Eurasien Teil 6

Montag, 20. Juni 2005 (44 km/20.651 km/0 km/2.311 km) (1.333 m H.)
(NL79: N 47°54,691 O 106°52,892 Ulan Bator/Mongolei)

Wir trödeln rum, kommen erst um 11 Uhr aus der Wohnung. Gabi und Zolzaya gehen der Lieblingsbeschäftigung aller Frauen nach, somit kann ich im Büro von Vait Scholz, Fa. Extratour in Ruhe ins Internet und am nächsten Bericht arbeiten. Informationen zu Extratour gibt es im Internet unter www.mongolei.com . Das Internet ist völlig überlastet, dafür nimmt Bericht 5 Formen an. Mit Klaus Bormann, einem Freund von 2000, plane ich ein Treffen für 19.30 Uhr. Um 18 Uhr hat Vait einen Termin in der Werkstatt der Fa. Nomads vereinbart, um Auspuff und Plattfederhalterung schweißen zu lassen.
Zolzaya und Gabi                     Vait und Rudi
Mit Vaits Dolmetscherin mache ich mich auf den Weg. Natürlich dauert alles länger als geplant. Der Auspuff ist so verbogen, dass 4 Mann nötig sind um ihn wieder am Toyota zu befestigen. Um 20 Uhr bin ich zurück und reif für die Dusche. Gabi ist mit Zolzaya im Büro, sagt die Schwester. Ich fahre hin, stehe aber vor verschlossener Tür. Also zurück zur Wohnung. Ein Anruf und die Damen sind doch im Büro. Ich jage ein drittes Mal durch die Stadt und so vergingen die Jahre. Zolzaya hat die Gitarre ausgepackt und singt Gänsehautmelodien aus der Mongolei, wie damals im Jahr 2000 draußen in der Steppe lausche ich auch diesmal begeistert ihren Liedern.
21 Uhr, zu spät für ein Treffen mit Klaus Bormann. Schade! Wir laufen in die Stadt und suchen das von Zolzayas Freundin beschriebene China-Restaurant. Das von mir bestellte Schweinefleisch (wohlgemerkt mit dicker Speckschwarte) geht bei Gabi als Pekingente durch. Dann noch ein Bierchen im Dschingis Club und wir haben die nötige Bettschwere.

Dienstag, 21. Juni 2005 (10 km/20.661 km/0 km/2.311 km) (1.333 m H.)
(NL80 wie NL79 Ulan Bator/Mongolei)

Bericht 5 wird am Morgen fertig. Um 12 Uhr bin ich in "meinem" Büro. Die Emails gehen heute zügig raus. Johnny Tsoros, der mongolische Prinz, bei dem ich 2000 auf der Hochzeit war, ist heute Vater geworden. Nach langem hin und her haben wir ihn am Telefon. Wir treffen uns um 19.30 Uhr im Khan Bräu, wollen die Geburt begießen.
Dort treffe ich Jörg Adams. Er hatte damals die beiden Unimog von Gerhard Wenzke gekauft. Diese sind nun genau, wie unsere beiden Magirus Deutz, im Besitz der Fa. Nomads und fahren Touristen. 2 weitere Gründe, bei Helge Reitz, dem Chef von Nomads vorbeizuschauen. Wir unterhalten uns mit Johnny, dem stolzen Vater, bis 23 Uhr. Nach einigen Liedern Livemusik laufen wir nach Hause. Dabei attackieren uns 1,20 m Banditen in Zorromasken mit heftigen Geldforderungen. Gabi platzt der Kragen und schüttelt einen dieser Zwerge heftig durch. Wütend über diese Wegelagerer laufen wir am Haus vorbei. Zum Glück bemerkt es Gabi noch, sonst wären wir jetzt wohl wieder in Kasachstan, ohne Toyota.

