Südamerika Teil 5

Dienstag, 21. September 2004 (0 km/10.579 km) (NL38 wie NL37)

10 Euro kostet die Übernachtung. Für das Geld ist das Frühstück klasse. Gehen erst ins Internetcafe, dann zur Oper und zum Hafen. Finden danach unser Hotel nicht mehr. Abendessen im Chinarestaurant. Ich bestell einen Fisch, Gabi Fisch, Suppe und Nudeln. Aus Futterneid bestell ich auch noch Suppe. Eine Portion Suppe reicht zum satt werden. Wir lassen 2 Gerichte komplett einpacken. 5 Chinesische Touristen essen auch hier. Schenken mir einen Rum ein, in ein doppeltes Schnapsglas. "Hopp, hopp, hopp, rinn in Kopp", weg ist er. 5 Chinesische Schlitzaugenpaare weiten sich zu regelrechten Froschaugen. Dann folgt fünffach Applaus. Jetzt sehe ich erst, dass die nur an ihrem Glas nippen. Gabi erzählt ich wäre zu lange in Russland gewesen. Momentan sehe ich eh aus wie Rasputin, wie mein verstorbener Freund Erich Heilmann jetzt sagen würde. Den Rest des Tages verbringe ich damit unseren Reisebericht 4 zu schreiben.

Mittwoch, 22. September 2004 (0 km/10.579 km) (NL39 wie NL37)

Dieser Tag spielt sich überwiegend im Hotelzimmer ab. Nach dem Frühstück schreibe ich weiter am Bericht. Abends essen wir unsere chinesischen Gerichte und laufen im Dunkeln noch mal zur Oper hoch. Der Platz hat wirklich Ambiente, wie man so schön sagt. Genießen den nicht zu warmen Abend ohne Moskitos im Freien. Beim Zurücklaufen essen wir noch ein paar Fleischspieße an der Straße.

Donnerstag, 23. September 2004 (304 km/10.883 km) (NL40: S 0138,096 W 6011,307)

Nach dem Frühstück räumen wir das Auto ein. Ewig dauert es 50 Euro zu wechseln. Diese Bank de Brasil ist das Letzte. Dann verschicken wir unseren Bericht Nr. 4. Wir tanken und bekommen 202,5 l in den großen Tank. In einem Einkaufszentrum noch Proviant und ein paar Klamotten für Gabi gekauft. Dann auf die BR 174 Richtung Boa Vista gefahren. Denken wir zumindest. Nach 60 km merken wir den Irrtum. Zurück und wieder falsch. An der Polizeikontrolle finden wir endlich den richtigen Weg. Nach 150 km bauen wir unseren Moskitodom auf und schlafen.

Freitag, 24. September 2004 (603 km/11.486 km) (NL41: N 0246,530 W 6039,324)

Nach ruhiger Nacht fahren wir in ein Reservat. Sehen einiges an Getier am Wegesrand. Danach eine Polizeikontrolle, welche bei uns, im Gegensatz zu den Einheimischen, nur die Papiere sehen will. Am Äquator dann das Titelbild für unsere Website geschossen. Das sollte Gabi schon bei der Einfahrt in die Transamazonica machen. Da Frauen scheinbar andere Faktoren für wichtig halten, war das Bild damals aus meiner Sicht nicht zu gebrauchen. Sie hatte z. B. die halbe Frontpartie des Autos inklusive Nummerschild abgeschnitten, dafür war unwichtige Landschaft mit drauf. Genau das gleiche macht sie jetzt. Ich nehme die Sache mal in die Hand. An der Stadt am Äquator essen wir zu Mittag und Klein-Klara Clara, die Tochter des Hauses unterhält uns. Diese Stadt liegt zwar nicht am Äquator und ob man 3 Häuser in 6 Reihen eine Stadt nennen kann? Ab hier wird die Straße etwas schlechter. Ziemlich oft tauchen Schlaglöcher in größerer Zahl auf. Für uns nur noch Straße zum Üben. Endlich hab ich den Toyota im Griff. 50 Schlaglöcher elegant umfahren, "rums" Nummer 51 war ein Volltreffer. In der Mittagshitze, die wie immer nicht auszuhalten ist, finden wir eine Tankstelle mit Dusche. Wir wollen noch bis Boa Vista kommen, um gleich morgen früh unserem Auto den ersten Ölwechsel zu gönnen. Bei Caracarai fahren wir auf einer riesigen Brücke über den Rio Branco. Danach die zweite Polizeikontrolle des Tages. Wir erreichen Boa Vista spät am Abend, essen dort eine riesige Pizza, dazu 2 Bier. Finden einen Schlafplatz in einer Rancheinfahrt am anderen Ufer des Flusses.

