Südamerika Teil 6

Montag, 04. Oktober 2004 (2 km/13.690 km) (NL51: N 05°49,803 W 55°09,639)

Die Arbeit in der Werkstatt beginnt um 7 Uhr. Man lässt uns den Tag über in einem klimatisierten Raum verbringen. Am Toyota arbeiten sie heute allerdings noch nicht. Nutze die Zeit um am Bericht 5 zu schreiben. Am Abend müssen wir hier weg. Man lässt uns aber nicht im Stich. Der Security-Chef geleitet uns zu seiner Fahrschule. Dort können wir Toilette und Dusche benutzen. Glenn, ein Angestellter von ihm, der hier wohnt, soll auf uns aufpassen. Gleichzeitig warnt er uns, wir sollen ihm auf keinen Fall etwas geben. Es sind noch Fahrschüler da, als wir dort ankommen und kochen. Geld haben wir noch nicht getauscht, deshalb können wir uns nichts Großartiges leisten. Glenn kauft dann 2 Literflaschen Bier und teilt sie mit uns. Er trinkt manchmal 8 - 10 solcher Flaschen, wie er erzählt und ist nicht betrunken. Die Nacht schlafen wir dann neben einem Hühner-Container.

Dienstag, 05.Oktober 2004 (2 km/13.692 km) (NL52: N 05°50,912 W 55°11,046)

Wir brechen früh unsere Zelte ab und sind um 7.30 Uhr in der Toyota-Werkstatt. Der Vormittag vergeht ohne dass sich etwas ereignet. Wir können uns aber wieder im klimatisierten Raum aufhalten, Wasserkocher, Toilette und Dusche benutzen. Bericht 5 wird hier vervollständigt. Am Nachmittag kommt der Toyota endlich auf die Hebebühne. Fachmännisch wird der Kardan abgeschraubt. Erik Delvoye, ein in Burundi geborener Belgier, begutachtet unseren möglichen Schaden. Außer ein paar kaum fühlbaren Rillen an einem Teil zwischen Kardan und Differenzial, den der Simmering umschließt, ist nichts zu erkennen. Das könnte aber der Grund für den Ölverlust sein. Ich will auf Nummer sicher gehen und lasse das Differenzial ganz ausbauen. Hier spricht man englisch und hat kompetente Leute vor sich. Das Differenzial ist völlig o. k. Entwarnung für mich, ist halt doch ein Toyota. Mein Durchfall ist auch vorbei, Geld und Lampen sind aber weg. Ich will das Teil mit den Rillen ersetzen lassen, deshalb bleibt das Auto in der Werkstatt. Man wird morgen versuchen, ein anderes zu bekommen. Ohne Auto wollen wir allerdings nicht wieder bei Glenn im Hof der Fahrschule schlafen, deshalb fragen wir ob man uns vor der Werkstatt zelten lässt. Das will man aber auch diesmal nicht und somit haben wir ein Problem, denn Geld haben wir immer noch keines getauscht. Erik findet eine Lösung. Er ruft seinen Schwager an und der lässt uns bei sich im Hof schlafen. Wir fahren mit Erik dorthin. Es ist eine indische Familie und als wir ankommen, wird gerade Indischer Tempeltanz trainiert. Interessiert schauen wir zu. 4 Hunde und 2 Katzen rennen wie wild im Hof herum. Erik, der selbst auch gerne reist, will mit uns heute Abend essen gehen. Gegen 20 Uhr fahren wir mit ihm, seinem Schwager Jimmy und dessen Frau Shoba in ein indonesisches Restaurant. Es wird ein lustiger und interessanter Abend. Das Essen ist phantastisch und billig, die Unterhaltung äußerst spannend. Zuhause trinken wir noch ein Bierchen vor dem Schlafengehen. Wäre nicht die große Hitze und die vielen Moskitos, könnte man sich hier richtig wohl fühlen. Wir können sogar auf der überdachten Terrasse unseren Dom aufbauen, Toilette und Dusche benutzen und von Jimmys Computer unseren Bericht 5 verschicken.

