Südamerika Teil 2

Sonntag, 22.08.2004 (219 km Tag /708 km gesamt)

Gegen Mittag treffen wir bei Norbertos Eltern zum Asado-Essen ein. Am besten gefällt mir Gabis Gesicht als sie gesagt bekommt, dass sie gerade irgendein Stück gegrillten Rindsdarm verzehrt. Erst gegen 18 Uhr kommen wir von dort weg, nach einem fast so rührenden Abschied wie von daheim. Voll getankt fahren wir los Richtung Parana-Mündung und schlafen irgendwo hinter einer Tankstelle.


Montag, 23.08.2004 278 km/986 km)

Wir überschreiten die Grenze zu Uruguay. Ein neues Land für uns beide. Der Grenzübertritt ist völlig problemlos, bis auf die Tatsache, dass wir alle Lebensmittel, die wir im Auto haben aufessen müssen und das forderten 2 Zöllner, die ich gerade dabei erwischte, als sie einen Porno schauen, während der Dienstzeit versteht sich. Ein sauberes, schönes Land liegt vor uns. Wir fahren zum Schlafen nach einer Mautstelle rechts rein, in der Hoffnung, das Meer zu finden. Werden aber stattdessen von der Polizei aufgestöbert. Sind zwei nette Kerle, die sich nur Sorgen um uns machen.

Dienstag, 24.08.2004 (409 km/1.385 km)

Anker des Panzerschiffs Admiral SpeeWill zurück zur Autobahn, lande stattdessen am Meer. Ich versteh die Welt nicht mehr. Egal, wir machen einen Spaziergang am Strand. Dann die nächste Überraschung. Als wir wieder auf der Autobahn ankommen, stehen wir exakt vor der gleichen Mautstelle wie am Abend zuvor. Ich hab nur ein großes Fragezeichen vor dem Kopf. Egal, müssen halt noch mal zahlen. Montevideo erreichen wir um die Mittagszeit. Ich will die Schraube des hier in der La Plata Mündung gesunkenen deutschen Westentaschenschlachtschiffs "Admiral Graf Spee" sehen. Das ist aber zusammen mit der Tatsache, ein paar Postkarten zu schreiben ein größerer Akt. Letztendlich finden wir den Anker, nicht die Schraube der Graf Spee und werden auch trotz Streiks der Post unsere Karten los. Schlafen irgendwo in der Nähe der Küste.

Mittwoch, 25.08.2004 (437 km/1.742 km)

Erste Bewaehrungsprobe fuer den ToyataWir suchen das Cap Polonia (so hieß übrigens auch das Containerschiff, mit dem unser Toyota nach Buenos Aires gebracht wurde). Dort gibt es eine große Seelöwenkolonie und die wollen wir sehen. Zum ersten Mal überhaupt muss unser Toyota zeigen was er kann. Etwa 4 km Weichsand sind zu passieren, nur mit Allradantrieb möglich. Auch ohne Seelöwen wäre das Cap sehenswert. Seeloewen bei Kap Polonia Zusammen mit den Tieren ist es ein absolutes Muss.Wir verbringen den ganzen Morgen dort. Mittags besuchen wir das Fort Santa Theresa nördlich des Cap. Auch das war die Hinfahrt wert. Dann passieren wir die Grenze zu Brasilien. Das dauert etwas länger, da unser Carnet de Passages hier nicht gültig ist. Ansonsten ist es aber kein Problem. Wir fahren noch bis kurz vor Pelotas, der südlichsten größeren Stadt Brasiliens und schlafen hinter einem Bewässerungskanal.