Samstag, 25. September 2004 (306 km/11.792 km/173 km/2.845 km)
(NL42: N 0409.049 W 5900,465)

Am Abend wird Gabi sagen, das war der Tag der Vögel, deshalb fangen wir den morgen gleich damit an. Farmarbeiter erwischen uns fast dabei. Auf dem Weg zurück nach Boa Vista sehen wir etliche Reiher im Sumpf. Es fängt zu regnen an. An der Tankstelle voll getankt und nach einem Ölwechsel gefragt. 30 Minuten später ist alles fertig. Zahlen umgerechnet 2 Euro. Dafür macht man sich die Finger nicht schmutzig. Ich reinige noch den Luftfilter, dann fahren wir los Richtung Bonfin, der Grenzstadt Brasiliens nach Guyana. Wir haben keinerlei Informationen über die Straße. Unsere Karte zeigt bis kurz hinter der Grenze eine dünne weiße Straße und dann ein großes Stück nur eine Linie, was Fahrspur oder Piste bedeutet. Dieses Stück ist das 2. große Fragezeichen auf unserer Reise durch Südamerika. Von der DZG war in den letzten 5 Jahren scheinbar nur einer in Guyana. Surinam und Franz. Guyana sind noch nicht mal in der Liste aufgeführt. Also hat auch dieser Teil der Fahrt Expeditionscharakter. Die Straße bis Bonfin ist eine gute Teerstraße. Die Ausreise eigentlich problemlos. Die Pässe werden gestempelt, aber wegen dem Wagen müssen wir noch zum Zoll zurück und den finden wir ewig nicht. Dann kann der Beamte mit unserem Autopapier nichts anfangen. Er holt den Chef herbei, was dauert. Dieser hat so ein Papier auch noch nicht gesehen und behält es dann letztendlich, weil wir es ihm sagen. Ade Brasilien, wir kommen bald wieder. Wie schon vermutet, ist der Grenzfluss nur mit einer Fähre zu überqueren. Mit uns sind noch 2 weitere Fahrzeuge an Bord. Auf der anderen Seite empfängt uns eine völlig andere Welt. Nur die Hitze ist die gleiche. Die Menschen sind dunkelhäutiger und sprechen englisch. Die Straßen sind ungeteert, völlig ohne Wegweiser und man fährt links. Prämiere für mich, im links gesteuertem Fahrzeug Linksverkehr fahren. Sogar die Termiten bauen ihre Burgen in einem anderen Stil. Wir suchen vergeblich Passkontrolle und Zoll. Im Ort Lethem werden wir nach längerem Suchen fündig. Unser Auto ist deklariert. Jetzt müssen wir nur noch selbst einreisen. Man erklärt uns den Weg zum Immigration Office, das wirklich jeder kennt, wie man uns versichert. Wir fragen den ersten, der zuckt mit den Schultern. Wir fragen den zweiten, der sagt: "Keine Ahnung!" Zum Glück kennt der Dritte dann das Haus. Es regnet in Strömen, als wir dort ankommen. 2 Männer sind da, aber Mr. Bone, der die Pässe abstempelt nicht. Wir sollen ihn suchen. Sind die bekloppt? Wir sind die einzigen im Ort, die sich nicht auskennen und alle, die wir fragen, kennen keinen Mr. Bone. Suche erfolglos. Uns platzt der Kragen. Die sollen sich endlich mal aus der Hängematte erheben und ihren Mr. Bone selbst suchen! Wir warten gut eine Stunde, dann taucht dieser ominöse Mr. Bone doch auf. 1 Stempel in jeden Pass und fertig. 3 Stunden Zeit dafür vertrödelt. Hier gehen die Uhren eben noch anders. Den Weg raus aus dem Ort in die Hauptstadt Georgetown müssen wir uns genauso hart erfragen. Eine gute Erdstraße führt durch Savannenlandschaft in die Richtung Guyanisches Bergland. Reiher, Enten, Eisvögel, Geier und ein viele Adler sind zu fotografieren. Einer fängt vor unseren Augen eine Schlange. Gabi sagt dann: "Das ist wohl der Tag der Vögel!" In der Dämmerung kommen auch Moskitos und verderben mir den Spaß am fotografieren. Auf stets passabler Erdstraße geht es in der Dunkelheit ins Bergland. Ein NP Schild lässt uns kurz stoppen. Ein Haus auf Stelzen, 2 Ranger und wir haben unser Lager für diese Nacht gefunden. Man lässt uns den Moskitodom unter dem Haus aufbauen. Der Regenwald hat uns wieder und alle sind da. Brüllaffen, all die anderen Tiere und auch der Einfaltspinsel.

