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aus: "Die Perle vom Tian Shan" Es war, als hätte der Regen das Leben im Tal zu neuem Leben erweckt. Die Uferwiesen strahlten im saftigen, satten Grün. Eine Herde Stuten graste friedlich. Ab und an hoben die besorgten Mütter ihre Nüstern und wieherten nach ihren ausgelassen herumspringenden Fohlen, deren Mähnen im wilden Galopp flatterten. Die Ansammlung lehmfarbener Flecken entpuppte sich als Kompanie lebender Rasenmäher. Als spielten sie der Wolf und die sieben Geißlein, sprang ein kläffender, zotteliger Hund um paar weißhaarige, krummhörnige Ziegen und Böcke. Ein kleiner Junge saß, an einem Stock schnitzend, im Gras und hütete zwei rotbraune Kühe mit kümmerlichen Eutern. Die in der Luft tirilierenden Sänger wetteiferten mit den zirpenden Zikaden, den summenden Bienen und surrenden, regenbogenfarbenen Libellen. Außerordentliche Duftschwaden entströmten den blühenden Kräutern entlang des Weges. Besonders betäubende Süße entsprang einer unscheinbaren Pflanze mit ausgefransten Blättern und unauffälliger Blüte. Das war also der betörende Duft von Anascha, des wilden Hanfes, der das Herz jedes Junkies höher schlagen ließe. Hier wächst er als Unkraut am Wegrand. Trauben von lachsfarbenen Beeren hingen an Büschen mit riesigen Dornen. Meterhohe Binsen spielten rauschende Sinfonien und säuselnde Liebeslieder. Doch plötzlich, am Ende des Schilfes, stand ein Bild wie aus Tausendundeiner Nacht. Ein großer, großer Glanz aus Königsblau, ein riesig schimmernder Saphir. Der brillante Effekt des Edelsteins wurde noch verstärkt durch die aufgetürmten Wellen, die schäumend in sich zusammenbrachen. Dort, wo das Blau des Sees ins Ultramarin wechselte, stand eine dunkle, weitgereihte Perlenkette puderzuckerbestäubter Kronen, so klar erkennbar, so präzis, so märchenhaft wie ein Gemälde. Augen und Gedanken erwachten, kosteten, schwelgten, schlemmten diesen sagenhaften Augenschmaus, zeichneten dieses unglaubliche Kunstwerk der Natur für immer auf. |
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