Eurasien Teil 4

Mittwoch, 18. Mai 2005 (88 km/11.784 km/0 km/193 km) (10 m H.)
(NL46: N 48°27,258 O 44°47,403 südlich Wolgograd/Russland)

Wir genießen das Zimmer bis zum letzten, stopfen uns am Frühstücksbüffet den Wanst voll, dann lege ich mich noch eine Stunde in die Wanne. Um 11.45 Uhr checken wir aus. Ölwechsel und Aufblendlicht stehen nun auf dem Programm. Bei der Suche nach der Toyota-Niederlassung landen wir auf Höhe 102. In einer kleinen Werkstatt erklärt man uns den Weg zum Jeep-Spezialisten, den wir aber nicht finden.
Dafür aber ein Internet. Ein Strafzettel aus Neuseeland ist daheim angekommen, auch das noch! Werden alle dringenden Emails los, dann fahren wir zu Ovir, unsere Pässe abholen. Vor der Tür stoppt uns Polizei und will die Pässe sehen, die im Gebäude sind. Wir haben unsere Registrierungs-Stempel bis 20. Mai und es hat nichts gekostet. Eine kleine Schlacht haben wir gewonnen, der Krieg noch lange nicht.
Dann entdecken wir den Jeep-Spezialist, der auch keinen Ölfilter für uns hat. Ich lasse ihn nach unserem Aufblendlicht sehen und siehe da, es funktioniert ganz normal. Nun bekomme ich erklärt, wie man den Lichtschalter im Auto richtig betätigt. Sehe ich wirklich so blöd aus. Egal, das Licht geht wieder. Dann verschicken wir unseren Bericht, kaufen Unmengen Lebensmittel ein und tanken. Ein heißer Tag geht zu Ende. Nach 40 km Geholpere sind wir aus der Stadt und stoppen in einem Feldweg.

Donnerstag, 19. Mai 2005 (451 km/12.235 km/0 km/193 km) (-23 m H.)
(NL47: N 46°34,265 O 48°56,564 nach Kotjaevka/Kasachstan)

Moskitos vertreiben uns vom Schlafplatz. In Astrachan lassen wir endlich den Ölwechsel in einer kleinen Werkstatt für 2,80 € machen. Es ist verdammt heiß. Die Polizei stoppt uns mehrmals um ihre Neugier zu befriedigen.
Das Wolgadelta ist gewaltig und schön. Überall Wasser, Inseln, Bäume und weiße Schwäne. Dann eine Fähre die an einem Erdhaufen anlegt. Ein Kasache wartet mit dem Auto und lädt uns zu sich zum Wodkasaufen ein. Warum nicht. 2 Stunden stehen wir gemeinsam vor der russischen Grenze, dann darf Wasili durch. Wir müssen 1 Stunde länger warten, keine Ahnung warum. Um 22.30 öffnet sich für uns der Schlagbaum. Tausende Moskitos schwirren durch die Nacht. Um 23.30 Uhr sind wir draußen und stehen nach 6 km an einem weiteren Fluss. Um 24 Uhr setzt uns eine Fähre über.
Empfangen werden wir mit den Worten "Sprechstdender sprechden, Schnaps, Hitler kaputt". Netter Zeitgenosse, dieser Kasache. Die Uhr geht nun eine weitere Stunde vor. Um 1.30 Uhr verlassen wir den Grenzbereich und sind in Kasachstan. Sümpfe, Froschgequake und Moskitos. Vor Müdigkeit stoppen wir neben dem Damm und schlafen erschöpft ein. Wasili hatte verständlicherweise nicht so lange gewartet.

