Eurasien Teil 8


Das Märchen geht weiter!

Sonntag, 17. Juli 2005 2. Teil (369 km/27.020 km/216 km/6.178 km)
(67 m H.) (NL106: N 59°33,019 O 150°50,467 Magadan/Gebiet Magadan/Russland)

Problemlos finden wir die Adresse, die uns Sascha aus Jakutsk mit gab. Leider ist niemand zu Hause, wir hätten ja vor 3 Tagen schon ankommen müssen. Die polnischen Biker hatten uns die Namen von 2 Russen gegeben, die uns bei der Verschiffung helfen könnten und die sind unser nächstes Ziel, doch die beiden sind zurzeit auch nicht da. Eine Kollegin hilft weiter. Es fahren Schiffe nach Vladivostok, näheres dazu erfahren wir morgen. Das ist gut, denn die Strecke wollen wir bei dem Wetter auf keinen Fall zurück fahren.
Andre, der Fernfahrer steht bei Gabi am Toyota und lädt uns zu sich nach Hause ein. Vorher bringt er uns wegen des Anlassers zur Werkstatt seines Freundes Sascha (Nr. 8). Unsere Starterbatterie ist am Ende, sonst nichts. Sascha repariert die Dieselpumpe der beiden Zusatztanks, die seit Tschechien im Eimer ist und schaut sich unserer Winde an. Es hat einige Zahnräder zerfetzt, sie hat sich buchstäblich selbst den Hals umgedreht. Bekommen wir die Teile, kann er sie auch reparieren.
Der Toyota kommt auf einem bewachten Parkplatz, dann kaufen wir Bier für den Abend und gehen zu Andree in die Wohnung. Seine Tochter Valera und eine völlig durch geknallte kleine Katze sind zu Hause. Es gibt leckeren Fisch, dazu Bier und Wodka. Nach einem heißen Vollbad ist die Welt in Ordnung.

Montag, 18. Juli 2005 (38 km/27.058 km/2 km/6.180 km)
(67 m H.) (NL107 wie NL106)

Wir sind pünktlich mit Valera im Büro der Fa. Datacom, die uns kostenlos zur Fa. Transfes Magadan bringt. Letztere bietet weltweite Containerschiffverbindungen an und bedient auch die Linie Magadan - Vladivostok. Näheres dazu unter www.fesco.ru . Alles scheint geklärt, dann doch ein Rückschlag. Das Freitag-Schiff ist voll, das nächste fährt erst in ca. 10 Tagen. Ein anderer Hafen ist die Lösung und um 13 Uhr haben wir ein Schiff für unseren Toyota. Er wird am Mittwoch verladen und fährt 5 Tage bis zum Hafen Vostochny, 200 km nördlich von Vladivostok. Preis 600 US$. Wir jedoch müssen fliegen. Morgen um 10 Uhr begleitet uns eine deutsch sprechende Dame zum Hafen.
unser neuer Freund Andre Die Suche nach Ersatzteilen für unsere Winde läuft erfolglos. Wir fahren zu Andrees Arbeitsplatz, welcher gleich das Anschweißen der abgerissenen Anhängerkupplung veranlasst. Die gebrochene Plattfederhalterung wird auch geschweißt. Den Haarriss im Tank unterdrücke ich dezent, sehe ihn als keine Gefahr an. Wir besichtigen ein Denkmal auf einem Hügel. Zurück am Toyota fließt Diesel in Strömen aus dem Tank. So können wir auf keinen Fall auf das Schiff. Andre überlegt kurz und fährt mit uns zurück in die Werkstatt. Micha der Schweißer opfert seinen freien Abend und zu dritt machen wir uns an die Arbeit. Andre baut den Tank aus. Dann werden von seinem Lkw die Abgase zum Trocknen hinein geleitet. Eine Stunde später schweißt Micha das Loch zu.
Wir schicken Yuriy aus Vladivostok eine SMS. Umgehend ruft er zurück und lädt uns ein zweites Mal in sein Haus ein. Um 23 Uhr fahren wir zufrieden in die Wohnung zurück, essen und trinken gemütlich bis nach Mitternacht. Allein die Tankreparatur hätte in Deutschland ein Vermögen gekostet. Hier hat keiner einen Rubel genommen.