Mittwoch, 22. Juni 2005 (78 km/20.739 km/0 km/2.311 km) (1.333 m H.)
(NL81 wie NL79 Ulan Bator/Mongolei)

Kindergarten in Nalaikh Ein Besuch im Büro der GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) steht auf dem Programm. Wir wollen kontrollieren, was mit den von uns im Jahre 2001-2003 transferierten Spenden geworden ist. Gibt es den Kindergarten in der Trabantenstadt Nalaikh noch? Was ist aus der Familie mit den 2 behinderten Kindern geworden, denen wir eine Jurte gekauft hatten? Wo ist das Kinderauffanglager, das meinen Namen bekommen sollte und von Unicef als sehr gut eingestuft wurde? All die Kontaktpersonen von damals sind nicht mehr in Ulan Bator. Als wir das GTZ-Büro betreten, kann ich mich nur an eine hübsche Mongolin namens Byambajav Sarantuya erinnern. Sie hatte die letzten beiden Projekte durchgeführt und sich dann nicht mehr gemeldet. Paola Frattola kümmert sich aufopferungsvoll um unsere Anliegen. Sie hatte 1999 die Idee, den Kindergarten in Nalaikh aufzubauen. Niemand jedoch kennt diese Sarantuya und keiner weis, wie man sie kontakten kann. Wir schicken eine Email an Solongo, die damals für die GTZ in UB arbeitete, aber zurzeit in München lebt und hoffen auf schnelle Antwort. Dann fahren wir nach Nalaikh, wo man uns schon gespannt erwartet. Äußerst zufrieden und ein bisschen Stolz begutachten wir den Kindergarten, der mittlerweile noch besser ausgestattet ist. Wir übergeben zum Abschied den Sack voller Teddybären, der die ganze Fahrt über viel Platz weggenommen hat. Um 17 Uhr sind wir zurück im Büro von Extratour. Mit Bier und Wodka machen wir uns mit Zolzaya und ihrer Schwester einen gemütlichen Abend. Gabi zeigt bis spät in die Nacht Bilder und findet ein weiteres Mal begeisterte Zuschauer. Zolzaya fliegt Morgen nach Deutschland. Ich bitte sie meine Mutter zum Geburtstag in unserem Namen zu gratulieren.

Donnerstag, 23. Juni 2005 (41 km/20.780 km/0 km 2.311 km) (1.333 m H.)
(NL82 wie NL79 Ulan Bator/Mongolei)

Zolzaya verabschiedet sich um 5 Uhr, wir selbst kommen wieder spät aus dem Haus. Mit der Einladung zum 4. Globetrottertreffen in Nickersfelden fahren wir ins Büro von Extratour. Gabi tauscht Geld und verschickt die Postkarten. Vaits Fahrer nimmt unsere Gasflasche zum Füllen mit, leider ohne Erfolg.
Solongo hat geantwortet, Sarantuya war Hauptkinderbeauftragte des Bezirks Sukhbaatar. Das muss reichen, denke ich und rufe Paola gleich an. 30 Minuten später ist Sarantuya gefunden. Gabi kauft Geschenke ein, während ich die Einladungen zum Globetrottertreffen verschicke. Um 16 Uhr treffen wir uns mit Paola, die ein Treffen für uns mit Sarantuya morgen um 10 Uhr vor der US-Botschaft ausmacht. Zolaa, eine andere GTZ-Mitarbeiterin und Freundin Sarantuyas soll uns als Dolmetscher begleiten.
mongolische Prinzessin Einem erfolglosen Kurzbesuch bei Nomads, folgt die Suche nach der Ami-Botschaft. Letztere liegt nicht weit von Johnny Tsoros Wohnung entfernt, den wir gestern noch besuchen wollen. Ich finde auf Anhieb das richtige Haus, die richtige Eingangs- und die richtige Wohnungstür. Nur im Stockwerk habe ich mich geirrt. Vom dritten in den zweiten, vom zweiten in den vierten Stock, dann habe ich unser Nachtlager von 2001 wieder gefunden. Wir lernen Johnnys neue Familie, mitsamt dem süßen Baby und Hündchen Sandra, kennen. Zum Abschied schenkt er uns ein selbstverfasstes eingerahmtes Gedicht. Um 23.30 Uhr sind wir zurück in Zolzayas Wohnung.

