentlich denken können, dass die uns auch diesmal nicht weiterhelfen. Timbo oder Hotel Barrudada würde tauschen. Die finden wir aber beide nicht. Also fahren wir raus aus der Stadt und entdecken ein Restaurant mit Rodizio, doch die akzeptieren nur Brasilianische Reais und von denen haben wir nur noch 10. Also machen wir uns noch mal auf die Suche nach einer Wechselstube und werden fündig. Gabi tauscht die 8000 Guy $ und bekommt nur Geld für 7. Man hat sie übers Ohr gehauen. Erst findet sie sich damit ab. Dann siegt doch der Kampfgeist. Wütend marschiert sie zurück zur Wechselstube, mit dem umgetauschten Geld und den 10 Reais, die wir noch hatten. Sie kommt zurück und ist ein zweites Mal beschissen worden. Jetzt hat man unsere Reais einfach mit dazugerechnet. Beim dritten Mal hat dann alles seine Richtigkeit. Wir fahren zum Restaurant zurück, essen Rodizio und trinken Cola-Bier. Das WC wird auch benutzt und im wahrsten Sinn des Wortes, in ziemlich verschissenem Zustand zurückgelassen. Keine Klobürste und keine funktionierende Spülung, selbst Schuld. Ich hab so viel "gefressen" das mir schlecht ist. Wir fahren nach Norden Richtung Venezuela und halten an einem Restaurant bei km 98 nach Boa Vista. Dort bekommen wir kühle Getränke und auch ein Dusche. Ich fühl mich beschissen, hab Kopf und Gliederschmerzen und ein klein wenig Fieber, vielleicht einen Sonnenstich. Wir spielen Karten bis zum Abend. Der Gedanke hier zu schlafen ist verlockend, denn es fängt zu regnen an, wie ich es noch niemals zuvor erlebt habe. Das geht dann die ganze Nacht durch. Es wird angenehm kühl. Wir versuchen im Auto zu schlafen, geben es aber nach den ersten Moskitos auf. Wir bauen den Dom unter ein Vordach und schlafen dann hier. Ich muss 4 Mal raus zum Pinkeln, Gabi 3 Mal. Irgendwas war wohl in den Getränken. Es regnet so stark, dass wir trotz überdachung nass werden. Also stehen wir noch mal auf und ziehen den Dom ein Stück nach innen. Schon geht der Wecker eines der Angestellten und es ist morgen. Eine "geruhsame" Nacht geht zu Ende.

Dienstag, 26. Oktober 2004 (228 km/16.030 km/25 km/4.384 km)
(NL73: N 0503,326 W 6056,150)

Wir frühstücken hier noch komisches Zeug, dann fahren wir zur Grenze. Mir geht es nur bedingt besser. An der Ausreise Brasilien weis man mit dem Carnet auch nichts anzufangen und stempelt einfach ein weiteres Blatt ab. OK, denke ich und wir sind raus. Grenze nach Brasilien Auf Venezuelanischer Seite müssen wir Passkontrolle und Zoll, wie in Lethem/Guyana, in Sta. Elena zusammensuchen. Dann tauschen wir auf der Straße unsere Reais in Bolivar um und wollen tanken. Die erste Tankstelle ist völlig überfüllt, die zweite hat keinen Strom, eine dritte finden wir nicht. Also stellen wir uns bei der ersten in die Schlange und warten geschlagene 1 Stunden bis wir an der Reihe sind. Selbst von Manaus kommen sie hier hergefahren wegen des billigen Sprits. Für 20.000 Bolivar tanken wir, das sind etwa 8 und bekommen 108 l Diesel dafür. Da kann man Autos mit 4 l Hubraum fahren. Wir verlassen die chaotische Stadt und erreichen auf der Straße10 den Canaima-Nationalpark. Leider ist das Wetter zum fotografieren schlecht, dafür tut mir die frische Luft gut. Eine Polizeikontrolle ist beeindruckt über unsere große Tour von Buenos Aires bis hierher. In unseren neuen Pässen sind schon einige Seiten voll gestempelt. Am Abzweig zum Roraima-Tepui, das ist einer der vielen Tafelberge hier in der Grand Sabanna, fahren wir ab. Zuerst ist die Straße recht gut, dann regnet es in Strömen und ein steiler Anstieg zwingt uns mit Allrad zu fahren. Auf ein Kommando springen wir beide aus dem Auto, jeder legt seine Nabe am Vorderrad um und wir können den Berg erklimmen. Der war wirklich nicht ohne. Fast oben, drehen plötzlich alle Reifen einfach durch. Millimeter um Millimeter kämpfen wir uns im strömenden Regen auf die Kuppe, geschafft. Wir sind am Ziel. Ein Kontrollposten lässt uns hier unter einem Dach zelten. Wir haben noch Nudelsuppe, Tee und Rum. Das gibt ein köstliches Abendessen. Vor allem der Tee mit Rum weckt neue Lebensgeister in mir. Ich bin immer noch ziemlich platt. Es regnet auch hier fast ununterbrochen. Durch die Höhe von über 1.300 m und den Regen ist es richtig kalt. Fast jammere ich jetzt wegen der Kälte. Die Welt ist doch nicht normal. Wir legen uns in der Hoffung schlafen, der Himmel ist morgen wolkenfrei.

