Seidenstraße
 
Seidenstraße durch den Tian Shan

Vor etwa zweitausend Jahren sandte der große chinesische Kaiser Wu-Ti eine etwa hundertköpfige Reiterschar unter der Führung von Chang Chien zu den Nüeh-Chih, um dieses Volk als Bundesgenossen zu gewinnen. Dieses Volk hatte sich im heutigen Ferghanatal niedergelassen, nachdem es von den Hunnen nach Westen vertrieben worden war. Die Hunnen waren die gefährlichsten Feinde der Chinesen. Chang Chien hatte aber keinen Erfolg. Nach vielen Abenteuern konnte er dem Kaiser einen Bericht vorlegen, in dem er von den Oasen und Völkern in Ostturkestan erzählte, von den Wegen nach den Ländern des Westens, nach Indien und Persien. Er berichtete von gewaltigen Reichen, die sich bis zum Kaspischen Meer erstreckten und von großen Reichtümern. Der Kaiser erkannte die Bedeutung dieser Reiche für den Handel Chinas und für die Ausbreitung. Besonders fesselten ihn die Erzählungen von dem Vorhandensein wunderbarer blutschwitzender Pferde, die von übernatürlichen Hengsten und Stuten stammen sollten.

Des Kaisers Kavallerie hatte bisher nur kleine mongolische Steppenpferde geritten. Er meinte, mit den blutschwitzenden Pferden die einheimischen Rassen veredeln zu können. In einem großem Feldzug eroberten die Chinesen dreißig dieser Pferde und außerdem weitere 3.000 edle Stuten und Hengste. Durch diesen Feldzug kamen die Chinesen mit anderen westlichen Zivilisationen in Verbindung, so dass sich nicht nur neue Handelswege eröffneten, sondern auch der Kulturaustausch gefördert wurde.

Unter allen Waren, die auf der Seidenstraße aus China ausgeführt wurden, stand die edle chinesische Seide an erster Stelle. Sie war vor zweitausend Jahren die begehrteste Ware des ganzen Welthandels.

Ohne Übertreibung kann man sagen, die Seidenstraße ist das längste und kulturgeschichtlich bedeutendste Bindeglied zwischen Völkern und Erdteilen. In Dunhuang teilt sich die Seidenstraße in einen nördlichen Weg, nördlich des Tian Shan, durch die Steppen Kasachstans, am Nordufer des Kaspischen und Schwarzen Meeres entlang nach Europa, und in einen südlichen Weg, der südlich des Pamirs, durch den Hindukush, durch Persien, südlich des Kaspischen und Schwarzen Meeres nach Europa führt. Eine Verbindung zwischen der nördlichen und der südlichen Seidenstraße führte über den Issyk-Kul und den Tian Shan nach Kashgar. Die chinesischen Kaufleute in Sian wussten bestimmt nicht, wohin die unzähligen Seidenballen, die ihre Karawanen nach Westen trugen, schließlich landeten, ob sie nun auf dem riesigen Basar von Kashgar oder in Persien oder an die Römer verkauft wurden. Für sie war nur wichtig, dass sie ihr Geld bekamen