Donnerstag, 26.08.2004 (273 km/2.015 km)

Ein komisches Geräusch beim Starten des Toyotas lässt uns kurz aufhorchen. Nach kurzer Zeit ist es nicht mehr zu hören. Wir fahren rein nach Pelotas, halten an einer Tankstelle gegenüber einer Bank. Travellerschecks tauschen und gleich tanken ist unser Plan. Die Bank wechselt erst später, verstehe ich. Um ehrlich zu sein, eigentlich habe ich gar nichts verstanden, denn hier spricht man ja portugiesisch und wir haben nicht mal ein Wörterbuch dabei. Egal erst mal Tanken. Zündschlüssel umgedreht und siehe da nichts tut sich. Ein weiterer Versuch und ein dritter. Alle ohne Erfolg. Ist der Anlasser am Arsch? Es macht klack, nicht mehr. Auch klopfen mit dem Hammer hilft nichts. Der Tankwart ruft einen Mechaniker, der auch schnell auftaucht. Der Anlasser sei das Problem, stellt dieser fest. Natürlich haben wir alle Ersatzteile dabei, nur keinen Anlasser. Die beiden Mechaniker verschwinden mit unserem defekten Anlasser. Ich versuche meine Schecks einzulösen, aber weder die Bank of Brasil, noch eine der beiden Wechselstuben, die ich finde tauschen meine Schecks. So ein Sch… Gerade jetzt wo wir Geld für die Reparatur brauchen. Wenn nicht noch im Reiseführer stände, Schecks werden überall akzeptiert. Die Mastercard hilft uns aus der Patsche. 1000 Real bekomme ich ca. 250 Euro. Die Mechaniker sind zurück und zeigen uns das Innenleben unseres Anlassers. Verbogen, verschmort und zerbrochen, ein richtiger Trümmerhaufen. Da kann man von Glück sprechen, das er uns noch bis in die Stadt zur Tankstelle gebracht hat, unser Guter. Ich kann ihm den Anlasser nach 220.000 km gefahrenen km verzeihen. Gabi hatte erst mal leicht ironische andere Worte: "Du willst mit mir um die Welt fahren! Mit einem Auto das in den ersten 2 Wochen schon das zweite Mal kaputt ist!" Die Mechaniker kommen zurück, bauen den reparierten Anlasser ein und was ist wohl passiert? Er springt an auf den ersten Schlag, wie es sich für einen Toyota gehört. 5 Stunden Aufenthalt hat die Reparatur zur Folge. Spricht auch wieder für die Wahl des Fahrzeuges. 600 Real waren wir los, 300 für die Teile, 300 für die Mechaniker. Ist zwar etwas heftig, aber egal wir können weiter. Wir tanken erst noch voll und ich staune nicht schlecht als nur 111 Liter in den Tank passen, obwohl wir schon über 1300 km damit gefahren sind. 8,5 l/100 km ist doch fantastisch. Wieder kommen mir die 19,8 l /100 km die dieser Wahnsinnige damals im Jahr 2000 mit meinem HJ 60 in der Mongolei zusammengefahren ist. Wir fahren an diesem Tag noch 250 km weiter.

Freitag, 27.08.2004 (590 km/2.605 km)

Die Millionenmetropole Porto Alegre liegt vor uns und wie es das Schicksal so will, verfranzen wir uns total im Hochhäusermeer. 1 Stunde später sind wir wieder auf Kurs nach Norden. Eine auf der Karte eingezeichnete Therme ist unser Ziel. Endlich mal duschen lautet unser Plan und vielleicht ein bisschen Luxus dazu. Gegen 15 Uhr kommen wir dort an und verbringen knappe 2 Stunden in der Anlage. Weiter geht dann die Fahrt immer gen Norden.

Samstag, 28.08.2004 (464 km/3.069 km

Bizarre Felsen bei Villa VelhaWir erreichen Curitiba um die Mittagszeit, nachdem wir die ersten Pässe gefahren sind. Das gleiche Spiel wie gestern folgt. Wir verfahren uns wieder total. Dafür können wir aber, auch wie schon gestern, uns ein Bild von der Stadt machen. Sämtliche Häuser sind neu. Eines schöner als das andere, eine richtige Vorzeigemetropole. Danach bei den Sandsteinfelsen von Villa Velha gestoppt. Ein 2stündiger Spaziergang durch dieses grandiose Felsenlabyrinth ist den Eintritt mehr als wert. Wir fahren noch ein weiteres Stück nach Norden.