Mittwoch, 27. Oktober 2004 (438 km/16.468 km/26 km/4.410 km)
(NL74: N 0748,302 W 6159,289)

Der Regen hat tatsächlich aufgehört. Ich habe immer noch Kopfschmerzen. Wir gehen zum Dorf hoch um den Sonnenaufgang am Roraima zu erleben. Die Dorfbewohner sind sehr zurückhaltend, haben wohl keine guten Erfahrungen mit Touristen gemacht. Die Landschaft ist ein Traum. Sie zählt garantiert zu den schönsten Plätzen auf unserem Planeten. Roraima-Tepui Als wir die gleiche Strecke zurück fahren, können wir kaum glauben, dass wir es gestern bei dem Wolkenbruch hier hoch geschafft haben. Wieder auf der Straße 10 halten wir an zwei beeindruckenden Wasserfällen. Vor dem einen steht ein Schild, man solle das Baden hier unterlassen. Für welche Sorte Mensch ist dieses Schild gedacht? An einem Kiosk essen wir ein Stück richtig guten Kuchen. Jetzt klagt Gabi über die gleichen Probleme wie ich die letzten beiden Tage. Mein Fieber ist weg, sie hat 38,3 C. Auf dem Hochplateau ist es angenehm. Bei bis zu 1.300 m Höhe ist es deutlich kühler. Leider verlassen wir am Nachmittag schon wieder diesen viel lebensfreundlicheren Ort. Jetzt soll noch Canaima unser Ziel sein. Hier lernten wir vor über 10 Jahren Jadira und Carlos aus Vargas bei Caracas auf ihrer Hochzeitsreise kennen. Dann wollen wir über Caracas in die lang ersehnten Anden aufsteigen, dabei unsere Bekannten von damals besuchen. An der Muttergottesgrotte begegnen wir einer deutschen Reisegruppe. Der einzige, der mit uns spricht ist der Venezuelanische Reiseleiter, typisch Deutsch! Hatten wir denn überhaupt das Bedürfnis mit diesen Leuten zu reden? Wir machen jetzt nur noch km, versuchen vergeblich an Geld zu kommen und essen unsere letzte Fischdose. Gabi geht es nach einer Tablette eine Weile besser, am Abend nimmt sie eine zweite. Wir fahren in einen Feldweg und campen mitten auf diesem. Dort sind nämlich keine stachligen Gräser, im Gegensatz zum Rest des Geländes. Hoffentlich hält das Wetter. Es ist wieder Vollmond. Als wir mitten in der Nacht aufwachen sehen wir durch unser Netz einen merkwürdigen orangenen Lichtfleck am Himmel. Stunden später ist der Vollmond wieder da. Gabi meint, das war wohl eine Mondfinsternis und Recht hatte sie.