Sonntag, 26. September 2004 (319 km/12.111 km/296 km/3.141 km)
(NL43: N 0605,115 W 5814,271)

Die Brüllaffen geben sich auch am Morgen noch große Mühe uns den Schlaf zu rauben. An die anderen Stimmen haben wir uns schon gewöhnt. Ein Versorgungslaster zwingt uns letztendlich doch aufzustehen. Eine Malariatablette zum Frühstück sagt uns, dass Sonntag ist. Wir unterhalten uns noch mit den Rangern über den Park, die Tiere, die Straße nach Georgetown und die Fähre im Lande. Der erste Toyota gleichen Typs begegnet uns. Neben einem kleineren Säugetier entdeckt Gabi an einem Fluss eine armdicke Riesenschlange. Leider verzieht sie sich sofort ins dunkle Wasser als wir mit den Kameras anrücken. War trotzdem ein Erlebnis. Wir erreichen den Canopy-Trail, einen Rundwanderweg, der auf 4 Plattformen hoch in die Gipfel der Urwaldriesen führt. In gut 30 Meter Höhe laufen wir auf wackligen Hängebrücken Hängebrücke, die immer nur eine Person tragen können, durch den Regenwald. Das zweite tolle Erlebnis an diesem Tag. Der Iwokrama Regenwald endet dann an der Fähre über den Essequibo River. Auch hier wie schon an anderen Flüssen sind wir das einzige Fahrzeug auf der Fähre. Auf der anderen Seite eine Polizeikontrolle. Uns fehlt ein Papier, wie man uns immer wieder erklärt. Ich befürchte schon, die schicken uns die 250 km Piste deswegen wieder zurück. Da sagt einer, dass sie das Problem für ein Geschenk aus Deutschland lösen könnten. War das jetzt eine versuchte Polizeiabzocke? Wir können weiterfahren. Gabi kocht eine Suppe an einer schattigen Stelle im Regenwald. Ich schreib am Laptop. Da sitzt plötzlich eine Wespe auf meinem Hemd, das Hinterteil mit dem Stachel drohend in die Höhe gerichtet. Ein bisschen geht mir schon die Muffe vor diesem fast hornissengroßen Tier. Ich schnipp sie mit einer Gabel weg und werde 2 weitere Male von ihr attackiert, dann sticht sie Gabi und wir haben Ruhe vor diesem Monster. Gabi hat Schmerzen am Bein, lebt aber noch. Eine weitere Polizei-Kontrolle folgt. Ein Polizist, mit einer MP bewaffnet, schaut sogar in unsere Staufächer. Auch er fragt gleich nach einem deutschen Geschenk. Er bekommt ein Päckchen Streichhölzer von Allrad-Keba, ist zwar nicht ganz zufrieden, aber mehr gibt es nicht. Die Straße wird breiter und wir kommen noch besser voran. In Linden fängt die Teerstraße und damit das Chaos an. Wir fühlen uns nach Afrika oder Indien versetzt. Ein Getümmel ist auf der Straße, sogar Kühe blockieren überall den Verkehr. Wir verfahren uns und lassen einen Jungen auf dem Fahrrad vorausfahren. Wieder auf dem richtigen Weg versuchen wir einen Schlafplatz zu finden. In einer Schlammpiste werden wir fündig.

