Von Ansprechpartner bis ZollHier findet Ihr die wichtigsten Informationen für Eure Reise nach Kyrgyzstan (Jetzt Ihr könnt euch über den browser alles ausdrucken) |
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Vielleicht erst einmal ein paar Worte zum Anfang für alle Reisende nach Zentralasien. Wer auf exakte Organisation und genaue Planung viel Wert legt, der sollte sich einer organisierten Reisegruppe anschließen. Alle, die das Abenteuer suchen, können und sollten sich einem ortskundigen Reiefürer suchen. Das kann man vor Ort bei verschiedenen Reiseveranstaltern, was meist recht teuer ist, oder man vertraut sich einem privaten Führer an. Ich empfehle Talant Asemow.
Er ist studierter Germanist, beherrscht sowohl die deutsche Sprache als auch Englisch, Kirgisisch und Russisch. Ihn kann man telefonisch unter 01078 - 00996 - 312 - 23 22 31 erreichen. Die Vorwahl 01078 ist derzeit die günstigste nach Kyrgyzstan (ca. 0,68DM pro Minute). Man kann ihm auch eine Mail senden. Wenn Ihr Euch auf mich beruft, werdet Ihr zu 100 Prozent mit offenen Armen empfangen. Auskunft
Außerhalb Kyrgyzstans sind mir keine staatlichen Informationsbüros bekannt. Nicht einmal die Botschaft hat Material vorrätig. (Es sei denn, das hat sich kurzfristig geändert) Es gibt keine mir bekannten Reiseführer, nur wenige Bücher und kaum Karten in Deutschalnd. Einzige Quelle scheint das Internet zu sein oder die wenigen persönlichen Erfahrungen einiger mutiger Weltenbummler. Apotheken / Ärzte Ein dichtes Netz von Apotheken durchzieht die Hauptstadt Bischkek, doch sollte man alle notwendigen Medikamente mitbringen. Hygieneartikel können auf dem Basar gekauft werden. Kondome sollte man mitbringen (sind aber auch dort erhältlich). Man sollte überprüfen, wann die letzte Tetanusimpfung erfolgt ist und sie gegebenenfalls auffrischen. Es ist ratsam eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Die medizinische Versorgung für Ausländer ist gebührenpflichtig!
Erste Hilfe (alternativ), Tel.: 051 "Bischkek Brant" (medizinisches Zentrum), uliza Sowjetskaja 134, Tel.: 134 Medizinisches Zentrum, uliza Futschika 34, Tel.: 243396 Apotheke "Kristal Farm", uliza T.moldu 60, Tel.: 214447 Banken Die kirgisische Währung ist der Som. Seit seiner Einführung ist er gegenüber dem Doller stark gesunken. Die Einführung von Devisen nach Kyrgyzstan ist unbeschränkt möglich. Geld kann an allen Banken und Hotels sowie an zahlreichen Wechselstuben getauscht werden. Die Kurse sind zwar unterschiedlich, unterscheiden sich aber nicht sehr. Achtet darauf, daß Ihr immer genügend Bargeld bei Euch habt. Auslandswährungen werden nicht gern genommen, Kreditkarten selten akzeptiert. Auch Reiseschecks werden selten eingelöst. Entgegen alten Empfehlungen, lassen sich besser größere Scheine, für Deutsche, DM umtauschen (Fünfziger und Hunderter). Einen vorherigen Umtausch in Dollar empfehle ich nicht. Vor allem sollte man genügend Geld tauschen, bevor man aufs Land fährt, da nur in den großen Städten Umtauschmöglichkeiten bestehen!