Mittwoch, 06. Oktober 2004 (0 km/13.692 km) (NL53: wie NL52)

Puma Einer der Hunde und Puma, die kleine Katze, sind auf dem Balkon als ich aus der Dusche komme. Mit 5 m Anlauf und ausgefahrenen Krallen springt Puma direkt in die Seite unseres Moskitodoms, welcher gleich ein paar Löcher mehr aufweist. Was all die Bestien im Regenwald nicht geschafft haben, würde sie wohl in wenigen Minuten erledigen. Selbst mein Kopfkissen, das ich ihr hinterherwerfe und sie wohlgemerkt treffe, verscheucht sie nicht. Das Kissen wird ihr nächstes Opfer. Jimmy kocht Rühreier zum Frühstück, dann fährt uns einer seiner Angestellten in die Stadt. Wir holen den Laptop aus dem Toyota, tauschen 2 Travellereschecks, kaufen Postkarten und Getränke. Erik ruft aus der Werkstatt an. Sie können das Teil hier nicht bekommen. Eine Reparatur wäre jedoch für 55 US$ möglich. Das ist mir zu risikoreich, ein Neues kostet garantiert auch nicht mehr. Deshalb lassen wir es lieber aus Deutschland einfliegen, was mir als ADAC-Mitglied nichts kostet. Bei Jimmy sofort zwei Mails mit Dringlichkeitsstufe hoch an Allrad-Keba und den ADAC geschickt. Jimmy und seine Freunde spielen jeden Mittwochabend Fußball. Wir schauen uns das Spiel auf einem kleinen Platz 2 km entfernt an. Trinken dabei eine Literflasche Bier. Jimmys Team verliert 3 : 8. Wir kommen mit einigen seiner Freunde ins Gespräch. Es sind überwiegend Inder, ein Chinese und ein Indonesier. Danach essen wir noch bei einem guten und billigen Chinesen. Auch hier schafft man es nicht, die Portionen aufzuessen. Zuhause noch ein Bier getrunken und in der Website der DZG einige Eintragungen gemacht.

Donnerstag, 07. Oktober 2004 (0 km/13.692 km) (NL54: wie NL52)

6.30 Uhr. Gefahr ist im Anmarsch, der kleine Katzenteufel schleicht ums Zelt. Nach dem zweiten Sprung an unseren Dom reicht es mir. Ich schmeiß das Mistvieh einfach vom Balkon. Ausgerechnet heute hat das ganze Stadtviertel Stromausfall, was bedeutet, dass auch die Wasserleitungen und die Dusche nicht funktionieren. Jimmy fährt zu seiner Zweigstelle in Nickerey. Wir fahren mit Shoba zur Werkstatt und klären dort einiges mit Erik. Danach schauen wir uns das Wrack des deutschen Frachters Goslar von der anderen Seite des Flusses an, der hier während des Krieges von den Holländern versenkt wurde. Eine echte Sensation sind eine Synagoge und eine Moschee Synagoge und Moschee , die direkt nebeneinander gebaut wurden. Hier funktioniert also das Zusammenleben von Juden und Moslems problemlos, warum nicht überall. Heute steht Roti, ein indisches Essen auf dem Programm. Dann kaufen wir eine Telefonkarte um mit Allrad-Keba telefonieren zu können. Dummer weiße habe ich nur die Werkstattnummer von dort und weiß, dass das Büro heute geschlossen hat. Der Versuch übers Internet an Siggis andere Telefonnummer zu kommen, scheitert, da es heute keinen Strom gibt. Mit dem Laptop kommen wir auch nicht weiter, weil der Akku in dem Moment den Geist aufgibt, als wir mit ihm endlich eine Internetverbindung haben. Wir spielen am Abend mit Shoba und Derek, einem jungen Holländer, der hier Urlaub macht, Karten. Ich kaufe eine Box Vanilleeis beim Chinesen gegenüber. Drinnen ist Vanilleeis mit Heidelbeeren. Shoba erklärt: "Auf dem Deckel ist immer abgebildet, was nicht drin ist!" "Ach so, alles klar." Ich lege mich heute früher schlafen, weil ich um 3 Uhr mit Siggi Burk telefonieren will. Gabi kommt viel später ins Zelt und lässt den Reisverschluss offen. Später wachen wir in einer Wolke Moskitos auf. Na klasse. Der Moskitodom hat einige Blutflecke mehr. Um 3 Uhr dann Siggi Burk über Telefon erreicht. In Deutschland ist es jetzt 8 Uhr. Siggi hat das Teil neu bestellen müssen und er bekommt es erst am Montag. Also wird es doch ein längerer Aufenthalt für uns hier in Surinam. Dann schlafe ich noch ein paar Stündchen, bis Puma, unser Alptraum erneut um den Dom schleicht.