Freitag, 20. Mai 2005 (280 km/12.515 km/14 km/207 km) (-18 m H.)
(NL48: N 47°06,955 O 51°57,415 Atyrau/Kasachstan)

Um 10 Uhr vertreibt uns die Hitze. Neben einem Friedhof stoppen wir zum Frühstück. Sümpfe über etliche km hinweg. Kein Wunder, das einen die Moskitos fast auffressen. Kühe, Pferde und Kinder, alle halten sich im Wasser auf. Urplötzlich eine Bilderbuchdüne am Horizont, daneben ein Brunnen, dann wird die Landschaft monoton. Niedrige Sträucher und flacher Sand über hunderte von km. Die Straße ist ein richtiger Murks.
Um 17 Uhr erreichen wir Atyrau und wollen Geld tauschen. Die Banken haben schon zu, aber der Automat spukt 10.000 Tenge aus. Ein Bankangestellter spricht englisch und erklärt den Weg zu Meldebehörde. Das besagte Gebäude ist es allerdings nicht. Wir fahren zur Bank zurück, von wo uns ein anderer Mann zum richtigen Gebäude geleitet. Die Behörde hat zu, so müssen wir wohl oder übel hier bleiben.
Gabis Handy hat Kontakt. Wir trinken 2 Bier und essen Schaschlik in einen Restaurant. Dann suchen wir vergeblich ein Internet. In einem alten Friedhof in der Stadt finden wir unser grauenvollstes Nachtquartier der bisherigen Tour. 28°C zeigt das Thermometer und Moskitos ohne Ende, wenn jetzt noch die Zombies auferstehen…. Wie kann man in so einer Region (über-)leben?

Samstag, 21. Mai 2005 (12 km/12.527 km/0 km/207 km) (-24 m H.) (NL49: N 47°04,470 O 53°20,100 Atyrau/Kasachstan)

Völlig gerädert flüchten wir um 8 Uhr zu Ovir. Dort braucht alles Zeit, macht aber keine Probleme. Wir sind kostenlos bis Visumende registriert und bekommen eine Einladung zum Essen. Der Mann ist allerdings verschwunden, als wir das Gebäude verlassen.
Bei Abfahrt steht er doch am Auto und bittet uns mitzukommen. Wir folgen ihm zu seinem Haus, bekommen gleich Waschwasser und dann wie versprochen ein kasachisches Essen. Er kennt den besten Weg nach Almaty, welcher 3 Tage Fahrzeit benötigt. Wir aber wollen auch die 3 großen Seen des Landes sehen und von hier zum Kaspischen Meer fahren. Endlich hat er verstanden und bietet sich an mitzufahren. Aus Platzgründen nehmen wir seinen Lada. Vorher telefoniert er ewig, da er den Weg zum Meer auch nicht kennt.
Dann brettern wir los im Russentrabant. Ein paar kühle Getränke und Benzin werden gebraucht, was wir gerne übernehmen. Dann zahlen wir gleich noch Zigaretten und eine Handykarte wie selbstverständlich mit und sind 24 € los. Die nehmen uns aus meint Gabi. Irgendwie habe ich auch das Gefühl. Auf der Straße zurück nach Akkystau führen Wettrennen mit anderen Autos zu bösen Schlaglochvolltreffern. Dann wird ein Freund abgeholt. Durch ein großes Erdölfeld geht's zur Küste. Kein Strand, sondern Sumpf empfängt uns dort. Wir waten durchs warme Wasser und haben kohlrabenschwarze Füße. Zum Glück kein Öl. Reiher und Möwen leben zwischen den Schilfinseln.
Um 17 Uhr treten wir die Rückfahrt an. Der Kühler kocht über wegen einer kaputten Sicherung. Geflickt wird mit Silberfolie, später ein Draht reingeklemmt. 4 der 10 Sicherungen sind so repariert, aber die Karre läuft. Auf der Rückfahrt schläft Habat im Fahren ein und lässt mich dann einsichtig ans Steuer. Als Beifahrer fällt ihm die brennende Kippe auf den Sitz. Der fackelt noch das Auto ab. Vor Atyrau übernimmt er das Steuer. Absperrungen und Baustellen interessieren nicht. Dann stehen wir vor einem Hang, da hätte ich mit dem Toyota überlegt. Ich räume die größten Brocken weg und schiebe. Der Lada Landcruiser schafft es irgendwie. Zurück im Haus gibt es leckeres Essen und Cognac. Um 9 Uhr fahren wir zum Baden zur Schwester in die Stadt. Zurück hat man uns ein kasachisches Schlafgemach gerichtet, Matratzen und Kopfkissen auf dem Boden. Wir bauen unseren Dom das erste Mal auf und schlafen dann recht gut.