Nationalbank, uliza Umetelijewa Aman-Bank, uliza Tynystanowa Kyrgyz-Krampsbank, uliza Lermontowa Demir Kyrgyz International Bank, Prospekt Tschui nach oben Botschaft
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bischkek Bücher
Es gibt nur wenige Bücher im Handel, die das Gebiet Zentralasien näher beleuchten. Ich empfehle hier:
Alles , was man bekommen kann T.A. beschreibt das Leben und die Landschaft in Kyrgyzstan Kühn, Hans Klaus "Fotografisches Essay zu Tschingis Aitmatov" Maier, Frith "Trekking in Russia & Central Asia" /engl.) Pozzolini Sicouri, Paola Forbidden mountains / engl. mit Fotos Schmidt, Wolfgang "Trans-Alatau von Alma-Ata zum Issyk-Kul" Aitmatow, Tschingis, Georg Kürzinger "Ferne Heimat Kirgisien" Wostok Spezial Kyrgysstan - Unbekanntes Land im Herzen Asiens Rajymbek "Die Perle vom Tian Shan" (Reiseerzählungen) aus dem Cherusker-Verlag für 19,90 DM bei mir zu beziehen Bestellung Zusätzlich biete ich eine bibliografische Liste von ca. 160 Titeln, teils antiquarisch, die bei mir angefordert werden kann. nach obenCamping Campingplätze in unserem Sinn sind nahezu unbekannt. Beim Trekking wird mitten in der Natur gezeltet. Wie überall möchte ich darum bitten, das Lager so zu verlassen, wie man es vorgefunden hat. Ihr kennt ja das alte Trekkerethos: "Nimm alles wieder mit, was du auf den Berg hinaufgeschafft hast!" nach obenEinreise Für die Einreise nach Kyrgyzstan benötigt Ihr ein gültiges Visum, das für einen bestimmten Zeitraum ausgestellt wird. Für die Ausstellung des Visums müssen folgende Unterlagen vorgelegt werden:
ein Paßbild ein Antragsformular für die Visumserteilung, das in Blockschrift oder mit der Schreibmaschine ausgefüllt und persönlich unterschrieben werden muß zwei von der bank bestätigte Einzahlungsbelege über die Visabearbeitungsgebüen bei schriftlicher Visabeantragumschlagung ein für ein Einschrieben frankierter Rückumschlag Für Touristenvisa mit Aufenthalt von bis zu vier Wochen sind keine Einladungen erforderlich Eine Einladung empfehle ich trotzdem
Familienname und Staatsangehöhrigkeit des Antragstellers Nummer des Reisepasses Reiseroute Aufenthaltsdauer Ich empfehle, alle Angaben zu machen. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Botschaft der Republik Kirgisien Villa Otto-Suhr-Allee 146 10585 Berlin nach oben Flughafengebühr
Normalerweise sind alle Tickets inclusive der Flughafengeühr. Doch sollte man immer noch etwa 50 DM pro Person (1999 noch 20 DM) bereithalten. Das Personal nimmt fast immer noch einmal die Gebühren ab. Flugverbindung
Die schnellste und günstigsten Direktflüge nach Bischkek gehen einmal in der Woche von Frankfurt/Main und Hannover: Fotografieren
Filme kann man in den meisten Kaufhäusern sowie in den Fotoläden kaufen. In der Regel gibt es keine Dia-Filme. Militärische Objekte und Grenzposten darf man nicht fotografieren. In den Museen muß man in der Regel für das Fotografieren und Filmen bezahlen. Gesundheit
Oberhalb 3.000 Metern kann im Tian Shan die Höhenkrankheit auftreten. Sie macht sich durch Kopfschmerzen, Mattigkeit, Schwindelgefühl, Schlaflosigkeit oder auch Fieber bemerkbar machen. Diese Symptome verschwinden nach einiger Zeit, Vitamintabletten können unterstützend wirken. Ein allmähliche Höhenanpassung sollte man konzipieren. Kleidung
Wer im Sommer fährt, braucht leichte Kleidung für die Talregionen und Steppen. Für die Bergregionen sollte man immer etwas Warmes dabei haben (Fliesbekleidung, Regenjacke und Regenhose - oberhalb 3000 m besteht nachts Frostgefahr!). Landkarten
Mit Kartenmaterial verhält es sich ähnlich wie mit Büchern. Eher noch schlechter.
