Eurasien Teil 1

Dienstag, 22. März 2005

Telefonat mit Hamburg-Süd. Unser Toyota kann am Mittwoch in Hamburg abgeholt werden.

Mittwoch, 23. März 2005

Heinz Schulze ruft an. Wir treffen uns morgen gegen Mittag in der Hansestadt.

Donnerstag, 24. März 2005 (Suzuki Alto / 67 km) (Toyota HJ 61/464 km)

Gabi und ich fahren mit unserem Suzuki um 5.30 Uhr nach Fulda. Dort steige ich um 7 Uhr in den Zug nach Hamburg. Ich sortiere die Südamerika-Diafilme. Ein solches Chaos hatte ich noch nie. 4 Filme selbst verloren, etliche falsch beschriftet und 2 Filme hat das Labor vertauscht. Um 12 Uhr bin ich in Hamburg. Ein Taxi bringt mich zum Schuppen 70 im Hafen für 20 Euro, der Halsabschneider. Die Papiere bekomme ich problemlos, das Geld für den Rücktransport hatte ich gestern überwiesen. Wie in Buenos Aires erstmals geplant, treffe ich Heinz Schulze, der sein Motorrad heute auch abholt. Wir essen und palavern an einer Imbissbude, dann trennen sich unsere Wege auf der Autobahn. Gegen 19 Uhr bin ich zu Hause.

Samstag, 26. März 2005

Ich beginne mit dem Umbau im Toyota. Zuerst Kiste ausmessen, Bretter im Baumarkt zuschneiden lassen, abschleifen und streichen.

Sonntag, 27. März 2005

Ich räume den Toyota vollständig aus.

Montag, 28. März 2005 (Toyota HJ 61/210 km))

Gegen 21 Uhr fahre ich los nach Botenheim zu Allrad-Keba. Margit und Siggi sind schon im Bett als ich um 23.30 Uhr dort ankomme. Ich schlafe im Auto vor der Werkstatt.

Dienstag, 29. März 2005 (Toyota Combi/157 km) (Toyota HJ 61/202 km)

Um 8 Uhr beginnen die Arbeiten. Während ich das Motoröl wechsle, meine Kanister ausspüle und abfülle, schweißt Markus, ein Mechaniker von Allrad-Keba erst mal die Magnetventile neu an, dann baut er 2 Zusatzblattfedern ein, zieht neue Reifen auf, repariert die hinteren Fensterheber und wechselt einen Simmerring im linken Vorderrad.
Um 15 Uhr fahre ich mit Siggis Combi nach Filderstadt, stecke sofort im 16 km Megastau und erreiche Woick erst um 17 Uhr mit leerem Tank. Dort brauche ich noch mal 2 Stunden für den Kauf eines neuen Stromwandlers. Dieser bringt eine zufrieden stellende Leistung und kann den Laptop zumindest in Betrieb halten, aber nicht gleichzeitig laden, wie der Versuch an der Autobatterie zeigt.
Um 19 Uhr fahre ich Richtung Autobahn, in der Hoffnung eine Tankstelle zu finden. Falsch gehofft, mit leerem Tank stecke ich erneut im Stau, diesmal nach Norden. Warum tu ich mir so was immer selbst an. Ich erreiche eine Tankstelle in Stuttgart und bin gegen 20.30 Uhr zurück bei Allrad-Keba. Wir "veschpern", wie die Schwäble so schön sagt, und machen uns noch mal über den Toyota her. Einige Kleinigkeiten noch und schon ist es 23.30 Uhr. Mit neuen Ersatzteilen mache ich mich auf den Heimweg, wo ich gegen 2 Uhr ankomme.

Mittwoch, 30. März 2005

Nach einem Banktermin schweißt mir mein Onkel Oskar Müller die Ersatzräder und Sandbleche neu aufs Dach. Räder sind nun links, Bleche rechts und nichts wackelt mehr. Die Reisepässe sind heute auch mit Visa für Ukraine, Russland (6 Monate), Georgien, Armenien und Kasachstan angekommen.

Donnerstag, 31. März 2005

Beim Zusammenbauen der Holzkiste ist sie 5 mm zu breit, also lassen wir 3 Bretter abschneiden. Die in Argentinien abgeschraubte Anhängerkupplung kommt zurück an ihren rechtmäßigen Platz, dann wird eingeräumt.

Freitag, 01. April 2005

Eigentlich sollte es heute spätestens losgehen, aber zu viel ist noch zu tun. Überall wird herumgekramt. Im Bett schwören wir, das wir morgen Abend auf jeden Fall im Auto schlafen und wenn es in Bad Kissingen ist.