Sonntag, 22. Mai 2005 (276 km/12.803 km/16 km/223 km) (-20 m H.)
(NL50: N 47°40,902 O 53°20,100 Makat/Kasachstan)

Um 8.30 Uhr bekomme ich noch die Haare geschnitten, dann gibt es Frühstück. Die Frau muss auf die Arbeit und dann kommt noch eine Geldforderung von 15 $. Jetzt sind wir bedient. Habat hört sich eh an wie "Halsab" und der Nachnahme heißt wahrscheinlich ins Deutsche übersetzt "Schneider". Wütend zahle ich 10 $ und auf nimmer wieder sehen. 3 Polizeikontrollen in der Stadt, die Kasachen geben sich sichtlich Mühe ihren Ruf zu ruinieren. Im Internet haben alle wichtigen Leute geantwortet. Vait braucht noch eine Fahrzeugscheinkopie. Wir suchen die Ruinen von Saraichek, die 50 km nördlich von Atyrau liegen. Das Museum finden wir gleich, die Ruinen erst nach längerem suchen. Ein Skelett liegt zwischen den Trümmern. Gnadenlose Hitze und Staubstürme vertreiben uns schnell. Zurück in Atyrau, der Stadt auf 2 Kontinenten fotografieren wir den Fluss Ural mit Brücke, der Europa von Asien trennt. Den Weg nach Makat finden wir ewig nicht. Die Straße ist genauso "gut" wie die von Astrachan nach Atyrau. Bei einem liegen gebliebenen Fiat stoppen wir und bieten Hilfe an. Mit dem kurzen Abschleppseil versuchen wir vergeblich ihn anzuziehen. Mit 5 Insassen schleifen wir die Karre 7 km weiter zu einem Parkplatz. Dort geben wir noch Starthilfe, aber auch das nützt nichts. Da wir keine Unmenschen sind, schleppen wir den Fiat 60 km über Stock und Stein bis Makat. Der Dödel ist etliche Male auf das Seil (Fa. Därr 20 €) gefahren, dementsprechend ist es zur Hälfte durchgescheuert. Dafür gibt es eine Entschuldigung, für den ganzen Bergeakt ein Dankeschön und seine Telefonnummer: "Wenn ihr Probleme habt, egal wo, ruft mich an". Nicht mal ein Tee war drin, wir sind wütend. Wir fahren zum Schlafen Richtung Gasfabrik außerhalb der Stadt. Von hier soll der Weg weiter nach Osten gehen.

Montag, 23. Mai 2005 (348 km/13.151 km/162 km/385 km) (255 m H.)
(NL51: N 49°17,535 O 57°00,655 vor Kandyaghash/Kasachstan)

in der kasachischen Steppe In diesem Pistengewirr kennen wir uns nicht aus, deshalb fährt ein Kasache ein Stück voraus. Der härteste Weg von Etappe 3 steht bevor. Auf 300 km wechseln grottenschlechte Teerstraße mit Staubpiste ab. Große Steinmurmeln, gelbe Seerosen und die Zeugung eines Fohlens können wir bewundern. Unmengen Moskitos zwingen uns trotz tollem Wetter im Auto zu essen.






Dienstag, 24. Mai 2005 (368 km/13.519 km/215 km/600 km) (181 m H.)
(NL52: N 48°13,705 O 60°15,957 nach Shalkar/Kasachstan)

