Nach einem erfrischen Bad im Song-Kul wurden wir zum Essen in die Jurta gebeten. Als erstes gab es eine Schale Brühe, danach wurde uns aus der riesigen Schüssel große Stücken Fleisch gereicht. Talant begann den Kopf des Schafes zu bearbeiten. Die Fleischschüssel wurde gegen eine Schüssel mit Nudeln ausgetauscht, das kleingeschnittene Fleisch und eine spezielle Soße
dazugegeben und vermischt. Diese Nudelspeise wurde dann aus Schalen mit den Fingern gegessen, nicht umsonst nennt man dieses Gericht Besch Bar Mak, fünf Finger. Zum Abschied gab es noch einmal Kumys. Unser Bus schaukelte über den Weg nahe des Ufers, vorbei an Jurtas und Tierherden, durch seichte Bäche, den brillanten Glanz des Sees immer im Blick. Bei Ak-Sakal Tölgöbei und seiner Tochter Sairagul tauschten wir bei einem Tee alte Erinnerungen. Der Passweg überraschte uns mit dem Vorbeiflug eines uralten Adlers, dessen Flügelspitzen die Talwände zu streifen schienen und einer Herde zotteliger Yaks. Murmeltiere musterten neugierig unsere lustige Gruppe. Schließlich bogen wir ab in Tölök-Tal, begleiteten den gleichnamigen Gebirgsfluss dreißig Kilometer, überquerten einen letzten kleinen Pass, bevor wir auf die Hauptstraße Bischkek - Kashgar einbogen.
In Kotschkorka kauften wir eine Unmenge ein: Brot, Kuchen, Fisch, Nudeln, Obst, Gemüse, Zwie-beln, Knoblauch, reichlich Mineralwasser und einige Flaschen Wodka. Kurz vor Balykschy bogen wir auf die südliche Issyk-Kul Straße ab. Schon bald erstrahlte der Issyk-Kul, der "warme See", in einem unbeschreiblichen Türkis, umrahmt von schneebedeckten Bergen, und die Wolken lagen auf den Gipfeln wie Haufen von Schlagsahne, eine blaue Perle, eingefasst von Diamanten, ein unver-gesslicher Anblick.
Im Kurbad Bar-Bulak erhielten wir im Sanatorium Quartier. Dann besuchten wir endlich meinen Vater, den Issyk-Kul. Leise plätscherten die Wellen an den Strand des Sees, gleichmäßig, Sekunde für Sekunde, und es war mir,
als flüsterte mir das Mädchen aus der Tiefe zu: "Bleibe hier, verlass mich nicht. Bleibe hier! Bleibe hier!" Warm und weich schmiegte sich das Wasser um meine Hände. Freundlich lud der Issyk-Kul zum Bade ein. Wir freundeten uns sofort mit dem Ak-Sakal an, der uns mit 21 Grad in sich aufnahm. Nach diesem erfrischen Bad besuchten wir noch die dortigen Thermalquellen. Das wasser in der Badewanne hatte 43 Grad. Endlich ein Bad mit Wasser und Sei-fe! Das anschließende Essen war opulent - Wurst, Käse, Tomaten, Paprika, Gurken, Zwiebel, Knoblauch, Dill und zum Schluss ein kräftiger Schluck Wodka. "Bir ur tam", wie der Kirgise sagt.