Freitag, 24. Juni 2005 (27 km/20.807 km/0 km/2.311 km) (1.333 m H.)
(NL83 wie NL79 Ulan Bator/Mongolei)

Am Autoparkplatz treffen wir Vaits Fahrer, der sich uns als Odka, wie Wodka vorstellt. Zum Treffen mit Sarantuya und Zolaa kommen wir gerade rechtzeitig, finden sie aber nicht. Dafür schnappt uns die Militärpolizei und hält uns 30 Minuten wie Terroristen fest. Eine Stunde später treffen wir Sarantuya im GTZ-Büro doch noch. Sie lädt uns zum Abendessen ein.
Mit Zolaa fahren wir zum Kinderauffanglager und können es besichtigen. 30 Straßenkinder gehen hier zur Schule. Da zurzeit Ferien sind, sehen wir nur eines davon. Eine Renovierung wäre dringend nötig, deshalb werden wir 500 €, die wir vor 3 Jahren an meinem Geburtstag gesammelt haben, über Dr. Wolf Wagner, den Bad Kissinger GTZ-Mann in Ulan Bator in die Mongolei transferieren. Auch hier sind wir zufrieden. Unsere gesammelten Spenden waren nicht für die Katz. In Vaits Büro können wir auch heute Internet nutzen. Für Nickersfelden haben sich schon einige Referenten gefunden.
Um 19 Uhr treffen wir uns mit Sarantuya und Zolaa. Es wird ein lustiger Abend im Brauhaus und wieder bin ich Hahn im Korb. Die letzte Nacht in Zolzayas Wohnung steht bevor.

Samstag, 25. Juni 2005 (291 km/21.098 km/2 km/2.313 km) (812 m H.)
(NL84: N 49°50,624 O 106°13,745 nördlich Darkhan/Mongolei)

Heute müssen wir weiter. Ich hole den Toyota früh aus dem Parkplatz, dann verpacken wir unsere Sachen und fahren zu Nomads. Frau Reitz, die Chefin lädt mich zum Tee ein. Die beiden Magirus laufen immer noch, die Unimog werden wieder hergestellt und alle 4 in lilablasblau. Wir können zum Abschmieren in die Werkstatt bei Nomads. Infos zu Nomads Tourst und Expeditions unter gibt es unter www.nomads.com . Dann fahre ich ein letztes Mal zu Vait ins Büro, während Gabi noch einkauft. Er hat heute viel zu tun, deshalb trifft ihn Gabi nicht mehr. In der Nomads-Werkstatt ist einer unserer 4 Reiseveteranen (der weiße Unimog) in der neuen Firmenfarbe ausgestellt. Die Magirus sind draußen in der Steppe, wie es sich gehört.
Dann verlassen wir etwas wehmütig die Stadt. Grönemeyers Text von damals geht mir durch den Kopf, "du bist keine Weltstadt…" aber irgendwas Besonderes ist sie doch, Ulan Bator. Es waren 5 tolle Tage, mit Kontakt zu allen alten Bekannten und zu vielen neuen Freunden. Die Straße nach Norden ist bester Asphalt, entsprechend gut kommen wir voran. Die Hitze ist unerträglich, nahezu 50 °C, dazu starker Wind. In Darkhan ergattern wir mit Hilfe einer jungen Mongolin einen Wasserkocher. Er soll unsere leere Gasflasche ersetzen. Den Polizeiposten umfahren wir auf Pisten und stoppen nördlich der Stadt neben der Straße. Der Wasserkocher funktioniert nicht ganz nach unseren Vorstellungen.