Sonntag, 29.08.2004 (475 km/3.544 km)

Schmerzen in der Nierengegend reißen mich aus dem Schlaf. Zum Glück lassen sie nach einigen Minuten und einem Becher Wasser nach. Die Transbrasiliana, die Strasse auf der wir gerade unterwegs sind, wird trotz Teer zum Horror. Lieber Wellblechpiste in der Wüste fahren. Schlaglöcher tauchen immer häufiger auf. Nehme ich eines zwischen die Räder, ist der Toyota zu schmal und es macht rums. Fahre ich zwischen 2 Löchern durch, macht es ebenso rums, also ist das Auto zu breit. Komisch oder? Wahrscheinlich bin ich bloß zu blöd den Wagen richtig zu fahren. Finden eine Tankstelle mit dem billigsten Diesel bisher, umgerechnet ca. 0,34 € (Dieselverbrauch 8,4 l/100 km). Leider versagt Gabis Visacard, aus was für einem Grund auch immer. Meine Mastercard wird erst gar nicht akzeptiert. Neben an ist ein Restaurant mit fantastischem Buffet. Kellner servieren Fleisch am Spieß direkt vom Grill, soviel man essen will. Auch der Rest schmeckt fantastisch und das für umgerechnet 5 Euro. Wir platzen fast, zum Glück sind auch saubere Toiletten nebenan. Dann finden wir auch ein Internetcafe. Mein Vater hat heute Geburtstag. Wir können Geburtstagsgrüße und einige andere Mails verschicken. Leider werden wir unseren Reisebericht 2 nicht los, obwohl unser Laptop auch hier, wie schon in Olivos, an den Internetanschluss angeschlossen werden kann. Schlafen auf einem Acker umgeben von neugierigen Kühen. Gabi hat heute, die von ihr gewünschten Vorhänge aufgehängt. Gott sei Dank, es geht also doch auch unterwegs.

Montag, 30.08.2004 (478 km/4.022 km)

Auf der Strecke platzt einem Lkw der Reifen, als wir auf gleicher Höhe fahren. Essen frische Ananas am Straßenrand. Wieder ein gutes Restaurant mit Buffet gefunden. Strasse wird noch schlechter. Das nervt sogar langsam mich. Ist eine echte Bewährungsprobe für unseren Innenausbau aus Holz und unseren geschweißten Dachgepäckträger. Gabi entdeckt einen Ameisenbär in einem Stoppelfeld. Ich verfolge ihn zu Fuß gut 500 Meter. Hab aber nur die Spiegelreflex bei mir, deshalb kein Bild von diesem merkwürdigen Tier. Finden den Rio Quente und beschließen einen Tag hier auf einem Campingplatz auszuruhen. Der Fluss führt über 30 °C warmes Wasser und ist ideal zum Baden. Wir nutzen das natürlich und fühlen uns wie im Paradies, wären da nicht die vielen kleinen Welse im Wasser, die nichts Besseres zu tun haben als uns ständig die Füße an zu knappern.

Dienstag, 31.08.2004 (209 km/4.231 km)

Wir schlafen lange, gehen im warmen Fluss baden, kochen uns etwas und relaxen. Später helfen wir ein paar jungen Einheimischen ihr Auto fremd zu starten, ist gleichzeitig der erste erfolgreiche Einsatz unserer Starterbatterie. Gegen 18 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Brasilia. Ich habe wieder Schmerzen in der linken Nierengegend. Diese werden so stark, das ich Gabi um eine Schmerztablette bitte. Gabi übernimmt nun das erste Mal das Steuer. In Notfällen, und das ist jetzt einer, muss sie auch ans Steuer. Sie macht ihre Sache richtig gut. Fährt in der Dunkelheit durch Morrinhos und noch 40 km auf der Strasse 153. Ich sitze daneben und krümme mich fast vor Schmerzen. Wir müssen morgen früh nach Brasilia rein fahren, da gibt es doppelt Hilfe für mich. Zum einen sagt unser Ärzteführer, dass 3 Ärzte deutsch sprechen, zum anderen wohnt ein Mitglied der DZG hier und den wollen wir auf jeden Fall treffen, obwohl wir ihn vorher nicht kontaktiert haben. Irgendwann wirkt die Schmerztablette und ich übernehme das Steuer wieder. Fahren noch durch Goiania durch und suchen uns einen Schlafplatz in einem Acker. Mit dem Gedanken, einen Arzt aufsuchen zu müssen, schlafe ich ein.