Montag, 27. September 2004 (249 km/12.360 km/3 km/3.144 km)
(NL44: N 0614,627 W 5719,423)

Heute stehen Behördengänge und Geldwechsel auf dem Programm. Wir kommen gegen 9 Uhr ins Zentrum von Georgetown Georgetown. Hier ist das Getümmel noch schlimmer als in Linden. Eine Wechselstube finden wir ziemlich schnell. Die tauschen allerdings keine Schecks, dafür bekomme ich einen handgemalten Stadtplan von einem Inder mit. Wir finden eine Bank, die allerdings wie schon in Brasilien keine Schecks tauscht. Hätte ich das geahnt, wären nur Kreditkarten mitgenommen worden. Eine große Wechselstube tauscht sie dann doch um, nachdem ich den Kaufbeleg mitbringe. Geld haben wir schon mal. Jetzt zum Hauptzollgebäude. Dort sollen wir uns wegen des Wagens noch mal melden, sagte man uns an der Grenze. Wir gehen zur Rezeption, werden sofort wieder rausgeschickt, mit der Begründung, wir seien nicht richtig gekleidet. Kurze Ärmel und Hosenbeine sind im Zollgebäude nicht erlaubt, was auch groß an der Wand steht. Wir schauen uns verdutzt an, gehen zum Auto und ziehen uns um. Richtig gekleidet lässt man uns ein und schickt uns zu einem Hr. Sowieso, der gerade telefoniert. Das muss ein wichtiger Mann sein, denn er telefoniert 30 Minuten später immer noch. Dann empfängt er uns und sagt, nachdem er unsere Papiere begutachtet hat, wir hätten gar nicht kommen brauchen. Wie bitte!?! Man schickt uns erst zum Umziehen raus, um uns dann zu sagen, wir hätten gar nicht kommen brauchen!?! Wir fahren durch das Verkehrschaos zur Botschaft von Surinam. Dort geht alles recht schnell, nur der Preis für unsere Visa haut uns fast vom Hocker. 30 US$ pro Person, bei multiplen Einreisen, (wir brauchen ja 2) sogar 60 US$. Nachmittag gegen 14 Uhr sollen wir wieder kommen. Griffbereit haben wir 119 US$, das kann doch auch nicht wahr sein. Ich muss ans Geheimversteck wegen einem Dollar. Wir gehen zum KFC. Der quillt über vor Menschen. Aber hier gibt es, genau wie in Las Vegas, die köstlichen BBQ Chicken Wings. Dafür stehe ich eine Stunde in der Schlange. Dann kaufen wir Postkarten. Die Briefmarken dazu finden wir nach 1stündiger Suche. Ein paar Fotos und zurück zur Botschaft. Das Visum ist im Pass und wir eine Sorge los. Wir schreiben die Postkarten und werfen sie ein. Polizei stoppt uns, weil Gabi nicht angeschnallt war. Strafe zahlen oder mit zum Revier kommen. Gabi entscheidet sich für die zweite Lösung. Wir folgen dem Polizeiauto über 2 Kreuzungen, dann stoppen sie in einer Seitenstraße. Sie wollen sofort die Kohle haben. Das war zu auffällig, nicht mit uns. Sie beratschlagen und winken uns wütend und enttäuscht weiter. Dann fahren wir raus aus der Stadt Richtung Osten. Im Dunkeln kommen wir von der Hauptstrecke ab und landen in einem Fabrikgelände. Dort sagt man uns, wir müssten auf ein Schiff. Tatsächlich gibt es hier eine Flussfähre und diese ist fast so chaotisch wie in Afrika. Obwohl wir in der Schlange stehen, drängen uns die Kleinbusse immer wieder auf Seite. Es scheint die letzte Fähre für diesen Tag zu sein. Wie durch ein Wunder lässt man uns doch noch mit rein. Wir haben aber kein Ticket. Im Gegensatz zu den ganzen anderen Fähren, die wir bisher benutzten, bekommt man das Ticket nicht an Bord, sondern an einem Schalter im Hafen. Gabi sprintet los, kauft das Ticket und als vorletztes Auto fahren wir auf dieses komische Schiff. Man fährt seitlich in der Mitte drauf, dann beginnt das große Rangieren. Nur den letzten beiden Fahrzeugen bleibt das Chaos erspart. Glück gehabt. Der Tag ist noch nicht gelaufen. Wir haben keinen Schlafplatz. Überall ist Wasser. Zuckerrohr und Reis werden angebaut. Wir fahren auf einen Damm, der kaum breiter als das Auto ist, in der Hoffnung hier einen ungestörten Schlafplatz zu finden. Ein katastrophaler Fehler. Alles voller Moskitos und keine Möglichkeit umzudrehen. Erst nach 2 km ist der Damm so breit, dass wir mit 5 Mal rangieren in die andere Richtung stehen. Nichts wie weg von hier. Etliche Stiche haben wir schon abbekommen. Die ganze Gegend scheint ein Sumpf zu sein. Dort wo wir letztendlich unseren Dom aufstellen sieht es in Sachen Moskitos kaum besser aus. Wir hören ihr Surren die ganze Nacht.