Samstag, 02. April 2005 (Toyota HJ 61/53 km)

Wir legen die Kabel für den Stromwandler, reinigen die korrodierten Batteriepole und räumen weiter ein. Mein Kumpel Corner hilft mit und hat auch das nötige Lochband, damit ich den Konverter anmontieren kann. Somit haben wir eine 230 Volt Steckdose im Auto. Ein Feuerlöscher findet noch seinen Platz, dann ist er soweit fertig für die Abfahrt, der modifizierte HJ 61.
Ein Bierchen beim Corner, Abschied von meinen Eltern und Gabis Mutter. Mit der Nachricht vom Tod des Pabsts fahren wir um 22 Uhr über Bad Kissingen Richtung Schweinfurt, beide ohne richtige Reisestimmung. "Hast du die Russlandkoordinaten mit dabei", fragt Gabi? Natürlich nicht! Nach genau 53 km war der erste Versuch gescheitert, die Russische Pazifikküste zu erreichen.
Um 24 Uhr stehen wir vor unserer Haustür. Unsere Mitbewohner, die Axmanns entschuldigen sich, dass sie noch keine Luftballons zur Begrüßung aufgehängt haben. Ein paar wichtige Sachen können somit noch erledigt werden, wie Anrufe nach Bad Bocklet wegen eines Altai-Schamanenbuchs und nach Buenos Aires wegen der verlorenen Dia-Filme, sowie die Russlandkoordinaten. Natürlich noch ein Bierchen bei den Nachbarn und um 2 Uhr sind wir genau da, wo wir auf keinen Fall schlafen wollten, nämlich in unserem Bett.

Sonntag, 3. April 2005 (645 km/645 km) (207 m H.)
(NL1: N 48°51,786 O 16°36,446 bei Mikulov/Tschechien)

Um 8 Uhr sitzen wir zum zweiten Versuch im Toyota. Gabi in weiß-hellblau gestreifter Stretchjeans und grellweißem T-Shirt. Na wo soll es denn hingehen? Mailand oder Paris? Kurz darauf meint sie: " Ich bin irgendwie nicht richtig angezogen!"
Über den Frankenschnellweg und das verschneite Fichtelgebirge erreichen wir die tschechische Grenze bei Arzberg. Dort hat sich einiges geändert, so gibt es Autobahnen, die nur mit einer Vignette befahren werden dürfen. Wir müssen erst mal durchblicken und entscheiden deswegen, weder Prag, noch Pilsen einen Besuch abzustatten. Auf kleinen Seitenwegen geht es südlich um die großen Städte.
Eine Reklamewand findet unsere Aufmerksamkeit. Dort sind die Top 3 Musik-Gruppen jeweils auf eine riesige CD geschrieben. Platz 3 belegen die Stones, Platz 2 Abba und Platz 1, na was meint ihr? Richtig geraten, der "göttliche Karel". Gegen 18 Uhr erreichen wir Znojmo und besichtigen kurz die Altstadt. Dann kaufen wir ein Paar Sachen im Supermarkt und stoppen auf einem Parkplatz nahe Mikulov an der Grenze zu Österreich. Wir kramen eine Weile im Auto herum, vieles ist noch nicht an seinem Platz. Um 22.30 Uhr bin ich mit den Schreibarbeiten am Laptop, der nun leer ist, fertig. Morgen wollen wir sehen, ob der Konverter den Laptop-Akku während der Fahrt laden kann.

Montag, 4. April 2005 (296 km/941 km/3 km/3 km) (299 m H.)
(NL2: N 49°04,511 O 18°22,416 Ort vor Sverepec/Slowakei)

Wir haben gut geschlafen und packen erst mal weiter um. Langsam wird es übersichtlich. An der Slowakischen Grenze nur eine Passkontrolle. In Bratislava, unserem ersten Ziel suchen wir einen Parkplatz, tauschen Geld und kaufen Briefmarken. Dann besichtigen wir die wirklich vorzeigbare Altstadt. Über die Ufobrücke laufen wir zum anderen Ufer der Donau. Ich habe noch keinen schneller fließenden Fluss gesehen. Wir finden ein uriges kleines Ritterkellerrestaurant und bestellen das Menü für 3 €. Die Suppe schmeckt gut, die Spaghetti sind kalt. Dann verschicken wir noch einige Mails nach Russland, Kasachstan und in die Mongolei und laufen zum Auto zurück.
Total eingeparkt (nach hinten 3 m, rechts und links kaum 1 m und vorne auch noch einer quer), versuche ich mit Gabi Anweisungen raus zu kommen. Sie winkt nach vorne, ich fahr zurück, bum. "Ist nichts passiert!" sagt Gabi. Wir sind draußen und wie in Queenstown/ Neuseeland fahren auch hier 2 Autos weg. Nächstes Ziel ist Burg Cachtice. Hier trieb im 17 Jh. eine blutrünstige Fürstin ihr Unwesen und lies dutzende von Jungfrauen abschlachten, um in ihrem Blute badend, ewige Jugend zu erlangen. Nicht weit davon suchen wir uns einen Schlafplatz in einem Feldweg. Draußen liegt Schnee.