Mittwoch, 01.09.2004 (201 km/4.432 km)

Wir machen uns im wahrsten Sinn des Wortes früh vom Acker. Brasilia, und damit Hilfe, ist in greifbarer Nähe. Momentan habe ich keine Schmerzen. Wäre es die rechte Seite gewesen, hätte ich auf auf eine Blinddarmentzündung getippt. Gabi entdeckt das Wahrzeichen der Hauptstadt, die futuristische Kathedrale. Wir betreten sie in Shorts und müssen sie leider deswegen sofort wieder verlassen. Ich hatte immer gedacht, das wäre nur in Moscheen ein Problem. Man lernt halt nie aus. Das Regierungsviertel mit den ganzen Ministerien ist ganz in der Nähe. Wir schauen uns auch hier eine Weile um. Dann machen wir uns auf die Suche nach dem DZG-Mitglied 1759 namens Peter Zörnig, von dem wir eine Adresse haben, die 2002 noch Gültigkeit hatte. Irgendwie stehen wir nach 2 Mal fragen, wohlgemerkt ohne Stadtplan, vor seinem Appartement. Bei Peter Zoernig in BrasiliaDie Enttäuschung ist allerdings groß, als sich beim Klingeln eine Frauenstimme meldet, die nur portugiesisch spricht. Das hat man nun davon, wenn man sich vorher nicht anmeldet. Irgendwie will ich mich damit aber nicht abfinden und halte die Adresse von Peter Zörnig einigen Leuten, die sich hier aufhalten unter die Nase. Eine Frau sagt plötzlich: "Ah, Pieter." Und zeigt auf einige anderen Häuserblocks in der näheren Umgebung. Ein Mann fährt mit und zeigt uns genau die neue Wohnung, des uns noch immer Unbekannten. Der Pförtner ruft gleich an, jedoch keiner hebt ab. Man versichert uns das Peter Zörnig bald nach Hause kommt. Wir warten eine halbe Stunde, dann kommt eine junge Dame die englisch spricht. Peter kommt erst später, übersetzt sie uns. Ich hinterlasse eine Nachricht im Briefkasten und eine unter dem Fußabstreifer. Wir gehen um die Ecke essen. 2 Stunden später ist Peter Zörnig zu Hause und empfängt uns gleich. Wir trinken ein Bierchen und unterhalten uns. Peter hat heute auch noch Geburtstag, das passt natürlich. Leider fangen jetzt meine Schmerzen wieder an. Morgen ist ein Arztbesuch unumgänglich. Heute Abend wollen wir aber Geburtstag feiern, in einem feinen Restaurant. Peter holt seine Freundin, wir werfen uns in Schale und fahren zu viert los. Das Restaurant hat in Deutschland garantiert 4, wenn nicht sogar 5 Sterne. Wir schlagen uns die Bäuche voll, können kaum mehr laufen. Meine Schmerzen werden zum Glück nicht stärker, sie verschwinden sogar. Ich gehe aufs Klo, will pinkeln. Erst nichts, dann peng und erst dann der gewohnte Urinstrahl. Da lag ein Steinchen im Pinkelbecken, ein Harnstein, der sich in meiner linken Niere gebildet hatte. Mir ist klar, das waren meine Schmerzen. Es wird eine lange und lustige Nacht. In Peters Auto fahren wir noch zur Kathedrale und ins Regierungsviertel. Nachts ist die Stadt noch prächtiger. Wir schlafen in Peters Wohnung. Den Arztbesuch können wir uns morgen sparen. Ich bin zuversichtlich für den weiteren Verlauf unserer Reise. Einen Tag werden wir noch bleiben, dann geht es nach Belem, weitere 2000 km von hier entfernt.