Südamerika Teil 4

Freitag, 10.September 2004 (249 km/7.623 km) (NL27: S 0519,581 W 4914,317)

Draußen ohne Strom aus der Steckdose zu schreiben ist schon beschwerlich. Der Laptop ist schneller leer als man denkt. Nachladen dauert im Auto ziemlich lange und so muss man sich anderweitig zu helfen wissen. Reisebericht 3 z. B. habe ich im Büro einer Tankstelle geschrieben. Die gebrannte CD hat dann im Internetcafe nicht funktioniert, dafür konnte unser Laptop selbst mal wieder ans Netz, was vorher 2 Mal nicht funktionierte. Bericht 3 ist also draußen und Gabi besteht darauf, meine zerrissene Hose bei einer Näherin nähen zu lassen. Ich bleib ohne Hose hinter dem Vorhang der Umkleide stehen, da draußen einige Damen sitzen. Dann setzen wir uns zu ein paar Einheimischen in eine kleine Kneipe und trinken 2 eiskalte Bierchen. Die Kerle wollen sich mit uns Unterhalten und so kommt ein Engspanpordeutsch heraus, unterstützt mit Händen und Füßen. Einer, Juan heißt der Kerl, holt dann stolz sein Töchterchen. Wir fahren um 22 Uhr raus aus Maraba, direkt auf die Transamazonica, die hier noch geteert ist. Zum ersten Mal überhaupt werden wir von der Polizei kontrolliert. Sie warnen uns vor Verbrechern an der Straße, die uns ausrauben wollen und sollen deshalb in Maraba im Hotel übernachten. Wir schlafen trotzdem im Moskitodom neben der Strasse, versteckt hinter einem Hügel.

Samstag, 11. September 2004 (404 km/8.027 km/Piste 365 km/Piste gesamt 385 km)
(NL28: S 0307,405 W 5136,264)

Das große Abenteuer beginnt, unsere wahrscheinlich größte Herausforderung auf Reisen. Die einzigen wirklich brauchbaren Infos über die Transamazonica habe ich aus dem Internet. Der Bericht eines Radlers, der 3000 km auf dieser Strasse gefahren ist. Nach 9 km endet die Teerstraße und somit liegen laut unserer Karte 2.600 km unbekannte Staub- und Schlammpiste vor uns. Fahrzeuge aller Art fahren rein und raus. Das hätte ich z. B. nicht gedacht. Die Hitze ist erbärmlich und es staubt gewaltig bei jedem Fahrzeug, das uns entgegenkommt. Nach kurzer Zeit sind wir rot vom Staub der Transamazonica, obwohl wir immer schnell die Fenster schließen, was bei der Hitze genauso unangenehm ist. An einem Stapel Bohlen halten wir, suchen zwei besonders stabile aus, die wir vielleicht später gebrauchen können um eine baufällige Brücke wieder passierbar zu machen. Das Verzurren auf dem Dach macht Probleme und bei der Hitze (über 40C) keinen Spaß. Wir kommen allerdings recht gut voran. Bis zu 60 km/h gibt die Piste her. Damit hatte ich nicht gerechnet. Plötzlich sogar wieder Teer. Ist aber nur ein kurzes Stück, dann geht's weiter im roten Staub. Die Steigungen sind gewaltig, obwohl wir durch das Amazonastiefland fahren. Teilweiße muss ich bis auf den ersten Gang runterschalten und das trotz 136 PS. Obwohl auf unserer Karte nur ein Ort bis Altamira eingezeichnet ist, fahren wir ständig durch kleinere Orte. Überall kann man kühle Getränke und auch Essen bekommen. Auch das war aus dem Bericht des Radlers zu ersehen. Transamazonica An einer Tankstelle bekommen wir sogar wieder ein köstliches Rodizio zu Mittag. Wir kommen gut voran. Als wir am Abend neben der Straße unseren Moskitodom aufstellen zeigt unser Tacho 404 km. Das stimmt uns zuversichtlich für das weitere Vorankommen. Schlimm waren Hitze und Staub. Das Überholen von LKW-Konvois fast tödlich, denn man fährt Minutenlang völlig ohne Sicht, bis sich eine Möglichkeit ergibt vorbeizuhuschen. Wir waschen uns grob den Staub vom Körper und verziehen uns in den Moskitodom, bevor die Schwärme der Blutsauger über uns herfallen können. Blitze zucken die ganze Nacht am Horizont. Dann regnet es kurz. Wir flüchten ins Auto, gehen aber gleich wieder in unseren Moskitodom zurück.

Sonntag, 12. September 2004 (354 km/8.381 km/331 km/716 km)
(NL29: S 0353,607 W 5427,191)

