Eurasien Teil 2

Samstag, 16. April 2005 (72 km/4.114 km) (111 m H.)
(NL14: N 44°29,905 O 34°09,483 Yalta/Ukraine)

Nach einer verregneten Nacht brutzelt Gabi leckere Rühreier. Dichter Nebel hängt über der Krim, als wir nach Yalta aufbrechen. Dort will ich den Platz finden, an dem die Siegermächte nach dem Krieg Europa neu aufgeteilt hatten. Wir finden ein Internet und siehe da, GMX funktioniert doch. Erst mal alle Mails beantworten. Das Reisebüro Spomer hat die Info, das wir in Tiflis das uns fehlende Aserbaidschanvisum beantragen können. Dann mache ich dank unseres Konverters den ersten Eurasien-Reisebericht fertig und versende ihn. Wo wir was hier finden können, steht jedoch in den Sternen. Später kaufe ich einen Plan der Halbinsel mit allen Sehenswürdigkeiten. Unseren Schlafplatz finden wir an einer Hochhausruine mit Blick auf das Schwarze Meer.

Sonntag, 17. April 2005 (97 km/4.211 km) (225 m H.)
(NL15: N 44°34,319 O 33°56,728 Sokolyne/Ukraine)

Die Sonne zeigt sich kurz, dann jedoch wieder Sicht gleich Null. Im Nebel erreichen wir den Weißen Palast von Livadiia. Wir besichtigen das Prachtgebäude, in welchem 1945 Stalin, Churchill und Roosevelt die Neuaufteilung Europas vornahmen. Eine Guide mit perfekter Prinz-Eisenherz-Schräglockenfrisur erzählt uns 2 Stunden lang die Geschichte jedes Bildes und jeder Kachel in exzellentem Ukrainisch. Wir wollen nur noch raus.
Das Schwalbennest, ein kleines Märchenschloss sehen wir nur von weitem. Gabi will noch zum Alupka-Palast und es lohnt sich. Dann erklimmen wir einen 1.127 m hohen Pass, fahren dabei am höchsten Wasserfall der Krim, dem Uchan-Su (98 m) vorbei und essen auf der Passhöhe ein Schaschlik. Kurz vor der Dämmerung besteigen wir den Ai-Petri-Berg, dann suchen wir einen Schlafplatz.

Montag, 18. April 2005 (321 km/4.532 km) (102 m H.)
(NL16: N 45°20,158 O 36°23,814 Kerch/Ukraine)

Höhlenstadt Tschufut-Kale Auch Heute geschlossene Wolkendecke. Wir finden die Höhlenstadt Tschufut-Kale durch mehrmaliges Fragen. Der Aufstieg ist kein Spaziergang, lohnt aber. Um 13 Uhr fahren wir weiter über Simferopol auf die M 17 und dann Richtung Sudak zur Küste. Hier sind 10 °C weniger. Das von uns gesuchte Golden Gate, ein Felsentor im Meer können wir vergessen. Zu hoher Wellengang verbietet das Auslaufen der Boote. Etwas enttäuscht fahren wir weiter, da wir morgen mit der Autofähre nach Russland übersetzen wollen. In der Dämmerung erreichen wir den Ortsrand von Kerch, bekommen an einer Tankstelle gelbes Trinkwasser und kochen in einer Wiese die gekauften Kartoffeln und Eier.

Dienstag, 19. April 2005 (177 km/4.709 km) (61 m H.)
(NL17: N 44°42,406 O 37°51,538 Novorossiysk/Kaukasus/Russland)