Dienstag, 19. Juli 2005 (19 km/27.077 km/0 km/6.180 km) (67 m H.)
(NL108 wie NL106)

Containerschiff Natascha und Andre arbeiten. Wir fahren mit Valera und ihrem Cousin zu Transfers Magadan. Am Hafen dauert es den halben Nachmittag, dann steht der Toyota vor dem mächtigen Containerschiff Kapitan Artyukh. Ein deutsches Auto hier, die Arbeiter staunen nicht schlecht. Dann trennen sich unsere Wege für 5 Tage. Unser treuer Gefährte tritt seine 3. Ozeanreise ohne uns an.
Zurück bei Transfes Magadan bekommen wir Kaffee und Gebäck. Bereitwillig können wir kurz ins Internet und auch morgen die Reiseberichtbilder verschicken. Der Chef räumt persönlich seinen Stuhl. Diana, die mit uns alles im Hafen geregelt hat, fährt uns in die Stadt und hilft uns beim Flugticketkauf. Am 21.07. um 18 Uhr geht es per Flieger nach Vladivostok. Alles läuft nun doch perfekt. Am Abend kippen wir 3 Flaschen Wodka mit Andree, Natascha und einem Freund. Wir kniffeln bis spät in die Nacht.
Andree (45 Jahre) der Fernfahrer, ist ein kräftiger Kerl mit Bierbauch und fehlenden oberen Schneidezähnen. Er lebt mit seiner hübschen, schlanken Frau Natascha, der 11jährigen Tochter Valera und einem Kätzchen in einer Erdgeschoßwohnung in einem Plattenbau. Natascha, die als Verkäuferin arbeitet, erinnert mich an eine Country-Sängerin. Valera bemüht sich ihr Schulenglisch aufzubessern und hat in Gabi eine Freundin gefunden. Das schwarze Kätzchen ist völlig abgedreht, um einiges schlimmer, als Puma, die kleine Katze damals in Paramaribo. Das Geld reicht gerade zum Leben, Fernseher und DVD-Player sind vorhanden, die Tapeten jedoch hängen von der Wand, keine Tür schließt richtig und das Bad ist alles andere als einladend. Aber sie helfen uns wo sie können und teilen alles mit uns. Sie sind 3 weitere dieser wunderbaren Menschen, die wir hier in Sibirien trafen. Die 3 werden uns nicht besuchen können, sie haben das Geld nicht dazu.

Mittwoch, 20. Juli 2005 (1. Seetag Toyota HJ 61) (67 m H.) (NL109 wie NL106)

Heute schlafen wir aus. Natascha hat Bortsch gekocht und legt sich wieder schlafen. Die harte Nacht steckt allen in den Knochen. Die Bilder für Reisebericht 7 sind fertig zum Verschicken. Um 17.30 Uhr sind wir im Büro von Transfes Magadan und zum zweiten Mal lässt mich der Chef an seinen Schreibtisch, eine Sekretärin bringt Kaffee. Gabi fährt derzeit mit Natascha und Valera einkaufen. Um 19 Uhr sind wir bei den Fischern in der nördlichen Bucht. Als wäre es das normalste der Welt, schenkt uns einer 2 große Lachse. Diese landen zu Hause sofort im Kochtopf, schmecken einfach köstlich. Valera schaut Video, Gabi kämpft mit dem kleinen Tiger und ich schreibe Reisebericht. Der Laptop macht immer größere Schwierigkeiten, wenn das so weitergeht klappt es nicht mehr mit der weiteren Berichterstattung.