Sonntag, 26. Juni 2005 (139 km/21.237 km/1 km/2.314 km) (782 m H.)
(NL85: N 50°48,698 O 106°32,207 nach Kjachta/Burjatien/Russland)

Erst um 10 Uhr brechen wir Richtung Grenze auf, die wir um 11 Uhr erreichen. Ohne System stehen Autos und Lkw kreuz und quer. Wir stoppen zuerst links neben der Strasse, dann hinter der Lkw-Schlange, dann dazwischen. Um 13 Uhr winkt man uns vor die Lkw. Um 13.30 Uhr stehen wir vor dem Hauptgebäude. Ein nerviger Typ mit Alk-Fahne will ständig helfen, füllt aber alles falsch aus. Die Damen von Zoll spielen Karten, trotz einer Schlange von Leuten. Eine ist uns dann doch behilflich, zeigt uns die einzelnen Schalter. Eine äußerst korrekte Zöllnerin zerlegt das Auto den Toyota dann in Ukrainermanier. Wir haben Gabis 2 US$-Armkettchen und die 57 ukrainischen Grivnja (keine Bank der Welt tauscht uns das Geld mehr um) nicht deklariert, das gibt eine Strafe. Wenn die keinen Knall hat. Um 15 Uhr lässt die Gute von uns ab.
Die eigentliche Nervenprobe folgt erst jetzt. Alles ist erledigt, aber wir stehen auch 3 Stunden später noch am mongolischen Posten. Die Russen sind Schuld, entschuldigt man sich bei uns, die bräuchten so lange für die Abfertigung. Eine weitere halbe Stunde stehen wir vor der letzten Kontrolle, dann endlich die Erlösung. Um 18.30 Uhr fahren wir ins russische Desinfektionsbecken. Um 19 Uhr ist alles erledigt, denn die Beamten machen Feierabend. Wir fotografieren die alte Kirche von Kjachta und fahren dann zum Schlafen in einen Wald.

Montag, 27. Juni 2005 (200 km/21.437 km/0 km/2.314 km) (841 m H.)
(NL86: N 51°57,062 O 107°41,357 nördlich Ulan Ude/Burjatien/Russland)

Ohne Frühstück erreichen wir um 11 Uhr Ulan Ude. Das Baikal Informationscenter GRAN finden wir, trotz Beschreibung erst nach einer Stunde. Elena, die jüngste im Team, geht mit uns zur Immigrationsbehörde. Wie in Wolgograd, wollen sie uns auch hier nur für 3 Tage registrieren. Elena ruft die Behörde in Samara an, über die wir unsere Einladung bekommen haben. Einen Flug nach Moskau können wir uns sparen, wir sollen lediglich auf dem Rückweg ein Schreiben abholen, das als Registrierung gilt und uns die Ausreise erleichtert. Wir können auch hier ins Internet und bekommen gute Infos über den Baikal und Schamanische Kultplätze in der Region. 2 andere Deutsche waren vor kurzem mit einem Toyota hier. Wir schicken ihnen eine Email hinterher. Nina, die Chefin vom Team, arrangiert ein Treffen für uns in Barguzin, für morgen 16 Uhr. Eine Lehrerin und ein Mädchen namens Sascha werden dort auf uns warten. Dann heben wir Geld ab, tanken voll und verlassen die Stadt Richtung Norden. Am Donnerstagabend wollen wir die Damen vom Baikal Informationscenter GRAN zum Essen einladen.

Dienstag, 28. Juni 2005 (399 km/21.836 km/226 km/2.540 km) (483 m H.)
(NL87: N 53°37,472 O 109°39,468 Barguzin/Burjatien/Russland)