Nach 40 km sind wir in Kandyaghash. Eine Bank tauscht nur schleppend 100 €. Dann will Gabi einkaufen. Aus dem ersten Laden kommt sie mit einem Brot, aus dem zweiten mit 10 Eiern, aus dem dritten mit einer warmen Fanta. Eine Tankstelle mit digitaler Zapfsäule, 1.000 Prozent Fortschritt zu 2002. Wir bezahlen 150 l und der Tankwart legt los. Gut 10 Prozent des Diesels spritzt kreuz und quer, obwohl der Hahn tief im Tank steckt. Erst nachdem wir beide toben, unterbricht er seine "umweltfreundliche und unsere Reisekasse schonende Tätigkeit". Mit unserem Trichter klappt es dann. Die Straße (jedem Normaldeutschen würden die Haare zu Berge stehen) nach Süden ist besser als erwartet. Je weniger Teer, desto besser, bis zu 70 km/h. Murmeltiere, Steppenadler und Kamele geben lohnende Fotomotive. In Shalkar wollen wir den Weg nach Aralsk über Piste erfragen und landen dabei in den Fängen der uniformierten Straßenbanditen. Erst bin ich nicht der im Pass, dann hätten wir keine ordnungsgemäße Registrierung. Geld oder Anzeige auf dem Revier. Ich bin heute selbst sehr aggressiv und ergattere die Fahrzeugpapiere zurück. Dann kommt Gabi schimpfend an und reist dem anderen Blutsauger meinen Pass aus der Hand. Wenn überhaupt, zahlen wir auf dem Revier, steigen schnell ins Auto und verriegeln die alles. Der Bulle will meine Papiere zurück, reist an der Tür und droht. Wir sind aber nicht blöd, die Tür bleibt zu. Wenn überhaupt zahlen wir auf dem Revier und fahren den Typen hinterher. Am Stadtrand stoppen sie jedoch und wollen uns bereitwillig den Weg nach Aralsk erklären. "Njet spassiba!" (nein danke), nichts wie weg von hier auf der längeren Teerstraße. Kasachstan gibt ein immer traurigeres Bild von sich. Nach 100 km halten wir rechts der Straße, verlassen den Platz aber wieder wegen Unmengen Moskitos. Im Sonnenuntergang finden wir doch ein geeignetes Plätzchen, kochen uns Rührei und würfeln.

Mittwoch, 25. Mai 2005 (379 km/13.898 km/251 km/851 km) (24 m H.)
(NL53: N 46°27,703 O 61°03,172 Ufer nördlicher Aralsee/Kasachstan)

Unerträgliche Hitze, Staub, Schlaglöcher, Sandfliegen, Bremsen und Moskitos (die nichts von ihrem Tagflugverbot wissen), es ist ein wahrer Höllenritt. Nach 50 km erreichen wir die Hauptstraße, welche sich auf den nächsten 100 km als erbärmliche Piste dahinzieht. Wir treffen einen 55-jährigen Franzosen, der von Frankreich aus mit seinem Fahrrad und einem 70 kg schweren Hänger auf dem Weg nach Vietnam ist. Wieder stelle ich mir die Frage: "Sind das Helden oder Bekloppte?" Wir tauschen Adressen aus und wünschen ihm viel Glück auf dem weiteren Weg. Die Piste fordert alles von uns und unserem Toyota. Wir denken oft an den Franzosen und hoffen, dass er gut durchkommt. Um 14 Uhr dann Aufatmen, eine gute Teerstraße beginnt.
im Aralsee Um 16 Uhr erreichen wir Aralsk, die Stadt, von der aus wir den einst viertgrößten See der Welt erreichen wollen. Der Aralsee, einst fast so groß wie Bayern, ist mittlerweile auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe geschrumpft. Im Jahre 2000 hatte ich schon versucht, von usbekischer Seite sein Ufer zu erreichen, verirrte mich aber im Pistengewirr der dort entstandenen Wüste. Letztendlich zwang mich Dieselmangel zum Umdrehen. In der Stadt fragen wir nach dem Weg, zu einem 50 km entfernt liegenden Dorf. Dort angekommen sehen wir den See am Horizont, davor von eine ganze Flottille verrosteter Fischkutter, umringt von Wüstenschiffen im Wüstensand. Wir nehmen die nächste Piste, welche uns allerdings von den Schiffen wegführt. Also dann Querfeldein. Der Turbo arbeitet auf Hochtouren um sich durch die Gebüschdünen zu wühlen. Im noch unbewachsenen Teil des ehemaligen Seebodens fahren wir uns trotz Untersetzung fast fest. Wir fliehen zum Dorf zurück. Eine andere Piste führt zu den Schiffswracks. Ein Mann erzählt, das Meer ist seit langer Zeit weg. Nach weiteren 30 km sind wir zum Sonnenuntergang am Seeufer. Vor 5 Jahren hatte ich es beinahe geschafft, jetzt mit dem besseren Auto stehen wir beide am Aralsee, der bald von der Weltkarte verschwunden sein wird. Ein grandioser Vollmond spiegelt sich im See, Grillen und Zikaden geben ein Konzert.