Freitag, 08. Oktober 2004 (0 km/13.692 km) (NL55: wie NL52)

Wenn wir unseren Moskitodom retten wollen, müssen wir aufstehen und ihn abbauen. Das kleine Ungeheuer linst schon vor 8 Uhr sprungbereit um die Ecke. Nach dem Frühstück holen wir DJ, Shobas Neffen von der Schule ab. Dann fahren wir zur Toyotawerkstatt. Ich suche in meinen mitgenommenen Ersatzteilen den Simmering und gebe ihn Erik. A ußerdem nehmen wir all unsere schmutzige Wäsche mit. Dann holen wir Angeli, DJ´s kleine Schwester vom Kindergarten ab. Mit den beiden süßen Kindern fahren wir zum Touristenoffice und lassen uns über einige Touren informieren. Was hier angeboten wird, ist dermaßen teuer, dass wir die Zeit lieber mit Abwarten verbringen. Eine Tagestour zum Blommesteinmeer z. B. kostet 45 US$/Person. Uns würde der Diesel dorthin 12,50 US$ kosten. Wir gehen mit Shoba und den Kindern in das indische Restaurant und essen zum zweiten Mal Roti. Ein Wolkenbruch am Nachmittag und Paramaribo steht ein zweites Mal unter Wasser. Ich schicke eine Mail mit meiner ADAC-Mitgliedsnummer an Siggi Burk. Dann können wir nur noch Abwarten und hoffen, das alles möglichst schnell geht. Jimmy kommt gegen 18 Uhr aus Nickerey zurück. Im völlig überfüllten McDonald ist Kindergeburtstag. Dort müssen Shoba und Jimmy kurz vorbeischauen. Dann holen wir uns kreolisches Essen, Bier und ein paar Video-CDs. Harry Potter und die Kammer des Schreckens füllt den Rest des Abends. Als wir unseren Dom später aufstellen, bemerken wir, dass eine der Stangen gebrochen ist. Wir können ihn aber noch verwenden.

Samstag, 09. Oktober 2004 (0 km/13.692 km) (NL56: wie NL52)

Heute sind wir eingeladen mit Jimmys Familie nach Overbridge zu fahren, einem Ort 50 km südlich von Paramaribo am Surinam River. Als ich die Türe zur Dusche öffne, huscht ein großer Schatten an mir vorbei. Ich zucke zusammen und als ich erkenne was es ist, erschrecke ich noch mehr. Eine handtellergroße Spinne. Um 10 Uhr fahren wir los. Den größten Teil der Strasse kennen wir schon. Es ist die gleiche Strecke wie zum Blommesteinmeer. Ein Badeparadies empfängt uns dort, wie es sich wohl jeder Deutsche schon mal ausgemahlt hat. Palmen und Mangroven säumen einen Sandstrand am Ufer des warmen Surinamriver Strand in Overbridge. Ein im Wasser um den Strand gespanntes Netz stört ein wenig diese Idylle. Es hält die im Fluss lebenden Piranhas ab, Badegäste zu skelletieren. Man spielt Karten, trinkt Wasser, Bier oder Whiskey-Cola, schwimmt im Fluss oder sitzt im Schatten der Palmen. Ein gemeinsames reichhaltiges Mittagessen mit Reis, Bohnen, Hähnchen folgt. Kuchen gibt es später. Wir werden in viele interessante Gespräche verwickelt, eigentlich total in die Gruppe integriert. Reisen kann wirklich phantastisch sein. Ich unterhalte mich längere Zeit mit Jerry, einem in Holland geborenen junge Mann. Er will mit einer Gruppe von Studenten im Dezember die Strecke von Paramaribo nach Brasilien fahren. Es sei ein Projekt, Surinam straßenmäßig an Südamerika anzubinden. Findet man befahrbare Passagen, würde die EU eine Teerstraße bauen lassen. Jerry ist ein interessanter Gesprächspartner, wir tauschen unsere Emailadressen aus. Vielleicht kommen wir irgendwann mal wieder nach Surinam zurück, dann könnten wir mit ihm für ein Zehntel des Preises Touren auf den Flüssen im Inland machen. Er ist sehr interessiert an unseren hier gemachten Erfahrungen. Wir wollen uns noch mal treffen. Der Tag vergeht wie im Flug. Die Flut kommt und lässt den Wasserspiegel des Flusses um über einen Meter steigen und das obwohl wir gut 60 km im Landesinneren sind. So können wir hier das Phänomen beobachten, dass wir in Belem an der Amazonasmündung sehen wollten. Vor der Dämmerung fahren alle im Konvoi zurück. Zuhause spielen wir eine Weile Rommee mit Shoba. Dann bauen wir unseren Dom mit der angebrochenen Stange auf und gehen schlafen.