Donnerstag, 28. Oktober 2004 (898 km/17.366 km/2 km/4.412 km)
(NL75: N 1031,175 W 6656,543)

Die Nacht war komisch. Gabi hat immer noch Fieber. Schweren Herzens beschließen wir die Fahrt nach Canaima ad acta zu legen und auf dem schnellsten Weg nach Caracas zu fahren, um dort den Deutschsprechenden Tropenarzt Dr. Götz von Mäkele aufzusuchen. Die Gesundheit geht vor. Upata erreichen wir vor 8 Uhr. Deshalb wollen wir in Ciudad Guyana, etwa 50 km von hier versuchen Geld zu bekommen. Dort angekommen sind die Banken entweder noch zu oder tauschen nicht. 1 Stunde wertvolle Zeit vertrödelt. In Ciudad Bolivar dann derselbe Zirkus. In der letzten Bank hab ich gleich 200 andere Kunden vor mir. Das waren erneut 90 verlorene Minuten. In El Tigre ein letzter, vergeblicher Versuch an Geld zu kommen. Ich hab die Schnauze gestrichen voll. Heute passieren wir mehrere Mautstellen und die einzige Brücke über den Orinoko. Nachmittags habe ich Durchfall. Danach Tanken wir 181 Liter Diesel für sagenhafte 3 Euro (6 DM). Das kann sich kein normaler Deutscher vorstellen, oder! Zumindest haben wir keine Spritprobleme mehr. Die Küste erreichen wir noch vor der Dämmerung. Die letzten 300 km legen wir im Dunkeln bei Regen zurück, also beste Vorraussetzungen für ein gutes Vorrankommen. Gabi hat dann die Idee, am Flughafen einen Scheck zu tauschen. Also auf zum Flughafen Simon Bolivar. Die Fahrt durch Caracas dauert über 3 Stunden, dann haben wir den Flughafen erreicht. Mittlerweile ist es 23 Uhr. So mache ich mich mit Pass und Scheck auf die Suche nach einer Tauschmöglichkeit. 2 Taxifahrer bieten sich an, mir auch für einen Traveller-Scheck Bares zu geben. Die haben doch ein Rad ab. Es gibt tatsächlich noch eine offene Wechselstube, welche den Scheck tauscht. Ende gut, alles gut. Ich muss auf Toilette, finde sie auch gleich, wundere mich aber über die 2 Eingänge. Der linke ist gesperrt, also rechts rein. Ein Gang, eine Kurve, einen verschlossene Tür, ein Treppenhaus, ein Lift und schon bin ich wieder in der Abflughalle, aber wo ist das Klo? Manchmal ereignen sich schon merkwürdige Dinge. Es gibt zum Glück ein weiteres WC. Wir finden einen LKW-Parkplatz neben einer Polizeikontrolle und übernachten das erste Mal seit 2 Monaten im Auto. Es wird für mich die angenehmste Nacht der ganzen Tour. Für Gabi sieht es anders aus. Sie hat immer noch Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost.

Freitag, 29. Oktober 2004 (95 km/17.461 km) (NL76: wie NL75)