Lariamtabletten gehören heute zum Frühstück. Ist ganz wichtig in dieser Malaria verseuchten Region. Staub und Hitze empfangen uns gleich wieder. Dann fällt die Straße abrupt ab und vor uns liegt ein mächtiger Fluss, der Rio Xingu, einer der über 20 Nebenflüsse des Amazonas, die länger und viel wasserreicher sind als der Rhein. Eine Fähre scheint schon auf uns zu warten und fährt sofort los nachdem wir drauf gefahren sind. Mit uns setzen nur zwei Motorräder über. Nach weiteren 30 km Fahrt in Staub und Hitze taucht wie eine Fata Morgana eine neue Teerstrasse auf. Sie führt nach Altamira, der größten Stadt in der Region. Dort kann ich an einer Tankstelle duschen. Die Teerstrasse endet allerdings wenige km hinter der Stadt. Mitten auf der Straße liegen ganze Kuheingeweide herum, sehr appetitlich, finden zumindest die Geier. Die Piste ist richtig nass hier. Das waren die Blitze von letzter Nacht. Kommt uns allerdings zu Gute, denn das Staubschlucken hat damit ein Ende. Die Hitze bleibt aber und in meinem Kopf geht ein Ohrwurm herum. Den Letzten hatte ich damals noch in Deutschland, der neue Song von Anastacia. Aber jetzt, das muss wohl an den Temperaturen liegen: "Zum Blauen Bock, beim Äppelwoi, da gibt's ein Wiedersehen?!?!?" Vielleicht hab ich aber auch schon einen Tropenkoller. Motocrossfahrer überholen uns ständig. Dann klappert es heftig auf dem Dach. Die Sandbleche sind lose, haben den hinteren Spanngurt glatt durchgeschnitten. Ich verzurre die große Bohle jetzt auf die Sandbleche. Eine schlammige Passage mit einer Fahrspur erreichen wir zugleich mit einem anderen Toyota, der uns beim Durchfahren den Vorzug lässt. Ich denke da anders und fahre durch den Schlamm eine neue Spur, Platz lassend für den anderen Geländewagen. Der wartet trotzdem bis wir durch sind und das war auch gut so, denn ich komm ins Schleudern. Unser linkes Heck kommt nur knapp vor seinem vorderen rechten Kotflügel zum Stehen. Schwitz, das war echt knapp. Der andere Fahrer schaut mich an als würde er denken: "Was macht dieses europäische Greenhorn in einem Geländewagen hier auf der Transamazonica?" Das Gleiche frage ich mich diesen Moment auch. Da hat mein Schutzengel seine Hand dazwischen gehalten. Wir erreichen erneut ein größeres Städtchen und bekommen auch diesmal Rodizio zu Essen, was aber momentan unsere finanziellen Verhältnisse fast übersteigt. Viele Fotostopps halten uns ebenfalls auf, unter anderem vom brennenden Regenwald. Das stimmt uns irgendwie schon nachdenklich. Es stimmt also, was man immer wieder über die Medien erfährt. Die Schlafplatzsuche wird heute problematisch, da alles richtig nass ist. Ein zugewachsener Fußballplatz scheint eine gute Wahl, da der Boden hier trocken ist. Wir stellen das Zelt das erste Mal auf, da wieder mit Gewittern zu rechnen ist. Im Auto ist es bei der Hitze nicht auszuhalten. Laptop und Melone kommen mit ins Zelt was sich als katastrophaler Fehler herausstellt, denn das Zelt ist so klein, das wir uns so schon kaum ausstrecken können. Es wird die schlimmste Nacht bisher. Wegen der Zeltplane ist es genauso heiß wie im Auto, dafür so eng, das man sich nicht mal drehen kann. Außerdem ist das gute Stück nicht Insektendicht. Zum Glück hält es wenigstens die Moskitos von uns fern. Unheimliche Geräusche dringen aus dem einige 100 Meter entfernten Regenwald zu uns herüber. Es regnet nicht diese Nacht.

Montag, 13. September 2004 (317 km/8.698 km/306 km/1.022 km)
(NL30: S 0439,277 W 5636,147)

Völlig gerädert kriechen wir nach Sonnenaufgang aus unserer Folterkammer. So schnell kriegt uns da keiner mehr rein. An einer der vielen sehr abenteuerlich aussehenden Holzbrücken finden wir einen interessanten Bienenstock. 30 km läuft es gut, dann wird die Straße katastrophal schlecht. Wir hatten uns zu früh in Sicherheit gewogen. Schlaglöcher, Querrillen, Steine und immer öfter auch große Schlammkuhlen machen das Fahren zu einer richtigen Rallye. Wir quälen uns voran. Irgendwie kann ich gar nicht verstehen, wie der Bus, der uns gerade entgegenkam diesen schlammigen Hügel hochkam, den wir jetzt runterrutschen. Allrad müssen wir allerdings nicht zu schalten. Gabi versinkt beim Fotografieren im Schlamm. Ihre Schuhe waschen wir später an einem Steg. Nach 140 km ist die Quälerei vorbei. Faehre am Rio Tapajo Die Fähre über den Rio Tapajos kommt gerade vom anderen Ufer zurück und setzt uns mit einigen anderen Fahrzeugen nach Itaituba, der Stadt auf der anderen Seite, über. Der Rio Tapajos begleitet uns noch ein ganzes Stück auf sehr guter Piste. Teilweise 80 km/h sind schon mal drin und somit schaffen wir auch diesen Tag unsere gesetzte Tagesetappe mit mindestens 300 km. Eine Stunde vor Sonnenuntergang fahren wir in den Amazonas-Nationalpark ein. Hier geht der Regenwald bis direkt an die Straße. Seit Itaituba ist kaum noch Verkehr und der in der Karte eingezeichnete Ort Buiucu taucht nicht auf wie wir erhofften. So müssen wir diese Nacht direkt im Regenwald übernachten. Gabi entdeckt eine Palmhütte in einer Lichtung, die scheint geeignet für unser Vorhaben. Allerdings ist das Dach nur an zwei Stellen halbwegs dicht und am Boden zieht sich eine Termitenstraße entlang. Die machen mit unserem Moskitodom genauso kurzen Prozess wie die Ameisen damals. Es findet sich trotzdem ein Plätzchen. Kaum hat sich Gabi ausgezogen, als sich ein LKW nähert und ausgerechnet hier an der Palmhütte von der Straße abzweigt. Das kann doch nicht sein. Gabi zieht sich schnell was über. Die 4 Männer sind Bauarbeiter und holen nur irgendetwas hier ab. Bei Abfahrt warnen sie uns vor dem Onzu, der uns nachts packen könnte. Damit ist der Jaguar gemeint, die drittgrößte Raubkatze der Welt, die hier in dieser Region heimisch ist. Ich hole die große Axt aus dem Auto und zeige sie den Männern. Diese nicken und fahren weiter. Der Radler hatte von dieser Region berichtet, dass früh morgens allerhand Getier, wie Schlangen, Echsen und Vogelspinnen über die Straße gekrochen sei. Ich bekomme immer mehr Respekt vor diesem Typen. Wie kann man so eine Tortur auf einem Fahrrad aushalten. Die geheimnisvollen Geräusche des Regenwaldes vermischen sich diese Nacht mit meinen Blähungen.