Donnerstag, 21. Juli 2005 (2. Seetag Toyota HJ 61) (Flug Magadan-Vladivostok)
(87 m H.) (NL110: N 43°05,946 O 131°54,497 Vladivostok/Ostsibirien/Russland)

Wie gestern schlafen wir auch heute bis Mittag. Andre ist mit dem Lkw unterwegs. Wir können uns nicht mehr von ihm verabschieden. Um15 Uhr bringen uns Natascha und Valera zum Flughafen. Die beiden warten bis wir in der Abflughalle verschwinden.
Eine Tupolev steht für den Flug bereit. Der Unterschied zu einer Boing ist die Beule am Schädel beim Einsteigen. Klappt der Vordermann den Sitz in Schlafposition, bist du bewegungsunfähig. Ganz besonders wenn das Persönchen vor dir stolze 1 ¾ Doppelzentner auf die Waage bringt. Der Service allerdings ist erste Klasse und für wenig Geld. Wir landen pünktlich und werden beim Aussteigen von der Polizei abgeführt. Die verdammte Registrierung macht Probleme.
Yuriy und seine Frau Julia warten am Ausgang und schließen uns wie alte Freunde in die Arme. Zuerst geht es in ihre Luxuswohnung und später ins koreanische Restaurant. Zu Hause trinken wir noch bis 3 Uhr Bier, Wein und Schnaps. Wie selbstverständlich hat Yuriy alles bezahlt, uns fehlen die Worte.
Yuriy (43 Jahre), der stets gepflegte und gut gekleidete Geschäftsmann aus Vladivostok lebt, genau wie Andree, zusammen mit seiner hübschen Frau Julia und Töchterchen Vicky (11 Jahre) sowie Hündchen Larissa in einer Erdgeschoßwohnung in einem Plattenbau. Die Wohnung ist gehobener deutscher Standart, alles funktioniert erstklassig. Die Geschäfte laufen gut, Julia arbeitet in einem Beautysaloon. Töchterchen Vicky will Modell werden und verbringt jeden Tag Stunden vor dem Spiegel. Hündchen Larissa hat den ersten Preis in einem Schönheitswettbewerb gewonnen und begrüßt uns jeden Morgen mit einem Sprung ins Bett. Bei Yuriy sind wir uns sicher, dass er uns nächstes Jahr mit seiner Familie besuchen wird.

Freitag, 22. Juli 2005 (3. Seetag Toyota HJ 61) (87 m H.) (NL111 wie NL110)

Wir schlafen auch hier bis Mittag. Yuriy telefoniert wegen der Laptop-Reparatur. Um 18 Uhr ist unser Computer repariert. Derzeit besichtigen wir ein berühmtes russisches U-Boot und einen Teil der Pazifikflotte bei beschissenem Wetter. Um 19 Uhr können wir an seinen Computer, kommen aber nicht ins Internet.
Valera aus Magadan ruft an, ist traurig weil Gabi nicht mehr da ist. Auch Sascha aus Jakutsk fragt, ob es uns gut geht. Dann wird ein Tisch in einem Tanzlokal reserviert. Hübsche Mädels fegen über das Parkett. Yuriy hat wieder alles bezahlt. Ich bleibe heute trocken, will morgen den längst überfälligen Bericht 7 fertig machen. Zu Hause werden noch alle Klamotten gewaschen, dann geht es ins Bett.

Samstag, 23. Juli 2005 (4. Seetag Toyota HJ 61) (87 m H.) (NL112 wie NL110)

Schlafen und Bericht schreiben, so vergeht der Tag. Dann holen wir Yuriys Töchterchen Vicky und eine Freundin vom Feriencamp ab. Am Strand gehen wir zum dritten Mal fein Essen und beäugen die russischen Beautys.
Ich arbeite auch während der Fahrt, der Bericht muss fertig werden. Valera ruft auch heute an und fragt wie es uns geht. Den Abend bleiben wir zu Hause. Yuriy kommt erst gegen Mitternacht mit einer Flasche Weinbrand. Die kippen wir zusammen und schauen bis 3 Uhr Reise-Bilder.