Es regnet aus tief hängenden Wolken, also fahren wir direkt zum Hafen. Vorher verstauen wir unser Geld neu. 500 € wandern in Gabis Schuh, falls sie bei der Ausreise wieder alles Geld sehen wollen. Am Hafen verkauft eine mollige Dame mit Dauerwelle, knallrotem Lippenstift und elegantem riesengroßem kohlrabenschwarzem Damenbart das Fährticket. Dann schließen wir eine russische Kfz-Versicherung für 5 Monate für 150 € ab, das ist Pflicht.
Um 12.30 Uhr werden wir in den Zollbereich eingelassen. Auch hier suchen die Beamten wieder genau, finden sogar unser großes Geheimfach. Nun müssen wir tatsächlich unser Geld vorzählen. Diesmal haben wir genaue Angaben, alles stimmt auf den Euro. Wir können auf die Fähre. 15 Minuten dampft der Pott, dann legen wir an. Wie am Flughafen stehen wir in einer Schlange zur Passkontrolle. Danach schaut auch der russische Zoll kurz und harmlos ins Auto. Noch einen russischen Kfz-Schein kaufen, eine Deklaration ( allerdings nur ich) ausfüllen und Russen-Rudi ist wieder in Russland.
Wir stellen die Uhr eine weitere Stunde vor. Hier ist die gleiche Suppe, dafür 10 km weiter die erste Polizeikontrolle. Die fordern ein D-Schild am Auto, trotz unseres Eurokennzeichens, denn alle russischen Autos hätten ein RUS-Schild. Nach der Registrierung dürfen wir weiter. Das Sauwetter hält an.
In Novorossiysk bestelle und bezahle (mit Mastercard wohlgemerkt) ich 100 l Diesel, genau wie ich es früher beim Tanken in Russland gewöhnt war. Total verschätzt, der Tank läuft nach 85 l über. Der Tankwart spricht gutes englisch und meint, dass wir einfach voll tanken können. In Russland hat sich viel verändert, auch die Straßen sind sehr gut. Eine weitere Polizeikontrolle sagt uns, dass unsere abgeschlossene Versicherung viel zu teuer ist. Da lässt sich nichts mehr ändern. Wir stoppen außerhalb der Stadt in einem Feldweg und schlafen.

Mittwoch, 20. April 2005 (309 km/5.018 km) (81 m H.)
(NL18: N 43°45,077 O 39°31,372 vor Sochi/Kaukasus/Russland)

Auch heute von der Landschaft nichts zu erkennen. Gabi entdeckt eine Dolmengruppe, von noch nicht gesehener Perfektion. Vier dieser tempelähnlichen Bauwerke gibt es hier zu bestaunen.
Weiter geht die Fahrt bei schlechtem Wetter, Serpentinen rauf und runter. Vor uns ein Sattelschlepper am Hang mit 10 km/h. Er macht Platz für die PKW, nur der Trottel im blauen Lada vor uns überholt nicht, blockiert aber ewig die freie Überholspur. Wütend überhole ich an einer übersichtlichen Stelle. 2 weitere Autos folgen uns. Oben auf der Kuppe die böse Überraschung. Polizei stoppt uns und aus dieser lahmen blauen Karre steigen auch zwei Uniformierte. Eine üble Falle, glatte Nötigung, provoziertes Überholen im Überholverbot. Trotzdem kommen wir diesmal nicht ungeschoren davon, dass ist mir gleich klar. Dumm stellen hilft auch nicht weiter. Einer der Beamten marschiert zu Gabi auf die andere Straßenseite und diskutiert ewig mit ihr. Dann müssen wir den Polizisten in die Stadt folgen, zur Deutschlehrerin. Gabi erzählt, sie hätte Fotos gemacht und der Beamte hätte es gesehen. Oh Gott Mädchen, was hast du dir dabei gedacht. Gedankenschnell wechselt sie die Chip-Karte und versteckt sie im Schuh. Viele Unfälle und der kriegerische Konflikt mit Tschetschenien machen solche Vorgehensweisen der Polizei unumgänglich, übersetzt die Dolmetscherin. Sie lassen sich auf keine Diskussionen ein. "Ein Tag in Russland und schon erwischt", grinst der Beamte hämisch. Jetzt ist Gabi dran wegen der Kamera. Sie bleibt ganz cool. Oben hatte sie nur meine Kamera gezeigt. Der Polizist will die digitalen Bilder sehen, findet aber nur ein Bild von unserem Glücksteddy. Gabi betont, sie hätte keine Bilder gemacht. "Warum hat sie die Digitalkamera erst jetzt gezeigt?" "Ich habe sie nicht verstanden", meint sie und damit gibt er sich dann doch zufrieden.
Strafprotokoll Wir müssen mit dem Protokoll nach Tuaspe in Polizeihauptquartier fahren. Dort sollen wir die 50 US$ Strafe bezahlen und wieder zurückkehren. Den Versuch gleich zu bezahlen legen sie als Bestechung aus. Wir tuckern im 3 Gang die 25 km - nur nicht noch mal erwischen lassen. Dort angekommen werde ich erst auf morgen und dann auf den 24. April vertröstet. Am liebsten würde ich dem Trottel das Protokoll an den Kopf werfen. Da will man bezahlen und darf nicht. Gabi übernimmt die Sache und kommt 30 min später mit einem Zettel zurück, der uns berechtigt die Strafe in Höhe von 500 Rubel direkt bei der Streife zu bezahlen. Gut gemacht, sonst hätten wir noch 3 Tage verloren. Zurück am Tatort, will ich gerade stoppen, als der Wolga hinter uns überholt. Ein weiteres Opfer der Beamten. Wir bezahlen und verziehen uns, warnen aber alle Entgegenkommenden. Wütend kriechen wir mit 40 km/h die Serpentinen hoch, hinter lahmen alten Russen-LKWs her, bis zum Schlafplatz. Dabei passieren wir noch etliche solcher Kontrollen, die meisten in Zivilautos. Ein Hähnchen und 2 Bier für das Abendessen, dann stoppen wir auf einer Klippe über dem Meer. Abendessen, blauer Himmel und toller Sonnenuntergang versöhnen ein wenig für diesen Scheißtag.