Das wird ein "Das glaubt einem doch eh keiner"-Tag. An der Straße zum Flughafen sind überall Wasserhähne. Einen davon nutzen wir, um uns zu Waschen. Wollen ja nicht wie die größten Schweine beim Onkel Doktor antreten. Am Flughafen finden wir unsere Toiletten, somit sind wir startklar für den Tag. Jetzt kommt das größte Problem, wie finden wir diesen Tropenarzt Dr. Mäkelt in einer Stadt mit über 6 Mio. Einwohnern. Wir haben zum Glück einen Stadtplan und seine Adresse, welche allerdings beide schon über 10 Jahre alt sind. Auf dem Plan scheint alles easy. Die Realität sieht anders aus, denn bereits an der zweiten Kreuzung sind wir falsch gefahren und stecken nun in einer engen Seitenstraße im Stau völlig fest. 15 Minuten für 20 m. Das war es wohl mit dem heutigen Arztbesuch. Bei dem Tempo schaffen wir das bis Montag nicht. Dann geht's doch weiter. Wir haben aber so gar keine Ahnung mehr wo wir gerade sind. Irgendwann jedoch haben wir wieder einen Plan. Eine neue Idee, nicht die Autobahn, sondern Seitenstraßen durch die Stadt nutzen. Das klappt dann besser. Wir sind im gesuchten Stadtviertel angekommen. Jetzt müssen wir nur noch das Kongresszentrum finden. Wir fragen einen Mann an der Straße. Der will mitfahren um es uns zu zeigen. Gabi lehnt ab. Sie scheint wirklich krank zu sein, das war doch ein Geschenk Gottes. Also suchen wir weiter. Der Verkehr ist chaotisch, fast wie nachts um 4 Uhr in Lyon (kleiner Scherz für Insider). Irgendwann stehen wir vor dem gesuchten Gebäude und ein Parkplatz im Schatten ist auch noch da. Also nichts wie rein. Im besagten Zimmer ist jedoch kein Dr. Mäkelt und kennen tut man ihn auch nicht. Gabi hatte vorher schon schwarzgesehen. Man schickt uns in den Humboldt-Tower, dort gibt es gute Ärzte. 2 ältere Damen begleiten uns dorthin und geben uns ihre Telefonnummern. Die Ärztin ist noch nicht in der Praxis, also warten wir. Gabi schickt mich los um etwas zu trinken zu kaufen. Ich betrete den Aufzug und drücke TE, weil sich das irgendwie nach Ausgang anhört. Der Aufzug fährt nach PA, dann nach AC und zu guter letzt nach TE. Ich staune nicht schlecht, denn ich bin genau in dem Stock, in dem ich vorher eingestiegen bin. Manchmal ist man schon ein bisschen blöd, denke ich. Ich kaufe eine Flasche Fanta und hole etwas aus dem Auto. Dann bin ich wieder im Humboldt-Tower und springe in einen sich gerade schließenden Aufzug. Jetzt weis ich ja wo ich drücken muss. Doch siehe da in dem Aufzug gibt es keine Taste TE. Ich versteh die Welt nicht mehr, als ich nun unfreiwillig bis ins 24 Stockwerk fahre und wieder zurück. Das müssen die Aufzüge auf der anderen Seite sein. Kaum ausgedacht öffnet sich der Aufzug. Ich sprinte los zu einem gegenüber, welcher sich ebenfalls direkt hinter mir schließt. Ich schau noch blöder aus der Wäsche, als dort auch keine TE-Taste zu finden ist. Ein zweites Mal erreiche ich das 24. Stockwerk in den letzten 5 Minuten. Es gibt eine weitere Gruppe Aufzüge in einen anderen Gang, dass war des Rätsels Lösung. Gabi wird schon von der Ärztin untersucht, als ich die Praxis betrete. Ein deutsch sprechender Kinderarzt dient als Dolmetscher. Amazonasregion und Fieber, da gibt es nur 2 Möglichkeiten, Malaria oder Dengue. Das sind ja tolle Aussichten. Wir müssen zur Blutabnahme in eine Urologische Klinik. Dort bekommen wir den Befund angeblich sofort und mit diesem sollen wir am Montag wieder bei der ärztin auftauchen, zwecks Behandlungsmethode. Leicht geknickt und 100.000 Bolivar ärmer verlassen wir die Praxis und den Humboldt-Tower. Gabi schickt mich zum Geldabheben ins Kongresszentrum, sie geht gleich zum Auto. 5 Minuten später kommt sie kreidebleich in die Bank mit den Worten: "Das Auto ist weg, wahrscheinlich gestohlen!" !?!?!
Das war die erste Hälfte dieses Chaotentages. Wie es weiterging, dann im nächsten Bericht!