Sonntag, 24. Juli 2005 (5. Seetag Toyota HJ 61) (87 m H.) (NL113 wie NL110)

Gabi geht um 7.30 Uhr mit Julia in die Beautyfarm und bekommt kostenlos Gesicht und Dekolette massakriert. Ich schreibe derzeit weiter am unendlich langen Bericht 7. Um 13 Uhr fahren wir mit Yuriy in die Stadt, treffen seinen Freund und Kollegen Genady, welcher gleich Geschenke für uns aus China mitgebracht hat. Der Computer ist repariert und Reisebericht 7 mit Bildern sind verschickt. Mails aus der Mongolei und Neuseeland haben uns erreicht.
Gabi im Beautysaloon Um 16 Uhr haben wir einen weiteren Termin in der Beautyfarm. Während mir die gerade rasierte Glatze geföhnt wird, sitzt Gabi geduldig mit 20 Bürsten im Haar auf ihrem Thron. Ein kleiner Fastfood-Imbiss, dann geht's zurück in die Wohnung. Julia hat gekocht und Yuriy eine Flasche Weinbrand dabei. Es macht Spaß mit ihm zu trinken. Ich habe selten einen so netten Menschen getroffen. Yuriy erzählt von seiner Zeit als Matrose auf einem Thunfisch-Trawler und Eisbrecher. 12 Jahre war er Seemann und ist dadurch viel in der Welt rumgekommen. Heute vertiefen wir unsere Einladung zu uns nach Hause. Um 0.30 Uhr liegen alle im Bett. Morgen soll die Kapitan Artyukh in Vastochny ankommen, hoffentlich mit unserem Toyota.

Montag, 25. Juli 2005 (200 km/27.277 km/0 km/6.180 km) (87 m H.) (NL114 wie NL110)

Das Schiff ist da. Wir fahren Yuriy und Vicky in den 200 km entfernten Hafen. Ein Zollstempel fehlt aus Magadan, deshalb ist es fraglich, ob wir unser Auto heute noch bekommen. Yuriy und ein paar Hafenangestellte ermöglichen es dann doch. Um 19.30 Uhr fahren wir mit beiden Autos zurück. An einem steilen Berg überholt ein Lkw, der Motor läuft nicht auf vollen Touren. Ein Licht scheint auch kaputt.
Wir stellen den Toyota vor Yuriy´s Shop ab und fahren zur Wohnung. Heute wird Abschied gefeiert, dass es nur so kracht. 2 Verwandte sind mit dabei. Wir zeigen Bilder aus Südamerika. Die Flasche Kognak hört den Schlag nicht. Bier und Wein folgen, hier werde ich noch zum Alk. Morgen müssen wir weiter ziehen, uns läuft die Zeit davon.

Dienstag, 26. Juli 2005 (0 km/27.277 km/0 km/6.180 km) (87 m H.) (NL115 wie NL110)

Yuriy und ich haben in Klamotten geschlafen und beide einen dicken Schädel. Um 13 Uhr ist Abschied angesagt. Julia winkt uns noch lange nach. Wir schauen bei Yuriy ins Internet und eine Email von unseren polnischen Freunden Ola und Wlodek ist da. Sie sind zurück in Polen und warten dort auf uns. Außerdem ist Walter Schörrlein, der andere Toyota-Fahrer in Vladivostok. Wir versuchen ihn zu kontaktieren und warten ab. Derzeit lassen wir unsere Reifen richtig vulkanisieren. Yuriy schenkt uns Flickzeug, das gleich zum Einsatz kommt. Monika Schörrlein meldet sich auf Genadys Handy und wir machen ein Date für 20 Uhr aus. Wir müssen eine Nacht länger bleiben.
Abschiedsfeier bei Jury Ich kaufe eine 12 Volt Birne fürs Aufblendlicht, die sich beim ersten Einschalten sofort verabschiedet. Man lernt eben nie aus. Das Salz der Seereise wird abgewaschen und es ist 20 Uhr. Gabi hat sich unglaublich rausgeputzt, kann mit jeder Russin konkurrieren. Yuriy fährt uns erst zum falschen Restaurant. Dort liegt die halbe russische Pazifikflotte auf Reede. Dann kommt es vor dem Restaurant Peking doch noch zum Treffen mit Monika und Walter Schörrlein. Wir haben gemeinsame Freunde, Hedi und Werner Beck und Allrad Keba. Wir essen gemeinsam und wollen versuchen uns am Baikal wieder zu treffen. Zu Hause trinken wir noch ein Bierchen, dann geht's ins Bett.