Sonntag, 10. Oktober 2004 (0 km/13.692 km) (NL57: wie NL52)

Heute kann der Dom stehen bleiben. Puma hat offensichtlich das Interesse daran verloren. Wir frühstücken mit Kamla, Jimmys Mutter. Puma tobt durch die Küche. Mal zerrt sie an der Tischdecke, mal macht sie Klimmzüge an den Gardinen, mal springt sie auf den Herd, mal beißt sie mir ins Bein. Irgendwie haben wir das kleine Kätzchen richtig lieb gewonnen. Wir vertrödeln den Tag daheim. Surinam ist ein zu teures Pflaster. Am Nachmittag fällt Gabi ein, dass wir unsere Lariam schlucken müssen. Die sind aber im Auto einige km von hier in der Werkstatt. Dann kommt mir ein weiterer Gedanke, der mich richtig ärgert. Wir hätten den Toyota mit dem alten Teil zusammenbauen lassen und damit ein paar Touren im Land fahren können. Wir rufen Erik an, der mich zur Werkstatt bringt um die Tabletten zu holen. Auf dem Weg dorthin erzähle ich ihm unsere Idee. Erik wird veranlassen, dass der Toyota Montag früh gegen 10 Uhr startbereit ist. Am Abend schauen wir einen weiteren Harry Potter Film und essen gegen 23 Uhr zu Abend.

Montag, 11. Oktober 2004 (183 km/13.875 km/135 km/3.380 km)
(NL58: N 05°08,428 W 56°09,216)

Wir packen unsere Sachen, dann telefonieren wir mit meiner Mutter. Jimmy bringt uns zur Werkstatt, wo unser Toyota schon freudig auf uns wartet. Gegen 12 Uhr verlassen wir Paramaribo, mit 60 l Diesel und Lebensmitteln für 2 Tage, Richtung Blanche Marie Wasserfälle. Bis zum Flughafen, etwa 40 km außerhalb der Stadt, ist geteert. Dann beginnen 300 km Erdstraße mit Wellblech, Staub, Schlaglöchern, Schlammkuhlen, umgestürzten Bäumen und klapprigen Brücken. Ein guter Kontrast zur vergangenen Woche. Bis 17.30 Uhr haben wir gut 150 km geschafft. Aus Angst vor Malariamoskitos bauen wir jetzt schon unseren Dom auf und verkriechen uns darin. Eine viel zu lange Nacht steht bevor. Rumliegen und Abwarten liegt mir einfach nicht. Erstaunlicherweise tauchen keine Moskitos auf. Gegen 2 Uhr hab ich ausgeschlafen, beobachte den Sternenhimmel und lausche den Geräuschen um uns herum. Irgendwann, nachdem ein Auto vorbei kommt, schlafe ich noch mal ein.

Dienstag, 12. Oktober 2004 (261 km/14.136 km/261 km/3.641 km)
(NL59: wie NL58)

Vor 7 Uhr brechen wir unsere Zelte ab, da auch am Morgen kein Moskito zu sehen ist. Die Erdstraße ist nach den Erlebnissen in der BR 319 kein Problem für uns. Wir stoppen einen entgegenkommenden Toyota Hilux und fragen nach dem Weg. Der nette ältere Herr erklärt uns alles ganz genau. Am Schild links ab, nach der Brücke noch mal links ab, dann noch 10 km. Alles klar. Das Schild taucht auf und wir biegen ab. Ein verlassenes Camp mit Fahrzeugen, Maschinen und Hallen taucht auf. Hier gabelt sich die Straße. Wir bleiben dem Prinzip treu, im Zweifelsfall immer gerade aus und fahren in die schmälere Straße direkt in den Regenwald. Als erst nach über 5 km eine Brücke auftaucht, wie wir vorher noch keine gesehen haben, drehen wir um. Da bringen uns keine 10 Pferde drüber, sind wir uns einig. Bei aller Abenteuerlust, Lebensmüde sind wir nicht Brücke. Wir fahren zurück zum Camp und nehmen die andere Straße. Diese endet jedoch nach 50 Metern an ein paar Hütten. Also müssen wir doch über diese Brücke des Grauens. Wir stärken uns im Schatten eines Vordachs und machen uns ein zweites Mal auf den Weg. Gabi weist mich cm für cm ein. An vielen Stellen ist der Fluss durch große Löcher zu sehen. Gefährlicher sind jedoch die aufgebogenen Metallstäbe der Gitter die kreuz und quer auf der Brücke liegen. Noch einen Plattfuß können wir uns nicht leisten. Wir erreichen das andere Ufer und vor allem Gabi atmet auf. Ein zweites Schild taucht auf, wir sind also doch richtig. Ein Spinnennetz von bisher nie gesehener Größe lässt uns stoppen. Es ist gut 8 m lang und 4 m hoch, man könnte das ganze Auto darin einwickeln. Was für ein Riesentier hat hier seine Fangfäden ausgelegt. Ich sehe mich in einen Horrorfilm versetzt. Ganz vorsichtig nähere ich mich mit der Kamera dem Riesengespinst, um nicht zur Beute dieses Untiers zu werden. Erleichtert erkenne ich beim Näher kommen, dass es sich um eine in Kolonien von hunderten von Tieren lebenden kleinen Spinnenart handelt, die dieses riesige Netz zusammenbauen und dann auch größere Beutetiere überwältigen, indem sie zu dutzenden über diese her fallen. Ein lauter Hupton kündigt unser Ankommen am Wasserfall an. 20 US$ knöpft man uns hier ab. Eigentlich eine Unverschämtheit, aber alles ist hier sehr teuer. Wir fahren hoch zum Wasserfall, der momentan nur aus kleinen Katarakten besteht. Wie nicht anders erwartet, knappern auch hier im Wasser wieder irgendwelche Tiere an uns herum. Wir baden unter einem kleinen Fall, dort haben wir unsere Ruhe. Das Auto ist zu, die Sachen immer in Sichtweite. 2 Stunden planschen wir herum, sind scheinbar die einzigen Menschen auf diesem Planeten. Später trinken wir 2 l Cola beim Manager des Camps und verabschieden uns nachdem er uns einige Fragen beantwortet hat. Die Brücke z. B. sagt er ist ganz leicht zu befahren. Immer schön in der Mitte halten, dann kann nichts passieren. Der Mann hat Gottvertrauen. Die Dämmerung ist die Zeit der "Dummvögel". Zu Dutzenden sitzen diese Tiere auf der Straße, meist direkt in der Fahrspur und fliegen erst dann auf, wenn sie fast vom Vorderrad erfasst sind. 10 m weiter setzen sie sich genau wieder in die Spur und das Spiel beginnt von neuem. Eigentlich müsste diese Tierart längst ausgestorben sein. Da wir für alle Tiere bremsen, sieht man uns heute im Slalom um Schlaglöcher und "Dummvögel" durch den Urwald fahren. 2 Schlangen kriechen uns dabei über den Weg. Wir fahren bis 20 Uhr und stoppen an der gleichen Stelle wie tags zuvor.