Dienstag, 5. April 2005 (348 km/1.289 km/1 km/4 km) (315 m H.)
(NL3: N 48°28,227 O 20°29,600 Baradla-Höhle/Ungarn)

Wir kommen ewig nicht aus den Federn. Um 9 Uhr fährt Gabi los, während ich am Laptop schreibe. Hohe Berge, tiefe Schluchten, ein mächtiger Fluss und hoch oben eine Burgruine, wir haben die Hohe Tatra erreicht. Die Burg wird mein erstes Verhängnis. Beim Sprung über einen Bach lande ich im Wasser. Dann tauchen schneebedeckte, völlig wolkenfreie Berge auf. Tolles Fotomotiv, wären da nicht die vielen Stromkabel. Wozu haben wir einen Geländewagen, also rein in den Acker! Oh Gott, tiefer Morast. Mit Allrad und Untersetzung können wir uns befreien. Im Acker tiefe Spuren, auf der Straße eine lange Dreckspur. Nichts wie weg!
Soldatenfriedhof in Hoher Tatra In Ruzomberok halten wir kurz an einem Supermarkt. Der Toyota springt nicht an, Tank leer. Ich will einen Zusatztank umleiten, aber die Pumpe scheint im Eimer. Verdammt, jetzt haben wir noch 100 l billigen Diesel und können ihn nicht nutzen und auch keinen Schlauch. Also Tankstelle und 20 l teuren Slowakendiesel, 1 €/l. Wir wollen mit Karte bezahlen, aber weder Master noch Visa funktionieren. In einem Autoteilegeschäft kaufe ich ein Stück Benzinschlauch, vielleicht kann man damit die Zusatztanks ablassen. Wir versuchen ein zweites Mal den Laptop am neuen Konverter zu laden. Die höchsten Berge der Tatra tauchen links des Weges auf. Wir kommen auch hier zu guten Fotos, dann biegen wir nach Süden ab.
Die Dobschauer Eishöhle ist unser letztes Tagesziel. Leider ist diese erst ab 15.05. geöffnet. Zu allem Überfluss muckt unser Toyota wieder und springt erst nach 4maligem Starten an. Also ab nach Ungarn. Unsere letzten Kronen wollen wir in einem Restaurant lassen, finden aber keins. Schon sind wir an der ungarischen Grenze. Gabi will im Ort Hajduszoboszlo in heißen Quellen baden gehen. Die Grenze ist auch mit einmal Passvorzeigen erledigt. Dann ein Schild Baradla-Höhle, Weltkulturerbe. Dort finden wir einen ruhigen Platz für die Nacht. 2 Tee mit Rum und wir schlafen gut.

Mittwoch, 6. April 2005 (180 km/1.469 km) (107 m H.)
(NL4: N 47°27,150 O 21°24,027 Hajduszoboszlo/Ungarn)

Frühjahrsmüdigkeit, macht aber nichts, denn die erste Führung ist um 10 Uhr. Wir wollen den Laptop in der Touristeninfo laden, doch siehe da, er hat 100 %. Ich bin zufrieden mit dem Kauf in letzter Sekunde und der guten Beratung bei Woick in Filderstadt. Zur Baradla-Höhle sei gesagt, unterirdisch, überirdisch, mit Worten kaum zu beschreiben. Höhepunkt ist ein Lichtorgelspiel in einem märchenhaften Stalagmitensaal zu den Klavierklängen von Richard Clayderman. Ein echter Hammer, wir erstarren selbst fast zur Salzsäule.
Nun ist Arbeit angesagt, der Benzinschlauch bekommt seine Generalprobe und es funktioniert, nachdem ich das Hinterrad abmontiert habe. Etwa 35 l können wir ablassen und erreichen so problemlos Rumänien. Gabi fährt auf "Fürchterlichholperstrasse" Richtung Miskolc. Ich schreibe am Laptop und siehe da, sogar laden und arbeiten funktioniert gleichzeitig. Ein Brunnen in der Puszta lässt uns kurz stoppen, dann erreichen wir den Heilbadeort Hajduszoboszlo. Eine ungarische Gulaschsuppe und eine Flasche Wein, dann suchen wir ewig ein Internet. Im Napsugor Hotel werden wir fündig. Für wenig Geld den schnellsten PC unserer Reise. Wir können einiges erledigen und schlafen dann im Ort auf einer Wiese.