Der Wald ist voller Moskitos, nichts wie weg. Während der Fahrt kocht Gabi Wasser. Ein kurzes Frühstück am Wegesrand, dann geht's weiter. Die Staubpiste ist besser als die Teerstraße. Viele Blumen am Wegesrand begeistern uns. Dann liegt er vor uns, der Baikal, "das heilige Meer Sibiriens". (Bild 35) Ein See der Superlative. 630 km lang, 80 km breit und 1.620 m tief. 25.000 km³ Wasservolumen. Das ist 1/5 allen Süßwassers der Erde. Alle Flüsse unseres Planeten müssten 1 Jahr lang fließen, um den Baikal zu füllen. Man sagt, wer ihn einmal gesehen hat, wird immer wieder kommen. Ich bin nun das zweite Mal hier.
Buch am Baikal Der See hängt in Wolken. Die Halbinsel "heilige Nase" kommt in Sicht. Um 15 Uhr erreichen wir Ust-Barguzin und finden den Hafen nicht sofort. Unser Meeting in Barguzin gerät in Gefahr, da uns die Fähre vor der Nase wegfährt. Erst um 15.50 Uhr erreichen wir das andere Ufer. Eine Frau fährt mit quietschenden Reifen vom Schiff. Wir erreichen Barguzin um 16.30 Uhr, werden von der Polizei gestoppt und finden die Schule ewig nicht. Vor allem das Jungvolk glänzt durch Unwissenheit. Um 17 Uhr stehen wir endlich vor der Schule und Sascha, die ein bisschen deutsch spricht, hat auf uns gewartet. Sofort fahren wir weiter nach Nordosten. Der erst kürzlich entdeckte Schamanenfelsen ist unser Ziel. Wir müssen uns durchfragen, da sie ihn auch nicht kennt. Mitten im Wald, 50 km nördlich von Barguzin werden wir fündig. Heerscharen von Frauen pilgern hierher, die schwanger werden wollen. Wenn Gabi und Sascha morgen…, dann funktioniert der Schamanenzauber. Zurück in Barguzin stottert der Motor. Der Vorfilter ist schwarz. Sascha lädt uns zu sich ins Haus ein, kocht Plov und Tee und bietet uns ein Bett für die Nacht an. Bei einem Bierchen schauen Bilder an, bevor wir um 2 Uhr ins Bett gehen.

Mittwoch, 29. Juni 2005 (100 km/21.936 km/92 km/2.632 km) (454 m H.)
(NL88: N 53°41,646 O 109°01,868 Halbinsel "heilige Nase" Baikalsee/Burjatien/Russland)

Abschied von Sascha 10 Uhr ist es, als ich unser Zimmer verlasse. Wir haben verschlafen. Sascha macht ein tolles Frühstück, dann verabschieden wir uns von dem netten Mädchen. Am Parkeingang bekommen wir unsere Eintrittskarten, entgegen den Angaben im Reiseführer. Der Dachgepäckträger klappert gewaltig, 7 Schrauben haben sich gelöst. 10 km weiter klappert es noch lauter. Vorne links sind 3 der 4 Schrauben überdreht. Ein echtes Problem. Ich öffne den Himmel und fummle 2 längere Schrauben hinein. Nach 1 Stunde geht's weiter, für eine Bootsfahrt ist es nun aber zu spät. Ein erster gesichteter Kutter fährt keine Touristen.
Wir treffen 3 polnische Backpacker, nehmen deren Gepäck und Ola, das Mädchen mit. Eine abenteuerliche Straße für durch Taigawald über einen steilen Berg ins Dörfchen Kurbulik. Ola, die russisch spricht versucht gleich ein Schiff zu chartern. Kapitän Blaubär allerdings, liegt 1 Stunde später ohnmächtig in einer Alkoholfahne am Strand. Wlodek und Yogi erreichen das Dorf gegen 18 Uhr. Wir kaufen Fisch, Brot und Bier und fahren zu fünft im Toyota über den Berg zurück an einen Strand. Dort zelten schon ein russisches Paar und ein Paddler. Wir machen ein Lagerfeuer und teilen alles, als würden wir uns von Geburt an kennen. Es wird ein toller Abend trotz Schwärmen von Moskitos. Auch die 3 Russen gesellen sich kurz zu uns. Auf dem Rückweg sind wir zu Ola, Wlodek und Yogi nach Danzig eingeladen. Sie werden auch zum Treffen nach Nickersfelden kommen.