Mittwoch, 27. Juli 2005 (504 km/27.781 km/10 km/6.190 km) (62 m H.)
(NL116: N 46°34,729 O 134°17,922 bei Lucegorsk/Ostsibirien/Russland)

Um 10.30 Uhr endgültiger Abschied von Julia. In Yuriys Geschäft können wir noch mal ins Internet und dann geleitet er uns aus der Stadt. Am Ortsschild ein rührender Abschied von einem der besten Menschen, den wir jemals trafen. Wir werden uns wieder sehen, da sind wir uns sicher. Er ruft noch schnell in Lucegorsk, 500 km nördlich, bei einem Freund an und organisiert uns einen Schlafplatz mit Abendessen und Banja, kostenlos versteht sich. Außer einem völlig verdreckten Wasserabscheider passiert nichts auf der Strecke.
Am vereinbarten Platz wartet ein kleiner Mann in einem klapprigen Landcruiser und bringt uns zur Datscha von Yuriys Freund Viktor. Hier steigt gerade eine "Mafia"-Privatfete. Fotografierverbot, der Polizeichef will nicht mit seiner Mieze abgelichtet werden. Es wird gesoffen was das Zeug hält. Bloß gut, das ich mittlerweile russisch geeicht bin. Essen, Tanzen, Banja und Unmengen Moskitos gehören auch dazu. Wir schlafen in unserem Moskitodom unter der Vorhalle des Hauses. Auch heute wieder ein Anruf von Valera. Yuriy fragt nach, ob alles klar ist.

Donnerstag, 28. Juli 2005 (320 km/28.101 km/7 km/6.197 km) (47 m H.)
(NL117: 48°23,036 135°05,874 Habarovsk/Ostsibirien/Russland)

Wir haben gut geschlafen. Ohne dicken Schädel, trotz 20 Schnaps und Champagner wache ich auf. Wir frühstücken bei Viktor mit Käse und Wurst belegte Kekse. In strömendem Regen geht's weiter nach Habarovsk. Vorher bleibt der Toyota stehen. Der Wasserabscheider ist wie gestern voller Dreck und heute auch noch abgebrochen. Wir stoppen in der Stadt an der Toyotaniederlassung und wollen einen neuen kaufen. Natürlich haben sie das Teil nicht, können es aber reinigen und neu befestigen. Die Hupe geht nicht mehr aus, das Licht flackert. Behelfsmäßig wird beides repariert, sie haben nicht mal ein Ersatz-Birnchen für unseren Toyota. Wie schon in Wolgograd und Almaty hören wir auch hier, das ist halt ein sehr altes Auto. Auch an der Heckklappe wird geschraubt, die sich jetzt nur noch von innen öffnen lässt, aber besser als immer offen zu stehen. Sie geben sich sichtlich Mühe und machen uns einen sehr guten Preis.
Um 19 Uhr fahren wir aus der Werkstatt und bleiben sofort stehen. Die Jungs haben vergessen zu entlüften. Nach 20 km stehen wir wieder. Aus dem Wasserabscheider läuft gar nichts, da muss was in der Leitung stecken. Wir drehen um und finden die Werkstatt nicht mehr. Ein junges Pärchen zeigt uns den Weg. Wir müssen noch 3 Mal entlüften bis wir dort ankommen.
28°C im Auto, nicht auszuhalten. Mit offener Heckklappe Scharen Moskitos. Um 2 Uhr bauen wir den Moskitodom auf und prompt fängt es zu regnen an. Um 3 Uhr werfe ich die Plane drüber, dann finden wir ein bisschen Ruhe.