Mittwoch, 13. Oktober 2004 (190 km/14.326 km/137 km/3.778 km)
(NL60: N 05°50,655 W 55°10,818)

Auch heute geht es bei Zeiten los. Wir sind neugierig ob unser Autoteil eingetroffen ist. Nach 50 km verliert der Motor deutlich an Leistung und geht schließlich aus. Sind die Dieselfilter zu? Immer wieder gerät der Motor ins Stottern, schließlich haben wir die 150 km doch geschafft und treffen Erik an der Werkstatt. Wir können uns in den klimatisierten Aufenthaltsraum setzen und essen. Jimmy hat am Montag einen Anruf aus Deutschland bekommen. Das Teil wird am Dienstag abgeschickt und bräuchte 5 Tage bis Surinam. Wir können es beide kaum fassen. Wir sind stinksauer auf den ADAC. Erik meint aber, dass sei schnell. Wenn sie Teile aus Europa bestellen, dauert es 14 Tage. Schwacher Trost für uns. Hoffentlich kommen wir überhaupt noch mal hier weg. Erik bringt uns heute zu sich nach Hause. Ist uns auch lieber. Wie haben die Gastfreundschaft von Shoba und Jimmy eh schon überstrapaziert. Mittwoch ist Fußballabend. Wir fahren mit Erik und schauen das Spiel wie schon letzten Mittwoch, trinken ein paar Bierchen und kochen dann zu Hause spät abends. Hinter dem Haus bauen wir unseren Moskitodom auf.

Donnerstag, 14. Oktober 2004 (18 km/14.344 km) (NL61: N 05°50,655 W 55°10,818))

Es geht etwas ruhiger als bei Jimmy zu. Ich steh zeitig auf, hab einen dicken Schädel. Wir verbringen den Tag im Haus. Schreibe Tagebuch nach und krame hier und da rum. Wir haben fast nichts zu essen und auch kaum mehr Geld. Surinam ist für längere Aufenthalte wirklich zu teurer. Um 3 Uhr fahren wir zur Werkstatt, brauchen eine halbe Stunde dafür. Dort wollen wir mal nach dem Dieselfilter schauen lassen. Erik will das bei sich zu Hause machen. Wir warten auf ihn, dann fahren wir zu einem Chinaimbiss und holen uns Essen für 2 Tage (die Portionen sind einfach riesig). Hungrig schlingen wir die halbe Portion rein, während Eric mit seiner Frau Chantra chatet. Dann können auch wir ins Internet. Leider ist es zu spät für den Filter. Irgendwie blockiert das Land jeglichen Tätigkeitswillen von unserer Seite. Um 22 Uhr verziehen wir uns in den Dom.