Donnerstag, 26. Mai 2005 (510 km/14.408 km/82 km/933 km) (110 m H.)
(NL54: N 44°53,364 O 65°02,477 vor Kyzylorda/Kasachstan)

Eine Klicke junger Kasachen taucht auf und fragt, ob sie ein Bild mit uns und dem Toyota machen können. Um 10 Uhr verlassen wir den See und werden am Stadtrand von Aralsk direkt von der Polizei in Empfang genommen. Am Ortsausgang werden wir noch mal gestoppt und bekommen die Pässe nicht sofort zurück. Dabei entdecke ich, dass die Halterung der rechten Zusatzplattfeder gebrochen ist.
Wir fahren an Baikonur, dem russischen Raumfahrtzentrum, fast vorbei. Touristen haben hier keinen Zutritt. In der größten Nachmittagshitze finden wir ein Denkmal an der Straße. Zu Abend essen wir in einem Jurtenrestaurant. Die Wirtin unterhält sich eine Weile mit uns, dann fahren wir im Sonnenuntergang nach Süden. In einer Rancheinfahrt stoppen wir für die Nacht.

Freitag, 27. Mai 2005 (295 km/14.703 km/1 km/934 km) (210 m H.)
(NL55: N 43°31,153 O 67°46,315 Festung Sauran Kamal Korgany/Kasachstan)

In Kyzylorda, der Provinzhauptstadt und suchen wir ein Internet. Andreas Lomb, vom DER-Bamberg war bei meiner Mutter wegen dem Strafzettel aus Neuseeland. Das nennt man Kundenservice, auf ihn ist wirklich immer Verlass. Vait Scholz hat uns die Mongoleieinreisepapiere zugemailt. Mit David Berghof haben wir Kontakt aufgenommen, den wir in Almaty treffen werden. Dann ist da noch eine wichtige Email aus Paramaribo von Jimmy Algoe. Puma, die kleine Katze (siehe Bild Südamerika-Reisebericht), die unseren Moskitodom fast geliefert hat, ist nun selbst stolze Mutter von 4 Kätzchen. Wenn die genauso werden, steht Jimmys neues Haus nicht lange.
Während Gabi einkauft, will mir ein Polizist wegen Falschparken eine Strafe aufbrummen. Ich stell mich dümmer als die Polizei erlaubt und komme damit durch. Außerhalb der Stadt die nächste Kontrolle. Die wollen Kohle. Ich schnapp mir die Papiere und gehe. Dann ist Ruhe für den Tag.
Gabi entdeckt eine gewaltige Lehmfestung am Horizont. Wir steuern darauf zu und haben unseren Schlafplatz gefunden. Gabi läuft ein Stück, während ich den Toyota parke. Von weitem schreit sie "Schlange", ich verstehe "Plane". Gabi schreit noch mal "Schlange", ich versteh "Stange". Gabi schreit zum dritten Mal "Schlange", ich versteh "Zange". Wir kennen uns ja schon 15 Jahre. Sie hat 2 kleine Schlangen entdeckt, deswegen ziehen wir festere Schuhe an. In der Festungsmauer sitzen hunderte von Schmetterlingen. Wir laufen zwischen den Ruinen umher, dann krabbelt eine Zecke an meinem Bein. Dafür gibt es keine Moskitos. Wir essen im Freien und würfeln eine Weile.

Samstag, 28. Mai 2005 (216 km/14.919 km/1 km/935 km) (202 m H.)
(NL56: N 42°44,241 O 68°21,850 Schaul´der/Kasachstan)