Freitag, 29. Juli 2005 (198 km/28.299 km/0 km/6.197 km) (70 m H.)
(NL118: N 48°46,415 O 132°58,214 Birobidzan/Ostsibirien/Russland)

Werkstattteam in Habarovsk Was für eine Horrornacht. Um 8 Uhr Frühstück, um 9 Uhr Einlass, um 11 Uhr sind wir dran, um 13 Uhr steht die Diagnose (Dieselpumpe zieht Luft). Um 15 Uhr ist das falsche Teil da (eine Wasserpumpe), um 16 Uhr das Richtige, um 17 Uhr ist Dieselpumpe eingebaut und der große Dieselfilter gewechselt. Um 18 Uhr fahren wir mit gemischten Gefühlen aus der Stadt Richtung Birobizan.
60 km, stottern, Motor aus. Was ist mit dem Auto los? Wir verlieren langsam das Vertrauen, stecken ja immer noch im tiefsten Ost-Sibirien. Nach einmaligem Entlüften schaffen wir es bis Smidovic. So fahren wir nicht in die 2.000 km lange Piste nach Chita. Wenigstens bis Ulan Ude wollen wir den Toyota mit der Transsib bringen und dort noch mal eine Werkstatt einschalten. Wir fragen am Bahnhof und die Deutsch-Lehrerin wird geholt. Autotransporte sind nur von Birobizan oder Habarovsk aus möglich. Man telefoniert mit dem Boss des Bahnhofs in Birobizan und alles ist geklärt. Morgen früh sollen wir dort sein, dann wird unser Toyota verladen. Wir müssen mit einem anderen Zug fahren.
Der Bahnbeamte zeigt uns den Weg aus der Stadt. Wie oft werden wir zwangsweiße stoppen? Gespräche wie Folgendes füllen die Zeit voller Anspannung. Gabi: "Da steht einer im Fluss und angelt!" Rudi: "Ja." Gabi: "Der hat ja gar keine Angel!" Rudi: "Der steht halt einfach nur im Fluss!" Gabi: "Ja." Mit 2 Mal entlüften erreichen wir das 150 km entfernte Birobizan und schlafen neben der Straße.

Samstag, 30. Juli 2005 (182 km/28.481 km/0 km/6.197 km) (70 m H.)
(NL119 wie NL118)

Ein Mann bringt uns direkt bis zum Büro des Bahnhofmanagers Sascha Nr. 10, doch der lässt uns 1 ½ Stunden warten. Dann wird ein Dolmetscher über Telefon zugeschaltet und alles scheint kein Problem. Wir können sofort los. Schnell ist ein Bahnticket gekauft, der Zug fährt in einer Stunde nach Ulan Ude. Was ist mit unserem Toyota? Ach so, der kann erst am Montag verladen werden! Und j etzt? Das Ticket könnt ihr stornieren. Satte 30 € sind wir los und ärgern uns über die Bestimmungen aus Moskau. Die Zugverladung von hier nach Ulan Ude kostet 2.057 €! Ich bin kurz vor der Ohnmacht! Das kommt nicht in Frage. Er ist sehr hilfsbereit, will uns am Montag eine gute Werkstatt zeigen. Ihr habt einen Landcruiser, den kriegen die wieder hin und ihr könnt selbst fahren.
Wir können nicht so lange warten, beginnen selbst mit der Werkstattsuche. Ein Mann hilft uns dabei und schon wird der Tank ausgebaut, alle Leitungen durchgeblasen, die Pumpe zerlegt und alles scheint normal. Wir fahren 40 km Richtung Habarovsk und zurück zur Werkstatt. Er läuft prima. Wir zahlen und fahren Richtung Piste nach Chita, unserem Weg nach Hause. Wir trauen dem Frieden nicht und nach 30 km stottert der Motor und geht aus. Ratlosigkeit macht sich breit. Was hat unser Toyota für ein Problem. Wir fahren zur gleichen Werkstatt zurück, denn die kennen das Auto schon. Leider hat sie schon geschlossen. Sie arbeiten aber auch am Sonntag, so beschließen wir hier zu übernachten. Wir kaufen ein paar Bier und fahren zum Schlafplatz von gestern. 0 km Richtung Heimat geschafft und diese verdammte Ungewissheit. Wenn sie morgen nichts finden fahren wir so weiter. Wir werden schon irgendwie heimkommen.