Donnerstag, 7. April 2005 (140 km/1.609 km) (130 m H.)
(NL5: N 47°52,162 O 47°52,162 nach Satu Mare/Rumänien)

Heute fällt das aufstehen leicht, draußen ist es warm. Um 7.30 Uhr sind wir am Hallenbad und buchen 2 Managerkuren mit Schwimmbad, Sauna, Solarium und Massage. Leider liegt das Durchschnittsalter der Besucher jenseits der 70. Völlig gewellnesst verlassen wir um 12 Uhr den Badetempel. Ein paar andere Erledigungen, dann fahren wir über Debrecen ins Nachbarland. Immer noch unschlüssig ob Rumänien EU-Neumitglied ist, erreichen wir die Grenze. Die Papiere wollen beide sehen, die Rumänen noch die Greencard, aber kein Visum, also doch EU? Wir tauschen 100 € und sind 3fache Lei-Millionäre. Dann ein kleiner Schock, der Diesel kostet 0,89 €. Somit werden wir alle Reserven ablassen und bis in die Ukraine fahren. Dort soll er nur 0,30 € kosten. Katastrophenschlaglochstraßen, Pferdekutschen und bettelnde Kinder sind die ersten Eindrücke. In einer Tankstelle essen wir etwas und suchen einen Schlafplatz außerhalb von Satu Mare.

Freitag, 8. April 2005 (252 km/1.861 km/2 km/6 km) (1.111 m H.)
(NL6: N 47°27,933 O 25°20,733 nach Cimpulung Moldovenesc/Rumänien)

Friedhof in Vesel Nach der bisher wärmsten Nacht füllen wir am Morgen die restlichen 20 l aus dem linken Tank um. Die Straße bleibt ein Horror. Den lustigen Friedhof Vesel in Sapanta finden wir problemlos. Eine Omi kassiert den Eintritt. Kunterbunte Kreuze mit Bildern und Geschichten der Verstorbenen zieren die Gräber. Die Holzkirche im gleichen Ort ist mit 75 m die höchste in Europa. Fotos von den Arbeitern sollen wir zuschicken. Einer hat keinen Daumen, deshalb kann er die Adresse nicht schreiben, oder? Das Grauen auf der Straße geht weiter. Fast wünschen wir uns auf die Transamazonica zurück. 40 km/h im Schnitt, mehr ist nicht drin, wenn wir uns hier nicht schon das Fahrwerk ruinieren wollen. In Viseu de Sus stoppt uns erstmals die Polizei. Wir erreichen die Karpaten, das Reich von Graf Dracula und fahren über den 1.416 m hohen Prislop-Pass. In einem Restaurant, das so kalt wie Draculas Gruft ist, essen wir zu Abend. Die aufgelegte CD von Modern Talking lässt uns komplett erschaudern. Auf einer Bergkuppe stoppen wir für die Nacht.

Samstag, 9. April 2005 (298 km/2.159 km) (37 m H.)
(NL7: N 47°08,645 O 27°41,483 nach Jasi/Rumänien)

Das späte Aufstehen muss abgestellt werden, darüber sind wir uns einig. Wir füllen den rechten Reservetank bei eisiger Kälte um. Dann nach wenigen km, wie durch ein Wunder eine gute Teerstraße und schon sind wir am Moldaukloster Moldovita. Eine alte Frau schenkt Gabi ein Brot, während ich naserümpfend das Kloster-WC verlasse. Vor Sucevita das erste Internet in Rumänien, leider ohne Strom. Das Kloster Sucevita ist ebenfalls eine Augenweide. Dragomira, ein weiteres Moldaukloster mit Gerüsten innen und außen wirkt dagegen enttäuschend auf uns. Sich paarende Kröten geben ein lohnendes Fotomotiv am nahen Bach. Wir überlegen hin und her, essen gehen oder nicht, Grenzpassage oder nicht. Endresultat, Chinese und Internet in Jasi. Außerhalb der Stadt stoppen wir an einer Fernwärmeleitung aus Honni΄s Zeiten. Sonntag, 10. April 2005 (206 km/2.365 km/3 km/9 km) (108 m H.)
(NL8: N 46°54,208 O 29°31,664 nach Chisinau/Moldawien)

