Geschichte
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Unklare Herkunft

 

Rätselhaft ist die Herkunft des kirgisischen Volkes. Auf den ersten Blick scheint alles ganz einfach zu sein: Die Kirgisen siedelten zunächst am Jenissej und zogen dann in den Tian Shan, aber das ist eben nur der erste Eindruck. Die scheinbare Einfachheit verwirrte viele Wissenschaftler und sorgte für heftige Dispute. Heute gibt es etwa fünfzehn Hypothesen über den Ursprung der Kirgisen.

Der Schriftsteller Tschingis Aitmatow berichtet in seiner Manas-Einleitung über die zeitlich lange kirgisische Geschichte folgendes:

" Von jenen Tagen bis zu diesem verflossen die Tage wie Sand, die Nächte vergingen in unumkehrbarer Folge, die Jahre gingen in Jahrhunderte. Auf dieser Welt verweilten seitdem so viele Seelen, wie es Steine auf der Erde gibt, vielleicht sogar noch mehr. Es gab gute und böse Menschen, bergähnliche Recken, allwissende Weise, geschickte Meister, unzählige Völker, die längst verschwunden sind und von denen nur die Namen geblieben sind..."

"Was gestern war, ist heute nicht mehr. In dieser Welt wandern ewig nur die Sterne auf ihren Wegen beim ewigen Mond, nur die Sonne steigt im Osten auf, nur die Erde mit schwarzer Brust bleibt auf ihrem ewigen Platz..."

"Inzwischen bröckelten die Felsen zu Staub, und die Winde zerstreuten den Staub in spurlose Ferne. Städte wurden erbaut, auf den alten Mauern neue Mauern errichtet... Von jenen Tagen bis zu diesen gebar das Wort ein Wort, der Gedanke gebar den Gedanken, die Sache gebar die Sache, das Lied verschmolz mit dem Lied, die Wahrheit wurde zur alten Sage... In dieser Sage belebten wir das Wort der Väter und Großväter...Und das vergangene Leben entsteht wieder vor dem Blick des Lebenden."

 
 
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Erste Spuren

 

300.000 Jahre alte und in das frühe Paläolithikum datierte Steinwerkzeuge sind die ersten Spuren menschlicher Tätigkeit auf dem Territorium des kirgisischen Tian Shan. Die ältesten Steinwerkzeuge wurden am Fluß On-Artscha, am Issyk-Kul sowie im Ferghanatal entdeckt.

Die Felsgalerie Saimaly-Tasch, 3000 Meter über dem Meer, umfaßt mehrere hunderttausend Zeichnungen, auf denen Jagd, Bodenbestellung, rituelle Tänze und Opferungen festgehalten sind.

Im Gewölbe der Hochgebirgshöhle Ak-Zschankur auf dem Sarydscha-Plateau im Tian Shan sind Zeichnungen von Tieren und Menschen und kleine Sujetszenen erhalten geblieben, die ein unbekannter Künstler in Ocker gemalt hat.

In der Bronzezeit entstand vor 3000 Jahren am Abhang des Suleiman-Taschs, des Suleiman-Berges, die erste Osch-Siedlung, von der einige Erdhütten erhalten geblieben sind.

 
 
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Kyrghyz

 

Das Ethnonym "Kyrghyz" und der kirgisische Staat als "Besitz Kyrghyz" wurden in chinesischen Quellen erstmals für das Jahr 201 vor unserer Zeitrechnung erwähnt, als die Kirgisen von Ogus-Khan, dem Gründer des Nomadenimperiums der Hunnen geschlagen wurden. Angaben über die erste staaliche Formation der Kirgisen sind sehr spährlich und widersprüchlich. Unzweifelhaft ist, daß die alten Kirgisen ihren ersten Staat zeitgleich mit dem ersten turksprachigen Imperium der Hunnen gründeten.

Etwa im 5. Jahrhundert nahmen die Kirgisen unter unklaren historischen Umständen den Talkessel Minusinskaja am Mittellauf des Jenissejs ein. Die Kirgisen gründeten dort einen frühfeudalen Staat, der weit über die Grenzen Südsibiriens bekannt war.

Gleichzeitig entstanden auf dem Territorium des Tian Shan auch andere Staaten der Turkvölker - die Khanate der Türgeschen, Karluken und Karachaniden.