Dienstag, 28. September 2004 (318 km/12.678 km/30 km/3.174 km)
(NL45: N 0549,600 W 5509,976)

Wir haben wegen diesen Blutsaugern nicht gut geschlafen. Waschen uns am Morgen in einem Liter Wasser. Dann kaufen wir ein Paar Konserven und kalte Cola und fahren zum Fährhafen an der Grenze. Dort geht's genauso chaotisch zu wie überall im Land wo viele Menschen sind. Drei Behörden, eine unfreundliche Ticketverkäuferin und Warten stehen auf dem Programm. Die Fähre fährt nur ein Mal am Tag und deshalb ist das Gedränge groß. Die Kosten sind verdammt hoch, pro Person 5900 Guyana Dollar, das Auto 7800, dazu noch 200 für die Ausstellung, das sind 100 US$ umgerechnet. Die Fähren in Brasilien kosteten immer nur 3 - 5 US$. Es ist eine neues Schiff und braucht gut eine Stunde bis zum Hafen in Surinam flussabwärts. Trotzdem sehr teuer. In Surinam scheint alles geregelter zu sein. In Reih und Glied wartet man an der Passkontrolle. Die Autofahrer müssen noch zu einem Zollbeamten. Obwohl das Carnet für Surinam gilt, hat der Zöllner es noch nie gesehen. Viele Europäer haben diese Grenze noch nicht mit dem eigenen Wagen überschritten. Surinam empfängt uns dann, entgegen meinen Erwartungen mit einer Staubpiste. Ich dachte, hier an der Küste wäre alles geteert (Bild 22). Die Piste gibt aber gut 70 km/h her. Nach 30 km der erwartete Teer durchgehend bis Paramaribo. Das Land wirkt europäisiert auf uns. Alles scheint besser zu funktionieren und kein Getümmel auf den Straßen. Man kommt gut voran. Ein Restaurant und ein Hotel wären heute nicht schlecht. Wir suchen in der Dämmerung und finden ein Guesthouse. Kostet so viel wie das Hotel in Manaus, ist aber kein Vergleich. Keine Klimaanlage, Dusche und WC auf dem Gang, kein Frühstück und die ganze Nacht Krawall, inklusive einer Maus im Zimmer. Wir bauen den Dom auf das Bett. Verzweifelt versuchen wir ein Restaurant zu finden. Erst als wir US$ aus dem Auto holen bekommen wir noch ein chinesisches Essen und ein Bier. Der Laptop wird geladen und Tagebuch nach geschrieben.