Die erste härtere Grenze steht bevor, Moldawien. Nur finden müssen wir sie noch. 6o km weiter südlich bei Albitza fahren wir rüber. Den Rumänen fällt unverschämter weiße ein, das wir noch eine Autobahnvignette und Ökosteuer zahlen müssen. Wir kommen nicht drum herum.
Die Moldawen haben noch mehr solcher Scherze auf Lager. Erst wird unser Toyota mal gewaschen, d. h. auf moldawisch desinfiziert. Ein freundlicher Konsul stellt uns danach die Transitvisa für 30 € aus. Ökosteuer und Desinfektion kosten 3,40 € und 9 € Maut bis zur Ukraine. Der Ökosteuerfritze möchte ein Bier spendiert haben. Der Mautbeamte kassiert gleich die doppelte Summe in Lei ein, weil er nicht rausgeben könnte. Ich gebe dann 10 € und er meint, das geht schon so in Ordnung, der 1 € wäre für ihn. Nichts gibt's, korruptes Pack. Wir tanken 18 l Diesel für 0,48 €, endlich haben wir alt gewohntes Niveau. Unser 30 Cent Diesel hat also von Argentinien bis Moldawien gereicht.
Eine erste Polizeikontrolle sagt, sie hätten uns mit 66 km/h geblitzt. 50 darf man hier nur fahren, also Pech gehabt. Ich füge mich in mein Schicksal und will die paar Kröten locker machen, da schreibt der Typ 55 € auf ein Papier. Bei allem Respekt vor der moldawischen Polizei, aber das bezahle ich garantiert nicht. Er behält meinen Führerschein. Draußen blitzt der Kollege einen dicken BMW mit mindestens 80 und stoppt ihn. Eine Sekunde später fährt er grinsend weiter. Das war ein Diplomat, ein Ranghöherer gewesen, den könnten sie nicht abkassieren! Das war dein erster Fehler. Nun weigern wir uns erst recht zu zahlen. 10 € biete ich an, darauf meint er, o. k. 20 und ihr könnt weiter. Das war dein zweiter Fehler Kollege. Ich schiebe ihm 20 Leu über den Tisch, jetzt wird er wütend, will uns einsperren oder ausweisen! Bin ich zu weit gegangen? Gabi meint eiskalt, wir bezahlen nicht! Jetzt will er 100 € und verliert restlos die Geduld. Wir sollen bezahlen, sonst streicht er auch noch unser Visum und schmeißt uns aus seinem Büro. Gabi setzt sich d emonstrativ auf den Boden und ich daneben. Jetzt flippt er vollends aus, wir aber bleiben im Sitzstreik. Ich zeige ihm 40 Leu und Gabi meint: "Nicht soviel!" Entnervt gibt er mir meinen Führerschein zurück und akzeptiert unser Angebot. Was auch Gabi zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, das sind 2,50 € und keinen Cent mehr. Nichts wie ab hier, bevor sie uns doch festnehmen.
Präsidentenpalast in Moldawie Mit 50 fahren wir nach Chisinau, schließlich haben wir genug Zeit. Links und rechts der Straße picknicken die Einheimischen im Wald, das haben wir sonst auch noch nirgendwo gesehen. SMS aus Deutschland erreichen uns, unter anderem unser Neffe Marco mit der Frage, wo seit ihr gerade und Schwägerin Lorena mit der Bitte, den Bahnhof von Chisinau zu fotografieren. Töchterchen Janine musste vor ein paar Monaten ein Referat über Moldawien halten. Sie weiß also mehr über das Land, als wir. Mehr zufällig finden wir nach einer weiteren Kontrolle den Präsidentenpalast und sind damit irgendwie im Zentrum. Postkarten gibt es auch, somit fehlt nur noch der Bahnhof, aber den finden wir nicht. Nach einer weiteren nervenden Kontrolle verlassen wir die Stadt. Bei der Schlafplatzsuche landen wir in einem völlig ungeteerten Dorf, das 19. Jh. lässt grüßen. Die warme Abendluft ist voller Moskitos, was uns nachdenklich stimmt, es ist doch erst April? Im Auto kippen wir eine Flasche Wein vor dem Einschlafen.