Schulklasse in Turkistan Es ist am Morgen schon heiß. Vor Abfahrt entdeckt Gabi eine Schildkröte. Am Stadtrand von Turkistan eine Polizeikontrolle, die uns auffordert, das Auto waschen zu lassen. Wahrscheinlich besitzt ein Verwandter die Waschanlage. Die Khozha Achmet Jassawi Moschee finden wir mehr instinktiv. Eine Schulklasse mit Lehrer lässt sich von uns fotografieren. Eine nette Geste. Wir suchen ein Internet und werden wieder nur bei der Kaztelekom fündig. Ein einziger lahmer Kasten im ganzen Gebäude. Ich kann gerade mal die Emails lesen. Als ich bezahlen will geht nichts mehr. Die gute Frau schickt mich zu einer Bank, die hätten auch Internet.
Gabi streift derzeit durch den Markt. Wir kaufen ein paar Spießchen, bei der Hitze kriegt man eh kaum was runter. Das "alte Otrar City" ist unser nächstes Ziel. Die Abkürzung finden wir nicht, die Teerstraße jedoch. Die gesuchten Steinfiguren finden wir hier nicht, dafür einen mächtiger Hügel, auf dem gegraben wurde. Der heißeste Tag bisher fordert seinen Zoll, wir haben beide trotz Hut einen leichten Sonnenstich. Auf der Weiterfahrt entdecken wir in Schaul´der ein Museum, vor dem mehrere Steinfiguren stehen. Es ist für heute schon geschlossen. Wir stoppen außerhalb der Stadt und würfeln bei offenen Türen. Das Ergebnis sind 20 Moskitos im Auto. Ein paar Jungs schleichen neugierig ums Auto.

Sonntag, 29. Mai 2005 (343 km/15.262 km/1 km/936 km) (625 m H.)
(NL57: N 42°55,360 O 71°30,116 nach Taraz/Kasachstan)

Die Kids sind auch am Morgen da. Um 10 Uhr sind wir am Museum und unterhalten uns mit einem jungen Kasachen. Ab Symkent haben wir freie Sicht auf die himmelhohen Berge des Tian Shan. Vor Taraz besichtigen wir das Aischa Bibi Mausoleum, ein filigran gearbeitetes Grabmal aus dem 11 Jh. Gabi will 2 weitere Mausoleen in Taraz besichtigen, die wir ewig nicht finden. Mit Proviant und Bier eingedeckt fahren wir außerhalb der Stadt in einen Feldweg. Stürmischer Wind die ganze Nacht.

Montag, 30. Mai 2005 (433 km/15.695 km/7 km/943 km) (353 m H.)
(NL58: N 45°03,739 O 74°01,806 Südufer Balchaschsee/Kasachstan)

Eva im Paradies Wir beschließen zum Ufer des Balchaschsees zu fahren, statt nach Almaty. David Berghoff ist eh erst am Mittwoch zurück. Die Straße zum See säumen blühende Mohn- und Schafgarbenwiesen, ein Wunder der Natur. Ähnliches hatten wir 2002 schon mal erlebt. Das Paradies kann nicht schöner gewesen sein. Vom Garten Eden in die Hölle. Wir halten an der Straße zur Orientierung. Hinter uns stoppt ein weißer PKW. Wir fahren weiter, der PKW auch. Wir biegen ab, der andere auch. Verfolgt uns die Mafia? Ja, nämlich die in blauen Uniformen. Sie verlangen die Papiere und sofort Money, Money, Money, diese Schweinepriester. Ich bin auch nicht mehr der Gutmütige und verlange streng meinen Pass zurück, den ich dann auch wiederbekomme. Gabi kommt dazu und sofort verziehen sich die Verbrecher in Uniform.
Ein Motorradgespann, besetzt mit 2 gewichtigen Damen findet unsere Aufmerksamkeit. Es sind Fischverkäuferinnen. Ein Bild für die Götter. Wir kaufen 2 Salzfische und fahren zum Seeufer. Ein wunderschönes Plätzchen mit Steilküste, Booten und Schilf wird unser Nachtlager. Wir sitzen im Sonnenuntergang auf der Klippe und verspeisen die Fische.

Dienstag, 31. Mai 2005 (445 km/16.140 km/16 km/959 km) (910 m H.)
(NL59: N 43°10,036 O 76°20,375 Intumak/Kasachstan)

