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Issyk-Kul - der warme See
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Der Weg zum Korona Pass war steil. Schon nach den ersten zweihundert Höhenmetern brach uns der Schweiss aus allen Poren. Am Wasserfall in 2700 Meter Höhe rasteten wir. Der weitere Weg zum Pass wurde immer beschwerlicher. Fels um Fels kämpften wir uns mit zitternden Knien nach oben. Wolken umhüllten uns wie ein grauer, feuchter Mantel. Für wenige Augenblicke zeigte der Gletscher seine Zunge; er wollte heute nicht gestört werden. In etwas mehr als 3000 Meter entlud er eine dunkle Wolke, liess Hagelschauer auf uns nieder prasseln und zwang uns damit zur Umkehr. Am Ende der Boom-Schlucht erstrahlte der Issyk-Kul, der "warme See": türkisfarben, umrahmt von schneebedeckten Bergen, und die Wolken zierten die Gipfel wie kleine Sahnehäubchen - eine blaue Perle, eingefasst von Diamanten! Leise plätscherten die Wellen an den Strand des Sees, gleichmässig, Sekunde für Sekunde, und es war mir, als flüsterte mir ein Mädchen aus der Tiefe zu: "Bleibe hier, verlass mich nicht, wir gehören doch zusammen." Warm und weich schmiegte sich das Wasser um meine Hände. Freundlich lud der Issyk-Kul mich zum Bade. |
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Im Ala Archa Nationalpark
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in der Provinzstadt Karakol
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Karakol -das Tor zum Zentral Tian Shan
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Unweit der Stadt beginnen die wahr- haftigen Höhenzüge, die Fünftausender, die Sechstausender und die Siebentausender; ein Paradies für jeden Alpinisten. Es herrschte geschäftiges, buntes Treiben auf dem Basar. In kleinen engen Ständen boten die Händler ihre Waren feil: hier Kumys, dort Honig, da Mützen, dort Schuhe, handgearbeitete Tücher, riesige Melonen, billige Imitate westlicher Sportbekleidung. Unsere Nasen sogen die Düfte von Leder, morgenländischen Gewürzen und Kräutern, Gebratenem und Gesottenem in sich hinein. Vor allem trafen wir aber auf Menschen: lachende kleine Mädchen mit grossen bunten Schleifen im Haar, alte zerknitterte, vom Leben gezeichnete Mütterchen und Väterchen, die versuchten, ein paar alte Gebrauchsgegenstände loszuwerden, junge Frauen in verführerisch kurzen Röcken, Ak-Sakals mit Ak-Kalpaks, Menschen mit vollen Einkaufstüten, die nach Hause hasteten und andere, die - wie ich - suchend über den Basar schlenderten. Ich dachte an die Musik von Modest Mussorgski, an Bilder einer Ausstellung, an den Marktplatz von Limoges. |
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Blick vom Nordufer auf den Issyk-Kul
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KYRGYZSTAN
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Am nächsten Morgen fuhren wir auf einer langen Hochebene in Richtung Naryn. Nach zwei Stunden Fahrt bogen wir ins mit weichen Bergen eingerahmte Hochtal des Tölög ein. Entlang des Baches erschienen immer wieder Sommerweiden. Die Passstrasse entpuppte sich als Schotterpiste mit Steigungen von 16 bis 20%. Edelweisswiesen umsäumten den Weg, Murmeltiere verschwanden blitzartig beim Anblick unseres Gefährts. |
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Bei 3400 Metern ereichten wir die Passhöhe. Der Blick nach Westen liess einen türkisfarbenen Diamanten aufblitzen - den Son-Kul. Unvergleichliche Lichtverhältnisse herrschten, als sich die Sonne langsam hinter den Bergspitzen versteckte. Minute für Minute änderten sich die Farbe des Sees. Wie Samen einer Pusteblume tanzten drei Wolken im purpurnen Licht am anderen Ufer des Sees. Wir fühlten uns geborgen, dem Himmel so nah. Hier oben spürte ich die ewige Kraft der Natur, und jeder Nerv nahm sie begierig auf, sammelte sie ein wie ein duftendes Bergkraut, um einen Vorrat an Würze anzulegen, für spätere fade Teile des Lebens. |
Buchtipp: | |||
| Die Perle von Tian Shan | ||||
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