Montag, 11. April 2005 (159 km/2.524 km/1 km/10 km) (71 m H.)
(NL9: N 46°30,292 O 30°29,442 vor Odessa/Ukraine)

Wir fahren nach ruhiger Nacht auf einem Acker nach Bender, einer größeren Stadt Moldawiens. Am Stadtrand eine Polizeikontrolle, dann eine weiterer Posten, an dem Ökosteuer fällig wird und dann noch irgendeine Kontrolle. Wofür fragen wir, dass haben wir doch alles schon gezahlt! In Moldawien schon, aber hier in (wir verstehen nicht wo!) nicht. Ist das die Ukraine? Nein, die (wir begreifen wieder nicht) und hier muss man das noch mal zahlen. Wir bekommen Belege, also scheint das legal. Eine junge Frau übersetzt und sagt, das müssen wir immer zahlen. Alle Schilder in Kyrillisch, eine andere Flagge weht am Mast, was ist das hier? Ein neues Land? Auf keiner unserer Karten ist hier eine Grenze eingezeichnet! Insgesamt 4 Kontrollen mit Auto filzen. Erst nach einer halben Stunde können wir weiter. Eine 5. Kontrolle in der Stadt, wir haben die Schnauze voll. Wir suchen die Post, brauchen Briefmarken. Ich frage einen jungen Mann, der den Weg erklärt. Das Gebäude auf das er zeigte, betrete ich etwas unsicher. Nirgendwo steht Telecom oder Post, auch nichts anderes. 2 Beamte schicken mich in einen Raum mit 2 Omis. Die eine schickt mich zur anderen und die schüttelt den Kopf. Der junge Mann von vorhin war mir gefolgt war und zeigt auf das nächste Gebäude. Erster Eingang eine Bank, also der zweite Eingang. Dort sind Telefonkabinen, stimmt das denn? Man schickt mich nach links, also in der Bank. Dort schickt man mich nach rechts. Keiner versteht mich. Ich versteh auch keinen. Da ist noch ein Eingang, aber wieder keine Post. Jetzt noch eine versteckte Tür, die Post. 24,60 schreibt die Frau auf den Zettel. Ich gebe 50 Leu und sie schüttelt den Kopf. Kann sie nicht wechseln. Ich zeige alles Geld, dann gibt sie mir auf die 50 Leu 6,60 raus. Ich begreife nicht, müsste doch mehr bekommen. Was ist das eigentlich für ein Geld-Schein? Eine andere Währung, auch andere Münzen. Vielleicht doch ein anderes Land? Ich versteh gar nichts mehr.
Zurück am Auto bemerkt Gabi, das ich eine Postkarte vergessen habe. Erst tausche ich meine Leu in einer Bank in die Währung des Geisterstaates ohne Namen und Grenze um. Zurück am selben Postschalter sagt eine andere Frau: "Die Karte muss in einen Briefumschlag." Bin ich jetzt total übergeschnappt? Die Kollegin von vorhin klärt alles. Nichts wie weg in die Ukraine.
Wir fahren aus der Stadt auf direktem Weg nach Odessa. Eine einsame Landstraße umsäumt von endlosen Feldern führt uns nach Osten. An der Grenze sollen wir schon wieder irgendwas bezahlen oder man schickt uns nach Moldawien zurück! Eine nette junge Beamtin spricht deutsch und hier klärt sich einiges. Es gibt tatsächlich so etwas wie ein Geisterland hier, namens Transdnjestr Republik, das in einem Verbund mit Moldawien steht, aber eigene Flagge, Währung, Schrift und Gesetze hat. Stempel gibt es keine in den Pass. Einer der hier geforderten Beträge, die Straßenmaut, haben wir bei Einreise nach Moldawien bezahlt. Die andere Summe wäre eine Strafe in Höhe von 10 US$! Irgendetwas hätten wir bei Einreise in Transdnjestr nicht bezahlt. Ich weigere mich zu zahlen und Dollar rück ich schon gar keine raus. Wir haben ja noch Geistergeld. Nach langem hin und her akzeptieren sie ihre eigene Währung, fordern 180 weiß der Teufel was, wir haben aber nur 100 und können trotzdem ausreisen. Gott sei Dank, dass war doch schon nervig.
Die Ukraine empfängt uns versöhnlich. Die Immigration läuft relativ schnell und kostenfrei, jetzt wäre nur noch der Zoll und wir können fahren. 10 Meter weiter beginnt ein Alptraum. Zwei Soldaten machen sich über unseren Toyota her, einer sieht besonders fies aus. Die Durchsuchung nach Drogen und Waffen dauert 15 Minuten, dann kommt ein langer Lulatsch höheren Dienstranges dazu und sagt, jetzt müssten wir nur noch eine Devisenerklärung ausfüllen, dann wären wir durch.