In Deutschland erhältlich Linkliste
Die Linksammlung hat inzwischen größere Ausmaße angenommen. Ich muß sie neu ordnen. In einiger Zeit könnt Ihr sei bei mir abfordern. (Vielleicht stelle ich sie auch noch ins Netz, mal seh´n) Öffnungszeiten
Staaliche Kaufhäuser und Institutionen haben gewöhnlich feste Öffnungszeiten. Post/Fon/Fax
Immer mehr Kirgisen in der Hauptstadt besitzen inzwischen ein Handy. Das Telefonieren innerhalb der Hauptstadt kostet nichts. Reisebericht der K 99 Tour des alten Cheruskers Kyrgyzstan? Kyrgyzstan? Kyrgyzstan? Wo liegt denn das? Fragende Blicke und ungläubige Gesichter begegneten mir, sobald ich irgend jemandem von meinen Reiseplänen berichtete. Kyrgyzstan, die Schweiz Mittelasiens, dreimal so groß wie Bayern, das ist das Land der Sonne, hoher verschneiter Berge, tiefer Schluchten, durch die reißend das Tauwasser der Gletscher sprudelt. Malerische, mit Edelweiß übersäte Almen, Bergseen so leuchtend wie Türkise, üppige Wälder und weite Ebenen machen dieses Land zu einem Mekka für jeden Abenteurer und Bergsteiger. Dieses Land lebt in und mit den Bergen. Mehr als Fünfundachtzig Prozent des Landes liegen über 1.500 Meter, vierzig Prozent ragen sogar über dreitausend Meter über dem Meeresspiegel empor. Einer der schönsten und höchsten Gipfel ist der Khan Tengri, der mit seiner Höhe von 7010 Metern weit über die Wolkendecke hinausragt. Die Bergketten werden nicht ohne Grund Tian-Shan - "Himmelsgebirge" genannt. Hier ist die Natur noch in ihrer Ursprünglichkeit erhalten, hier kann der Mensch das Wunder der Natur erleben, namenlose Gipfel betreten, die noch keinen Schuh gespürt haben, klares Wasser aus einer der 40.000 Quellen trinken, Yaks sind hier genauso beheimatet wie Schneeleoparden und Königsadler. Schon bei meiner Ankunft in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek war ich erstaunt über deren Lebendigkeit und großzügige Gestaltung. Vierspurige Alleen durchziehen diese moderne Stadt wie ein Schachbrettmuster, Fahrzeuge aller Fabrikate und Alter hasten über den holprigen Asphalt. Regeln scheint es nicht zu geben. Die Hupe ist das wichtigste Zubehörteil. In dieser 800 Meter hoch gelegenen Stadt scheint über 300 Tage im Jahr die Sonne, und die lachende Sonne scheint sich auf das Gemüt der Menschen zu übertragen, so freundlich und aufgeschlossen sind die halbe Millionen Einwohner. Die allgegenwärtige Jeans arrangiert sich mit den grauen Anzügen der Geschäftsleute, folkloristische Ak-Kalpaks treffen auf europäischen Chic. Die Mädchen tragen Röcke in allen Längen und Varianten und stelzen auf ihren Plateausohlen genau wie in Europa. Eingekauft wird auf einer der riesigen Basare oder an einer der unendlich vielen Stände an den Straßen. Die seltenen westliche Waren erhält man zu westlichen Preisen in modernen Boutiquen. Kein kirgisisches Fest ist denkbar ohne Reiterspiele. Pferde gehören zu den Kirgisen wie das Salz an die Suppe. In ungeduldiger Aufregung wartete die Menschenmenge auf das wichtigste Ereignis - das weit verbreitete uralte Reiterspiel Kök Böru. Hier werden von den Reitern gekonnte Pferdeführung, Kraft, Gewandtheit, Schnelligkeit und taktische Spitzfindigkeiten gefordert. Das an eine Wolfsjagd erinnernde Spiel wird heute mit einem frisch geschlachteten Schaf durchgeführt. Zwei Mannschaften haben die Aufgabe, das Schaf in das einem Vukantrichter ähnelnde Tor des Gegners zu werfen. Dabei entwickelt sich ein höchst dynamischer und mitreißender Kampf, werden eine Menge an Defensiv- und Offensivtaktiken sowie schlaue Techniken bei hohem Tempo angewandt. Während des Spiels erreichen die Leidenschaften der Zuschauer einen Höhepunkt; der Lärm, die Rufe, das sirenenartige Gekreische, das Pfeifen