Mittwoch, 29. September 2004 (103 km/12.781 km) (NL46: N 0536,865 W 5432,872)

Eine Fahrradklingel, die einen Höllenlärm macht, reist uns aus dem Schlaf. Wir denken beide, wir müssen das Zimmer räumen. Erst 10 Minuten später begreifen wir, dass es noch dunkel ist. Ich schreib eine Weile am Bericht. Dummerweise haben wir den Laptop entladen, statt aufzuladen, da das Kabel nicht richtig in der Steckdose war. Schlaf dann weiter bis 8.30 Uhr. Will den Bericht bis heute fertig bekommen. Gabi hat deswegen schlechte Laune. Ein Königreich für einen Tiffany-Roman. Ich tausche einen Travellerscheck, damit wir heute nicht wieder ohne Geld dastehen. Dann ins Internetcafe, die aktuellen Mail beantwortet und Roland das neue Titelbild zu unserer Website geschickt. Draußen schüttet es wie aus Eimern. Versuchen etwas zu Essen zu bekommen. Finden letztendlich Sintflut in Param. einen chinesischen Fast-Food-Laden. Schmeckt besser als gestern Abend für ein Viertel des Geldes. Wollen raus aus der Stadt und finden den Weg nicht. Die Leute verstehen uns meist schlecht, so werden wir von einer Ecke in die andere geschickt. Endlich sind wir am Fluss, aber der Verkehr staut sich. Haben wir wieder den Feierabendverkehr erwischt? Nein, die halbe Stadt steht knietief im Wasser Für uns eine willkommene Autoreinigung, inklusive Unterbodenwäsche. Wir finden endlich die riesige Brücke über den Gran Rio. Ab hier geht's auf Seekrank-Teerstraße weiter. In der Dämmerung stoppen wir an einer leeren Hütte, bauen unseren Moskitodom rein und verkriechen uns. Kaum ist der Reisverschluss zu summt es in Massen ums Zelt. Es ist zum Kotzen mit den Viechern. Zum Glück ist diesmal keiner mit im Dom. Wir schlafen verhältnismäßig gut, auch der unerwartet laute Straßenlärm stört uns wenig.

Donnerstag, 30. September 2004 (334 km/13.115 km) (NL47: N 0456,716 W 5219,553)

Die Biester summen die ganze Nacht ums Zelt, nur diesmal gehen sie alle hungrig nach Hause. Etwas panisch packen wir gegen 8 Uhr unsere Sachen und flüchten von hier. Nach 50 km sind wir am Hafen und gleichzeitig am Grenzfluss. Alles geht völlig unkompliziert, bis wir auf der Fähre sind. Hier will man nämlich Euro sehen, sonst nichts. Von denen haben wir nur noch 50, die wir dann nicht mal finden. Im Zollgebäude ist aber eine Bank und dort tausche ich dann Surinamdollar in Euro um. Was für ein Schmarren, aber leider die Wahrheit. Drüben wird wieder rechts gefahren, die Straßen sind gut und überall Wegweiser. Wäre nicht die völlig andere Vegetation, könnte man meinen, man sei in unserem Nachbarland Frankreich. Wir hören den ganzen Morgen schon ein fremdes Geräusch hinten am Auto. Obwohl der Simmering 2 Mal und ein Lager im hinteren Differenzial gewechselt wurde, lief bereits in Argentinien wieder Öl aus. Ich hätte längst mal nachschauen müssen. Ein schlechtes Gewissen plagt mich. Hatte nicht Siggi Burk ausdrücklich gesagt, schau immer wieder mal nach und kipp was rein, wenn nötig. In Organabo kaufe ich einen Liter Getriebeöl und muss feststellen, dass schon 130 ml fehlen. Ist aber nicht mehr zu ändern. Will Siggi Burk am Abend eine Mail deswegen schicken. Fahren weiter und entdecken einen Naturlehrpfad. Dumme Gedanken im Wald werden gleich von Moskitos bestraft. Es reicht jetzt wirklich mit diesen kleinen Teufeln. Hoffentlich sind wir bald in den Anden. Gegen 17 Uhr erreichen wir Kourou, bekannt durch das europäische Raumfahrtprogramm. Ich park unseren Toyota mal vor der Ariane 5 und frag nach den morgigen Öffnungszeiten. Dann nach Cayenne, direkt an die Strandpromenade, weitergefahren. Dort essen wir Fischkonserve mit Baguette zu Abend. Seltsame Dinge gehen an diesem Strand vor sich. Fische kommen in Scharen ans Land und legen sich in die Brandung. Warum machen die das? Wir finden einen Schlafplatz unter Palmen, aber unsere Kopflampen nicht mehr. Haben wir die heute Morgen wegen der Moskitoplage in der Eile liegengelassen? Alles Suchen ist ohne Erfolg. Ein Fünkchen Hoffnung besteht ja noch. Wir kommen auf dem Rückweg noch mal dort vorbei. Wir sind nicht alleine an diesem paradiesischen Ort. Ein Pärchen nach dem anderen kommt für einige Stunden hierher.