Donnerstag, 21. April 2005 (295 km/5.313 km/7 km/17 km) (139 m H.)
(NL19: N 44°25,725 O 39°27,040 nach Krivenkovskoye/Kaukasus/Russland)

Endlich Sonnenschein. Den Ärger von gestern halbwegs verdaut, fahren wir zur georgischen Grenze. Eine Unterhaltung mit einem Georgier bringt uns äußerst merkwürdige Infos. Wir müssten erst durch Abchasien fahren und 200 km weiter wäre die Georgische Grenze. Ein weiteres Geisterland auf dieser Tour? Dann die Ernüchterung, die Russen lassen uns nicht raus, obwohl Gabi heftig protestiert. Ich verfüttere dem Drogenspürhund unsere Hähnchenknochen, was dem Drogenfahnder absolut nicht gefällt.
Enttäuscht drehen wir. Die Horrorstraße liegt ein zweites Mal vor uns. In Tuapse fahren wir in die Berge hoch und stoppen an einem Fluss. Beim Versuch ein "Stilles Örtchen" zu finden, trete ich in den Scheißhaufen eines dieser menschlichen Schweine, die es nicht für nötig halten, ihre Fäkalien abzudecken.
Während ich mich im Fluss waschen will, bevorzugt Gabi die Quelle an der Straße. Lange sind wir dort nicht allein, deshalb fahren wir im Adamskostüm zum Fluss zurück. Frisch gereinigt stoppen wir ein Stück weiter an einem Bahngleis und trinken unsere Flasche Krimsekt, der gleiche köstliche Stoff, den wir vor 17 Jahren am Plattensee in Unmengen in uns reinschütteten. Wir Ungarnfahrer von 1988 hatten schon Stil.

Freitag, 22. April 2005 (396 km/5.709 km/4 km/21 km) (823 m H.)
(NL20: N 43°57,237 O 42°44,408 Kislovodsk/Kaukasus/Russland)

Strassenverkäufer Züge rattern und hupen die ganze Nacht. Muss uns den jeder freundlicherweise begrüßen? Entsprechend gerädert sind wir am Morgen. Um die großen Städte sind auch hier Kontrollen, auf den einsamen Landstraßen nicht. Wir kaufen uns ein Glas eingemachten Lauch am Straßenrand, wollten eigentlich Pilze haben. Vom 2.000 m hohen Gumbashi-Pass erkennen wir zum ersten Mal den 5.642 m hohen Mt. Elbrus, den höchsten Berg in dieser Ecke. Da dieser Teil des Kaukasus noch europäisch ist, müssten die Erdkundebücher umgeschrieben werden. Er ist 800 m höher als der Mt. Blanc.
Sieben Kontrollen hatten wir heute. Sie stoppen uns aus Neugier, oder weil sie sich Geld erhoffen. Der Chef der Kontrolle vor Kislodovsk macht es ganz offensichtlich, denn er hat eine Tante in Fulda und möchte deshalb ein kleines Geschenk. Den Gefallen tue ich ihm gerne in Form von einem Päckchen Allrad-Keba-Streichhölzern. Seinem langen Gesicht nach hatte er etwas anderes erwartet. Wir entdecken am Stadtrand ein paar Felsentore, wären sie nicht so voll geschmiert, könnten sie auch im Arches-NP in Utah stehen. Unser Nachtlager finden wir in einem Park am Stadtrand.