der Fans wollen sich nicht legen. Ich verlasse die Hauptstadt in Richtung Süden. Nach einer guten Autostunde über eine schlaglochreiche Gebirgsstraße erreiche ich die Thermalquellen von Issyk-Ata, einem Kurort in 1800 Meter Höhe. Weißbärtige Ak-Sakals und krummbucklige Apas flanierten ordenbehangen in ihren folkloristischen Kostümen durch die Pappelallee des Kurparks. Dreitausender säumen das Tal, doch wirken sie wie sanfte, grasbewachsene Hügel. Eine erste Wanderung führte mich entlang des wilden jungen Wassers zu einer Jurta, diesem Wunderwerk eines unbekannten antiken Architekten, dieser Sommerbehausung des Koitschumane, des kirgisischen Hirten. Eine erstaunliche Ordnung und Sauberkeit erwartet einem in der Jurta, die traditionsgemäß nur auf Strümpfen betreten werden darf. Nach altem Brauch bekam ich als erstes eine Schale Kumys, der legendären Stutenmilch gereicht. Nach einem ersten Aufstieg auf 2.500 Meter leckte meine Zunge am Knie. Sosehr auch die Gipfel lockten, noch waren sie unerreichbar. Fern, am Ende des Tales thronte majestätisch ein Viertausender mit seinem weißen Haupt. Ich aber trollte mich und genoß das Bad in der Thermalquelle bei angenehmer Badewannentemperatur. Kennen Sie Gëte? Natürlich kennen Sie Goethe! Es war schon ein besonderes Erlebnis zu sehen, wie das große Jubiläum im fernen Kyrgyzstan begangen wurde. Die 23. Oberschule erhielt den Namen Goethegymnasium. Während die offiziellen Reden die übliche Langeweile verbreiteten, war das Kulturprogramm der Gymnasiasten voller Frische: deutsche Volkstänze, Goethes Gedichte in deutscher Sprache mit kirgisischem Akzent, hervorragend interpretiert, deutsche Volkslieder. Wieder ging es in die Berge. Diesmal führte mich der Weg ins nur wenige Kilometer entfernte Tal der Ala-Archa auf 2.100 Meter Höhe. Steil abfallende Dreitausender säumten meinen Weg entlang des Flusses. Wilde Gletscherbäche, riesige Felsbrocken und Geröll mußte ich überwinden, um endlich auf einer Bergwiese leckere wilde Erdbeeren in der gleißende Sonne zu kosten. Ich lag nur da, atmete diesen würzigen Geruch der Kräuter, hörte das Summen der Bienen und das immerwährende Gemurmel des nahen Baches, sah wilde Wolken wie Steinböcke von Gipfel zu Gipfel hüpfen. Der Weg zum Korona Paß war steil. Schon nach den ersten zweihundert Höhenmetern brach mir der Schweiß aus allen Poren. Rings um mich blühte die Alm in ihren letzten Zügen, weinrote Disteln, lustige Margeriten. Die Sonne gab den Blick frei auf den 4.855 Meter hohen Gipfel der Korona (Krone). Am Wasserfall in 2.700 Meter Höhe traf ich auf eine Gruppe Kanadier. Sie hatten ihr Ziel erreicht. Ich aber zog weiter. Der Weg zum Paß wurde immer beschwerlicher. Fels um Fels kämpfte ich mich mit zitternden Knien nach oben, Wolken umhüllten mich wie ein grauer, feuchter Mantel. Für wenige Augenblicke zeigte der Gletscher mir seine Zunge. Nein, er wollte heute nicht gestört werden. In etwas mehr als 3.000 Meter schickte er mir eine dunkel drohende Wolke mit Hagelschauer und zwang mich zur Umkehr. Felsformationen, wie ich sie noch nicht gesehen hatte, säumten die Boom-Schlucht, ich höre den wilden Gebirgsfluß Tschu brüllen, der mir schäumend entgegenspringt. Mein Herz pocht so aufgeregt wie vor meinem ersten Rendezvous. Immer höher geht es, immer näher komme ich. Dann endlich sehe ich ein erstes bläuliches Schimmern in der Mittagssonne. Am Ende des Passes erstrahlt der Issyk-Kul, der "warme See", in einem unbeschreiblichen Türkis, umrahmt von schneebedeckten Bergen, und die Wolken lagen auf den Gipfeln wie Haufen von Schlagsahne, eine blaue Perle, eingefaßt von Diamanten, ein unvergeßlicher Anblick. Die Kirgisen am Issyk-Kul erzählen zahlreiche Legenden über