Donnerstag, 30. Juni 2005 (81 km/22.017 km/56 km/2.688 km) (463 m H.)
(NL89: N 53°16,916 O 108°47,148 südlich Ust-Barguzin/Burjatien/Russland)

Gabi schickt mich zum Wasserkochen raus und geht dann mit den Polen im eiskalten See Baden. Ich kämpf eine Stunde mit den Flammen und sitze dann stinkend unter 4 sauberen Menschen beim Frühstück. Der russische Paddler verlässt die Bucht. Wlodek arrangiert beim russischen Camper eine Banja für uns. Um 12 Uhr geht's ins heiße Vergnügen und abwechselnd in den kalten See. Schnell vergeht die Zeit und eh wir uns versehen ist es 15 Uhr, zu spät für eine Bootstour zu den Robben.
Wir verabschieden uns von dem netten russischen Paar und bekommen auch noch 5 frisch gefangene Fische mit auf den Weg. Zu fünft fahren wir aus dem Park. An der Fähre stehen wir 1 Stunde. Das Essen mit den Damen vom Baikal Informationscenter GRAN, muss ich absagen. Ola hilft mir bei der Suche des einzigen Telefons im Ort. 5 Minuten vor Ladenschluss klappt die Verbindung. Am anderen Ende ist Goscha, der mich nicht versteht. Ola kann alles klären. Dann verlassen wir den Ort und stoppen 25 km südlich direkt am Ufer des Baikal. Ein paradiesisches Plätzchen haben wir gefunden. Über dem Lagerfeuer brutzelt der Fisch, während ich mein Tagebuch schreibe. Wir sitzen auch heute bis spät in die Nacht. Viel gibt es zu erzählen. Unsere 3 Freunde wollen morgen in die Mongolei.

Freitag, 1. Juli 2005 (242 km/22.259 km/100 km/2.788 km) (530 m H.)
(NL90: N 51°49,909 O 107°35,506 Ulan Ude/Burjatien/Russland)

Deutsch-Polnische Freundschaft Das Frühstück am heiligen Baikal genießen wir bis zu letzten. Mit einem komischen Gefühl fahren wir ohne Umwege nach Ulan Ude. 5 Leute im Zweisitzer, dazu nach 4 Tagen noch keine Registrierung. Eine vermeintliche Polizeikontrolle lässt uns die Polen auf die Straße setzen. 5 Minuten später fahren wir sie direkt zum Bahnhof. Mit der Gewissheit uns bald wieder zu sehen, verabschieden wir uns. Im Baikal Informationscenter GRAN erwarten uns schon Elvira und Elena. Meine Mutter bedankt sich für die Geburtstagsglückwünsche aus der Mongolei, unsere Nichte Jessica hat sich den Fuß gebrochen, Zolaa von der GTZ-Ulan Bator, Yulia vom Reisebüro Sputnik in Almaty und der andere Toyotafahrer haben sich gemeldet. Dann spazieren wir mit Elvira und Elena durch die Stadt, planen für morgen und gehen schön essen. Um 23.30 Uhr stehen wir am Baikalinfocenter für die Nacht. Ulan Ude begrüßt uns mit einem Feuerwerk um 24 Uhr.

Samstag, 2. Juli 2005 (0 km/22.259 km/0 km/2.788 km/15 km Taxi + 15 km Bus)
(530 m H.) (NL91 wie NL90 Ulan Ude/Burjatien/Russland)

Elvira und Elena sind wie verabredet um 10 Uhr da. Das Ulan Uder Stadtfest beginnt mit einem Umzug. Das Restprogramm füllen Tänzer und Sänger. Der Luftballon eines Kindes hämmert mir ständig auf dem Kopf herum. Das finden nur die anderen Menschen komisch. Nach 10 Minuten plane ich ein Attentat, den Ballon zerstechen, da fliegt er plötzlich davon. Bus 8 fährt zum Freilichtmuseum, sagt man uns, es kommt jedoch keiner. Ein teureres Taxi bringt uns zum Museum und direkt dahinter ist Bus 8. Elvira ist die perfekte Reiseleiterin und führt uns mit großem Wissen durch die Häuser des Museums. Ohne Zweifel sind das Schamanenzelt und ihr Geburtshaus, das sie dem Museum geschenkt hat, die Hauptsehenswürdigkeiten.
Ziemlich geschafft wollen wir zurück in die Stadt, doch weder Bus noch Taxi sind zu sehen. Wir laufen 500 m, da fährt Bus 8 Richtung Museum an uns vorbei. Kaum sitzen wir, schnauzt uns ein Typ an, wir sollen ruhig sein. Zurück in der Stadt versucht Gabi eine Simkarte für ihr Handy zu bekommen, was ohne Registrierung nicht geht. Im Büro kann ich noch ein paar Emails mit Bildern verschicken. Unsere polnischen Freunde haben schon geantwortet. Wir gehen mit Elena und ihrem Mann Tolik zum Essen. Auf Grund der Feierlichkeiten sind alle Restaurants total überlastet. 15 Minuten bekommen wir gar nichts, dann das Bier. Nach 30 Minuten das Essen, 10 Minuten später die Gabel und weitere 10 Minuten später die Rechnung und die Messer. Toller Service. Wütend verzehre ich das bezahlte, zähe und kalte Steak. Wir bummeln durch die Menschenmassen und trinken irgendwo ein Bier. Um Mitternacht ein großes Feuerwerk, bevor wir uns wie gestern im Toyota vor dem Baikal Informationscenter GRAN schlafen legen.