Freitag, 01. Oktober 2004 (287 km/13.402 km) (NL48: N 0529,225 W 5402,461)

Stimmen und andere Geräusche wecken uns. Die Müllabfuhr reinigt unseren Schlafplatz. Muss das ausgerechnet um 5.30 Uhr sein. Wir entdecken eine Vogelkolonie und sehen diese komischen Fische wieder. Jetzt kann ich sie erkennen, das sind Grundeln. Es war eine schöne Nacht ohne Moskitos unter Palmen und dem Sternenhimmel. Jetzt wollen wir aber zurück nach Kourou. Sind um 8 Uhr dort und finden statt der zuerst gesuchten Post, einen völlig leeren Sandstrand. Das Wasser ist brühwarm, also nichts wie rein. Diese Grundeln gibt es auch hier und noch irgendeinen Fisch, der sein Vergnügen hat, an uns herum zu knappern. Ein Junge stellt am Strand Tische und Stühle auf. Später kommt ein anderer mit Fahrrad zum Strand und stört uns in unserer trauten Zweisamkeit. Ihn stört es allerdings nicht. Wir finden eine Dusche. Ich hole das Auto. Auf den Stühlen neben unserem Parkplatz hat ein Pärchen platz genommen. Wir seifen uns richtig ein und freuen uns über das kostenlose Tausendsternehotel mit Dusche. Fehlt nur noch ein WC, welches wir im Touristenbüro im Ort finden. Die Welt ist in Ordnung. Man schickt uns in ein anderes Touristen-Office in dem man Englisch spricht und erklärt uns den Weg zur Post. Draußen kommt gerade die Briefträgerin vorbei und nimmt unsere Post mit. Ein Weg gespart. Im anderen Büro reserviert man uns einen Termin bei den Petroglyphen von Kourou (für die Nichtwissenden, das sind Steingravuren aus der Frühzeit der Menschheit). Solche Dinge interessieren mich immer besonders. Danach fahren wir zum Space-Center Tyota und Ariane. Eintritt ist teuer wie alles hier in France wie man Franz. Guyana in Surinam nennt. Leider können wir die Außenanlagen nicht besichtigen. Um 14.30 Uhr treten wir in glühender Hitze den Rückweg an. In Sinnemary stoppen wir kurz an der Kirche. Im Baum daneben ist eine Kolonie gelber Webervögel. In Iracouba kauft Gabi eine Cola ein. Ich will meine Bauchtasche unter dem Sitz hervorholen, finde sie erst nach kurzem Suchen hinter dem Sitz. Komisch denke ich so, dann merke ich, dass meine Guyana-Dollar und Brasilianischen Reais nicht mehr im Briefumschlag in der Bauchtasche sind. Wahrscheinlich raus und unter den Sitz gefallen. Meine Suche bleibt jedoch erfolglos. Gabi kommt zurück und als ich ihr vom Fehlen meines Geldes erzähle, sagt sie gleich: "Man hat uns ausgeraubt." Zum Glück hatte Gabi das meiste Geld in ihrer Handtasche. Doch sie findet nur einen kleinen Teil davon. Ihr fällt auf, dass alles irgendwie in einem anderen Fach steckt. Pässe, Flugtickets und Kreditkarte sind jedoch da. Wir schauen blöd aus der Wäsche, dabei kann man doch sagen, das waren faire Diebe. Geld ist mir nun in 20 Reisejahren das erste Mal gestohlen worden. Alles ist immer das erste Mal. Vielleicht war das der Wink mit dem Zaunpfahl. Hans Gaiters Spruch trifft auch hier zu. Irgendwann wird man leichtsinnig. Wir hatten am einsamen Strand die Autofenster einen Spalt offen gelassen, sind lange und weit vom Auto weggegangen, der Mann mit dem Fahrrad stand Schmiere und das Pärchen stöbert im Auto rum. Wir fahren bis zum Grenzfluss und w ollen vor dem Zoll campen. Der Moskitodom ist allerdings auch verschwunden. Mir wird mulmig, denn der Dom ist hier in den Tropen unser wichtigster Ausrüstungsgegenstand. Ich atme auf, als ich ihn an anderer Stelle finde. 1 Stunde später schickt uns eine Polizeistreife zum Polizeigebäude etwa einen km entfernt von hier. Dort schlafen wir am Fluss.