Dienstag, 14. September 2004 (447 km/9.145 km/447 km/1.469 km)
(NL31: S 0648,940 W 5905,611)

Wir haben fantastisch hier geschlafen. Man gewöhnt sich schnell an diese gewaltige Geräuschekulisse, besonders die Brüllaffen machen einen Höllenlärm, wie der Name schon sagt. Gabi will früh los um Tiere zu sehen. Ein Affe und 2 Fasanenvögel, keine Schlangen, Echsen und Vogelspinnen. Dafür entdeckt Gabi später beim Pinkeln eine sehr große Katzenspur. Der Onzu ist also doch nicht nur ein Mythos. Wir haben Durst, aber kein Ort taucht auf. Der Nationalpark endet, die Straße bleibt weiterhin sehr gut, scheint ganz neu planiert. Dann fahren wir, wie schon gestern, durch brennenden Regenwald, später vorbei an großen Viehkoppeln. Jetzt zweigt sich der Weg. Irgendwie habe ich den ganzen Tag schon kein gutes Gefühl. Es sind Zweifel ob wir noch auf der Transamazonica sind. Wir fahren den Weg rechts ab und erreichen nach ein paar km den Ort Jacareacanga, wo wir etwas Kühles zum Trinken und auch Brot kaufen können. Das Brot haben wir allerdings nicht für uns allein, wie wir bald feststellen. Ameise auf Ameise krabbelt aus dem Baguette. Wir müssen uns beeilen mit dem Essen, wollen wir auch etwas abbekommen. 300 km haben wir heute bis 15 Uhr zurückgelegt. Neuer Rekord in der Transamazonica. Einen einzigen Ort haben wir passiert und kein Fahrzeug weit und breit. Die Hitze ist wieder kaum zu ertragen. Da taucht unverhofft ein großer Fluss mit einem Seelenverkäufer von Fähre auf. Nicht mal einen eigenen Motor hat das Ding. Ein Holzboot schiebt den alten Kahn langsam voran. Wir sind das einzige Fahrzeug beim Übersetzen. Die Straße wird danach schlechter. Mit 447 km wird es aber ein neuer Tagesrekord. Ein paar Hütten sind auf der anderen Seite, zu Kaufen gibt es aber nichts. Enttäuscht suchen wir einen Zeltplatz und waschen uns in einem Liter Wasser. Wenn das so weitergeht brauchen wir unser Wasser zum Trinken. Der Moskitodom mit Zeltplane wird heute Nacht unsere Unterkunft. Blitze erhellen wie schon oft zuvor den Nachthimmel. Die uns mittlerweile schon bekannten Stimmen des Regenwaldes sind wieder zu hören. Irgendwie fällt ein Tier besonders auf, vielleicht weil es sich so gar keine Mühe gibt mit seinem Gesang. Alle 20 Sekunden hört man ein lautes, kurzes "Piiep". Gabi tauft ihn später Einfaltspinsel, was den Nagel auf den Kopf trifft. Ein paar Regentropfen, sonst passiert nichts diese Nacht.

Mittwoch, 15. September 2004 (386 km/9.531 km/378 km/1.847 km)
(NL32: S 0753,959 W 6210,405)