den Ursprung des Sees. Einst war hier ein fruchtbares Tal mit einem Zauberbrunnen. Eines Tages holte ein Mädchen dort Wasser, doch weil sie an ihren Liebsten dachte, vergaß sie den Brunnen zu schließen. So ergoß sich das Wasser in das Tal und der See entstand. Hier spürte ich meine unbeschreibliche Liebe zur Natur. Leise plätscherten die Wellen an den Strand des Sees, gleichmäßig, Sekunde für Sekunde, und es war mir, als flüsterte mir das Mädchen aus der Tiefe zu: "Bleibe hier, verlaß mich nicht. Wir gehören doch zusammen. Bleibe hier! Bleibe hier!" Warm und weich schmiegte sich das Wasser um meine Hände. Freundlich lud der Issyk-Kul mich zum Bade ein. Ich freundete mich sofort mit dem alten Herrn an, der mich mit 21 Grad in sich aufnahm. Aus der Ferne näherte sich ein klappriges Vehikel. Nur mit viel Phantasie konnte ich dieses schmutziggelbe Stück Blech als Bus identifizieren. Jedes Mal, wenn der Bus anfuhr, meinte ich, er würde jeden Augenblick auseinanderbrechen. An einer Station drohte der Fahrer, solange stehen zu bleiben, bis er davon überzeugt war, daß alle zugestiegenen Fahrgäste den rechtmäßigen Fahrpreis entrichtet hatten. Karakol ist das Tor zum zentralen Tian Shan. Unweit der Stadt beginnen die wahrhaftigen Höhenzüge, die Fünftausender, die Sechstausender und die Siebentausender, ein Paradies für jeden Alpinisten. Es herrschte ein vielseitiges, buntes Treiben auf dem Basar. In kleinen engen Ständen boten die Händler ihre Waren feil: hier Kumys, dort Honig, da Mützen, dort Schuhe, da Raubkopien auf Kassetten, dort handgearbeitete Tücher, da riesige Melonen, dort billige Imitate westlicher Markensportbekleidung. Meine Nase sog die Düfte von Leder, morgenländischen Gewürzen und Kräutern, Gebratenem und Gesottenem in sich hinein: Maglan, Schorpo, Schaschlik. Vor allem traf ich aber auf Menschen, Menschen, Menschen: lachende kleine Mädchen mit großen bunten Schleifen im Haar, alte zerknitterte, vom Leben gezeichnete Mütterchen und Väterchen, die versuchten, ein paar alte Gebrauchsgegenstände loszuwerden, junge Frauen in verführerisch kurzen Röcken, Ak-Sakals mit Ak-Kalpaks, Menschen mit vollen Einkaufstüten, die nach Hause hasteten und andere, die wie ich suchend über den Basar schlenderten. Ich dachte an die Musik von Modest Mussorgski, an Bilder einer Ausstellung, an den Marktplatz von Limoges. Weiter ging es auf meiner Reise am Südufer des Issyk-Kul entlang über Barskaun, von dort geht es über einen hohen Paß zur Karawanserei Kara Sai, Kadschi Sai und Bokonbaewo, im Süden leuchten die Gletscher des Terskij Ala Too in der Sonne, zurück nach Balykschy. Mein Freund hatte Wort gehalten. Am nächsten Morgen standen Fahrer und Führer bereit, um mich an den Song-Kul zu begleiten. Wir fuhren auf einer langen Hochebene entlang des Neubaus einer Eisenbahntrasse in Richtung Naryn. Nach zwei Stunden Fahrt bogen wir ins mit weichen Bergen eingerahmte Hochtal des Tölög ein. Entlang des Baches erscheinen immer wieder Sommerweiden. Die Paßstraße entpuppte sich als Schotterpiste mit Steigungen von sechzehn bis zwanzig Prozent. Edelweißwiesen umsäumten den Weg, Murmeltiere verschwanden blitzartig beim Auftauchen unseres Gefährts. Bei 3.400 Metern hatten wir die Paßhöhe erreicht. Der Blick nach Westen ließ einen türkisfarbenen Diamanten aufblitzen - den Song-Kul. Unvergleichliche Lichtverhältnisse herrschten, als sich die Sonne langsam hinter den Bergspitzen versteckte. Minute für Minute änderten sich die Farbe des Sees, die der Wolken und die der Wolkenschatten. Wie Samen einer Pusteblume tanzten drei Wolken im purpurnen Licht am anderen Ufer des Sees, während ihnen gegenüber eine UFO-Wolke zu landen versuchte. Mir war, als könnte ich die