 
 
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Steppenimperium

 

840 schlug die Sternstunde in der Entwicklung der kirgisischen Staatlichkeit am Jenissej. Die Kirgisen setzten eine 100.000 Mann starke Armee gegen Ordu-Balyk, die Hauptstadt der Rivalen der Uiguren im Raum Orchon (Mongolei) in Bewegung. Im Ergebnis erstreckte sich das kirgisische Khanat vom Baikalsee bis zum Tian Shan, vom heutigen Krasnojarsk bis zur großen chinesischen Mauer. Dieses Imperium zerfiel bereits am Ende des zehnten Jahrhunderts.

Bereits im zehnten Jahrhundert verließen die Kirgisen die Weiten Zentralasiens und kehrten an den Jenissej zurück. Zurückgelassene Truppenkontingente kontrollierten die reichen Oasen in Ostturkestan und im Siebenstromland. Die sich neu bildende ethnische Vereinigung erhielt die Bezeichung "Kirgisen".

Die Altai-Kirgisen besetzten im 15. Jahrhundert den Tian Shan und assimilierten die dort ansässigen turkvölkischen Nachkommen der alten Nomaden.

Im dreizehnten Jahrhundert zerfiel der Kirgisenstaat am Jenissej in einzelne Fürstentümer, die später von den Horden Tschingis Khans aufgerieben wurden. Ein Teil der Kirgisen verschmolz mit den Volk der Kimak-Kyptschaken aus dem Altei. Die Kirgisen aus dem Altei besetzten im fünfzehnten Jahrhundert den Tian Shan und assimilierten dort die örtlichen turksprachigen Völker. Sie bildeten den Kern der kirgisischen Völkerschaft, die sich dort im Mittelalter ausbildete.

 
 
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Fremde Mächte

 

Die Verschmelzung von Traditionen, Lebensweise, Sprache und Kunst der Jenissej-Kirgisen mit der Lebensführung anderer Völker führte zur Herausbildung eines lebensfrohen, gastfreundlichen Volkes. Sprache, Geschichte und Kultur des kirgisischen Volkes wurde im Epos Manas bewahrt und überliefert. Dieses epische Poem - die längste Versdichtung der Welt - ist erheblich umfangreicher als die Illias und die Odyssee zusammen und beschreibt das ereignisreiche Leben des kirgisischen Volkes, dessen Kämpfe und dessen Siege.

Im 17. und 18. Jahrhundert kämpften die Kirgisen unaufhörlich um ihre Existenz, erst gegen die Dschungaren, später gegen das Khanat Kokand. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die kirgisischen Stämme langsam ins russische Reich eingegliedert. Einige Stämme schlossen sich dem Reich freiwillig an, andere wurden gewaltsam einverleibt.

 
 
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Unabhängigkeit

 

1876: Mit der russischen Eroberung des Khanats von Kokand, das unter anderem über Gebietsteile des heutigen Kirgistan und Tadschikistan Herrschaft ausübte, geriet der größte Teil des heutigen Kyrgyzstan unter zaristische Herrschaft. Einige Stämme hatten sich schon vorher russischer Oberherrschaft unterworfen.

1916: Die Rekrutierung Einheimischer zu Arbeitsdiensten in der russischen Armee ruft einen Aufstand im gesamten Russisch-Zentralasien hervor; der Aufstand wird von Kosaken brutal unterdrückt, dabei fliehen kirgisische Nomaden in großer Zahl nach China.

1918: Kyrgyzstan ist Teil der Autonomen Sowjetrepublik Turkestan.

1926: Gründung einer Kirgisischen Autonomen Sowjetrepublik Kirgizstan.

1929: Zwangskollektivierung und gewaltsame Sesshaftmachung von Nomaden gegen heftige lokale Widerstände.

1936: Kyrgyzstan wird Unionsrepublik.

1990: Parlamentswahlen; als neuer Parlamentsvorsitzender wird Askar Akajew von den Abgeordneten gewählt; Akajew geht auch aus der Wahl des Staatspräsidenten im Oktober als Sieger hervor; mit ihm, dem bisherigen Präsidenten der nationalen Akadamie der Wissenschaften, gelangt eine Persönlichkeit in die politische Führungsspitze, die nicht die alte kommunistische Machtelite, sondern die reformorientierten Intellektuellen repräsentiert. Souveränitätserklärung am 15. Dezember.

1991: Unabhängigkeitserklärung am 31. August.

1993: Verabschiedung der Verfassung der souveränen Republik Kyrgyzstan.

 
 
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