Ein marderartiges Tier läuft uns am Morgen über den Weg, später entdeckt Gabi noch zwei Mal Affen. Ein Bus fährt vor uns her und staubt uns mächtig ein. Viel mehr Brücken als normal sind zu passieren. Das Städtchen Apui taucht auf. Wir trinken Kaffee und schicken eine Postkarte von hier ab, wollen wissen wie lange die wohl nach Hause braucht. Dann kommt der Rio Aripuana, ein weiterer dieser mächtigen Nebenflüsse. Zusammen mit einem Motorradfahrer setzen wir über. Die Transamazonica wird immer besser. Man kann, obwohl nicht geteert, gut 80 km/h fahren. Das Problem sind dann nur die klapprigen Holzbrücken. Bruecke Eine davon bemerke ich viel zu spät und nehme sie trotz Vollbremsung mit gut 30 km/h. Zum Glück war sie eben wie die Strasse und sehr stabil, sonst hätte das böse ausgehen können. Gabi rügt mich zu Recht. Eine Sintflut kommt vom Himmel. Wie aus Eimern schüttet es urplötzlich. Das ist so ein Platzregen wie ihn der Radler beschrieben hat. Auf der Straße laufen regelrecht Sturzbäche und waschen sie aus. Die Schlaglöcher werden zu kleinen Seen. Das Fahren wird sehr schwierig. Ein Motorradfahrer stoppt uns, bittet um einen Schraubenzieher. Sein Motorrad streikt. Kein Wunder bei dem Regen. Nach langem Hin und Her will er, dass wir ihn abschleppen. Der gerissene Spanngurt dient als Abschleppseil. Ob das wohl gut geht? Zum Glück hat der Regen aufgehört. Langsam fahren wir los. Im Rückspiegel sehe ich den Motorradfahrer winken. Ich soll schneller fahren. Mehr als 30 km/h wage ich jedoch nicht. Eine Abfahrt kommt, ich überlege gerade wie das hier gehen soll, da ist der Motorradfahrer im Rückspiegel nicht mehr zu sehen. Ich stoppe sofort, steige aus und sehe ihn da liegen, mit schmerzverzerrtem Gesicht. Er zeigt mir, dass sein Vorderrad 2 Meter weiter oben weggerutscht und er mit dem linken Oberarm an einen große Stein geknallt ist. Das dürfte eine ziemliche Prellung sein. Er ist aber ein harter Kerl und irgendwie fährt er sein Motorrad doch nach Hause. Mit einem "muchas gracias" verabschiedet er sich von uns. Diese Aktion hat uns fast 2 Stunden gekostet. Der Regen hat die Straße ziemlich aufgeweicht und macht sie schwerer befahrbar. Es wird Zeit, dass wir hier rauskommen. Alles ist nass, deshalb bauen wir diese Nacht widerwillig zum zweiten Mal unser Zelt auf. Alles klebt am Körper. Im Zelt ist es einfach nicht auszuhalten. Erst Stunden später kühlt es ein wenig ab. Knappern am Zelt weckt uns auf. Sind wieder irgendwelche Viecher dabei unser Nachtdomizil zu zerlegen? Ein Dutzend Nachtfalter sind des Rätsels Lösung, die sich zwischen Innen- uns Außenzelt verirrt haben. Roter Alarm ist beendet.

Donnerstag, 16. September 2004 (280 km/9.811 km/233 km/2.080 km)
(NL33: S 0623,121 W 6249,423)

Kaum wieder auf der Piste, klappern die Sandbleche ein zweites Mal auf dem Dach herum. Der vordere Spanngurt ist auch durchgescheuert. Wir entdecken einen abgetrennten Kaimankopf, an dem ein Geier herum frisst. Die letzte Fähre an der Transamazonica taucht früher auf als erwartet. Wir haben es also geschafft. Wir setzen auch hier als einziges Fahrzeug, über den mächtigen Rio Madeira, über. Etliche Schiffe fahren auf und ab. Auf der anderen Seite erwartet uns das Städtchen Humaita. Von hier sind es nur noch wenige km bis zur Kreuzung mit der BR 319 nach Manaus. Von dieser Straße wissen wir überhaupt nichts, ich schätze sie aber ähnlich ein wie die BR 230 Transamazonica. An einer Tankstelle am Ortsausgang machen wir Rast. Dusche und WC sind in Ordnung und Rodizio gibt es zu unserer Überraschung auch. Also feiern wir das Bezwingen der Transamazonica gleich mal an Ort und Stelle mit einem fürstlichen, aber billigem Essen. Der große Tank, von dem wir bis heute nicht wissen, wie viel er fast, ist auf jeden Fall noch nicht leer und das obwohl wir laut Karte über 2000 km gefahren sind. Das hört sich gut an, denn der Diesel war in der Transamazonica bis zu 12 Eurocent teurer, als vorher in Belem. In jedem Seitentank sind jetzt noch mal 50 l, das müsste bis Manaus reichen. Laut Karte sind das 690 km. 2 bis 3 Tage, dann müssten wir dort ankommen. Die ersten km sind allerdings das blanke Grauen. Das war wohl vor 150 Jahren mal eine Teerstraße, jetzt ist es eine Schlaglochpiste mit Teerrändern. Zum Glück ändert sich das nach 20 km. Wie eine Fata Morgana taucht eine gute neue Teerstraße auf, mit einem riesigem Schild Manaus 670 km. Bei diesem Belag sind wir morgen schon dort, umso besser, denn wir fühlen uns in der Hitze und Schwüle dieser Region nicht so wohl, die Malariagefahr macht das nicht besser. Auf der Straße kommt uns nur ein Bus entgegen, sonst kein anderes Fahrzeug. Komisch denke ich noch als plötzlich eine Baustelle auftaucht. Ab jetzt ist Asphalt nur noch zu 50 % vorhanden, die Zwischenstücke sind aber mit Erde gut geflickt, so dass man beim Fahren den Übergang kaum merkt. Nach der Baustelle liegt der Teer nur noch planlos in der Gegend herum. Unsere Geschwindigkeit fällt von 80 auf 30 km/h. Mir schwant Schlimmes. Es ist ein Geholpere, das man Seekrank werden könnte. Das was hier abgeht, hat mit Teerstraße nichts mehr zu tun. Das ist eine Zumutung für jeden und alles was sich darauf bewegt. Jetzt bemerken wir es erst, da fährt ja außer uns niemand herum, außer diesem eventuellen Touristenbus, auf der da noch exzellenten Straße. In der Hoffnung, dass es wieder besser wird, fahren wir weiter. Stellenweiße ist der Asphalt ganz verschwunden, was uns besser bekommt. Diese was das immer auch sein mag, nur nicht Straße, wird mit jedem km schlechter. Ich kann mir eigentlich keine Steigerung dazu vorstellen, trotzdem überrascht sie uns immer wieder von neuem. Wir wünschen uns auf die Transamazonica zurück. Wir schaffen bis zur Dämmerung etwa 100 km, dann taucht eine kleine Bar am Weg auf. Ein kühles Bierchen zum Abschluss des Tages, vielleicht können wir hier ja auch übernachten. Es ist unmöglich heiß, wie in der Sauna. Uns beiden läuft der Schweiß in Strömen vom Körper. Mit der Dämmerung kommen natürlich auch die Moskitos, eine Situation, mit der ich immer Probleme habe, in Malariaregionen sowieso. Autan kommt zum Einsatz. Trotzdem bekomm ich ein paar Stiche ab. Wir geben den 3 süßen Kindern jeweils einen Luftballon und spielen mit ihnen. Ein anderer Toyota mit 3 Männern hält. Sie trinken auch ein Bierchen. Es sind Arbeiter der Fa. Embratel, die hier Funktürme an der Straße in Schuss halten müssen. Sie fahren dann weiter in nördliche Richtung. Der Hausherr hat nichts dagegen das wir unseren Moskitodom hier aufstellen. Gesagt getan, wir haben ein kühles Bier bekommen, einen netten Abend mit Einheimischen und jetzt auch noch ein Dach über dem Kopf für die Nacht. Ein versöhnlicher Ausklang für diesen so wechselreichen Tag. Erst der Sieg über die Transamazonica, dann das Grauen auf der BR 319. Wir können beide nicht gut schlafen.