Samstag, 23. April 2005 (290 km/5.999 km/1 km/22 km) (2.376 m H.)
(NL21: N 43°15,921 O 42°28,829 Mt. Elbrus/Kaukasus/Russland)

Das war ein toller Platz für die Nacht. Wir drehen ein Megavideo und jagen den Toyota fünfmal den Steilhang rauf und runter. Zurück im Chaos der Strasse will die zweite Kontrolle gleich Geld, geht aber leer aus. Die Dritte hat uns am Bändel. Wir haben die 72-Stundenfrist nach Einreise zum Registrieren verstreichen lassen. Mindestens 100 US$ Strafe, oder die Ausweisung droht. Ich mache auf treudoof, erzähle vom meinem Freund dem General aus Barnaul. Nur noch 50 US$ und wir können selbst zum Registrieren fahren. Ich biete 10 €, das ist zu wenig. Gabi kommt dazu und haut auf den Tisch. Wie es das Gesetz verlangt, drohen sie, müssen wir nun mit einem Protokoll zum Militär gebracht werden. Gabi meint, wir zahlen nur beim Militär und siehe da, wir können fahren.
Das ging noch mal gut. Irgendwie stellen wir uns wie Anfänger an. Ich wusste doch von dieser Geschichte. Weitere 2 Kontrollen bis zum Hotel Ozon, wo wir uns registrieren lassen wollen und es ist 15.40 Uhr. Die Mädels an der Rezeption sind erst mal überfordert. Außerdem ist Samstag und somit bekämen wir unsere Pässe erst am Montag zurück. Dann doch eine Lösung. Ein Anruf bei der Meldebehörde, ein Mädel vom Hotel fährt mit. 30 km in 30 min auf mit Russen-LKWs bestückten Schlaglochserpentinen. Mit 100 km/h schaffen wir es in letzter Sekunde. Bis zum 30. dürfen wir bleiben. Erleichtert fahren wir zurück um den Elbrus wenn möglich heute noch zu fotografieren. Der Wettergott hat kein Einsehen, ist wahrscheinlich auch russischer Beamter. Dafür dürfen wir einen alten Audi über eine Bergkuppe ziehen. Am Hotel nutzen wir den Internetanschluss für satte 3,50 € für eine Stunde, dann fahren wir zum Schlafen ans Ende der Strasse, an den Fuß des höchsten europäischen Berges auf 2.376 m Höhe.

Sonntag, den 24. April 2005 (330 km/6.329 km) (551 m H.)
(NL22: N 43°06,115 O 44°32,208 bei Vladikavkaz/Kaukasus/Russland)

Obwohl kaum möglich, hat sich das Wetter noch verschlechtert. Dann beginnt eine Polizeikontrollentortur, die zum Glück am Anfang ihren Gipfel hat. Ich werde gefragt, ob ich am Elbrus zum Saufen war und muss in ein zu einem Trichter gerollten Blatt Papier blasen. Alkoholkontrolle auf Russisch. Dann reibt er den Daumen über den Zeigefinger und ich könnte weiter. Gabi kommt dazu, wird sofort laut und wir können auch so fahren. Nächste Aktion. Ein Streifenwagen stoppt uns mit Blaulicht und Megaphon mitten in Nal´chik, einer Großstadt. Sieben solcher Kontrollen, dann haben wir Vladikavkaz erreicht.
Keine Tankstelle akzeptiert unsere Kreditkarten, also fahren wir weiter. Noch drei Kontrollen und wir stehen zum zweiten Mal an der Georgischen Grenze. Ein Stück blauer Himmel, dafür gleich die Ernüchterung. Wir können auch hier nicht passieren. Jetzt reicht es wirklich. Der Grenzübergang bei Buron wäre der einzige, wir wollen es genau wissen, und blitzen auch dort ab. Über Aserbaidschan mit großräumiger Umfahrung Tschetscheniens oder mit einer Autofähre, wären die einzigen Möglichkeiten. Hätten wir davon gewusst, wären wir gleich von der Krim aus dorthin gefahren. Dagegen war unsere Südamerikatour eine Kaffeefahrt. Zum Glück fängt wenigstens der Regen wieder an. Wir stoppen in einem Feldweg, dachten wir. Es ist eine Fabrikeinfahrt und die ganze Nacht Verkehr. Der letzte Schwachsinn des Tages, ein gekochtes Ei fliegt in meinen Tee mit Rum.