einzelnen Wolken greifen und mit ihnen spielen. Ich fühlte mich unbeschreiblich geborgen, so stolz, so voller Ahnungen, dem Himmel so nah. Hier oben spürte ich die ewig innerliche Kraft der Natur, und jeder Nerv nahm sie begierig auf, sammelte sie ein wie ein duftendes Bergkraut, ein seltenes Gewürz, um diese Eindrücke zu bewahren, aufzuheben, einen Vorrat zu schaffen, damit sie später den faden Teil des Lebens einen guten Geschmack verleihen können. Voll war es in der Jurta. Es herrschte eine schummrige, anheimelnde Atmosphäre. Das Mädchen mit den Mandelaugen reichte mit der typisch zurückhaltenden Art der Hochlandpflanzen Kumys und Tee. Bratkartoffeln wurden gereicht, dann frisch gefangenen und gebratenen Fisch. Der Ak-Sakal schimpfte mit einem seiner Söhne, der reumütig in der Ecke hockte. Alles wirkte so phantastisch: das flackernde Licht, die freundlich leuchtenden Augen, das kreischende Lachen der Menschen, die ungewohnt fremdländische Sprache. Die erste Anhöhe war eine sanfte mit Kräuter bewachsene Wiese, die in ein Hochmoor überging. Ich überquerte einen munteren Bach mit kristallklarem Wasser, dann mußte ich den steilen, geröllhaltigen Anstieg zum Sattel emporkraxeln. Der Weg zum Vorgipfel zog sich am Grat entlang, links steil abfallend, nach Süden hin flacher. Der Vorgipfel, das sind zwei kleinere Felspyramiden in 3.700 Meter Höhe. Ein leichter, nach Norden hin vergletscherter Sattel, verbindet den Vorgipfel mit dem Hauptgipfel. Über mit Moos und Flechten bewachsenes Geröll ging es weiter nach oben. Der Anstieg zum eigentlichen Gipfel war mit riesigen Felsblöcken übersät. Ich errichtete eine kleine Steinpyramide in 3.862 Meter und betete ein "Om mani padme hum". Mein Blick schweifte in der Runde; beinahe andächtig bestaunte ich den himmelblau blinkenden Song-Kul, der von hier oben wie ein riesiger Kratersee wirkte, auf der einen Seite und die fernen schneebedeckten Gipfel auf der anderen Seite. Lautlosigkeit, Einsamkeit, Freiheit, Frieden. Meine Gedanken kreisten um die überwundenen Schwierigkeiten, die wundervollen Erlebnisse in diesen Bergen, in diesem Land, die einfachen, freundlichen, uneigennützigen und gastfreundlichen Menschen hier, meine Freunde und die Familie. Ich erinnere mich, daß mir auf der so hart erkämpften Höhe zum ersten Mal der volle Sinn von Aitmatows Roman "Ein Tag so lang wie ein Leben" bewußt wurde. Und ich wünschte mir, ewig hier oben zu sitzen, um dieses Gefühl nicht zu verlieren. Der Tag war noch nicht zu Ende. Dolon, du sagenumwobener Paß im Tian Shan, du, der du die nördliche Seidenstraße mit der südlichen verbindest, ich werde dich besuchen. Bis zum letzten Haltepunkt vor dem Paß ist dieser wichtige Verkehrsweg noch asphaltiert. Unser Wagen heulte sich im zweiten Gang die letzten Kilometer der Steigung auf der Schotterstraße nach oben, schwer beladene Lkws krochen uns vorsichtig und Staub aufwirbelnd auf den Serpentinen entgegen, so nah, daß wir uns die Hände hätten reichen können, steile Hänge auf der einen Seite, gähnende Abgründe auf der anderen. Wir hatten die letzte Steigung geschafft. Schweigend griffen wir zu den Zigaretten, rauchten andächtig, kamen wieder zu uns. Auf der einen Seite konnten wir das nicht allzu ferne China erahnen, auf der anderen Seite ging es zurück zum Issyk-Kul. Die Dunkelheit war schon hereingebrochen, als wir uns auf dem Rückweg nach Balykschy befanden. Plötzlich stoppte der Wagen. Was war nun? Ein Schaf sollte mit uns reisen. Der Kofferraum wurde geleert, das Schaf an den Hufen zusammengebunden und dort hineingelegt. Das übrige Gepäck wurde in der Fahrgastzelle verteilt. In Balykschy ging alles sehr schnell. Nach einem kurzen Gebet kniete sich mein Gastgeber über