Freitag, 15. Oktober 2004 (20 km/14.364 km) (NL62: wie NL61)

Für heute haben wir uns einiges vorgenommen. Dieselfilter reinigen, Scheck tauschen, Stromumwandler kaufen und Haare schneiden. Nachdem wir einen Tee getrunken haben, fahren wir zu Jimmy. Der schaut sich unseren Stromumwandler an und meint, er sei nicht stark genug für unseren neuen Laptop. In der Stadt könnte man bessere kaufen. Er kann aber erst gegen 13 Uhr. Zwischenzeitlich fahren wir zu Erik in die Werkstatt und wollen den Dieselfilter prüfen lassen. Man bringt aber die Schraube nicht sofort auf und so verschieben wir es ein zweites Mal auf Abends zu Hause. Um 13 Uhr sind wir zurück bei Jimmy, der ist aber noch nicht da. Wir spielen Rommee mit Shoba. Um 14 Uhr fahren wir mit den beiden in ein Geschäft und schauen uns einen Stromumwandler an. Leistung 300 Watt, Kosten 100 US$. Unserer bringt angeblich max. 200 Watt und hat 50 € gekostet. Ein zweites Geschäft hat ein noch besseres Gerät mit 375 Watt für 66 US$. Den lassen wir uns zurücklegen. Zum Scheck tauschen ist es zu spät. Dummerweise schließen die Banken hier um 14 Uhr. Somit haben wir wieder überhaupt nichts zustande gebracht. Wir spielen weiter Karten mit Shoba und warten dass Erik nach Hause kommt. Dann lädt uns Jimmys Mutter zum Essen ein. Während ich mir den Bauch voll schlage, ist Gabi nur einen halben Teller. Erik kommt dann erst in der Dämmerung zurück und somit wird es zum dritten Mal nichts mit dem Filter. Ich sprüh die Ablassschraube wenigstens mit Kriechöl ein. Dann fahren wir zum Essen raus aus der Stadt zu einem Japaner. Ich bestelle BBQ-Hähnchen mit grünem Salat, bekomme einen Schenkel sonst nichts. Wir fragen nach dem Salat und man bringt mir ein Pillendöschen voll leckeren Salat. Es sind wirklich nur 2 Gabeln. Ich beschwere mich und bekomme zur Antwort, dass sie nicht mehr hätten. Na toll. Ich kann mir aber was anderes aussuchen. Kartoffeln möchte ich, die gibt's auch nicht mehr. Letztendlich bekomme ich als Beilage einen zweiten leckeren BBQ-Hähnchenschenkel umsonst. Tolles Lokal, kann man weiterempfehlen. Erik lädt uns zu einer Tagestour in den Brownsberg Nationalpark ein. Da wollten wir vor zwei Wochen hinfahren und sind wegen diesem lauten Geräusch umgedreht. Wir fahren am Sonntag sehr bald am Morgen los. Zuhause kippen wir noch ein paar Bierchen und zeigen Erik Gabis Bilder am Laptop.

Samstag, 16. Oktober 2004 (1 km/14.365 km) (NL63: wie NL61)

An diesem Tag will ich endlich mal was zustande bringen. Steh sehr früh auf und hocke mich gleich an das Laptop. Dieses verdammte Spiderkartenspiel kostet echt viel Zeit. Heute gewinne ich wenigstens 2 Spiele und korrigiere den bisher geschriebenen Reisebericht 6. Dann schrauben wir endlich den hinteren Dieselfilter ab, der neben Dreck auch Wasser enthält. Um den Stromumwandler zu kaufen ist es wieder zu spät. Es ist einfach zum Kotzen. Wir hocken in dieser Stadt herum und bringen nicht mal die einfachsten Dinge zustande. Ich wünsche mich fast in die BR 319 zurück. Da wussten wir wenigstens immer was wir machen und kamen irgendwie auch weiter. Jetzt warten wir auf das Teil, das wir nicht mal unbedingt brauchen. Wir könnten schon längst irgendwo in Venezuela oder Kolumbien sein. Hoffentlich fehlt uns die Zeit am Ende nicht. Ein Gutes hat es allerdings schon. Wir haben in Erik, Shoba, Jimmy und deren ganzen Bekannten viele neue Freunde gefunden, die in einem Land leben, das die meisten Deutschen überhaupt nicht kennen. Wir fahren mit Erik zum Essen und bestellen im Überfluss was das Herz begehrt. Von Spearribbs über Fisch, Hähnchen, Schrimps, Gemüse und Reis bis zum Bier steht alles auf dem Tisch. Meine Figur ist eh ruiniert, also rein damit. 10 volle große Schüsseln stehen auf unserem Tisch. Dank Erik bleibt nichts übrig. Der kann was verdrücken. Danach bin ich Bettreif. Gabi schreibt am Laptop. Abends kommt mir wenigstens ein guter Gedanke. Ich fülle unsere leeren Wasserkanister mit Eriks Katadyn-Filter auf. Im Laden kostet 1 l Wasser mehr als 1 l Cola. Morgen ist dann endlich wieder mal Aktion angesagt.