Montag, 25. April 2005 (510 km/6.839 km) (316 m H.)
(NL23: N 44°37,051 O 40°24,129 vor Kuzhorskaya/Kaukasus/Russland)

Der Tag beginnt mit Regen. Wir wollen versuchen eine Fähre in die Türkei zu bekommen, dann könnten unsere Pläne im Kaukasus doch noch aufgehen. Bis Nal´chik läuft alles relativ problemlos. Eine Streife stoppt uns, weil ich auf der rechten Spur an einer Ampel geradeaus gefahren bin. Protokoll oder Geld. Ich zücke 20 Rubel (50 Cent), die will er nicht. Gabi taucht auf, spielt die Böse, wir können weiter.
Die Kontrolle am Stadtrand will Kohle sehen, weil wir nicht die Umgehung gefahren sind. Gabi kommt dazu, schimpft belangloses Zeug und wird 4 Mal des Raumes verwiesen. Nur geht sie nicht ohne mich und die Papiere. Diese Masche (braver Mann, böses Weib) klappt fast immer!
Wir verlassen diesen Bezirk und die Kontrollen werden weniger. Wir fahren endlich wieder 80 km/h und kommen gut voran. Ein 3. Steinschlag ziert unsere Frontscheibe, ein besonders schönes Exemplar. Unser großer Tank geht zur Neige. Wir stoppen an jeder Tankstelle mit Kreditkarten-Emblem. Die meisten wissen gar nicht, was das ist. Genug geärgert für diesen Tag. Nach 400 km hört der Regen auf, wir sehen kurz die Sonne. Vor Maykop stoppen wir in einem Feldweg, essen und schlafen.

Dienstag, 26. April 2005 (252 km/7.091 km/7 km/29 km) (9 m H.)
(NL24: N 43°48,877 O 39°26,676 Gorovinka/Kaukasus/Russland)

Dummheit wird bestraft Wetter besser, Polizei pennt, alles gut. Nach 2.264 km ist unser großer Tank leer. Wir kaufen ein Hähnchen, wollen es am Strand essen und versinken mit dem Toyota im Kies. Nur mit größter Mühe können wir uns befreien. Ein Stein klemmt im Handbremsseil. Später verlieren wir einen unserer 5. Würfel im Auto. Ist wie verhext. Wir schlafen in einem kleinen Dorf an einer Flussmündung.






Mittwoch, 27. April 2005 (73 km/7.164 km) (16 m H.)
(NL25: N 43°30,790 O 39°51,350 Khosta/Kaukasus/Russland)

Ein Traum, der Würfel liegt unter der Mittelkonsole. Wir frühstücken im Freien und fahren um 10 Uhr nach Sochi. Wir stoppen im Zentrum um eventuelle Fährverbindungen zu erfragen. Ewig suche ich ein Reisebüro, Gabi hütet derzeit das Auto. Eine kleine Zeichnung ist der Erfolg der ersten Stunde. Trotzdem finde ich den Ticketschalter am Hafen, welcher allerdings zur Mittagspause geschlossen hat. Schiffe fahren nach Trabzon, ob es Fähren sind weis ich nicht.
Wir fahren zum Hafen, zu Fuß total easy, mit dem Toyota ein Grauen. Überall zu geparkte Einbahnstraßen. 30 min später sind wir doch am Ziel und es gibt eine Fähre in die Türkei. Ende gut, alles gut. Mit Gabis Maestro-Karte hebe ich 12.000 Rubel ab und kaufe die Tickets. Das Schiff legt morgen Abend 18 Uhr ab und fährt 11 Stunden durch die Nacht. Neben uns ein Stand mit Sonnenblumenkernen und Nüssen. Geht die Frau weg stürzen sich Geschwader von Tauben darauf. Gabi macht Fotos davon, die Frau bedankt sich, die Tauben fressen weiter.
Wir tanken unseren Toyota mit Kreditkarte brechend voll und fahren 2 Orte weiter ans Meer. Das Wetter ist bombig. Wir gehen zum Kiesstrand und lassen Steine springen. Mein Rekord, 5 Sprünge, Gabi schafft 7 Sprünge mit 10 Steinen. Wir essen am Auto und bereiten uns für morgen vor. Ein Schuss erschreckt uns. Ein Feuerwerk, direkt über uns, auch Russland verabschiedet uns gebührend. Züge rattern die ganze Nacht an uns vorbei.