Den Gefallen tun wir doch gerne. Alles deklarieren, Geld, Schmuck, Wertsachen usw. Wie viel Geld angeben? Alles Geld ist im Geheimfach, das ich hier nicht öffne. Wir geben 1000 € an obwohl wir ein paar Kröten mehr haben. Die Typen fangen unverständlicherweise wieder im Auto zu wühlen an und finden in meiner Fototasche eine Fahrzeugbriefkopie des Toyotas, mit dem ich 2000 aus der Mongolei heimgefahren war, zusammen mit Passkopien eines damaligen Mitreisenden und ein paar Dollar und Euro von denen wir selbst nichts wussten. Dann kommt Lulatsch, welcher englisch spricht auf uns zu und will unser Geld, die 1.000 € sehen.
Verdammt, jetzt haben wir doch zwei Problemchen, Geldfach öffnen, wäre das kleinere. Die falsch gemachte Angabe, das Größere. Ich erwähne das Geheimfach, das ich keinem zeigen will aus eigener Sicherheit. Lulatsch zeigt sich verständnisvoll. Ich fahre mit dem Auto 20 m über den Platz, wo keiner der Zöllner Einsicht hat. Das passt dem Fiesling aber nicht und fordert mich auf zurück zu fahren. Ich beschwere mich bei Lulatsch, welcher Fiesling befiehlt hier zu bleiben, während ich das Geld hole. Lulatsch droht mir nun aber auch, wenn sie mehr Geld, Waffen oder Drogen im Auto finden, haben wir ein Riesenproblem. Aus Unwissenheit über die Situation im Auto (Gabi sitzt drin), erwähne ich jetzt das es vielleicht auch 500 € mehr sein können. Ich wüsste es nicht genau. Ich darf nicht mehr reden und auch nicht zum Auto zurück. Der Chef wird geholt und entscheidet, dass wir unser Geld vorlegen müssen, sonst droht Knast. Gabi zeigt irgendetwas? Hat sie das Geld aus dem Fach geholt? Aber wie viel und wo hat sie den Rest versteckt? Hat sie das Fach wieder richtig geschlossen? Jetzt wird es Ernst. Ich fordere erneut alleine zum Auto gehen zu dürfen. Fiesling ist stinksauer, weil ich ihn so in Schach halten kann.
Am Auto hat Gabi, wie durch ein Wunder das Geld abgezählt bereit liegen. Auch das Geheimfach fachmännisch geschlossen. Wie hat sie das nur geschafft und ich Trottel erzähle von eventuell mehr Geld. Wir legen 1030 € und 20 US$ auf den Tisch, doch Lulatsch glaubt uns nicht mehr. Er will jetzt auch das Geldfach sehen und schickt Fiesling und seinen zweiten Spürhund ein drittes Mal in unseren Toyota. Beide suchen nur noch vorne, denn da habe ich ja das Geld für sie sehr schnell geholt. Klopapierrollen, Abfalltüte, Lippenstift, einfach alles wird geöffnet. Dann lassen die beiden ab, dachten wir kurz, sie tauschen nur die Plätze. Unsere Geldgürtel die wir in den letzten Monaten nie getragen haben, finden ihre Aufmerksamkeit. Fiesling prüft ob da Geldscheine reinpassen. Er zeigt sich nicht ganz unzufrieden über den Fund.
Ich soll das Geldversteck endlich zeigen. Mir fällt Gabis BH ein, da ist sie aber entschieden dagegen. Ich zeig Fiesling mehrmals das Geld in meiner Hosentasche, welcher immer mehr kocht. Jetzt bohrt er sogar im Loch in meinem Sitz herum. Ich sage er solle nichts kaputt machen und beschuldige ihn gleich mal. Er schnauzt wütend zurück. Die Suche geht weiter. Finden sie das Versteck mit dem restlichen Geld? Wir stehen beide unter Strom. Gabi schnappt sich einen Roman und liest. Die Frau hat Nerven wie Drahtseile. Gut das sie dabei ist. Ich zeige meinen Pass mit allen Visa, damit sie begreifen sollen, wir sind Touristen und keine Terroristen. Nach über 2 Stunden Tortur lassen die beiden vom Auto ab. Fiesling mit enttäuschtem Gesicht, der andere mit einem Grinsen.
Unbemerkt atmen wir beide auf. Gabi fragt ob alle Papiere da sind. Nein, der Fahrzeugschein ist noch im Zollgebäude. Der blonde Spürhund gibt uns den Schein und auch die alte Fahrzeugbriefkopie zurück. Fiesling ist verschwunden. Zurück am Auto zeigt mir Gabi das Restgeld, das die ganze Zeit in ihrer Unterhose steckte. Es ist unglaublich, wie cool sie geblieben ist, zum Glück konnte ich dem Druck letztendlich auch standhalten.
Wir fahren Richtung Odessa und auch hier gibt es Radarfallen. Wir stoppen und verstauen das Geld neu. Um 18 Uhr biegen wir zum Schlafen in einem Feldweg ein. Unser Versteck ist umgeben von Dornengebüsch. Während Gabi im Auto kocht, muss das Gestrüpp daran glauben. Ich habe das Bedürfnis mich abzureagieren. Wir überlegen, was die wirklich gesucht haben? Es kann nur das Geldversteck speziell gewesen sein! Da sie es nicht finden konnten, hatten sie wahrscheinlich Waffen oder Rauschgift darin vermutet. Beim nächsten Grenzübertritt haben wir alles Geld am Mann und alles wird genau deklariert. Mein Schutzengel in dieser Situation hieß eindeutig Gabi.