Freitag, 17. September 2004 (241 km/10.052 km/241 km/2.321 km) (NL34: wie NL33)

Wir bekommen früh einen Kaffee und fahren bei Zeiten los, denn der Weg bis Manaus ist noch weit. Wenn ich richtig verstanden habe soll er aber nach 20 km besser werden. Für diese 20 km brauchen wir 2 Stunden. Die Straße kostet physisch und auch psychisch Kraft. Dann wird es zwar etwas besser, ist aber immer noch schlechter als den ganzen gestrigen Tag. Die Brücken sind Alpträume aus altem morschem Holz. Alptraum Bruecke) Die Auffahrten darauf oft nur in der Untersetzung zu erklimmen. Wie sollen hier normale Autos fahren, frag ich mich. Da bemerke ich, dass uns heute bis jetzt auch kein Fahrzeug begegnet ist. Geregnet hat es scheinbar auch in letzter Zeit ziemlich häufig. Es tauchen immer mehr Schlammkuhlen auf, viel schlimmer als auf der Transamazonica. Irgendwann stecken wir fest. Mit Allradantrieb kommen wir aber locker frei. Den müssen wir immer öfter zuschalten. Auf der Transamazonica war er gar nicht nötig. Umgefallene Bäume, die zwar abgesägt sind aber trotzdem den Weg extrem verengen, halten uns ebenfalls auf. Der Versuch mit der Winde mehr Platz zu schaffen scheitert, da sich die Winde von Hand nicht ausziehen lässt. Bis 14 Uhr schaffen wir gerade mal 115 km und ich Wünsche mich, egal wo hin auf dieser Welt, nur weg von hier. 1 Moped begegnet uns, sonst kein anderes Fahrzeug. Dann taucht ein Mann auf, der von weitem schon abwinkt. Er erzählt, weiter nördlich hätte es so viel geregnet, dass mehrere Brücken eingestürzt wären, die Straße also unpassierbar sei. Mir fällt die Kinnlade runter. Alles um sonst, das ganze Geackere der letzten Woche. Gabi will es nicht wahrhaben und weiterfahren, sie will diese Brücken sehen. Ich entscheide mich aber umzudrehen, denn der Mann erwähnte auch, dass morgen von Humaita aus eine Autofähre nach Manaus geht, der einzige noch mögliche Weg für uns. Bis Humaita sind es über 300 km zurück, auf grottenschlechter Straße, ich darf gar nicht daran denken. Allein das Stück das wir heute gefahren sind war schlimmer als alles andere was ich sonst irgendwo in der Sahara, Patagonien oder der Mongolei erlebt hatte. Wir nehmen den Mann mit und hoffen, dass er uns helfen kann beim Einschiffen in Humaita. Mit gemischten Gefühlen drehen wir um. Ich mach mich schon mit dem Gedanken einer Nachtfahrt nach Humaita vertraut. Der Typ erzählt ununterbrochen in Portugiesisch in einer Lautstärke, das ich bald taub bin. Ich versteh gar nichts von seinem ständigen Gequatsche. Eigentlich ist er mir nach 5 Minuten Mitfahrt schon unsympathisch. Nach einer Stunde denke ich, kann man den denn nicht ausschalten? Wenn ihm gar nichts mehr einfällt, fängt er zu singen an. Ich krieg jetzt gleich die Krise. Eigentlich reicht Hitze und Straße schon aus um einen fertig zu machen. Jetzt kritisiert er auch noch mein Fahrstil, das Einzige was ich von seinem ständigen Gerede verstehe ist das "Tststs", wenn ich wieder in eine Schlammkuhle fahre und er meint eine bessere Stelle zu sehen. Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann ist es Kritik an meinem Fahrstil in meinem Auto von jemandem der in seinem ganzen Leben noch kein Auto gefahren hat. Um 20 Uhr erreichen wir endlich die Bar von gestern Abend und ich wünsche mir nur noch ein kühles Bier, doch es brennt kein Licht mehr. Mein Wunsch wird jedoch erhört, denn man öffnet noch mal für uns. Wir sollen wieder hier schlafen und alles andere würde auch keinen Sinn mehr machen. Im Dunkeln ist dieser Weg absolut tödlich, das haben die letzten 2 Stunden gezeigt. Ich gebe ein halbes Bier an unseren Mitfahrer ab, aus Nächstenliebe oder was weiß ich was für einen Grund. Als er mitbekommt, dass wir bleiben, zieht er weiter in die Dunkelheit hinaus. "Komischer Kauz", denke ich noch. Wir sind beide heilfroh, dass er weg ist. Diese Nacht schlafen wir besser hier.