den Körper des Tieres, hielt mit der linken Hand dessen Kopf, und schlitzte mit der rechten die Kehle durch. Röcheln, Zucken. Zucken, Röcheln. Blut spitzte in die bereitgestellte Schüssel. Nach wenigen Minuten war der Todeskampf beendet. Gekonnt zog er dem Tier das Fell ab, schlachtete es aus. Kein Knochen splitterte, sauber wurden die Knochen an den Gelenken gelöst. Während dessen kochte das Wasser schon in einem riesigen Kessel. Zwei Stunden später war der Fußboden gedeckt. Als erstes gab es eine Schale Brühe, danach wurde mir aus der riesigen Schüssel das größte Stück Fleisch gereicht. Auf einem zweiten Teller stellte der Gastgeber den Kopf des Schafes direkt vor meine Nase. Ich muß wirklich etwas dämlich dreingeschaut haben. Doch wurde mir erklärt, daß ich als Ehrengast die Aufgabe hatte, den Kopf zu sezieren. Die in kleine Streifen geschnittenen Stücke sollte ich dann in eine Schale Brühe geben. Nachdem ich als erster gekostet hatte, durfte ich die Schale an die Runde der Anwesenden weiterreichen. Nachdem wir das Fleisch gegessen und zwischendurch immer wieder ein Glas Wodka nach einem langen Toast getrunken hatten, wurde ein großes Stück Fleisch in winzig kleine Fasern zerschnitten. Die Fleischschüssel wurde gegen eine Schüssel mit Nudeln ausgetauscht, das kleingeschnittene Fleisch und eine spezielle Soße dazugegeben und vermischt. Diese Nudelspeise wurde dann aus Schalen mit den Fingern gegessen, nicht umsonst nennt man dieses Gericht Besch Bar Mak, fünf Finger. Das Konzert in der Philharmonie gaben Syimyk Neyschekeev und seine Freunde. Ihre Musik ist sowohl melodie- als auch textbetont. Ohne Frage waren gerade die Solovorträge auf dem Komus, die mich besonders faszinierten. Als der Künstler alle drei Saiten anschlug, bekam das Instrument einen orchestralen Charakter. Er ahmte das Gezwitscher der Vögel nach, spielte romantisch-melancholische Lieder bis hin zu kompliziertesten Kompositionen. Jedes Stück verfügte über eigene Bilder und spezielle Interpretationsgriffe, und es schien mir, daß er, von den Zuschauern ermuntert, das Komus manipulierte, ohne das blitzschnelle Greifen der Saiten auch nur für einen Augenblick zu unterbrechen. Ich war so ergriffen, daß ich in diesem Augenblick verstand, daß meine Reise nun zu Ende war. Ich begriff auch, daß mich dieses Land derart fasziniert, daß ich unbedingt hierher zurückkehren muß, Kyrgyzstan, zweite Heimat. nach obenSprache
Französich kann ich ganz gut - doch mit der Sprache hapert es (kleiner Scherz). In der Hauptstadt trifft man den einen oder anderen, der etwas englsich kann. Ansonsten ist es gut, wenn man einen Reisebegleiter hat, der die russische Sprache beherrscht. Einige russische Begriffe kann man bei Wolfgnag Schmidt (siehe empfohlene Bücher) erlernen. Strom
Wer Strom aus der Steckdose braucht, sollte einen internationalen Steckeradapter mitnehmen. Ansonsten sind 220 V, 50 Hz vorhanden. Verkehrsmittel
Mit dem Flugzeug Trekking
Im gesamten Tian Shan findet man kaum so etwas wie Alpenvereinshütten. Wer sich weit außerhalb der Zivilisation bewegt, sollte ein Zelt dabei haben. Zeitungen/Radio/TV
Wer so etwas braucht, kann sich mit englischsprachigem Lesestoff in Bischkek eindecken. Fernsehen bringt nichts (fast nur Russisch), es sei denn man hat Satellitenanschluß, dann gibt es ein paar englischsprachige Sender. Aber wer will sich hier mit den negativen Nachrichten aus der zivilisierten Welt belasten? Zeitunterschied
Zur mitteleuropäischen Zeit beträgt die Verschiebung für Bischkek +4 Stunden, für Almaty +5 Stunden. Zoll Bei der Einreise und Ausreise sind Zollerklärungen auszufüllen, in denen Devisenbesitz, Edelmetalle usw. deklariert werden müssen. Noch Fragen? Dann Mail |