Das Epos Manas ist eine künstlerische Chronik des kirgisischen Volkes, ein Enzyklopädie seines Lebens und seiner Kunst. Daher dient es den Nachfahren als eine Quelle des Wissens über die Nation. Heldentaten und Phantasie, Dichtkunst und Drama, Humor und Satire, vor allem aber die Philosophie des Volkes fanden Eingang in das Epos. Das Manas umfasst in seiner mündlichen Form die unterschiedlichsten Genres: künstlerische Prosa, Vokal- und mitunter auch Instrumentalmusik. Seine tausendjährige Existenz verdankt das Manas den Manastschi, den Interpreten. Sie waren Regisseure und einzige Schauspieler des epischen Theaters. Gute Manastschi hielten und halten die Zuhörer über Stunden allein mittels der verzaubernden Kraft ihrer Worte in Bann. Sie galten und gelten als hochangesehene Persönlichkeiten. Als einer der bedeutendsten Manastschi des 20. Jahrhunderts gilt S. Karalajew. Zum Ende des 19. Jahrhunderts, als die russische Schriftsprache Einzug in die intellektuellen Kreise des kirgisischen Volkes hielt, begann die Geschichte der Literatur der Kirgisen. Bekannteste Vertreter dieser Zeit waren Toktogul Satülganow (1864-1933), Bejümbet Abdrachmanow (1860-1942) und Kalük Akiew (1883-1939). Nach der Eingliederung Kyrgyzstans in die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken begann das Zeitalter des sozialistischen Realismus. Zu den wichtigsten Vertretern zählen die Dichter T. Sydykbekow, A. Tokombaew und K.I. Skrjabin. Weltberühmt ist der noch heute lebende Dichter Tschingis Aitmatow, der mit seinen Romanen und Erzählungen am bekanntesten ist. Die Novelle "Djamilja", die in viele Sprachen übersetzt wurde und das Leben und Fühlen der Kirgisen eindrucksvoll schildert, ist Teil der Weltliteratur. |