Samstag, 18. September 2004 (180 km/10.232 km/180 km/2.501 km)
(NL35: S 0515,597 W 6154,391)

Julian, der Barbesitzer fährt früh mit uns zu einem Deutschen, der ganz in der Nähe wohnt. Dort wird uns einiges klar. Der sagt uns, dass der Typ nur mitgenommen werden wollte und uns also eine Lügengeschichte aufgetischt hatte. Gestern Abend seien 2 Toyotas nach Norden gefahren, die hatten wir auf dem Rückweg ja gesehen und die sind nicht wieder zurückgekommen. Ich könnte heulen vor Wut. Der soll hoffen, dass er mir nicht mehr begegnet. Deshalb ist er nachts also noch weiter gezogen, weil er merkte, dass sein Schwindel am Morgen auffliegt. 220 km Schweinestraße und einen ganzen Tag hat der Typ uns gekostet abgesehen von dem Wasser und Bier das wir mit ihm geteilt haben. Wir bringen Julian zur Bar zurück verabschieden uns ein zweites Mal und fahren wieder Richtung Manaus. Ein weiterer Deutscher wohnt hier. Dort bekommen wir noch mal 10 Liter Diesel. Auch er weiß nichts von eingestürzten Brücken. Eine jedoch sei eingebrochen und leicht schräg. Er hätte sie aber abgestützt und sie ist ohne weiteres befahrbar, etwa 150 km nördlich von hier. Vor Jaguaren warnt er uns noch und dass es bis Castanha etwa 100 km vor Manaus absolut nichts zu kaufen gibt. Die Strasse ist noch 200 km sehr schlecht, wenn man da durch ist, hat man gewonnen. Hätten wir gestern nicht gewendet, wären wir also schon so gut wie durch. Ich kann es nicht glauben. Wir bedanken uns und fahren jetzt zum dritten Mal dieses 120 km lange, grauenvoller Stück Straße. Heute geht es bedeutend besser voran, denke ich wenigstens. Wir fahren allerdings gleich mit Allrad, um besser durch die Kuhlen zu kommen. Gegen 16 Uhr erreichen wir den Wendepunkt von gestern. Ein kühles Getränk hatten wir uns noch bei Julian am Morgen mitgenommen. Das ist getrunken, jetzt haben wir nur noch etwa 15 Liter warmes Wasser. Wir versuchen die Winde gängig zu machen. Heut denke ich logischer. Die läuft ja mit Strom in beide Richtungen. Das ist wenigstens geklärt. Dann eine Schlammkuhle in der wir stecken bleiben. Alles vor und zurück nützt nichts, auch in der Untersetzung und mit Allrad. Ich habe unseren Toyota das erste Mal festgefahren. Der Weg ist feuchter hier und damit sind die Schlammkuhlen tiefer und flächenmäßig größer. Mir fällt unser Spaten ein. Fluchend mach ich mich an die Arbeit. Kein schöner Job bei der Hitze. Gabi fotografiert Schmetterlinge. Mein Schaufeln bringt den erwarteten Erfolg. Wir kommen frei. Aber von dieser Sorte Schlammlöcher kommen jetzt Unzählige. Es wird eine Rallye ohne Ende an diesem Tag. Endlich wieder ein Haus und davor steht, man glaubt es kaum, ein VW-Käfer. Das muss eigentlich bedeuten, dass wir das Schlimmste hinter uns haben. Denn der muss ja auch hierher gefahren sein. Leider bleibt das ein unerfüllter Wunsch und gleichzeitig auch ein ungelöstes Rätsel. Brücke 13 nach unserer Zählung, nach dem Wendepunkt von gestern, ist besagte Halbeingestürzte. Wir überqueren sie noch mit einem flauen Gefühl im Magen und bauen unseren Moskitodom unter der kleinen Palmhütte dahinter auf. Der Regenwald hat uns wieder. Diesmal habe ich doch ein ungutes Gefühl beim Einschlafen. Die Axt liegt griffbereit neben mir, um uns gegen den Jäger der Nacht zu verteidigen. Gabi erkennt in den Konturen eines Baumes am Waldrand einen Löwenkopf, ich sogar den eines Jaguars. Das allnächtliche Konzert des Regenwaldes wiegt uns in einen unruhigen Schlaf, mit dabei auch wieder der Einfaltspinsel.