Samstag, 02. Oktober 2004 (143 km/13.545 km) (NL49: wie NL45)

Um 7 Uhr öffnet der Zoll. Um 8 Uhr setzen wir mit der Fähre nach Surinam über. Die Einreise ist wie beim ersten Mal problemlos. Wir suchen unsere Kopflampen ohne Erfolg am Schlafplatz, an dem wir sie vermutlich liegen gelassen haben. Die "Seekrankstraße" schaukelt uns die nächsten 50 km bis Paramaribo. Dort fahren wir zu unserem Guesthouse und reservieren diesmal das St. Pauli-Zimmer, denn es hat 3 Steckdosen. Schicken im Internetcafe einen Email-Notruf an Allrad-Keba und den ADAC. Wir haben kaum mehr Bargeld und die Wechselstuben tauschen keine Travellerschecks. Später holen wir uns Essen und ein paar Bier beim Chinesen um die Ecke. Wir wollen auch auf die heutige Taufe von Gabis Neffen Joshua anstoßen. Diese Nacht führt eine Ameisenstraße durch unser Zimmer. Warm und l aut ist es sowieso.

Sonntag, 03. Oktober 2004 (143 km/13.668 km/71 km/3.245 km)
(NL50: N 0548,553 W 5510,234)

Der Tag beginnt für mich mit Durchfall. Ich komm das vierte Mal von der Toilette, aber Gabi will früh morgens die Stadt ansehen. Paramaribo ist Weltkulturerbe der UNESCO. Etwa 2 Stunden spazieren wir umher. Wie schon früher mal in Hongkong gesehen, führen auch hier die Menschen ihre Singvögel im Käfig aus. Am Nachmittag wollen wir zum W. J. van Blommesteinmeer, einen Stausee fahren und den angrenzenden Nationalpark besichtigen. Nach 30 km endet unerwartet die Teerstraße und geht in eine staubige Wellblechpiste über. Ein neues noch lauteres Geräusch ist hinten zu hören. Wir drehen nach 30 km Piste um und fahren zurück in die Stadt. Ein Werkstadtbesuch ist unumgänglich. Geldmangel und die Tatsache, dass alle Restaurants am Nachmittag geschlossen sind, zwingen uns, den Tag Karten spielend, im Auto zu verbringen. Wir beobachten einen Typen, der versucht mit Stock und Nagel eine Plane von einem Balkon zu stehlen. Dann öffnen die Chinesen und wir holen uns Essen und Bier, fahren in die Nähe der Toyota-Werkstatt und verzehren u nsere Sachen. Ein Nachtwächter ruft seinen Boss an, welcher vorbeischaut und uns erlaubt, im bewachten Hof der Werkstatt zu zelten. Das war wohl die schlechteste Phase unserer bisherigen Reise. Lampen verloren, Geld gestohlen, Auto Werkstatt reif, Rudi Durchfall. Da müssen wir aber durch. Nach meinem Motto: "Wo ein Wille, ist immer auch ein Weg!" Wie erfahrt ihr im nächsten Bericht.