Sonntag, 17. Oktober 2004 (0 km/14.365 km) (NL64: wie NL61)

Stockvoll durch den Dschungel, könnte man diesen Tag nennen. Nach dem Frühstück geht's los. Wir kaufen eine Kiste Bier (das sind 12 Liter-Flaschen)und 2 Softdrinks. Mit Eriks Schwester und Ihrer Familie fahren wir mit 2 Pickups in die Savanne. Um 9 Uhr werden die ersten beiden Bottles, an einem Schlammloch einer Rallyestrecke, geköpft. Es ist verdammt heiß, wie immer halt. Mitten im Militärgebiet werden die nächsten beiden Flaschen gelehrt. Wir verstehen uns mit dieser Familie auch gleich auf Anhieb. Erik zeigt uns Stellen in den Hügeln, an denen er mit seiner Frau Chantra, sie ist Geologin, im Schweiße seines Angesichts Steine ausgegraben hat. Auch hier kippen wir 2 Liter Bier. Ich hab gegen Mittag schon einen in der Krone, Gabi auch. Den anderen merkt man eigentlich nichts an. Dann fahren wir in Brownsberg Nationalpark den Brownsberg-Nationalpark. An einem Viewpoint entdecken wir zum zweiten Mal ein riesiges Netz voller kleiner Spinnen. Die Tragefäden sind erstaunlich stabil, man kann kaum glauben, dass sie von solch kleinen Tierchen gewebt wurden. Eine Motte verirrt sich ins Netz und wird von mehreren Spinnen attackiert und überwältigt. Wir stoppen an einem Parkplatz und machen uns mit was wohl? ….. Genau, 2 Flaschen Bier auf den Weg zum Leo-Wasserfall. Dort genießen wir die kühle Gischt und kaltes Bier. Am Parkplatz wollen wir dann kochen. Oben angekommen, fahren wir zum Camp auf dem Gipfel, falls man bei 474 m überhaupt von einem Berg sprechen kann. Dort kommt der Kocher raus und es gibt leckeren Eintopf mit Würstchen, Reis und kaltem Bier. Nach 3 Tellern krieg ich nichts mehr rein. Ich penn auf der Rückfahrt sogar ein. Gabi und Erik amüsieren sich köstlich deswegen. Gegen 20 Uhr sind wir zurück und spielen ein bisschen Karten. Der Blick geht nach Morgen. Kommt das Teil endlich aus Deutschland oder müssen wir wirklich hier versauern.

Montag, 18. Oktober 2004 ( 34 km/14.399 km) (NL65: wie NL61)

Wir wollen heute zum x-ten Mal längst fällige Dinge erledigen. Da ist schon mal eine Mail von Allrad-Keba wegen des Dieselfilters. Bei Jimmy hat allerdings keiner vom Flughafen angerufen. Man könnte wirklich die Wände hochgehen. Dann tauschen wir 2 Travellerschecks. Auf der RBTT-Bank können wir Geld mit der Mastercard abheben, sagt man uns. Gut es zu wissen. Dann lassen wir Erik eine Probefahrt machen, wegen des anderen Geräusches, das wir gelegentlich wahrnehmen. Natürlich hören wir gerade jetzt nichts, wie soll es auch anders sein. Erik macht uns eine Kopie seiner Venezuela-Karte von der Canaima-Region. Dort wollen wir als nächstes hin, sollten wir jemals hier wegkommen. Auf dem Weg zu Jimmy geht uns der Sprit aus. Wir tanken dann 100 l. Damit müssten wir bis Venezuela kommen. Jimmy ist immer noch nicht zu Hause. Wir spielen 2 Stunden Rommee mit Shoba. Dann fährt Jimmy mit zum Autoteilegeschäft, diesen Stromumwandler kaufen. Er ist 4 x so stark wie unserer und funktioniert wunderbar. Wieder eine Sorge weniger. Wir laden die beiden zum Essen bei einem der Chinesen ein. Langsam kennen uns die Leute. Gegen 17.30 Uhr zurück bei Erik, der auch kurz danach eintrifft. Wir wollen noch ein Foto fürs Internet schießen, als wir bei Jimmy ankommen sind die beiden aber nicht zu Hause. Wir kaufen noch ein paar Sachen unter anderem Moskitospray. Dann fahren wir zurück. Erik verzieht sich in die Falle, somit wird es nichts mit dem Foto. Diese Ungewissheit macht einen wirklich wahnsinnig. Letzten Montag kam ein Anruf aus Deutschland, das Teil bräuchte ca. 5 Tage. Jetzt sind 7 um und wir haben nichts gehört. Hätten wir gewusst, dass es so lange dauert, wären wir mit dem alten Teil weitergefahren. Alle 10.000 km ein Liter Getriebeöl ist nichts im Vergleich zu 2 Wochen Zeitverlust. Das Gute an der Sache ist, wir bekommen das Leben in Surinam hautnah mit, haben viele neue Freunde gefunden und wollen die Zeit hier auch nicht missen.