Sonntag, 19. September 2004 (186 km/10.418 km/171 km/2.672 km)
(NL36: S 0406,081 W 6042,453)

Aras und nicht der Jaguar wecken uns am Morgen. Wieder hat ein Vieh ein Loch in den Moskitodom genagt. Heute gibt es wieder Lariam zum Frühstück, wie jeden Sonntag in nächster Zeit. Mit gemischten Gefühlen fahren wir weiter. Immer noch sind gut 300 km zu überwinden. Es ist noch feuchter hier in dieser Region, was sich an den noch tieferen Schlammkuhlen bemerkbar macht. Immer öfter sitzen wir mit unserer Anhängerkupplung auf. Es scheint der heißeste Tag zu sein, man könnte ständig saufen. Ich denk an ein kühles Bier und da ist er wieder in meinem Schädel, "zum Blauen Bock usw."?!?!? Ein lautes Zischen befreit mich von diesem Grauen. Gabi schaut sofort aus dem Fenster und meldet Plattfuß vorne rechts. Auch das noch. Fahr noch 3 m weiter auf ein gerades Stück Teer. Plattfuss Reifenwechsel bei über 40C, da wüsste ich wirklich was Besseres. Ich bin jetzt nervlich doch ein wenig angekratzt. Immerhin weiß ich genau wo alles verstaut ist, was wir brauchen. Gut 1 l warmes Wasser kipp ich in mich rein. Aus dem Gebüsch am Straßenrand ragt der Übeltäter, ein spitzes Metallstück. Es hat den Reifen an der Seite gleich 2 Mal irreparabel aufgeschlitzt. Der Originalwagenheber ist scheiße. Muss mit Brettern ewig hantieren bis ich den Platten so weit nach oben kriege um das Ersatzrad drauf zu bekommen. Dann verstauen wir wieder alles an seinen Platz. Die Schlammlöcher werden nicht weniger und wieder stecken wir fest. Die Nerven liegen blank. Nichts geht mehr. Warum bin ich eigentlich da rein gefahren. Daneben ist ein gut 3 m breites völlig trockenes Stück. Da hilft auch kein Schaufeln mehr. Gabi meint, rechts vom Auto steht etwa 10 m entfernt ein Baum. Natürlich, unsere Winde geht ja wieder. Raus aus den Schlappen, rein in die Stiefel und ab durchs Gebüsch zum Baum. Normal müsste er halten wenn ich das Seil ganz unten ansetze. Ich muss scharf nach rechts lenken. Die Winde macht den Rest. In wenigen Sekunden sind wir frei. Jetzt wird mir bewusst, dass ich an alles in diesen Tagen erlebte, daheim schon gedacht und auch eingeplant hatte. Wir waren eigentlich jeder Situation bisher gewachsen, die Schwachstelle war wie ich auch vorher schon vermutet hatte, die eigene Psyche. Schlammloch Vor allem diese wahnsinnige Hitze macht mir zu schaffen und es liegen immer noch 250 km vor uns. Gabi hat die besseren Nerven und kann mich beruhigen. Durchzudrehen bringt uns auch nicht weiter. Der Erfolg mit der Winde gibt neuen Mut. Die Straße wird nach etwa 10 km trockener, die Schlammlöcher kleiner und flacher. Das muss ein Zeichen von oben sein. Tatsächlich brauchen wir die nächsten 10 km nur noch 2 Mal den Allrad. In der nächsten Stunde machen wir soviel km wie den ganzen restlichen Tag vorher. Dann taucht eine Fähre auf und kein Fährmann ist weit und breit. Ich hupe 2 Mal und es kommt ein junger Kerl und rangiert den alten Kahn zu uns ans Ufer. Weiter geht die Fahrt. Hier ist nun die erste Häuseransammlung, die sich Dorf schimpfen kann. Kaltes Bier zu mehr ist in meinem Kopf kein Platz mehr. Aber auch hier werde ich enttäuscht. Wieder gibt es nur warmes Wasser. Gegessen haben wir den ganzen Tag noch nichts. Dafür wird die Straße noch mal besser. Wir haben es denke ich geschafft. Bis zur Dämmerung machen wir noch mal 70 km. Wieder ein Fluss, ein Paar Häuser und eine alte Fähre an einem Seil ohne Motor. Wieder ohne Fährmann. Gabi hat eine gute Idee. Ich soll mit dem Windeseil zur Fähre schwimmen, dann ziehen wir sie selbst rüber ans Ufer. Zwischenzeitlich kocht Gabi schnell eine 5-Minuten-Terrine, unser einziges Essen an diesem Tag. Nach 30 Minuten kommt aber doch jemand angeradelt, macht die Fähre los und setzt uns über. Auf der anderen Seite beginnt eine frisch geteerte Straße in fantastischem Zustand. Wir haben es geschafft. Wir finden wieder eine Palmenhütte, bauen unseren Moskitodom drinnen auf und schlafen mit einem guten Gefühl im Magen ein.

Montag, 20. September 2004 (161 km/10.579 km/0 km/2.672 km)
(NL37: S 0307,978 W 6001,557)

