Auf dem Weg zum Issyk - Kul

   Der Burana Turm befindet sich in der Stadt Tokmak, 80 Kilometer östlich von Bishkek. Der Burana Turm ist der Rest der Stadt Balassagun. Diese Stadt war die Heimat des Dichters Jussup Balassaguni. Einstmals war sie die Hauptstadt des Reiches der Karahiniden. Das einzige überliferte Werk des Dichters und Philosophen ist die "Kutagdu Bilik", die Erkenntnis, die das Glück bringt. Dieses Werk hat Jussup Balassagguni im Jahr 1070 auf uigurisch geschrieben. Die kirgisische Übersetzung ist im kirgisischen Sprach- und Kulturmuseum zu sehen.

   Im Jahr 1218 wurde die Stadt nach dem Einfall Tschingis-Khans in "Gonalik, die gute Stadt", umbenannt. Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts existiert die Stadt nicht mehr. Die Bewohner zogen fort. Die Stadt wurde mehr und mehr zerstört. Die heutige Höhe des Burana Turms beträgt 21 Meter. Es waren einmal 40 Meter.

   Nach unserer Ankunft am Issyk-Kul zogen wir uns um, flanierten durch den Park, der wunderbar angelegt war, um dann endlich den Issyk-Kul, unseren geistigen Vater zu begrüßen. Da lag er endlich vor uns, in buddhistischer Ruhe. Er hatte uns mit Freudentränen empfangen und nun lachte er wieder im Schein der untergehenden Sonne. Über den Bergen schmiegten sich wieder Wolken wie Sahnehäubchen. Ein Gemälde, das man nie vergisst.

Der Buran Turm
der Issyk-Kul bei Kara Oi
 Als ich kam, hast du geweint

Als ich kam, hast du geweint,
Tränen voll Freud´, mein Freund.
Hast gewartet ein, zwei Jahr´,
Doch nun bin ich wieder da.

Hab´ gedacht so oft an dich
Und deinen weisen rat an mich.
Wollt´ den Sinn der Welt ergründen,
Einen Weg zum Glücke finden.

Bei dir zu sein, so froh mich macht,
Seh´ ich dich bei Tag und Nacht,
Ak-Sakal, gib weisen Rat,
Dass ich schreiten kann zur Tat.

Issyk-Kul gib mir die Kraft,
Dass mein Schaffen Freude schafft,
Dass die Menschen in der Welt
Frieden nur zusammenhält.

Dass Gesundheit und das Lachen,
Jung und Alt viel Freude machen.
Sag mir, wie das Korn muss treiben,
Dass niemand muss mehr Hunger leiden.

Vater, nimm mich in den Arm,
der so fest ist, weich und warm,
Lass mich in den Fluten träumen,
Keinen Tag mit dir versäumen.

Lass uns dichten, philosophieren,
Wie munt´re Vögel tirilieren
Bis der Gesang uns fröhlich stimmt
Und der Abschied nie ein End´ find.

Begeleite mich ein Leben lang,
Dann wird es mir wohl niemals bang,
Beschütze vor bösen Göttern mich,
Dann bin ich ewig glückelich.

Und sei nicht bös´, zieh ich bald weiter,
Bleib mir gut und immer heiter,
Denn ich kehr´ zu dir zurück,
Wenn ich brauche neues Glück.

der alte Cherusker am Issyk-Kul
 ISSYK-KUL

   Fast 200 Kilometer lang und etwa 50 Kilometer breit füllt es eine riesige Senke aus, die bis zu 700 Meter tief ist. Obwohl in ihn zahlreiche Bäche und Flüsse fließen, die in den ihn umgebenen Bergen entspringen, er aber nirgends über einen Abfluss verfügt, läuft der Issyk-Kul nicht über. Ist es nicht phantastisch, dass sich, wie bei einem Ozean, Verdunstung und Zufluß die Waage halten? Und noch etwas Wundersamens gibt es über diesen See zu berichten: er friert niemals zu und beeinflusst, wie eine exorbitante Wärmflasche, entscheidend das Klima im nördlichen Tian Shan.

   Noch einmal hockten wir uns ans Ufer des Sees, betete ein letztes "Om mani padme hum" und versprachen ihm, wieder zu kommen. Dann gingen wir einletztes Mal zum Hotel, packten die restlichen Sachen. Wir gingen schweigend zum Essen, mampften still in sich hinein, andächtig. Als wir wieder aus der Kantine kamen, war der Fahrer schon da. Traurig holten wir unser Gepäck - immer noch schweigend..

   Die Fahrt durch die Boom-Schlucht im Sonnenschein zeigte bizarre rötliche und beige Felsformationen. Es war toll. Schade, dass wir nicht genügend Zeit hatten, um anzuhalten und ein wenig durch die Schlucht zu wandern. Wir sahen den Elefantenberg, von dem unser Freund eine interessante Geschichte erzählte. In Tokmak wäre beinahe ein Unfall passiert. Ein Betrunkener wankte mitten über die Fahrbahn. Wenige Kilometer nach dem Abzweig nach Kasachstan tankte unser Fahrer am Straßenrand. Schilder mit einer 13 machten darauf aufmerksam, dass das Benzin hier für 13 Som erhältlich war. Bevor sie nach Hause fuhren, kehrten sie in ein Restaurant ein und aßen Lagman. Tilek stopfte natürlich Manty in sich hinein. Während der Fahrt hatte Sultan geschlafen, um so munterer war er im Restaurant. Und prompt warf er ein Glas hinunter, so dass es auf der Re-chung mit auftauchte.

 Buchtipp:
Die Perle von Tian Shan
Rajymbek - die Perle vom Tian Shanvon Roland Pöllnitz

erschienen im Eigenver- lage, zu beziehen bei Roland Pöllnitz
Die Sammlung von Erzählungen, Märchen und Gedichten hat der Autor von seiner Reise nach Kyrgyzstan mitgebracht. Es ist eine gefühlvolle Aufarbeitung seiner Erlebnisse, voller Liebe für dieses Land, seiner Menschen und die Freunde, die er dort gewonnen hat.Die Erzählungen zeigen auch das wahre kirgisische Leben, denn abseits der Touristenpfade lernte der Autor viele Menschen kennen, ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihre Freuden und ihre Lebenseinstellung.
 
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