Dienstag, 12. April 2005 (391 km/2.915 km) (241 m H.)
(NL10: N 49°17,260 O 30°05,764 vor Belaja Cerkov/ Ukraine)

Schlaglöcher in Odessa Um 8.30 Uhr fahren wir nach Odessa. Wir brauchen eine Bank und eine Tankstelle. Beides finden wir sofort, da in der Bank der Computer abgestürzt ist, müssen wir weiter suchen. Eine zweite Bank ist schnell gefunden, aber keine Tankstelle. Es ist wie verhext. Nach einer Stunde die Erlösung, wir haben 50 l und suchen nun das Stadtzentrum. Ohne Abzubiegen stehen wir nach 20 Minuten genau an gleicher Stelle und fragen wie das wohl passieren konnte. Ein Polizist zeigt uns den Weg. Eine Stunde später verlassen wir die Stadt nach Norden. Erwähnenswert sind noch die Unmengen an riesigen Schlaglöchern und die teilweise fehlenden Kanaldeckel. Ansonsten fahren wir nur noch, tanken irgendwo an der doppelspurigen Straße unsere 3 Tanks voll, mit der Mastercard wohl gemerkt und essen in einem Restaurant. Auf dem Parkplatz davor schlafen wir auch.

Mittwoch, 13. April 2005 (358 km/3.273 km) (116 m H.)
(NL11: N 49°10,727 O 31°58,261 nach Smila/Ukraine)

Raketenabschussrampe Um 10.30 Uhr erreichen wir den Stadtrand von Kiew. Völlig ohne Plan (keinen Reiseführer, keinen Stadtplan und keine Ahnung) fahren wir in die Stadt. Das Expo-Gelände, dann Klöster mit goldenen Kuppeln und ein Militärfreilichtmuseum mit Panzern der ersten Stunde, über die Stalinorgel bis hin zur Abschussrampe einer Intercontinentalrakete. Eine Weile irren wir durch die Stadt bis wir diese um 15.30 Uhr Richtung Süden auf der Straße M 04 verlassen. Schwierig ist das lesen der Wegweißer. Diese sind zu 95 % in Kyrillisch geschrieben, was wir noch nicht lesen können. Nach Smila halten wir in einen Feldweg und schlafen dort.

Donnerstag, 14. April 2005 (473 km/3.746 km) (53 m H.)
(NL12: N 46°45,029 O 33°47,428 nach Novo Kachovcka/Ukraine)

Der Tag beginnt mit Durchfall, ansonsten passiert nichts Erwähnenswertes. Wir fahren ewig durch riesige schwarze Ackerflächen, eben der Kornkammer Europas. Wären nicht die schlechten Straßen, könnte man meinen, die Great Plains in Amerika zu durchfahren. Am Abend träume ich von einem selbst gebratenen Steak, doch leider finden wir kein Fleisch. Mit Wurst, Eiern und einem geräucherten Fisch versorgt, suchen wir uns einen Schlafplatz. Der Fisch wird zum Abenteuer des Tages. Voller Gräten und nicht ausgenommen brauche ich 1,5 Stunden, ihn zu essen.

Freitag, 15. April 2005 (296 km/4.042 km) (414 m H.) (NL13: N 44°51,190 O 34°18,764 nach Simferopol/Ukraine)

Um 9 Uhr fahren wir aus unserem Versteck. Mehr zufällig finden wir die gestern gesuchte Straße. Eine weitere Tankstelle akzeptiert die Mastercard, dann eine Mautstelle vor der Auffahrt auf die Krim. Diese empfängt uns mit Regen. In Simferopol finden wir alles was wir suchen. Ein Supermarkt mit Steak und Krimsekt (roter Krimskoe für 4,50 €), eine Post um die obligatorischen Postkarten loszuwerden und ein Internet. GMX funktioniert gar nicht, in AOL kann man nur empfangen, aber nichts abschicken, ansonsten wäre es aber schnell. Enttäuscht verziehen wir uns aus der Stadt, die genauso voller Schlaglöcher wie alle ukrainischen Städte ist. Auf einer Wiese brutzeln wir unser erstes Steak im Auto und kippen den Krimsekt. Uns geht es gut.