Donnerstag, 28. April 2005 (18 km/7.182 km) (0 m H.)
(NL26: Fähre Sochi/Russland - Trabzon/Türkei 360 km)

Gammeln ist angesagt, wir haben Zeit, kochen und essen gemütlich. Um 12 Uhr fahren wir zum Hafen, ohne Kontrolle. Wir würfeln eine Weile und gehen dann ins nächste Internet. Es ist einiges abklären mit unseren Einreisen nach Kasachstan und in die Mongolei. Zurück am Auto erklärt ein Zöllner, die Abfahrt des Schiffes verzögert sich auf 4 Uhr, da es voller Obstkisten ist. Ich kann es nicht glauben, aber nur so hält man so eine Schifflinie aufrecht. Wir spielen Karten und schauen ein Video. Ein weiteres Feuerwerk am Horizont. Um 1 Uhr beginnen die Zollformalitäten. Alles im Auto soll durch ein Röntgengerät, ich glaub ich spinne. Dann geht's doch anders. Um 2 Uhr fahren wir auf den alten Kahn und um 3 Uhr legen wir ab. Etwa 40 Passagiere, ein Biker und 3 Sattelhänger sind an Bord. Wir nutzen die Gunst der Stunde und bekommen die erste Heißwasserdusche seit Abfahrt. Ein Bier an Oberdeck, wo wir den Motorradfahrer treffen. Morgen will ich ihn ansprechen. Um 4 Uhr liegen wir in der Koje, bei Seegang kurz vor Kotz.

Freitag, 29. April 2005 (49 km/7.231 km/1 km/30 km) (1.291 m H.)
(NL27: N 40°41,182 O 39°39,522 Kloster Sümela/Türkei)

Um 10 Uhr stehen wir auf. Gabi ist noch seekrank. Eine Schule Delphine begleitet das Schiff. Um 15 Uhr legen wir an. Ich komme mit Alexander dem Biker aus Moskau ins Gespräch, während Gabi unter den staunenden Blicken der türkischen Machos unseren Toyota aus dem Schiff fährt. Unkompliziert laufen die Einreiseformalitäten. Diesmal ist auch das Fahrzeug im Pass. 2000 stand ich 8 Stunden in Edirne an der Grenze, weil dieser Stempel fehlte.
Alexander fährt auch nach Armenien, schläft aber heute im Hotel in Trabzon. Wir tauschen unsere Emailadressen und fahren zum Sümela Kloster, welches hoch oben in einer Steilwand eingebettet ist. Wir schlafen auf dem Parkplatz davor.

Samstag, 30. April 2005 (312 km/7.543 km/12 km/42 km) (2.068 m H.)
(NL28: N 39°55,529 O 41°22,157 Erzurum/Türkei)

Sümela Kloster Sümela ist eine Mischung aus Meteora- und Moldau-Kloster und versetzt uns in Staunen. Zurück am Auto trifft Alexander ein mit der Info, dass direkt vom Kloster ein Weg nach Süden führt. Wir fragen einen Kleinbusfahrer nach dem Zustand der Strasse und bekommen "guter Asphalt" zur Antwort. Wir fahren diesen Weg und Alexander wird folgen. Die abenteuerlichste Strasse unserer bisherigen Reise liegt vor uns. Steile Abgründe ohne Leitplanken, Stein- und Erdrutsche, Schneefelder und alles völlig ohne Teer. Nach 6 km drehen wir um. Alexander fällt das Motorrad noch in einer Kurve um. Dann ist er verschwunden. Wir folgen auf gleicher Strasse, sehen ihn aber nicht mehr.
Zwei über 2.000 m hohe Pässe, Schneeberge und eisiger Wind begleiten uns den ganzen Tag. In Bayburt kaufen wir ein und in Erzurum gehen wir ins Internet. Vait Scholz, der unsere Einreise in die Mongolei managen wird und David Berghof, den wir in Almaty treffen wollen haben sich gemeldet. Außerdem meine Nichte Jessica, da unsere Zweitpässe zu Hause eingetroffen sind und nicht wie verabredet mit der Fa. Spomer nach Almaty geschickt wurden. Scheiß Service. Im Halbdunkel verlassen wir Erzurum und fahren in einen Feldweg. Unser Licht funktioniert immer noch nicht.