Am Morgen ist unser Toyota eingesponnen. Unmengen von Spinnen haben fleißig Moskitos und Fliegen gefangen. Wir fahren 50 km weiter nördlich und treffen einen Mann, der sein Trinkwasser aus dem See holt. Daneben Schiffswracks und allerhand anderer Müll. Mir fällt eine Adresse ein, die ich von Irma Spasow, einer Mitbewohnerin unseres Hauses in Bad Kissingen bekommen habe. Die Suche im russischen Atlas (in Kyrillisch) ist erfolgreich, also nichts wie hin. 50 km westlich von Almaty liegt gesuchtes Dorf. Blumenwiesen in allen Farben säumen die gute Straße nach Süden. Die Polizei lässt uns auch in Frieden, was will man mehr. Die letzten km schaffen wir nur durch mehrmaliges Fragen, dann stehen wir in Intumak. Straßenschilder gibt es nicht. Durch fragen landen wir bei der Deutschlehrerin des Ortes. Sie erklärt, dass wir falsch sind. Es gibt ein weiteres Intumak 15 km nördlich von Almaty. Scholpanbeg, so heißt die Frau, lädt uns zum Tee ein. Sie interessiert sich für alles aus Deutschland. Wir unterhalten uns gut, können Sitten und Gebräuche hinterfragen und uns über Religion und Schamanentum unterhalten. Gabi drängt zum Aufbruch. Während ich am Auto bin, werden wir eingeladen über Nacht zu bleiben. Wie immer lehnt Gabi ab. Ich bitte aber, bleiben zu können, wo sollen wir den um 22 Uhr noch hin. Wir zeigen Bilder von zu Hause, dann gibt es Plov, ein usbekisches Nationalgericht. Jeder hat hundert Fragen an sein Gegenüber. Unser Moskitodom steht im Garten, der Hund liegt daneben. Um 1 Uhr lege ich mich schlafen. Das war der schönste Tag in Kasachstan.

Mittwoch, 01. Juni 2005 (56 km/16.196 km/0 km/959 km) (766 m H.)
(NL60: N 43°16,324 O 76°56,257 Almaty/Kasachstan)

Treffen mit David Berghoff Scholpanbeg hat schon Frühstück gemacht. Danach fahren wir nach Almaty. Wir sind sicher, dass sie uns schreiben wird. Am Stadtrand erwartet uns die Polizei. Ökosteuer, 910 Tenge sollen wir zahlen. Dumm stellen hilft auch hier weiter. Die Toyotaniederlassung hat für unser altes Auto keine Teile und erst recht keinen Ölfilter. Der Autobasar in der Nähe bringt einen Teilerfolg. Der einzige passende Filter im ganzen Land und der ist teuerer als daheim.
David Berghoff hat auf unsere SMS geantwortet und will uns heute Abend in der Soccerbar treffen. 2 junge Kasachen im neuen Nissan Patrol helfen uns ein Hotel zu finden. Dort vertrödeln wir den Nachmittag. Aus der Dusche kommt nur kochendheißes Wasser, die Klospülung funktioniert nicht. Um 20 Uhr stapfen wir durch die Stadt zum Treffpunkt. David, der ein Reisebüro in Almaty betreibt (Stantours), taucht kurze Zeit später auf. Es gibt ein freudiges Wiedersehen. Gabi hatte ihn das letzte Mal 2002 hier in Almaty gesehen, ich traf ihn letztes Jahr in Berlin. Wir unterhalten uns bis Mitternacht, dann latschen wir zum Hotel zurück.

Donnerstag, 2. Juni 2005 (53 km/16.249 km/0 km/959 km) (628 m H.)
(NL61: N 43°24,297 O 77°00,860 Pokorovka bei Almaty/Kasachstan)

Um 12 Uhr verlassen wir das Hotel. Aus dem Internet holen wir uns die Adresse wo wir unsere Zweitpässe abholen können. Eine Einladung zur Schuleinweihung nach Indien ist zu Hause angekommen. Das Reisebüro Sputnik finden wir schnell. Yuliya Polivina hilft uns, wo sie kann. Wir haben unsere Zweitpässe und die Grenzpapiere für die Mongolei. Toller Service. Näheres zu Sputnik Kasachstan unter www.sputnik.kz. Wir besuchen das archäologische Museum, danach kaufen wir im Supermarkt ein. Die Verkäuferin an der Wursttheke schläft mit offenen Augen. Dann treffen wir David Berghoff in seiner Hauskneipe. Da wir heute noch fahren, wird es ein antialkoholischer Abend. Um 19 Uhr verlassen wir die Stadt. Um Irma Spasows Verwandte zu besuchen ist es zu spät. Wir stoppen in einem Seitenweg. Immer wieder tauchen Autos auf, was die wohl hier treiben?