Sonntag, 31. Juli 2005 (259 km/28.740 km/107 km/6.304 km) (332 m H.)
(NL120: N 49°14,877 O 130°37,313 nach Oblucé/Ostsibirien/Russland)

Um 9 Uhr sind wir an der Werkstatt. Sergej macht sich gleich an die Fehlersuche und hat einige Minuten später den völlig verdreckten Dieselvorfilter in der Hand. Die Dinger taugen in Sibirien höchstens für 1.000 km und die haben wir schon lange hinter uns seit dem letzten Wechsel. Eine Kleinigkeit, die ich nun schon tausend Mal selbst gemacht hatte, war das ganze Problem. Die Probefahrt verläuft wie gestern völlig zufrieden stellend. Wir lassen noch Gummis am hinteren Spurlenker wechseln und wollen den CD-Player, ein Geschenk von Yuriy, einbauen lassen. Wegen letzterem verweisen sie uns an eine andere Werkstatt. Mit Dieselfiltern und -vorfiltern eingedeckt suchen wir die andere Werkstatt. In mühevoller Kleinarbeit wird dir Konsole zerlegt. Kaum ist das gute Stück eingebaut, geht es nicht. Der Mechaniker findet den Fehler und hat dann Feierabend. Einige undefinierbare Teile bleiben übrig. Unser Zigarettenanzünder, der nie richtig funktioniert hat, geht nun gar nicht mehr. Wir lassen den Mechaniker zurückholen. Er repariert die Buchse so, dass sie zum ersten Mal richtig arbeitet.
Zufrieden fahren wir nach Hause, immer der untergehenden Sonne hinterher. Grönemeyer und Abba hallen aus den Lautsprechern. Der Asphalt endet nach ca. 50 km und unser Toyota ist wieder der uneingeschränkte König auf Sibiriens Pisten. Wir freuen uns über die 2. Auferstehung unseres Autos. Nichts war kaputt, nur eine Kombination unglücklicher Umstände hat uns zweifeln lassen.
A) Vorfilter, Hauptfilter und Wasserabscheider waren gleichzeitig voller Dreck auf Grund des schlechten Diesels.
B) Der Tank ist eine Fehlkonstruktion, da aller Dreck durch die Absaugleitung unter dem Tank in die Leitungen und Filter gelangt.
C) Wir hatten das Vertrauen in unser Fahrzeug verloren, da wir nicht mehr glauben wollten, dass die ständig verstopften Filter der einzige Grund für die Pannenserie waren. Wir sind uns wieder sicher, Deutschland rechtzeitig mit unserem Toyota zu erreichen. Wir stoppen neben der Straße, genießen das erste Mal auf der Reise den Luxus von Musik und essen zu Abend. Eine warme Nacht steht bevor.
Hier noch ein Appell an alle Landcruiserfahrer ( die elektroniklosen Modelle): Auch wenn die Lage noch so hoffnungslos scheint, verliert nie das Vertrauen in euer Fahrzeug! Es ist eines der besten, das jemals gebaut wurde. Unser HJ 61 hat es uns auch heute, wie schon oft zuvor wieder bewiesen.