Sonntag, 3. Juli 2005 (1 km/22.260 km/0 km/2.788 km/90 km mit Bus und Taxi) (521 m H.)
(NL92: N 51°49,908 O 107°35,126 Ulan Ude/Burjatien/Russland)

Elvira und Elena vom Baikal Informationscenter GRAN sind einfach zuverlässig. Elvira geht mit uns zum Hotel Burjatia, um endlich eine Registrierung bekommen, was auch hier nur mit einer Übernachtung geht. Unser Toyota kommt auf einen bewachten Parkplatz. Danach versucht Gabi zum zweiten Mal eine Simkarte zu bekommen. Elvira muss richtig laut werden, damit die Verkäuferin den Registrierungsstempel erkennt. Der Polizist, der ihren Platz eingenommen hat, wird auch gleich verjagt. Sie hat noch richtig Power, die 68jährige. Wir haben eine Simkarte und Akkus für meinen Kamerablitz.
Baikal Informationszentrum Dann fahren wir zur buddhistischen Hochschule. Ein Lama aus Ceylon, als Abgesandter des Dalai Lama hält eine Lesung. Im Dazan-Tempel und werden wir nach dem Kauf eines Souvenir als Ausländer erkannt und müssen dann Eintritt nachzahlen. Etwas wütend verlassen wir die prächtige Tempelanlage, doch kein Bus steht um 18 Uhr mehr vor der Tür. Ein Taxi in den nächsten Ort und ein Bus von dort bringen uns zurück Ulan Ude. Im Büro besprechen wir mit Elvira, wie wir das Baikal Information Center von Deutschland aus unterstützen können. Dann betreten wir ziemlich geschlaucht unser Hotelzimmer. Gabi versucht ergebnislos das Handy in Gang zu bringen, ich arbeite am Reisebericht 6.

Montag, 4. Juli 2005

Wir verlassen gerädert das Hotel. Moskitos und schwüle Luft hatten uns nicht richtig schlafen lassen. Der Autostellplatz ist zu, ein Mädchen will raus, 2 Männer wollen mit mir rein. 10 Minuten später fahre ich zum Baikal Informationscenter GRAN. Dort besprechen wir mit Dr.habil. Nina Dagbaeva (Projektleiterin), Dr. Elvira Narchinova und Elena Sakhinova unsere weitere Zusammenarbeit. Infos zum Baikal Informationscenter gibt es unter:
http://gran.baikal.net
http://gran.baikal.net/water4life/
Email: ecoinfo@ulan-ude.ru

Auszüge aus einem Bericht des Journalisten Gerhard Becker: "Am Ostufer des Baikalsees liegt die in Westeuropa noch relativ unbekannte russische Republik Burjatien mit ihrer Hauptstadt Ulan Ude. Umweltbildung wird dort unter den schwierigen materiellen Bedingungen einer sich in einer ernsten wirtschaftlichen Krise befindliche Region durchgeführt und gehört zum staatlichen Bildungsauftrag der 500 allgemein bildenden Schulen in dieser Republik. 70 davon sind sehr aktiv und erklärten Umweltbildung zur Hauptrichtung ihrer Bildungsziele."