Dienstag, 19. Oktober 2004 (110 km/14.509 km) (NL66: wie NL61)

Heute muss was passieren, sonst flippen wir aus. Kaum haben wir diesen Gedanken ausgesprochen, merken wir, dass Erik versehentlich unsere Sandalen eingeschlossen hat. Der Tag fängt ja gleich gut an. Ich telefoniere mit Jimmy. Dieser ruft dann am Flughafen an und bekommt gesagt, das weder für ihn, noch für mich ein Packet angekommen wäre. Außerdem bräuchten sie die Company und Rechnungsnummer der Fluggesellschaft. Also kaufe ich eine Telfonkarte und rufe leicht wütend zuerst beim ADAC an, um gesagt zu bekommen, dass der zuständige Herr heute im Urlaub ist. Aber man wüsste zumindest soviel, das der Händler, also Allrad-Keba, das Teil direkt verschickt hat. Also Allrad-Keba anrufen. Ich glaub es erst nicht, aber der Anrufbeantworter meldet sich. Zum Glück hab ich mittlerweile noch zwei andere Nummern. Mit der zweiten Nummer habe ich Anschluss. Man will mich umgehend zurückrufen. Langsam komme ich mir vor wie ein Gefangener. Plötzlich steht ein Fedex-Bote vor der Tür und bringt ein Telegramm. Unser bestelltes Teil ist am Flughafen angekommen. Ich mache einen Luftsprung. Mit Jimmy mache ich mich gleich auf den Weg. Eine Stunde Fahrt ist es bis dorthin. 10 € muss ich der Surinamschen Spedition zahlen, dann will der Zoll noch 30 €. Das Teil kostet 90 €. Ganz schon teuer, obwohl der Versand ja eigentlich kostenlos sein soll. Jimmy gelingt es jedoch, dem Zollbeamten die 30 € Einfuhrzoll auszureden, somit wird es ja doch noch akzeptabel. Als ich das Päckchen sehe, der nächste Schreck. Das ist ja viel zu klein, da passt das benötigte Teil gar nicht rein. Wenn das so ist, erschieße ich mich. Es ist aber das richtige Teil und Erik lässt es umgehend einbauen. Wir machen eine weitere Probefahrt, denn da ist ja noch das leisere Geräusch, wegen dem wir ja in Franz. Guyana Gewissensbisse bekamen. Jetzt findet Erik den Grund dafür. Es ist der rechte Zusatztank, der gelegentlich ins Vibrieren kommt. Kurz gesagt, unser Auto hatte gar nichts außer einem leicht leckenden Simmering. Damit hätten wir um die ganze Welt bzw. zumindest um ganz Südamerika fahren können. Außerdem wurde der hintere Spurlenker mit neuen Gummipuffern fixiert, das fordere Getriebeöl getauscht, der Wagen abgeschmiert und gewaschen. Ich komme zu dem Entschluss unserem Auto noch mehr zu vertrauen, denn es ist ganz einfach ein Toyota. Um 16 Uhr bin ich neue Freund in Paramibozurück und hole Gabi ab, die aus Langeweile Eriks Hemden gebügelt hat. Komisch, denke ich, zu Hause wandern meine Sachen immer so in den Schrank. Erik will einen Langhaarschneider von seiner Schwester mitbringen, damit ich endlich mal meine wie Unkraut wuchernde Lockenpracht loswerde. Ich kann mich nicht mehr anschauen und außerdem schwitze ich mich zu Tode. Wir warten bei Jimmy und Erik taucht ohne Haarschneider auf. Wir holen ihn später ab, nachdem wir das schon lange geplante Gruppenfoto fürs Internet geschossen haben. Wir holen uns noch Essen für zu Hause bei einem Chinesen. Die Suppe fliegt mir daheim im Hof gleich mal durch die Gegend. Zum Glück ist alles noch mal in Plastikbeuteln verpackt. Nach dem Essen zeigt uns Erik seine Hochzeitsbilder, seine Reisealben sind leider alle in Belgien. Die vorletzte Nacht in Paramaribo bricht heran u nd wir sind guter Dinge und voller Tatandrang.