Zeitig fahren wir los, Manaus ruft. Ein dritter größerer Fluss muss mit einer Fähre überquert werden. Hier ist zwar eine Besatzung an Bord, dafür gibt es keinen Diesel führ den Schiffsmotor. Irgendwie versucht uns diese Straße mit allen nur erdenklichen Mitteln aufzuhalten. Nach 30 Minuten springt der Motor dann doch an, wie durch ein Wunder. Auf der anderen Seite ist Castanha, der einzige Ort an dem man was kaufen kann seit unserer kleinen Bar im Dschungel. Hier fühlt man sich wie im Schlaraffenland, denn man bekommt alles. Gabi rennt in einen Laden, kommt ein paar Minuten später zurück, na mit was wohl? Mit einer brühwarmen Limonade. Macht ihr die Hitze jetzt auch zu schaffen? Dann gibt es allerhand Getier am und auf dem Weg. Echsen, ein Kaiman, Wasserbüffel und 2 tote Giftschlangen. Der Amazonas ist das letzte Hindernis auf unserem Weg nach Manaus. Hier kommen wir zu spät. Die nächste Fähre fährt erst in etwa 3 Stunden. Wir harren aus in der Hitze, denn wir haben mittlerweile eiskalte Getränke im Auto. Die Auffahrt auf diese Fähre ist der vorletzte Akt an diesem Tag. Alle müssen rückwärts drauf. Die Überfahrt dauert fast eine Stunde, hier auf dem mächtigsten Strom der Welt. Der letzte Akt der BR 319 ist die Hotelsuche in Manaus. Opernhaus Manaus Wir brauchen jetzt ein kleines klimatisiertes Domizil, um im wahrsten Sinn des Wortes unsere Wunden zu lecken und alles wieder ins Reine zu bringen. Der erste Versuch war ein Stundenhotel. Im zweiten Hotel sind wir richtig. Etwa 10 Euro pro Nacht mit Klimaanlage, der Möglichkeit zu Waschen und Frühstück, also alles was wir brauchen. Wir haben kaum mehr Bares und wollen deshalb mit der Visacard bezahlen. Irgendwie wollen sie dort anrufen, aber das Haustelefon funktioniert nicht. Der Boss wird geholt und von seinem Handy aus versucht man nun mit der Visazentrale Kontakt aufzunehmen. Auch das scheitert. Ich zeige meine Mastercard. Da ist das gleiche Problem. Wir sollen zum Bezahlen in ein anderes Hotel, wo man uns hinbringt. Auch dort kommt keine Verbindung zur Visacard zustande. Endlich nach über einer Stunde wird die Mastercard akzeptiert. Die BR 319 ist endgültig bezwungen. Wir erholen uns jetzt erst mal in einem Hotel, bevor es weiter nach Norden geht. Boa Vista ist erstes Ziel, dann der versuchte Grenzübertritt über Land nach Guayana. Nächster Bericht dann aus Georgetown in Guayana, wenn dieses Unternehmen auch klappen sollte.

BR 320 Transamazonica

Die Straße war besser befahrbar als erwartet. An den meisten Stellen neu planiert kamen wir sehr gut voran. Das ändert sich garantiert mit jedem Tag. Ein größerer Regen und die Straße verwandelt sich in eine Schlammpiste. In der Regenzeit ab November ist wahrscheinlich kaum mehr an ein Vorankommen zu denken. Wir hatten viel Glück mit dem Wetter und allen anderen Umständen. Zwischen Maraba und Itaituba ist sie dicht besiedelt, danach sind nur noch wenige Orte zu finden. Trotzdem gibt es überall ausreichend Versorgungsmöglichkeiten. Die Moskitoplage war auch weniger schlimm als vorher angenommen. Die Brücken sind momentan allesamt in gutem Zustand. Auch das kann sich natürlich über Nacht ändern. Der Kahlschlag des Regenwaldes ist überall präsent, lediglich das Gebiet des Amazonas-Nationalparks ist davon verschont. Über 2000 km sind wir auf der Transamazonica gefahren. 80 km davon waren geteert. 5 Fähren und 200 Brücken führen über die unzähligen Flussläufe.

BR 319

Diese Straße ist dem Teufel zu schlecht und sollte eigentlich von allen Karten der Welt gestrichen werden. Es ist absolut davon abzuraten, sie befahren zu wollen. Über 400 km sind dermaßen schlecht, dass sie auch in völliger Trockenheit katastrophal sind. Die Brücken lassen mehr als zu wünschen übrig. Allein die Tatsache, dass uns nur 5 andere Toyota Landcruiser und 2 kleine Motorräder auf dem ganzen Weg begegnet sind spricht schon Bände. Wegen der schlechten Brücken ist selbst für LKWs kein Durchkommen möglich. Die kleine Bar im Dschungel ist auf 550 km die einzige Möglichkeit etwas zu Trinken zu bekommen. Diesel gibt es auf der gleichen Distanz nur in kleinen Mengen bei der einen deutschen Familie, wenn diese einige Liter entbehren können. Moskitos sind häufiger und der Jaguar sollte auch nicht unterschätzt werden.

Ein klein bisschen Stolz bin ich schon, dass wir es geschafft haben. Noch mal bringt uns mit dem Auto jedoch keiner mehr in diese Region. Es war mit großem Abstand die härteste Tortur die ich bisher auf Reisen erlebt habe. Wenn ich da an die Truppe zurück denke, mit der ich 2000 in die Mongolei fuhr, oh je. Allein Conrad Coester halte ich für hart genug von all den Leuten die ich kenne, das auch durchzustehen.

Der Toyota hat alle Erwartungen mehr als erfüllt. Außer dem Plattfuß, der mein Verschulden war, haben wir nur am Auspuff eine Schraube verloren. Motor und Winde arbeiten ausgezeichnet. Der Verbrauch selbst unter schwerer Belastung lag in der BR 319 nur bei 14 l/100 km. Auf Teer kommen wir im Schnitt mit 8,5 l/100 km aus. Der große Tank hat alleine für 2213 km in der Transamazonica gereicht. Leider wissen wir immer noch nicht wie viel er wirklich fast. Die 2x50 Liter in den Seitentanks reichen bestimmt auch für mehr als 1000 km.

Am stolzesten jedoch bin ich auf Gabi, die alle Strapazen ohne zu Murren weggesteckt hat. Einen besseren Copiloten kann ich mir nicht vorstellen. Erschwerend kam für sie ja noch diese Zeit dazu, in der Frauen eh auch zu Hause genervt sind.